Das Fußballmonster Premier League – Wir brauchen Ideen

Beitragsbild - Premier League ein FußballmonsterIn einem Gastbeitrag auf Spielverlagerung habe ich die finanzielle Vormachtstellung der Premier League Clubs behandelt. Neben dem Umsatzvergleich, bediene ich mich weiterer wirtschaftlicher Zahlen ausgewählter Fußballclubs. Im Vergleich stehen neben den Top4 Clubs aus England (Manchester United, Manchester City, Arsenal London, Chelsea London), die Alte Dame aus Italien, die Königlichen aus Spanien, der deutsche Rekordmeister, der BVB und Schalke 04.

Die fünf Jahresbetrachtung bezieht neben dem Betriebsergebnis, das Jahresendergebnis mit ein. Darüberhinaus werden wertvolle Erkenntnisse aus der Kapitalflussrechnung erläutert. Der Beitrag zeigt sehr detailiert und umfangreich Englands finanzielle Stärke gegenüber den anderen europäischen Top Clubs.

Nachfolgende Übersicht liefert das Datenmaterial zum Gastbeitrag. Beachtet auch meine Finanzanalyse zu MANCHESTER UNITED. Auf 50 Seiten stelle ich das Fußballunternehmen Manchester United vor.

1Wirtschaftliche Daten ausgewählter Fußballclubs – Vergleichsgruppe DE vs PL

Das Cash der Real Madrid Group

Real Madrid - Finanzen der Königlichenufo - Das Cash Real MadridsIn einem Gastbeitrag auf Spielverlagerung durfte ich die Finanzen von Real Madrid genauer unter die Lupe nehmen. Die Finanzanalyse der Königlichen betrachtet u.a. die Rentabilität, die sich auf der Gewinn- und Verlustrechnung stützt. Da allerdings in der GuV nicht-zahlungswirksame Aufwendungen und Erträge enthalten sind, wird das Endergebnis in gewisser weise verzehrt.

So wird bspw. die tatsächliche Belastung einer Spielerverpflichtung nicht sofort vollumfänglich in der GuV dargestellt, da diese dort in Form von Abschreibungen über mehrere Jahre hinweg (Vertragslaufzeit) als Aufwand erfasst und verteilt wird. Dem Unternehmen jedoch fließt durch die diese Spielerverpflichtung Geld ab.

Um Aufschluss über den tatsächlichen Geldfluss einer Periode zu erhalten, muss daher die Kapitalflussrechnung herangezogen werden. Damit erfahren wir mehr über die Innenfinanzierungskraft des Fußballunternehmens Real Madrid und stoßen darüber hinaus auf einen bedeutenden Vermögenswert – die liquiden Mittel. Dranbleiben lohnt sich.

Die drei Schritte zum Geldbeutel

Die Kapitalflussrechnung, oder auch Cash Flow Rechnung (CF-Rechnung), umfasst drei wesentliche Abschnitte: Der CF aus laufender Geschäftstätigkeit, der CF aus Investitionstätigkeit und der CF aus der Finanzierungstätigkeit. Im Geschäftsjahr 2013/14 generierte Real Madrid

  • aus der laufenden Geschäftstätigkeit einen Zufluss in Höhe von EUR 126,9 Mio.
  • aus der Investitionstätigkeit einen Mittelabfluss von EUR (-)85,2 Mio. und
  • einen Mittelabfluss aus der Finanzierungstätigkeit von EUR (-)23,3 Mio.

Saldiert man diese drei Abschnitte, so wird die Erhöhung des Zahlungsmittelbestandes (liquiden Mittel) auf EUR 173,9 Mio. deutlich. Das „Festgeldkonto“ Real Madrids wuchs somit trotz eines bereits rekordverdächtigen Standes im Vorjahr um EUR 18 Mio. Dieser Sachverhalt ist in nachfolgender Grafik visualisiert und ist dem überragenden Cash Flow aus laufender Geschäftstätigkeit zu verdanken.24 - Cash Flow Rechnung Real Madrid Group - Reals Bestand an Zahlungsmitteln, liquide Mittel, Cashbestand, Festgeldkonto

Real Madrid hat dickstes Festgeldkonto

Mit dem Cash-Bestand (liquide Mittel) von EUR 173,9 Mio. zeigt Real 2014 den höchsten Bestand der ausgewählten Fußballclubs. Der Bestand ist höher als die kumulierten liquiden Mittel des FC Barcelona (EUR 48,6 Mio.), Atletico Madrids (EUR 12,6 Mio.) und der Red Devils (EUR 77,4 Mio.). Für die Bayern habe ich leider keine aktuellen Werte diesbezüglich, daher bediene ich mich der Werte aus der Vorsaison 2012/13, in der der FC Bayern einen ebenfalls gigantischen Wert von EUR 114 Mio. auswies. Reals Wert ist einfach enorm hoch und dürfte der höchste aller Fußballclubs sein. Wer was anderes weiß, melde sich bitte 😉

25 - CASH Bestand ausgewählter Fußballclubs - Real Madrid, FC Barcelona, FC Bayern, Atletico Madrid, Manchester UnitedWoran das liegt? Nun ja, vergleichen wir die einzelnen Cash Flows, so sehen wir, dass Reals Cash Flow aus operativer Tätigkeit mit EUR 126,9 Mio. um fast EUR 50 Mio. höher ist als der der Katalanen (EUR 81,3 Mio.) oder der Red Devils aus Manchester (EUR 84,9 Mio.).

Die Bayern kommen mit ihrem Cash Flow aus laufender Geschäftstätigkeit von EUR 98,1 Mio. (in 2012/13) als einziger Club der Vergleichsgruppe auch nur ansatzweise in die Nähe von Real. Absolut desaströs ist der Cash Flow aus laufender Geschäftstätigkeit von Atletico Madrid. Mit EUR -72 Mio. müssen die „Los Blancos“ Kredite  in Höhe von EUR 128 Mio. aufnehmen, um liquide zu bleiben. Dass das ein gefährlicher Teufelskreislauf ist, muss ich wohl keinem erzählen. Mehr dazu gleich.

Der Cash-Flow-Rechnung können wir neben dem Stand der liquiden Mittel vor allem noch zwei weitere interessante Dinge entnehmen. Hierzu gehört die Erkenntnis über den tatsächlichen Geldfluss für Transferaktivitäten sowie die Aufnahme bzw. Tilgung von Krediten.

Tatsächliche Auszahlungen für Spieler

Seit 2009/10 investierte Real Madrid EUR 408,5 Mio. in neue Spieler. Dies ist der Nettowert, der sich aus dem Saldoder Aus- und Einzahlungen ergibt. Tatsächlich zahlte Real Madrid in den zurückliegenden fünf Jahren EUR 626,4 Mio. für neue Spieler, was 83% der Gesamtauszahlungen des Clubs darstellt. Doch anders als bspw. bei Bayern München, dem FC Barcelona oder Manchester United stehen diese Auszahlungen relativ hohen Einzahlungen aus Spielerverkäufen gegenüber. Kumuliert zeigen die Königlichen in den letzten fünf Jahren einen GeldZUfluss aus Spielerverkäufen von EUR 218 Mio., von denen sich EUR 63,8 Mio. auf das Königsjahr 2013/14 zurückführen lassen.

26 - Zahlungsfluss für Spielervermögen ausgewählter Fußballclubs - Real Madrid, FC Barcelona, FC Bayern, Atletico Madrid, Manchester UnitedFür die Saison 2013/14 sehen wir beim Erzrivalen FC Barcelona entsprechende Auszahlungen von EUR 72,7 Mio., die dank der Einzahlungen (EUR 22,9 Mio.) auf Nettoinvestitionen für Spieler von EUR (-)49,7 Mio. schließen lassen. Manchester United zeigte im abgelaufenen Geschäftsjahr Nettospielerinvestitionen von EUR (-)92,1 Mio. und somit den höchsten Wert unserer Vergleichsgruppe. Und auch die Bayern präsentierten in ihrem Königsjahr 2012/13 mit EUR 80,6 Mio. deutlich höhere Netto-Spielerinvestitionen als Real Madrid (EUR –50,8 Mio.). Ein Blick in die Abbildung zeigt deutlich, dass Atletico mehr oder weniger ein Verkäuferclub ist, der die Zuflüsse aus Spielerverkäufen dringend zur Erhaltung der Liquidität benötigt.

Der massive Unterschied liegt hier wie bereits erwähnt in den Einzahlungen. Real fließen jede Saison deutlich höhere Mittel aus Spielerverkäufen zu als der Konkurrenz. Das führt dazu, dass die Königlichen ein vielfaches Mehr für Spieler ausgeben. Diese Diskrepanz wird allerdings im Nettowert nicht mehr sichtlich.

Der Free Cash Flow

Nimmt man nun das Saldo aus dem Cash Flow aus laufender Geschäftstätigkeit und dem aus der Investitionstätigkeit, so erhält man den Free-sCash Flow, der uns letztendlich Aufschluss darüber gibt, wie viel Geld, gesetzt den Fall das Unternehmen möchte seinen Cash-Bestand nicht reduzieren, zur Finanzierung der Kredite bleiben. Im Umkehrschluss bedeutet das, der Überschuss erhöht die liquiden Mittel – so wie es bei Real Madrid 2014 wiederholt geschehen ist.

Reals Free-Cash Flow betrug zum Juni 2014 EUR 41,6 Mio., sodass EUR 23,3 Mio. für Kreditrückzahlungen verwendet werden konnten. Dieser Free-Cash Flow ist außergewöhnlich hoch für einen Fußballclub, wie der Blick in unsere Vergleichsgruppe zeigt. Die Königlichen liegen hier mit Abstand vor dem FC Barcelona und dem FC Bayern. Manchester United wies sogar einen negativen Wert aus, was bedeutet, dass die Investitionstätigkeiten überwogen, sodass letztendlich die Cash Reserven angegriffen werden müssen.28 - Zinszahlung & Tilgung von Krediten ausgewählter Fußballclubs - Real Madrid, FC Barcelona, FC Bayern, Atletico Madrid, Manchester United

Ateltico Madrids Wert ist beängstigend, denn ein weiterer Blick zeigt uns, dass Atletico EUR 129 Mio. an Finanzverbindlichkeiten aufnehmen musste um a) Kreditrückzahlungen in Höhe von EUR (-)45 Mio. nachzukommen und b) dabei liquide zu bleiben. Atletico versinkt in seinen Schulden.

Manchester United ist sowieso ein Fall für sich. Zwar zeigen die letztjährigen Zahlen keine allzu große Schwierigkeit, jedoch deckt der Fünfjahres-Rückblick einiges auf. ManU zahlte seit 2009 netto GBP (-)291 Mio. für Zinszahlungen und Tilgungen von Finanzverbindlichkeiten aus. Und dennoch bilden die Schulden immer noch einen Mount Everst (= die Borrowings betragen GBP 341 Mio.). ManU leidet immer noch an den Folgen der Glazer-Übernahme.

Die Verbindlichkeiten Real Madrids

Jedoch ist das mit den Schulden so eine Sache. Was definiert man als Schulden? Im Grunde hat jedes Unternehmen Schulden, denn Verbindlichkeiten sind Schulden. Letztendlich handelt es sich dabei um Fremdkapital. Es muss allerdings sicherstellt sein, dass die aus den Verbindlichkeiten resultierenden Zinsbelastungen bedient werden können und die Verbindlichkeiten letztendlich zurückgezahlt werden.

Auf die finanzielle Stabilität Real Madrids gehe ich in folgendem Artikel genauer und umfangreicher ein. Die Finanzanalyse der Königlichen untersucht die Einnahmen- und Ausgabenstruktur, die Profitabilität, die Finanzierung zentraler Vermögenswerte und nimmt abschließend eine Betrachtung der finanziellen Stabilität vor.

Real Madrid - Finanzen der KöniglichenufoMarco Mesirca / 2015

Hier die Finanzanalyse zu Real Madrid zum Download

hhhhh

Das Transfergeschäft des FC Porto

Ein Großteil der tatsächlichen Einnahmen des FC Porto resultiert aus dem Transfergeschäft. Genauer gesagt aus dem Verkauf von Spielern an andere Fußballunternehmen. Bedenken wir, dass der portugiesische Serienmeister zwischen 2003/04 und 2012/13 bei Gesamteinnahmen von EUR 1.006,7 Mio. ganze EUR 379 Mio. (38%) mit dem Verkauf von Spielern erlöste, wird die Bedeutung dieser Einnahmenquelle mehr als veranschaulicht und bedarf einer genaueren Betrachtung

FC Porto - Transfergeschäft der FC Porto GroupBei dieser Erlösquelle handelt es sich nicht um eine Wurstsemmel (Catering) oder ein Trikot (Merchandising) oder gar ein imaginäres Recht der Markennutzung (Sponsoring). Es geht um das Personal, welches hauptverantwortlich für den sportlichen Erfolg ist. Es geht um die Erstellung des Kernproduktes eines Fußballclubs. Und nun muss ich nicht viel dazu schreiben, dass es als eine Kunst zu verstehen ist, ein funktionierendes Teamgefüge zu kreieren, welches sportlichen Erfolg liefert. Wenn nun diese Schlüsselressource zusätzlich als Einnahmequelle für die Funktion des Geschäftsmodells notwendig ist, um das betriebswirtschaftliche Bestehen des Clubs zu sichern, ist das mehr als riskant. Für einen Club der außerhalb der europäischen Big 5 Ligen liegt, aber dennoch im Konzert der Großen mitspielen möchte, ist es jedoch absolut notwendig Ausschau nach anderen Erlösquellen zu halten und so zu agieren. Nun muss ich etwas ausholen, da ich diese Kernaktivität genauer erläutern möchte.

Der Spielerhandel des FC Porto

In der GuV der FC Porto Group taucht der Spielerhandel in zwei Positionen auf. Wie jeder Handel umfasst auch der Spielerhandel den Ein- und Verkauf – im Falle eines Fußballclubs von Spielerrechten. Es handelt sich um das Recht den Spieler einzusetzen. Der Erwerb von Spielern zeigt sich in der GuV in den Abschreibungen des Spielervermögens und der Verkauf von Spielern ist in der Position „Ergebnis aus den Spielerverkäufen“ (Income/expenses related with transactions of player registrations) zu finden.

Abschreibungen auf Spielervermögen

Ersteres gibt nur indirekt Aufschluss über die Kosten einer Spielerverpflichtung, da diese Position lediglich den jährlichen Werteverlust des gesamten Spielervermögens als Aufwand verbucht. Das Spielervermögen (Spielerwerte) ergibt sich aus den Transferaufwendungen für die Verpflichtung von Spielern. Mit Hilfe der „Spieler-Abschreibungen“ wird das Spielervermögen (aktivierte immaterielle Vermögenswert der Spieler) über die entsprechende Nutzungsdauer (Vertragslaufzeit der Spieler) abgeschrieben, wodurch der Werteverlust als Aufwand erfasst wird. Spielerverpflichtungen sind nicht sofort umfassend in der GuV ersichtlich.

Ergebnis aus Spielerverkäufen

Das Ergebnis aus Spielerverkäufen ergibt sich aus den Einnahmen aus Spielerverkäufen, Spielerleihgeschäften und sonstigen Einnahmen und setzt diese den Buchwertverlusten aus Spielerverkäufen sowie den Ausgaben in Zusammenhang mit dem Leihgeschäft mit den Spielern gegenüber. Hier sei jedoch klar darauf verwiesen, dass diese „Kostenseite“ unwesentlichen Einfluss auf das Ergebnis aus dem Spielerverkauf hat. Nachfolgende Abbildung visualisiert diesen Sachverhalt. Durchschnittlich wurden beim FC Porto zwischen 2002 und 2013 pro Jahr EUR 32,3 Mio. mit dem Spielerverkauf erlöst.

Das Ergebnis aus Spielerverkäufen ist ein eigener Punkt der Porto GuV

Das Ergebnis aus Spielerverkäufen ist ein eigener Punkt der Porto GuV

Gehen wir auf diesen Punkt genauer ein und betrachten das Geschäftsjahr 2012/13 genauer. Aus den Einnahmen aus Spielerkäufen („gains from the sales of players` registrations“) generierte der FC Porto zum 30 Juni 2013 EUR 74 Mio. die insbesondere auf die Verkäufe von JAMES RODRIGUEZ und MOUTINHO zum AS Monaco, von HULK zu Zenit St. Petersburg sowie von PEREIRA zu Inter Milan zurückzuführen sind. Hier ist wichtig nicht den tatsächlichen Verkaufswert als „gains…“ zu betrachten. Die Gains erhalten wir durch Abzug des sog. Restbuchwertes eines Spielers und sonstiger Gebühren, wie bspw. Vermittlungsgebühren, proportionaler Beteiligungen anderer Unternehmen sowie sog. Solidaritätszahlungen aus dem Erlös. Ein Blick in Portos Geschäftsbericht zeigt, wie umfassend das Thema Transfermanagement ist. Verschiedenste Parteien sind in verschiedensten Beziehungen an Transfers beteiligt. Gehen wir das ganze am Beispiel von JAMES durch, der 2013 von Porto nach Monaco wechselte.

Der JAMES Transfer zum AS Monaco

Das WM-Sternchen von 2014 kostete den AS Monaco EUR 45 Mio. Von diesen Einnahmen Portos wurden Vermittlungsgebühren in Höhe von EUR 4,4 Mio. abgezogen. Des Weiteren wurden EUR 3,9 Mio. an OREL, das als beteiligte Institution 10% an den Spielerrechten von JAMES hielt, abgeführt. Weitere EUR 1,2 Mio. gehen für den sog. „solidarity Mechanism“ drauf. Und dann wäre da noch der sog. Restbuchwert, der im Falle von JAMES auf Grund der verbleibenden Vertragslaufzeit bei EUR 9,8 Mio. lag, und somit das Ergebnis aus dem JAMES-Verkauf weiter drückte. Abzüglich dieser Positionen blieben dem FC Porto sog. „capital gains“ in Höhe von EUR 25,8 Mio., was 57% des Verkaufspreises sind. Dennoch kein schlechtes Geschäft für die Portugiesen. Insgesamt wurden laut Konzernbericht des FC Porto im Finanzjahr 2012/2013 im Zusammenhang mit dem Verkauf von Spielern EUR 7,87 Mio. an Vermittlungsgebühren entrichtet und EUR 9,6 Mio. an Organisationen, die an Spielern beteiligt sind, entrichtet.

Fazit Portos Transfergeschäft

Um Aufschluss über Portos Transfergeschäft zu erhalten, müssen nun die beiden wesentlichen Positionen, Ergebnis aus Spielerverkäufen und Abschreibungen, betrachtet werden. Nachfolgende Abbildung gibt Aufschluss über das Transfergeschäft bis 2006/07 zurück.

Das Transfergeschäft des FC Porto

Das Transfergeschäft des FC Porto

Gehen wir das ganze nun kurz am Beispiel der Saison 2012/13 durch. Im Geschäftsjahr 2012/13 generierte der FC Porto, wie bereits angeführt, aus dem Spielerhandel einen Überschuss (Result of player sales) von EUR 76,5 Mio. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus den Einnahmen mit Spielerverkäufen und –leihgeschäften (EUR 77,2 Mio.) abzüglich der dazugehörigen Kosten (EUR 0,7 Mio.). Reduzieren wir dieses Ergebnis um die spezifischen Abschreibungen (EUR 26,5 Mio.), so erhalten wir das erweiterte Ergebnis aus dem Spielerhandel, das 2012/13 EUR 49,9 Mio. betrug. Wie vorangegangene Abbildung zeigt, wurde nicht jedes Jahr ein solch gewaltiger Überschuss wie 2013 erzielt. Im Vorjahr 2011/12 überwogen sogar die Abschreibungen, sodass wir ein negatives Ergebnis für den Spielerhandel (EUR -7,2 Mio.) erhalten. Wir sehen also, dass immer auch die Kostenseite betrachtet werden muss um die Transfertätigkeit zu bewerten. Die Spieler müssen ja auch verpflichtet werden und das kostet eben auch Geld.

Marco Mesirca / 2015

Finanzielle Stabilität des FC Porto

Nachdem nun die Umsatz- und Ausgabenstruktur sowie die Beschreibung der Vermögenswerte und des Gesamtkapitals der Porto Group erfolgten, werfen wir abschließend noch einen Blick auf die finanzielle Stabilität des portugiesischen Serienmeisters. Die finanzielle Stabilität ist die Basis für die Rentabilität eines Unternehmens und bestimmt somit maßgeblich dessen Marktposition und Wachstum. Kurzum sie ist die Grundlage für die weitere Entwicklung eines Unternehmens.

Zur FC Porto - Finanzielle Stabilität der FC Porto GroupBerechnung der finanziellen Stabilität werden Kennzahlen genutzt, die sich aus einzelnen Posten der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung errechnen lassen. Wir werden uns die Nettoverschuldung und das Gearing, sowohl der Porto Group als auch der bisher genutzten Vergleichsobjekte (Benfica & Sporting Lissabon, Atletico Madrid, BVB, FC Bayern & FC Arsenal London) ansehen.

Die Nettoverschuldung des FC Porto

Die Nettoverschuldung ist die Differenz aus Finanzverbindlichkeiten und liquiden Mitteln. Dieser Wert gibt uns Aufschluss über die zinsbelastende Verschuldung eines Unternehmens. Wir verwenden hier nur die Finanzverbindlichkeiten, da diese Verbindlichkeiten eine Zinsbelastung mit sich bringen und somit eine Fälligkeit (Rückzahlungspflicht) aufweisen.

Im Juni 2013 zeigte die Porto Group eine Netto(finanz)verschuldung von EUR 77,6 Mio. Damit konnte der FC Porto seine Verschuldung gegenüber dem Vorjahr (EUR 96 Mio.), dem bisherigen Höchststand dieses Wertes, um mehr als EUR 20 Mio. reduzieren. Seit 2007/08 liegt die Nettoverschuldung des Clubs durchgehend über EUR 75 Mio. Die nationale Konkurrenz aus Lissabon zeigt mit EUR 156,6 Mio. (S.Lissabon) und EUR 278 Mio. (B. Lissabon) weitaus höhere Werte. Auch Atletico Madrid (EUR 124,5 Mio.) und Arsenal London (EUR 109 Mio.) liegen mit ihren Werten über dem des FC Porto. Vorbildlich sind die Werte der zwei deutschen Vertreter. Der BVB zeigte zum 30.06.2013 eine Nettoverschuldung von EUR 33 Mio. Beim deutschen Rekordmeister übersteigen gar die liquiden Mittel die Finanzschulden, sodass wir hier keine Nettoverschuldung (EUR -0,14 Mio.) vorfinden. Der FC Bayern gilt als schuldenfrei.

Das Gearing des Fc Porto

Um die Nettoverschuldung genauer zu bewerten, nehmen wir uns das sog. Gearing vor. Das Gearing bildet eine wertvolle Kennzahl zur Untersuchung der finanziellen Stabilität eines Unternehmens, da in ihr mit den Finanzverbindlichkeiten, den liquiden Mitteln (siehe Nettoverschuldung bzw. net debt) und dem Eigenkapital die wichtigsten Bilanzpositionen hinsichtlich der finanziellen Stabilität enthalten sind. Diese Kennzahl überprüft wie stark die Deckung der Nettofinanzschulden durch das Eigenkapital ist. Die Stabilität eines Unternehmens ist bis zu einem Wert von 50% als gut einzustufen. Werte bis 20% gelten als ideal. Werte über 70% gelten als kritisch. Das heißt, dass die Nettoverschuldung nicht mehr als 70% des Eigenkapitals eines Unternehmens ausmachen sollten.

Das Gearing ausgewählter Fußballclubs 201213

Das Gearing ausgewählter Fußballclubs 201213

Hier zeichnet sich nun ein katastrophales Bild für unsere Vergleichsgruppe. Bei den Lissaboner Fußballkonzernen ist aufgrund der bilanziellen Überschudung (negatives Eigenkapital) keine Berechnung dieses Wertes möglich. Schulden über Schulden. Beim FC Porto und Atletico Madrid ist dieser Wert exorbitant hoch. Diese vier Clubs leiden an einer massiven finanziellen Instabilität.

Der FC Bayern (0%), die Borussia aus Dortmund (23%) und der FC Arsenal London (31%) hingegen, weisen mit ihren Gearing Werten schon fast eine märchenhafte finanzielle Stabilität auf. Unsere Vergleichsgruppe zeigt somit ein höchst inhomogenes Bild bei dieser Kennzahl.

Nichtsdestotrotz lohnt hier die Betrachtung einer weiteren Kennzahl, die die Nettofinanzschuld im Zusammenhang mit der Einnahmenseite betrachtet. Mit der Kennzahl netdebt/EBITDA erfahren wir, wie stark die Nettoverschuldung eines Unternehmens durch das EBITDA gedeckt ist. Das EBITDA zeigt wie viel Geld dem Unternehmen vor Abschreibungen (Investitionen), Zins- und Steuerzahlungen zur Verfügung steht und zeigt uns somit wieviel Geld theoretisch für Zinsen und Tilgung aufgewendet werden könnten. Somit erfahren wir wie sicher die Rückzahlung der Finanzverbindlichkeiten ist, vorausgesetzt das Niveau des EBITDAs kann zukünftig mindestens gehalten werden. Werte unter 1 sind als sehr gut einzustufen, ab 3 wird es bedenklich und größer 7 lässt uns an der Fähigkeit einer vollständigen Tilgung zweifeln, da ja nicht das gesamte EBITDA zur Tilgung von Zinsen zur Verfügung steht.

netdebt durch EBITDA_Deckung der Nettoverschuldung durch EBITDA ausgewählter Fußballclubs 2012_13

Deckung der Nettoverschuldung durch EBITDA ausgewählter Fußballclubs 2012/13

In unserer Vergleichsgruppe haben hier drei Clubs kritische Werte. Atletico Madrid (2,9) und Benfica Lissabon (5,8) zeigen erhöhte Werte, wobei der von Benfica als höchst kritisch anzusehen ist. Sporting Lissabon kommt aufgrund seines negativen EBITDAs gar nicht erst zum Schuldenabbau, da das Sportunternehmen schon vor Abschreibungen Verlust macht.

Der FC Porto zeigt hier für das Geschäftsjahr 2012/13, aufgrund des hervorragenden EBITDAs einen Wert von 1,3. Mit diesem Wert ist die Tilgung der Darlehen sehr wahrscheinlich, das setzt allerdings voraus, dass das EBITDA in Zukunft auf diesem Niveau bleibt. Nehmen wir den EBITDA-Durchschnittswert der letzten 10 Jahre (= EUR 30,6 Mio.) zur Berechnung her, erhöht sich die Kennzahl auf 2,5, was immer noch als verträglich gilt.

Entfernen wir allerdings die Transfereinnahmen aus dieser Kalkulation, so nimmt das ganze verheerende Ausmaße an. Ohne Transfereinnahmen erhalten wir für die vergangenen 10 Jahre ein EBITDA von EUR -0,6 Mio. Das ein negatives EBITDA nicht zum Schuldenabbau beitragen kann, muss man glaube ich nicht weiter vertiefen. Abermals stellen wir fest: der FC Porto braucht die Transfereinnahmen für sein Bestehen.

Fazit – Der FC Porto Gefangener seiner wesentlichen Stärke

Die Finanzanalyse der FC Porto Group analysierte die Einnahmen- & Ausgabenstruktur sowie die Vermögenswerte und deren Finanzierung. Der vorangegangene Report legte die fehlende Rentabilität, massive finanzielle Instabilität sowie wackelnde Liquidität des portugiesischen Serienmeisters offen.

Im Kern lässt sich eine massive Abhängigkeit des portugiesischen Serienmeisters von seinen Spielerverkäufen feststellen, wodurch das Transfermanagement als absolute Schlüsselaktivität Portos identifiziert werden konnte. Der Club schafft es Jahr für Jahr Spieler mit herausragendem Potential zu verpflichten, diese zu entwickeln und in der Mannschaft erfolgreich zu integrieren. Nach einer entsprechenden Entwicklungsphase werden einzelne Schlüsselspieler gewinnbringend verkauft.

Da jedoch die Erlöse aus dem Verkauf von Schlüsselspielern erst die Liquidität des Sportunternehmens sicherstellen, ist diese Geschäftsmodell-Ausprägung sehr gefährlich für einen Fußballclub. Da Portos Schlüsselelement neben der Sicherstellung der wirtschaftlichen Fortführung des Sportunternehmens, die nachhaltige Entwicklung des Fußballclubs hindert, gilt sie zugleich als Segen und Fluch. Der sportlichen Führung ist es nicht möglich langfristig eine Mannschaft zu entwickeln. Vielmehr muss die Mannschaft Jahr für Jahr „geflickt“ werden.

Das Gefährliche an dieser Abhängigkeit von den Transfereinnahmen, ist die absolute Unsicherheit, die dieses Geschäftsgebiet mit sich bringt. Man weiß nie wie sich ein Spieler entwickelt und ob er nach ein paar Jahren gewinnbringend verkauft werden kann. Leistungsentwicklung und Verletzung sind nicht vorherzusehen. Der Druck auf Spieler und sportliche Leiter ist vermutlich um ein vielfaches höher als bei anderen Clubs, da, nicht nur die Entwicklung des Clubs, sondern gar dessen wirtschaftliches Bestehen um ein vielfaches mehr vom sportlichen Erfolg und vor allem von der sportlichen Entwicklung einzelner Spieler abhängt.

Jedoch müssen wir relativieren, dass der portugiesische Markt, seinen Fußballunternehmen anders nicht die nötigen Möglichkeiten bietet, um in der europäischen Fußballelite mehr als nur mitzuspielen. Der nachhaltige Konkurrenzkampf mit den Spitzenteams aus England, Spanien, Deutschland und Italien ist für einen portugiesischen Fußballclub nur schwer möglich. Der FC Porto MUSS daher andere Erlösquellen, als die Üblichen (TV Einnahmen, Sponsoring-Erlöse, etc.), maximieren, um mehr zu erreichen, als „nur“ in der Europa League Mit-Favorit zu sein. Die sportliche Priorisierung darf allerdings nicht auf den Gewinn der Champions League ausgerichtet sein. Es würde vermutlich den Untergang bedeuten, wenn alle Kräfte auf das Bestehen in der Champions League ausgerichtet werden & und die nationalen Wettbewerbe vernachlässigt werden. Ein Handlungsplan für den Serienmeister wäre bspw. die nationalen Wettbewerbe zu dominieren und sich somit für die europäische Königsklasse regelmäßig zu qualifizieren. Dort im nächsten Jahr die Gruppenphase zu überstehen und sehen was kommt. So wie bspw. diese Saison, in der der Club im Champions League Achtelfinale auf den FC Basel  trifft, womit ein Weiterkommen wahrscheinlich ist und erhebliche Einnahmen winken. Dies legt ein zweites Schlüsselelement des FC Porto offen – die Medienerlöse aus den UEFA Club-Wettbewerben, besonders der Champions League, die direkt vom sportlichen Handlungsfeld, insbesondere dem Transfermanagement, aber auch dem Quäntchen Glück bestimmt werden. Ein absolutes Desaster für den FC Porto wäre es aufgrund falscher Fokussierung die Champions League zu verpassen.

Fassen wir zusammen: Der FC Porto ist nicht rentabel, befindet sich in massiver finanzieller Instabilität und sichert seine Liquidität mit einer gefährlich unsicheren Variablen ab. Wollen wir hoffen, dass dieser tolle und interessante Traditionsclub irgendwann eine wirtschaftliche Gesundung hinbekommt und nicht unter der gewaltigen Last des sportlichen Erfolgsdrucks zusammenbricht. Jedoch muss m.E. viel passieren, dass der FC Porto von der Regierung fallen gelassen wird, wenn wir sehen in welcher Lage sich zwei andere portugiesische Traditionsvereine befinden. Wobei der Eine, namentlich Sporting Lissabon, im Zuge des Financial Fairplay von der UEFA bereits sanktioniert wurde und dessen europäische Clubteilnahme gefährdet ist.

Marco Mesirca / 2015

Die Konzernbilanz des FC Porto

FC Porto - Die Bilanz der FC Porto GroupDie zuvor angeführten liquiden Mittel sind Bestandteil des Umlaufvermögens und auf der Aktiva der Unternehmensbilanz zu finden. Die Aktiva zeigt die Vermögenswerte eines Unternehmens, während die Passiva die Finanzierung dieser Werte beinhaltet.

Portos Bilanzsumme betrug im Juni 2013 EUR 227,9 Mio. Das Vermögen der Group setzte sich zu 54% aus Anlage- und zu 46% aus Umlauflaufvermögen zusammen. Das Anlagevermögen beinhaltet Sachanlagen, Spielerwerte, Forderungen gegenüber anderen Unternehmen sowie sonstige Vermögenswerte. Das Umlaufvermögen wird bestimmt von kurzfristigen Forderungen aus Lieferungen Leistungen (trade receivables), liquiden Mitteln sowie sonstigen kurzfristigen Vermögenswerten (sog. „Other current assets“ (EUR 22,8 Mio.)), hier sind auch sog. Rechnungsabgrenzungsposten enthalten. Doch bevor wir hier genauer eingehen, einleitend eine Übersicht zur Bilanz der FC Porto Group, deren Entwicklung in nachfolgender Grafik visualisiert ist.

Entwicklung der Vermögenswerte und deren Finanzierung (Bilanz) der FC Porto Group

Entwicklung der Vermögenswerte (links, grün) und deren Finanzierung (rechts, blau) (Bilanz) der FC Porto Group; Die FC Porto Group bilanzierte bis 2004/05 nach PGAAP. Seit 2005/06 findet der Abschluss nach IFRS Standards statt. Im Zuge der Umstellung wurde auch das Finanzjahr 2004/05 nach IFRS aufbereitet.

Drei bedeutende Vermögenswerte des FC Porto

Wollen wir nun einen detaillierteren Blick auf ausgewählte Vermögenswerte werfen. Im Fokus liegen die Spielerwerte, Forderungen aus Lieferungen & Leistungen (trade receivables) sowie die liquiden Mittel, die bereits umfassend erläutert wurden. Diese drei VMW machten im Juni 2013 80% der Bilanzsumme aus. Im Juni 2004 lagen diese bei lediglich 50%.

 

Entwicklung drei ausgewählter Vermögenswerte von Fußballclubs; Spielerwerte, Cash, Forderungen aus Lieferungen & Leistungen des FC Porto

Entwicklung drei ausgewählter Vermögenswerte von Fußballclubs; Spielerwerte, Cash, Forderungen aus Lieferungen & Leistungen des FC Porto

Den höchsten Vermögenswert in der Bilanz der Porto Group betrifft die Forderungen aus Lieferung und Leistung, die sich in ihrer Laufzeit (kurz- & langfristig) unterscheiden lässt. Mit insgesamt EUR 88,9 Mio. zeigte der FC Porto enorme Forderungen ggü. Kunden. Diese offenen Rechnungen sind, wen wunderts, massiv vom Spielerhandel bestimmt.

Die kurzfristigen Forderungen in Höhe von EUR 69 Mio. resultieren bspw. zu 64 % aus Forderungen gegenüber anderen Fußballclubs. Dem Club standen zum 30.Juni 2013 noch EUR 44,4 Mio. für Falcao (Atletico Madrid), Hulk (Zenit St. Petersburg), Guarin & Alvaro Pereira (Inter Mailand), Moutinho & James Rodriguez (AS Monaco), Cissokho (Olympique Lyon) und für Diego Reyes zu. Weitere EUR 13,5 Mio. sind als langfristig deklariert und werden vermutlich im nächsten Geschäftsjahr fällig. Diese betreffen den Verkauf von Falcao und Hulk, da hier offensichtlich Teilzahlungen vereinbart wurden.

Spielerwerte des FC Porto

Den zweiten großen Vermögenswert bilden mit EUR 76,2 Mio. (bei 37 Spielern) die Spielerwerte. Während im Jahr davor noch 41 Spieler einen Buchwert von EUR 99,2 Mio. zeigten. Der Buchwert eines Spielers ergibt sich aus den Kosten für dessen Verpflichtung. Diese Kosten umfassen Ablösesumme, Vermittlungsgebühr an Berater, Handgelder für Spieler sowie Treueprämien bei Vertragsverlängerungen (S. 38 including intermediation service costs, as well as signing-on fees paid directly to the players, and the called ‘loyalty bonuses). Der Buchwert verändert sich nach jedem Geschäftsjahr um die Höhe der entsprechenden Abschreibungen (am Ende der Vertragslaufzeit geht der Buchwert des Spielers gegen Null) sowie Zu- & Abgängen von Spielern.

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass der Buchwert eines Spielerkaders nichts mit dem real-fiktiven Wert aus den Medien (bsp. Transfermarkt.de) zu tun hat. Während ersterer eher historischer Natur ist und von den tatsächlichen Kosten einer Spielerverpflichtung bestimmt wird, ist der „Real-fiktive“ bestimmt durch vergangene Erfolge und aktuelle Leistungen und häufig eher spekulativ.

Die liquiden Mittel wurden bereits angeführt, kommen wir daher zu einem anderen weiteren wesentlichen langfristigen Vermögenswert– den Sachanlagen, der bei anderen Fußballclubs, DER Vermögenswert schlechthin ist. Beim FC Bayern betrug dieser bspw. im Juni 2013 EUR 263 Mio. Bei einem Vergleich mit anderen Fußballclubs fällt jedoch auf, dass der FC Porto extrem geringe Sachanlagen auswies. Während bspw. Benfica Lissabon Sachanlagen in Höhe von EUR 161 Mio. auswies, sind die EUR 1,6 Mio. Portos als sehr gering anzusehen. In dieser Summe ist, anders als bspw. beim FC Bayern Konzern, nicht das Stadion enthalten, da der FC Porto nicht Eigentümer des „Estádio do Dragão“ ist. Der FC Porto schloss 2003 mit dem aktuellen Eigentümer – EUROANTAS – einen Leasing Vertrag, der dem Club gegen eine jährliche Pauschale erlaubt Spiele im Stadion für 30 Jahre auszutragen.

Nachfolgende Abbildung gibt nun einen Überblick zu ausgewählten Vermögenswerten unserer Vergleichsgruppe. Im Punkt sonstige Aktiva finden sich aktive RAP, Rückstellungen und Forderungen aus Lieferungen und Leistungen.

Vermögenswerte und deren Finanzierung ausgewählter FCs 2012/13

Vermögenswerte und deren Finanzierung ausgewählter FCs 2012/13

FC Porto s passiva – Finanzierung der Vermögenswerte (VMW)

Kommen wir nun zur Finanzierung dieses Vermögens, die wir der Passiva der Unternehmensbilanz entnehmen. Hier finden sich das Eigenkapital und das Fremdkapital. Im Konzernabschluss der FC Porto Group wird das Fremdkapital in kurz- und langfristige Verbindlichkeiten unterschieden, wobei Rückstellungen und passive Rechnungsabgrenzungsposten ebenfalls dort enthalten sind. In der obenstehenden Grafik habe ich diese letzten Posten subtrahiert und als sonstige Passiva ausgewiesen.

In den Verbindlichkeiten sind nun Finanzverbindlichkeiten, resultierend aus Darlehen, Anleihen und Leasinggeschäften, Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie sonstige Verbindlichkeiten enthalten. Diese Grundhaltung habe ich auch bei den anderen Clubs angewendet. Nehmen wir nun die einzelnen Posten grob durch.

FC Porto s Eigenkapital – immerhin positiv

Das Eigenkapital der Porto Group konnte sich 2013 mit EUR 7,6 Mio., dank des positiven Jahresendergebnisses (EUR 20,4 Mio.) positiv stellen, nachdem es im Vorjahr noch ein Minus von EUR (-)12,7 Mio. zeigte. Ein Jahr später (06.2013) zeigt die Group zwar kein hohes Eigenkapital aber immerhin ein positives.

Das Eigenkapital der Porto Group setzt sich zusammen aus dem Grundkapital (share capital = EUR 75 Mio.), dem Jahresendergebnis (EUR 20,3 Mio.) und den Gewinnrücklage (EUR -88 Mio.), die kumulierte Gewinne bzw. Verluste vergangener Jahre zeigt.

Rückblickend ist festzustellen, dass das Eigenkapital sukzessive schrumpfte. Im Juni 2004 lag das Eigenkapital noch bei EUR 41 Mio. und das bei einer Bilanzsumme von EUR 153,9 Mio. Setzen wir das Eigenkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme erhalten wir eine Eigenkapitalquote von 27%. Ende 2013 ist nur noch eine Eigenkapitalquote von 3% vorhanden, was auf eine starke finanzielle Instabilität hindeutet. Dieser Verfall, des einst annehmbaren Eigenkapitals, ist im Wesentlichen auf die herben Verluste in 2005/06 (EUR -30,5 Mio.) und 2011/12 (EUR -36 Mio.) zurückzuführen. Porto muss unbedingt über einen längeren Zeitraum wieder positive Jahresendergebnisse einfahren, um das Eigenkapital zu gesunden.

Unsere Benchmark zeigt jedoch, dass besonders die beiden Clubs aus Lissabon stark mit ihrem Eigenkapital kämpfen. Beide zeigen negative Eigenkapitalwerte. Benficas Eigenkapital liegt bei EUR -23,8 Mio. und das bei einer Bilanzsumme von EUR 416,7 Mio. (=EKQ -6%). Richtig extrem ist es aber bei Sporting Lissabon, das ein negatives Eigenkapital von EUR (-)119 Mio. bei einer Bilanzsumme von EUR 139,5 Mio. (EKQ -90%) zeigte. Beide Clubs sind bilanziell überschuldet.

Atletico Madrid wies mit seinem Eigenkapital (EUR 33 Mio.) und aufgrund seiner höheren Bilanzsumme eine ähnliche EKQuote (6%) wie der FC Porto aus. Mustergültig erweisen sich die Eigenkapitalquoten des FC Bayern (EKQ 48%), der Borussia aus Dortmund (EKQ 46%) und des FC Arsenal London (EKQ 38%).

Zusammensetzung der Gesamtverbindlichkeiten

Kommen wir zu den Verbindlichkeiten, dem Fremdkapital. Die Gesamtverbindlichkeiten der FC Porto Group sind zu 32% langfristig und zu 68% kurzfristig fällig. Allein dieses Übergewicht der Kurzfristigkeit gibt uns Grund zur Sorge. Enthalten sind hier sog. Finanzverbindlichkeiten (Bonds & Bank loans; EUR 95,4 Mio.), Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (trade payable; EUR 65,4 Mio.) und sonstige Verbindlichkeiten (other creditors; EUR 7,7 Mio. & other liabilities EUR 20,63 Mio.).

Die Finanzverbindlichkeiten setzten sich zum Juni 2013 aus Bankkrediten (EUR 56,2 Mio.) und Anleihen (Bonds; EUR 39,1 Mio.) zusammen. Laut Geschäftsbericht lag zum Stichtag die jährliche Zinsrate der Bankkredite bei 8,5 %.

Die Finanzverbindlichkeiten haben sich zwischen Juni 2004 (EUR 45,5 Mio.) und Juni 2013 verdoppelt. Interessant dabei ist, dass seitdem eine bedenkliche Verschiebung in der Fälligkeit eingetreten ist. Während 2004 noch 28% (EUR 13 Mio.) der Finanzverbindlichkeiten innerhalb eines Jahres fällig waren sind es 2013 gewaltige 55% (EUR 52,6 Mio.). Noch massiver war es im Jahr davor, als mit EUR 74 Mio. 75% der Finanzverbindlichkeiten kurzfristig fällig waren. Beim FC Porto ist kein langfristig angelegter Rückzahlungsplan der Finanzverbindlichkeiten zu erkennen, da das prozentuale Verhältnis kurzfristiger Finanzverbindlichkeiten zu den Gesamt-Finanzverbindlichkeiten von Jahr zu Jahr stark variiert.

Die Die Finanzverbindlichkeiten ausgewählter Fußballclubs 2012/2013 & des FC Porto

Die Die Finanzverbindlichkeiten ausgewählter Fußballclubs 2012/2013 & des FC Porto

Werfen wir einen Blick auf die Fußballbranche, so fällt auf, dass der FC Bayern, Borussia Dortmund und Arsenal London gemessen am prozentualen Verhältnis sehr geringe kurzfristige Finanzverbindlichkeiten ausweisen. Beim FC Bayern machen diese gerade mal 4% der gesamten Finanzverbindlichkeiten des Konzerns aus. Hingegen zeigen Benfica (58%), Sporting (64%) und Atletico (72%) ebenso wie Porto ein Übergewicht der kurzfristigen Finanzverbindlichkeiten. Diese Clubs werden immer wieder neue Kredite aufnehmen müssen, um ihre kurzfristigen Verbindlichkeiten zu bedienen, was zu einer verheerenden Belastung werden kann und wird, da die Kredite eher teurer (Zinsraten) werden, da die Rückzahlungswahrscheinlichkeit bei zunehmender Unsicherheit, eher steigt.

Offene Verbindlichkeiten aus Spielerhandel

Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen des FC Porto betrugen zum 30.06.2013 EUR 65,4 Mio. und sind zu 94% kurzfristiger Natur, also innerhalb eines Jahres fällig. Enthalten sind zudem EUR 60,2 Mio. Verbindlichkeiten aus dem Spielerhandel (91%) -> Spielerrechte wurden erworben aber noch nicht bezahlt. (pdf Seite 75)

Diese Position zeigt somit Portos Verpflichtungen ggü. anderen Fußballclubs bzw. Rechtehaltern für den Erwerb von Spielern und mussten innerhalb eines Jahres beglichen werden. Hier ein Screenshot aus dem Geschäftsbericht des Porto Konzerns.

Verbindlichkeiten aus Spielerhandel FC Porto Juni 2013

Verbindlichkeiten aus Spielerhandel FC Porto Juni 2013

Übrig bleiben dann noch die sonstigen Verbindlichkeiten in Höhe von EUR 28,33 Mio. Diese Verbindlichkeiten resultieren zum einen aus Verträgen mit Dritten (Spielervermittler) über die Rechte von Spielern EUR 7,7 Mio. Der FC Porto teilt sich diverse Spielerrechte mit anderen Firmen. Zum anderen finden wir hier folgende Posten, die leider nicht näher erläutert sind:

  • State & public sector (EUR 6,5 Mio.)
  • Advances to clientes (EUR 4,5 Mio.)
  • Other creditors (EUR 9,6 Mio.)

Passive RAP und Rückstellungen

Neben Eigenkapital und Gesamtverbindlichkeiten wird die Passiva komplettiert durch die passiven Rechnungsabgrenzungsposten (RAP = EUR 29,2 Mio.) und den Rückstellungen (EUR 1,9 Mio.), deren Summe in der oberen Grafik unter sonst. Passiva aufgeführt sind. Passive Rechnungsabgrenzungen sind Einzahlungen deren Ertrag erst im nächsten Geschäftsjahr erfolgt. Also der FC Porto hat Geld „zu früh“ erhalten. Hier finden wir Vorauszahlungen für Medienrechte die Zeiträume 2012/13 bis 2014/15 sowie 2014/15 bis 2017/18 betreffend, die für jedes Jahr EUR 2 Mio. schwer sind und natürlich Vorauszahlungen für Dauerkarten.

Nachdem nun die Unternehmensbilanz der Porto Group vorgestellt wurde, wird in einem abschließenden Artikel die finanzielle Stabilität des Fußballkonzerns untersucht. Hier geht es zum abschließenden Report…

Marco Mesirca / 2015

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Das Cash des FC Porto

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Die nun folgende Analyse zum FC Porto nimmt den tatsächlichen Geldfluss des Fußballkonzerns unter die Lupe, wodurch wir letztendlich auf einen sehr bedeutenden Vermögenswert stoßen werden, der sich in der Bilanzaktiva findet – Die liquiden Mittel. Continue reading