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Der Fan – Definition & Kategorisierung

Als besondere Bezugsgruppe eines Sportclubs, speziell eines Fußballclubs, lässt sich der Fan vom sonstigen Stammpublikum, dem kritischen Zuschauer, dem Medienpublikum und den Firmen- / Dienstleistungskunden abgrenzen (-> Struktur des Sportpublikums). BEECH stellt da, dass die Anhänger  die ultimative Einnahmenquelle eines Clubs bilden. (Beech, 2010, S. 141.)

Der FanAufgrund dieser wirtschaftlichen Bedeutung erfolgt nun eine Definition und Kategorisierung des Fans. Nachfolgendes Zitat von Philipp Lahm soll die Bedeutung des Fans noch einmal unterstreichen und bewusst machen, dass die Clubanhänger entscheidenden Einfluss auf die sportliche Darbietung und Atmosphäre im Stadion haben:

 „Samstag, Spieltag. … Das Stadion ist voll. Ich muss Leistung bringen! Die Fans, unser zwölfter Mann – sie stehen hinter uns, unterstützen uns, rufen auch meinen Namen, sie erwarten bedingungslosen Einsatz. Damit der FC Bayern gewinnt. Das Stadion ist unsere gemeinsame Bühne, und die Fans … stärken unseren Siegeswillen und unser Selbstvertrauen. Ein volles Stadion mit anfeuernden, singenden Fans hilft, seine Leistungsgrenze zu erreichen.“ (Lahm, 2009, S. 47.)

Nach SCHWIER und FRITSCH zeichnen sich Fans insbesondere durch ihre ausgeprägte Treue dem jeweiligen Club gegenüber aus. Diese zeigt sich durch das Tragen von Zeichen der Zugehörigkeit sowie dem Unterstützen der eigenen Mannschaft. Durch das Zelebrieren von Anfeuerungschoreografien, etc. wollen die treuen Anhänger in der Regel Maskulinität, „im Sinne von Mut, Stärke, Ausdauer, Unerschrockenheit, Ritterlichkeit“ (Schwier/Fritsch, 2003, S. 35.) demonstrieren und auf ihre Mannschaft übertragen. Des Weiteren charakterisiert Fans ein stark ausgebildeter Gemeinschaftssinn für ihre Leidenschaftsgenossen und Mitstreiter. (Vgl. Aschenbeck, 1998, S. 98.)

Der Fan – Begriffsbestimmung

Der Begriff „Fan“ lässt sich von dem englischen Wort „fanatic“ ableiten, worunter ein begeisterter Anhänger zu verstehen ist, „der sich für eine Überzeugung, eine Idee fanatisch einsetzt“ (Wermke/Kunkel-Razum/Scholze-Stubenrecht, 2005, S. 313.).Er gilt daher als „dogmatischer Verfechter einer Überzeugung oder einer Idee“ (Wermke, et al., 2005, S. 313.).

Abgeleitet von der lateinischen Bezeichnung „fanaticus“ lassen sich noch die Adjektive begeistert, schwärmend, rasend oder besessen hinzufügen, sodass sich der Begriff „Fan“ als „eine moderne Begriffsschöpfung, gleichermaßen geprägt von den Medien und den Ordnungskräften, die sich notgedrungen als Erste mit der Entwicklung des passiven Zuschauers zum lautstarken Team-Supporter auseinander setzten“ (Dembowski, 2004, S. 22.), darstellt.

Am Beispiel Fußball schafft DEMBOWSKI eine Parallele zwischen Sport und Religion. Hierzu bedient er sich der wortgeschichtlichen Bedeutung des lateinischen Begriffs „fanum“, das „Tempel“ bedeutet, wodurch die Verehrung von Heiligen und Heiligtümern in die Definition des Fans miteinbezogen wird.

Weiter stellt DEMBOWSKI die Theorie des Sportes als Religionsersatz auf. So stehe auf der einen Seite Kirche, Konfession, Pfarrer und auf der anderen Seite Stadion, Clubzugehörigkeit, Trainer. Daraus ableitend formuliert er die provokante Frage ob „Fußball zur Ablenkung von (Miss-)Verhältnissen, als „Gesellschaftskitt“, Schmieröl der Gesellschaft und somit als Religionsersatz“ (S. 23.) diene. (Vgl. Dembowski, 2004, S. 22 f..)

Nach dieser Auffassung lässt sich ableiten, dass für das Volk, zumindest für eine bestimmte Subgruppe (Fans), der Fußball, bzw. übergeordnet der Sport, als Religionsersatz fungiere. ROHR bestätigt die eingangs erfolgte Definition des Fans als Verehrer einer Mannschaft. (Vgl. Rohr, 2006, S. 194.)

Verschiedene Fan-Gruppen

Da sich Fans in Auffassung von Werten und Normen unterscheiden und die Handlungsmuster und Gesellschaftsformen der einzelnen Gruppen konträr erscheinen, lässt sich feststellen, dass sie keine konforme Einheit bilden sondern in einzelne Gruppen bzw. Kategorien zerfallen. (Vgl. Schwier/Fritsch, 2003, S. 33.)

KÖNIG unterteilt die Fanszene in organisierte Fans und Individualisten. Erstere treffen sich als Fanclub und pilgern bspw. gemeinsam zum Stadion. Diese Gruppe nutzt die Vereinsbindung als Gemeinschaftsgrundlage, wodurch dem sportlichen Aspekt eine soziale Komponente hinzugefügt wird. Anders der Individualist. Er fokussiert eher den sportlichen Aspekt, da er alleine oder in einzelnen losen Gruppierungen das Stadion betritt und erst auf seinem Platz im Stadion zum Teil der Masse werde. Nach dem Ende des Spiels erfolgt bei ihm die Abkopplung von der Masse. (Vgl. König, 2002, S. 45.)

Eine weitere und gewichtige Einteilung der Fanszene trifft GABLER. Seine Typologisierung unterscheidet zwischen dem konsumorientierten, dem fußballzentrierten (sportartzentrierten), dem erlebnisorientierten und dem kritischen Fan.

Ersterer besucht das Spiel als Freizeitvergnügen, dem er entweder alleine oder in der Gruppe nachgeht. Anders der fußballzentrierte Fan. Für ihn ist der Besuch eines Spiels seiner favorisierten Mannschaft zentraler Lebensinhalt, der keinen Ersatz kennt. Der Besuch erfolgt hier in festen Gemeinschaften, in einer organisierten Form des Fanclubs. Der erlebnisorientierte Fan versteht das Spiel als Event. Der Besuch erfolgt hier in kleineren Cliquen und weniger in organisierten Fanclubs. Hier geht es nicht vorrangig um den Erfolg des Teams, sondern vielmehr um den Spaß und das geteilte Erlebnis. Nach GABLER neigt diese Kategorie am ehesten zu Gewaltbereitschaft. Der kritische Fan hingegen legt ausgesprochenen Wert auf Rituale vor und nach einem Spiel. Dabei ist er aktiv und versucht die Fanszene und/oder den Fußball positiv zu beeinflussen. (Vgl. Gabler, 2009, S. 78f.)

Fan Kategorisierung

Diese Typologie basiert auf Wilhelm Heitmeyers Theorie, der bereits 1988 eine Kategorisierung der Fans in den konsumorientierten, kritischen, fußballzentrierten, jugendlichen und erlebnisorientierten Fan vornahm. (Vgl. Dembowski, 2004, S. 22.)

GABLER führt allerdings noch eine weitere Einteilung an, die nach Kuttenträgern, gewalttätigen Hooligans, den Ultras und den Hooltras kategorisiert. Er führt an, dass „die Kutten den fußballorientierten Fans, die Hooligans den erlebnisorientierten Fans, der Ultra den kritischen Fan und der Hooltra einer Mischung aus erlebnisorientiertem und kritischen Anhänger“ (Gabler, 2009, S. 79.) entspreche.

Marco Mesirca

Das Sportpublikum

3 responses to “Der Fan – Definition & Kategorisierung

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