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Competitive Balance – Wie ausgeglichen ist der europäische Liga-Fussball?

Diese Studie ist meines erachtens sehr wichtig für die Beschreibung des Fussballmarktes, da sie die sportliche Komponente in die Darstellung  dieses speziellen Marktes miteinbringt.

Competitive Balance

Die „Competitive Balance“ (CB) im Teamsport beschreibt die Ausgeglichenheit des sportlichen Wettbewerbs. Dies ist insbesondere wichtig, da Sportunternehmen, im Gegensatz zu reinen Industrieunternehmen, ein großes Interesse „an der Wettbewerbsfähigkeit und am Überleben der Konkurrenten haben“ (HOVEMANN/EHRHARDT, 2009, S.15). Somit entsteht mehr Spannung im Wettbewerb. Was wiederum gleichbedeutend mit der Attraktivität des Wettkampfes ist und somit eine höhere Zahl an Zuschauern anzieht.

Dies belegen einige Studien, die sich mit dem Einfluss der CB auf die Anzahl der Zuschauer beschäftigten. Im Wesentlichen enthält die CB zwei Komponenten. Dies ist zum einen die Saison-Komponente, welche die Wettbewerbssituation innerhalb einer Saison ermittelt. Dabei steht die Knappheit des Ausgangs, also die Spannung des Wettbewerbs, im Fokus. Zum anderen kommt die Team-Komponente zum Tragen, welche die Leistungsentwicklung eines Teams in einem bestimmten Zeitraum betrachtet. Im Fokus steht hierbei der Grad der Abwechslung innerhalb der Liga. (Vgl. HOVEMANN/EHRHARDT, 2009, S.15)

Nachfolgende Abbildung stellt die Ergebnisse übersichtlich dar. Die Ligen sind nach Rang geordnet. Demnach ist die Fußball-Bundesliga am ausgeglichensten und die Premier League am unausgeglichensten. In den Spalten sind die einzelnen Werte enthalten die zur Bewertung des Ranges dienten.

Ein Lesebeispiel zu der Grafik: Die BL belegt Rang 1 betreffend der Spannung im Meisterschaftskampf, da es in den letzten 15 Jahren 6 verschiedene Meister gab. Davon kann der FC Bayern 8 Titel für sich verzeichnen, was auf den ersten Blick nach einer recht starken Dominanz aussieht, ist im internationalen Vergleich ausgewogen. Denn die Meisterserie des FC Bayern hält maximal drei Saisons (1998 – 2001). Nimmt man zum Vergleich die drittplatzierte französische Ligue 1 kann eine sehr starke Dominanz in den letzten Jahren festgestellt werden. Hier hat Lyon mit 7 Meistertitel am Stück (2001 – 2008) die Nase vorne. Es erfolgt nun eine kurze Erläuterung der Ergebnisse.

Spannungsgrad

Als Grundlage für den Spannungsgrad dienen die Punktanteile der jeweils fünf bestplatzierten Teams im Vergleich zur restlichen Liga. Es wird untersucht wie ausgeglichen eine Liga ist. Eine komplett ausgeglichene Liga hätte theoretisch einen Wert von 100 % und alle teilnehmenden Mannschaften hätten die gleiche Punktzahl. Der Wettbewerb wäre somit am spannendsten. Dementsprechend hätte in einer komplett unausgeglichenen Liga der Erste nur Siege und der Letzte nur Niederlagen. Um nun zu erfahren welche Liga die Spannendste und somit die Ausgeglichenste ist, haben HOVEMANN & EHRHARDT einen 15-Jahres-Durchschnittwert berechnet. Der im Falle Deutschlands 41,1 % beträgt. Diesem Wert zufolge ist die französische Liga am ausgeglichensten, gefolgt von Spanien & Deutschland. Dagegen liegen in Italien und England „die fünf besten Teams im Durchschnitt am weitesten vor ihren Verfolgern, der restlichen Liga“ (HOVEMANN/EHRHARDT, 2009, S. 20).

SA der jeweiligen Top-5-Klubs

Mit Hilfe dieser Variablen wird die Standardabweichung (SA) „der teamindividuellen Gesamtpunktzahl von der durchschnittlichen Punktzahl des Teams über einen bestimmten Zeitraum (15 Jahre)“ (HOVEMANN/EHRHARDT, 2009, S. 21) dargestellt. Die Liga ist ebenfalls umso abwechslungsreicher je höher der Wert dieser Variablen ist. Konnten jedoch die Top-5-Klubs ihre Leistungen halten, fällt der Wert umso niedriger aus. Demnach mussten die Top-5-Klubs der Serie A sich am häufigsten abwechseln, gefolgt von Deutschland, England, Frankreich und Spanien. Um heraus zu bekommen ob immer wieder die gleichen Teams um die Meisterschaft, die CL-Quali, gegen den Abstieg oder um den Aufstieg kämpfen, wurden die nun folgenden Parameter entwickelt.

Meisterschaftskampf (15 Jahre)

Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass der Meisterschaftskampf in Deutschland am abwechslungsreichsten und in England am eintönigsten ist. Hierzu wurden die jeweiligen Meister der letzten 15 Jahre aufgelistet und analysiert.

CL-Quali

Ähnlich erfolgte das Vorgehen bei dieser Variable. Um zu bestimmen in welcher Liga der Kampf um die Champions-League-Plätze am spannendsten ist, wurden „die drei auf nationaler Ebene am häufigsten für die CL qualifizierten Teams in den letzten 15 Jahren“ (HOVEMANN/ EHRHARDT, 2009, S. 24) betrachtet. Um einen Wert zu ermitteln, wurde „der Quotient aus der theoretisch möglichen maximalen Häufigkeit, mit der ein CL-Qualifikationsplatz erreicht werden kann, und der tatsächlichen Häufigkeit“ (HOVEMANN/ EHRHARDT, 2009, S. 24) berechnet. Daraus folgt, dass „im 15-Jahresschnitt die drei am häufigsten qualifizierten Klubs aus Frankreich und Deutschland nur 47 % bzw. 56 % der maximal möglichen Qualifikationsplätze auf sich vereinen“ (HOVEMANN/ EHRHARDT, 2009, S. 24). In Italien, Spanien und England liegt dieser Wert bei über 70 %. Somit ist in diesen Ligen der Kampf um die Champions League Plätze sehr unausgeglichen.

„Schnellrelegationsquote“

Dieser Wert gibt die „Anzahl der Aufsteiger, die innerhalb der ersten beiden 1.Liga-Jahre direkt wieder abstiegen, im Vergleich zur gesamten Anzahl der Aufsteiger“ (HOVEMANN/ EHRHARDT, 2009, S. 28) wieder. Besonders in England ist demnach die Wahrscheinlichkeit für Aufsteiger des schnellen Abstiegs sehr hoch (59,1%). In diesem Bereich haben Deutschlands Aufsteiger (42,2%) die besten Chancen.

Volatilität Top-5-Klubs & Absteiger 2008/2009

Die nachfolgende Grafik gibt einen Überblick über die Anzahl der Klubs die Chancen auf die besten fünf Plätze haben. Die gestrichelten Linien betrifft die Anzahl der Klubs aus der Rückrunde 2008/2009. In der Saison 08/09 ist die Standardabweichung der Klubplatzierung mit einem Wert von 1,5 in Deutschland am größten. Dies beweist, dass der Positionswechsel innerhalb der Spitzengruppe in der Fußball-Bundesliga sehr ausgeprägt ist.

Anzahl der Clubs mit Chance auf besten 5 Plätze / Quelle: HOVEMANN/EHRHARDT, Bälle, Tore & Finanzen VI, S. 35

Die nachfolgende Abbildung zeigt wie viele Klubs zu welchem Zeitpunkt der Rückrunde um den Abstieg kämpfen. „Mit einem durchschnittlichen Wert von 1,7 ist die Standardabweichung der Klubplatzierungen unter den Bottom-3-Klubs in Spanien am größten“ (HOVEMANN/ EHRHARDT, 2009, S. 42). In Deutschland dagegen mit 0,9 vergleichsweise niedrig.

Anzahl der Clubs mit Gefahr auf Buttom-3 Plätze / Quelle: HOVEMANN/EHRHARDT, Bälle, Tore & Finanzen VI, S. 35

Was lässt sich daraus nun ableiten? Mit Hilfe dieser Studie wurde wissenschaftlich untermauert, dass die Fussball-Bundesliga am ausgeglichensten und die Premier League am unausgeglichensten ist.

Marco Mesirca

Landschaft der Fußballbranche - Charakteristiken des Profifußballs

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