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Der Nachwuchs im europäischen Fußball

Für die Zukunft und insbesondere die Qualität des Fußballs stellt die Jugendausbildung ein bedeutendes Schlüsselelement dar, das insbesondere in Zeiten der wirtschaftlichen Instabilität und der bevorstehenden Umsetzung des Financial Fairplays (FFP) für Fußballclubs immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Jugendausbildung im europäishen  FußballDaher wurde innerhalb der European Club Association (ECA) eine Forschungsgruppe zusammengestellt, die sich der Nachwuchsarbeit im europäischen Fußball angenommen hat. Das Resultat ist ein umfassender Bericht, der ausführliche Einblicke in dieses Feld gewährt und darüber hinaus Modelle und Trends im europäischen Vergleich darstellt.

Maarten Fontein, Mitglied des ECA Vorstands und Direktor „International Affairs“ bei AZ Alkmaar, beschreibt, dass das Jugendausbildungssystem wesentlicher Bestandteil der Club-DNA sei. Bisher allerdings noch kein ausreichend umfassender Vergleich, geschweige denn eine systematische Erfassung der verschiedenen Systeme, innerhalb Europas existierte.

Da es in der Nachwuchsförderung wahrscheinlich keinen Königsweg gibt, lautete das Ziel des ECA-Reports nicht eine Klassifizierung und somit eine Bewertung verschiedener Systeme durchzuführen, sondern eine umfassende VERGLEICHSDARSTELLUNG aktueller Ansätze, Methoden und Zustände zu präsentieren. Der Vergleich soll Erfahrungsaustausch ermöglichen und somit Verbesserungen in der Nachwuchsförderung einleiten.

Methodendesign

Die Untersuchung erfolgte mittels eines 2-Wege-Ansatzes, der auf die Zusammenstellung eines Forschungsteams (Task Force) folgte (Enthaltene Variablen können der Grafik entnommen werden):

Methodendesign zu ECA Report

Der qualitative Teil umfasste zunächst eine Auswahl an geeigneten Untersuchungsgegenständen. Die Auswahl erfolgte u.a. nach Clubgröße, Budget für Nachwuchsförderung, bestehender Infrastruktur, der Anzahl von Spielern, die den Sprung aus der Akademie zum Profispieler schafften, dem Ruf der Ausbildungsstätte (Tradition, Geschichte, etc.), dem sportlichen Erfolg im Jugendbereich sowie der Kategorisierung der Clubs innerhalb des „FIFA Training Compensation schemes“. Der Analysepart basierte auf Vorort-Betrachtungen und liefert Fallbeispiele ausgewählter Ausbildungsstätten von ECA Mitglieder-Clubs. Diese wurden in 4 Kernbereichen betrachtet:

  • Vision & Philosophie
  • Infrastruktur
  • Trainingsinhalt, Coaching
  • Erziehung

Die quantitative Analyse wurde darauf ausgerichtet statistische Belge für verschiedene Komponenten, die eine Jugendausbildung ausmachen, zu erhalten. Hierfür wurde ein Befragungsbogen vom externen Dienstleister DOUBLE PASS entwickelt. An der Befragung nahmen 96 Clubs aus 41 Ländern teil. Die nachfolgende Abbildung stellt die Länderverteilung der untersuchten Clubs dar.

Länder der Untersuchungsgegenstände ECA Report

Quelle: ECA „Report on youth academies in Europe“

Kernergebnisse

Im Folgenden werden die Kernergebnisse der Untersuchung vorgestellt. Die Fallbeispiele aus dem qualitativen Analysepart fließen teilweise mit ein, um die zu beschreibenden Aspekte zu veranschaulichen.

Finanzen & Produktivität

Der Punkt „Finanzen und Produktivität“ folgt zwar erst zum Ende des ECA Reports, mir soll er allerdings zum Einleiten dienen.

Der Studie zufolge kommen im Schnitt sechs Spieler aus dem eigenen Nachwuchszentrum in der ersten Mannschaft zum Einsatz. In den letzten 3 Jahren unterzeichneten durchschnittlich 8 Nachwuchsspieler einen Profivertrag bei ihrem Ausbildungsverein. Durchschnittlich waren 28% der Spieler der ersten Mannschaft mind. 3 Jahre in der Jugendakademie. Weitet man jedoch den Ausbildungszeitraum auf 5 Jahre aus, so sind es nur noch 20%.  Eine größere Anzahl an Eigengewächsen hingegen kann die zweite Mannschaft aufweisen. Durchschnittlich waren 12 Spieler der zweiten Mannschaft mindesten 5 Jahre in der clubeigenen Ausbildungsstätte.

Ausbildungskosten

Nach Angaben des Reports geben 50% der Clubs lediglich 6% ihres Budgets für das eigene Nachwuchszentrum aus. Die größten Kostenfaktoren bilden dabei Mitarbeiter (26%), Anlagen (15%) und Spielerverträge (15%).

In der Studie wurde eine Clusterung in vier Bereich vorgenommen, die folgende Verteilung der Kostensummen zeigt.

  • 30% der untersuchten Clubs geben bis zu EUR 0,5 Mio. für ihre Jugendakademie aus,
  • weitere 30% zwischen EUR 0,5 – 1,5 Mio.,
  • 10% zwischen EUR 1,5 – 3 Mio. und
  • 30% über EUR 3 Mio.

Bezieht man sich nur auf die 30 untersuchten Clubs aus England, Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich und Niederlande so lagen bei 69% der Nachwuchsstätten die Kosten über EUR 3 Mio.

Zu ersterem Cluster (Gesamtbetrachtung) zählt bspw. der FC Levadia aus Estland. Zu Zweitem gehört mit EUR 1,3 Mio. Dinamo Zagreb aus Kroatien sowie Standard Lüttich aus Belgien. Arsenal London und FC Bayern München geben für ihren Nachwuchs im Jahr ca. EUR 3 Mio. aus und liegen somit im 3. Cluster.

Zu den Clubs mit mehr als EUR 3 Mio. Ausgaben für das Nachwuchszentrum zählen u.a. mit EUR 5 Mio. Sporting Lissabon, mit EUR 6 Mio. Inter Mailand, der RC Lens und Ajax Amsterdam sowie mit ca. EUR 10 Mio. der FC Barcelona. Wobei bei Barcelona in dieser Summe die Kosten für das U19 Team und das B-Team nicht enthalten sind. Inkludiert man diese so kommt man auf einen Wert von gewaltigen EUR 20 Mio.

Auffällig in dieser Auflistung ist meines Erachtens das Ausgabenvolumen des RC Lens, dessen Jugendausbildung u.a. der junge französische Verteidiger Raphael Varane entsprang, der als Innenverteidiger bei Real Madrid für seine Schnelligkeit und Zweikampfstärke bekannt ist.

Doch RC Lens ist mir nicht nur wegen diesem jungen Verteidiger aufgefallen, sondern vielmehr aufgrund der Höhe des Ausgabenblocks für den Nachwuchs gemessen am Gesamtumsatz. Der französische Club ist 2010/11 in die 2. Liga Frankreichs abgestiegen und hatte in dieser Saison einen Gesamtumsatz von ca. EUR 40 Mio. Somit machen die Kosten für den Nachwuchs ca. 15% der Einnahmen, gemessen am Umsatz in der Saison 2010/11, aus. Beim FC Bayern München liegt dieser Wert gemessen am Umsatz in der Saison 2010/11 (EUR 328,5 Mio.) bei lediglich 0,9%  und beim FC Arsenal (EUR 283 Mio.) bei lediglich 1%. Beim FC Barcelona betrug dieser Wert 4% (Gesamteinnahmen in der Saison 2010/11 = EUR 450,7 Mio.).

Zwar versprechen hohe Kosten nicht gleich höhere Qualität, doch wird an diesem Punkt die Wertschätzung diesem Schlüsselbereich gegenüber deutlich.

Die Höhe der Investition in den Nachwuchs zeigt beim FC Barcelona nicht nur in der A-Elf seine Früchte, sondern auch in der B-Elf. Während nach Transfermarkt.de Informationen Barcas B-Elf ca. EUR 48 Mio. wert ist, weisen die zweiten Mannschaften des FC Bayern München (EUR 3,7 Mio.), Inter Mailands (EUR 5,1 Mio.) und Ajax Amsterdams (EUR 3 Mio.), nur einen Bruchteil dieses Marktwerts auf. Anders jedoch die B-Elf von Sporting Lissabon. Diese hat ebenfalls einen Marktwert von beeindruckenden EUR 38,9 Mio.

Beim FC Barcelona wird die Wertschätzung für die Jugend mit der Vision zum Ausdruck gebracht, den größten Teil der ersten Mannschaft mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchs zu bestücken. Auch bei Sporting Lissabon ist das oberste Ziel soviel Spieler wie möglich aus dem eigenen Nachwuchs ins A-Team zu integrieren.

Vision & Ziele

Die effektivsten Jugendakademien sind die, die eine definierte Vision und Zielvorgabe haben und dies auch nachdrücklich verfolgen. Der Untersuchung der ECA zufolge haben 65% der analysierten Clubs eine definierte Clubvision und 78% eine Ausbildungsvision für den Nachwuchs, die bei 92% auf der allgemeinen Fußballphilosophie des Clubs basiert. (S.112) Für 66% der Clubs liegt das Ziel der Nachwuchsausbildung in der Generierung ökonomischen Mehrwerts. 60% der befragten Clubs sehen ihre Jugendausbildung eher als Einnahmequelle, denn als Kostenfaktor. Dennoch liegt für 88% der untersuchten Clubs das Ziel der Jugendausbildung in der Entwicklung von Spielern für die erste Mannschaft.

ECA Report - Hauptziel

Organisation & Eingliederung in 1.Mannschaft

Eine interessante Anmerkung bezüglich der Integration von Führungspersonal im Vorstand betrifft den Trainer der ersten Mannschaft. Bei lediglich 40% der Clubs sind diese im Vorstand des Clubs vertreten, spielen aber bei 80% der Clubs zusammen mit Clubmanager und Direktor des Nachwuchszentrums eine bedeutende Rolle beim Übergang des Nachwuchses ins erste Team.

Dies stellt eine bedeutende Herausforderung für den Nachwuchsbereich da, die im besten Fall direkt ins 1.Team erfolgt. Dabei kommt es auf die Verlinkung des Nachwuchszentrums mit dem Profibereich sowie der Rolle des Amateurteams (2.Mannschaft) an. Dabei gibt es zwei wesentliche Ausprägungen:

  1. die Minderheit der Clubs (8%) versteht das Nachwuchszentrum als komplett selbstständige Einheit,
  2. die Mehrzahl (92%) sieht die Ausbildungsstätte als einen integrierten Teil des Gesamtclubs an. Bei den meisten Clubs ist die Verknüpfung mit dem ersten Team über die Sportabteilung (technical heart/board) gegeben.

Jedoch muss hierauf genauer eingegangen werden. Bei lediglich 50% der befragten Fußballclubs ist der Leiter des Nachwuchszentrums im Vorstand (executive board) vertreten. Bei 66% steht dieser zumindest im Gremium der Sportabteilung.

Eine große Herausforderung stellt die Rolle der zweiten Mannschaft dar. Hier muss eine Balance gefunden werden zwischen den Spielern die noch nicht gut genug für die erste Mannschaft sind, den Spielern mit hohen Gehältern der 1. Mannschaft und den Spielern aus dem eigenen Jugendbereich.

Gerade letztere Spielergruppe sieht sich dem Problem gegenüber zu gut für die Jugendakademie zu sein aber noch nicht stark genug für den Herrenbereich.

Dem Bericht zufolge ergibt sich hieraus die Konsequenz internationale Jugendturniere auszutragen, da dadurch die Spieler Erfahrung sammeln, welche zu einer höheren Überführungsquote ins erste Team führe.

Hier sehe ich aber gewisse Zweifel. Zwar ist es keine Frage, dass mehr Spielpraxis die Leistung eines Spielers fördert, jedoch ist das Austragen internationaler Turniere mit massiven Reisestrapazen verbunden. Diese Zeit könnte wohl besser auf dem Platz genutzt werden. Diese Thematik ist sicherlich massiv vom Alter der Spieler abhängig.

Ausbildungskooperationen mit anderen Clubs

Eine zweite Möglichkeit für den Jugendspieler, der sich in der Zwickmühle befindet zu stark für die Jugendakademie aber zu schwach für die erste Mannschaft zu sein, stellt ein Leihgeschäft mit anderen Clubs dar. Hier arbeiten dem Bericht zufolge 50% der Clubs mit Partnervereinen zusammen, um die Ausbildung des eigenen Nachwuchses zu verbessern.

Da die Amateurteams vieler Erstligisten in der 3. Liga oder tiefer spielen, könnte es hier sinnvoll sein, Partnerschaften mit Zweitligisten einzugehen und somit den Leistungsspalt zu schließen. Hier ist die Zusammenarbeit Udinese Calcio und FC Granada zu nennen. Durch die Kooperation mit dem spanischen Erstligisten, der seit der Saison 2011/12 wieder in der Primera División spielt, fördert der italienische Serie A Club die Entwicklung der eigenen Talente, indem diese an den spanischen Club ausgeliehen werden. Im Umkehrschluss profitiert der FC Granada von der talentierten Verstärkung aus Italien. Dieses Modell funktionierte in der Vergangenheit hervorragend und zeigte vermutlich einen höheren Mehrwert für beide Clubs als der spanische Verein noch in der zweiten Liga aktiv war.

Auch könnte auf diese Art die Integration von jungen talentierten Nichteuropäern erleichtert werden. Ein Brasilianer bspw. könnte sich in Spaniens oder Italiens 2.Liga oder sogar Portugals erster Liga an Europa gewöhnen, um danach den Schritt nach Deutschland oder England zu wagen. Ein solch strategisches Transfermanagement würde somit den ein oder anderen „Kulturschock“ verhindern.

Scouting & Ausbildung

Dem Scouting kommt eine weitere wichtige Bedeutung im Betreiben eines Nachwuchszentrums zu. Damit die richtigen Spieler das Zentrum besuchen, bedarf es einem durchdachten System, dass frühzeitig junge Talente entdeckt, sodass diese an den Club gebunden werden können. Hier gilt eine einfache Regel: Spieler früher als andere entdecken! Dies erfordert ein schnell reagierendes System, dass nach der Erkennung des Spielers und dessen Bewertung kurze Beratungswege und Entscheidungszeiten zur Verpflichtung umfasst.

Dem Bericht zufolge sollte die Scouting-Abteilung eng mit dem SPORT-Gremium des Clubs verbunden sein. Nach der Verpflichtung eines Spielers bedarf es dessen Entwicklung und langfristig angelegte Ausbildung. Aus den Ergebnissen geht heraus, dass die Mehrzahl der Clubs sowohl die fußballspezifische als auch die charakterliche und schulische Ausbildung des Spielers fokussiert. Hierzu pflegen 75% der Nachwuchszentren Partnerschaften zu Schulen und 50% zu Universitäten. Ebenso wird es den jungen Erwachsenen ermöglicht innerhalb der „Clubmauern“ einem Studium nachzugehen.

Somit ist offensichtlich, dass die Ausbildung des Spielers neben dem Platz ein wertvolles Bestreben von Fußballclubs bildet. Zudem werden charakterliche Eigenschaften wie Benehmen und mentale Stärke als Erfolgskomponenten bei Spielern ausgemacht.

Bei der Mehrzahl der Clubs finden sich über 220 Spieler, die in drei bis vier Altersstufen eingeteilt sind. 75% der Jugendlichen in den Akademien kommen aus der näheren Umgebung (mit weniger als 1 Std. Fahrzeit). 60% der Clubs haben Spieler aus dem Ausland. Bei der höchsten Altersstufe sind 3% der Jugendspieler aus dem Ausland.

ECA Report - Scouting

Infrastruktur

Dem Bericht zufolge sind folgende Aspekte der Infrastruktur einer Jugendakademie zu berücksichtigen und sehr wichtig:

So sollte die Qualität der Plätze von höchster Güte sein, damit technische Fähigkeiten/Fertigkeiten und Ballzirkulation bei höchstem Tempo stattfinden können. Rasenplätze oder Mixplätze aus Kunst- & Naturrasen werden empfohlen

Zudem sollten die Jugendspieler in der Nähe des ersten Teams sein und mit den Spielern in Kontakt kommen um die Entwicklung positiv zu fördern (Motivation). Dennoch müssen die beiden Gruppen eigene Areale haben. Eine gewisse Distanz sollte gegeben sein, damit die einzelnen Bedürfnisse berücksichtigt werden können. 75% der Clubs haben Räumlichkeiten in denen beide Gruppen aufeinandertreffen.

Des Weiteren sollte den Trainern der Jugendakademie ermöglicht werden, ihre Spieler in Bereichen mit ruhiger Atmosphäre unterrichten zu können. Eine friedliche Umgebung ohne externe Störungen (Agenten, Eltern, etc.) ist wichtig.

Die Untersuchung ergab, dass über 50% der Jugendakademien mit Psychologen zusammenarbeiten und 60% soziale Unterstützung für die Spieler anbieten. Fahrdienste zum Training bieten lediglich 66% der Clubs ihren Jugendspielern.

ECA Report - Infrastruktur

Fachlicher Inhalt, Trainingsinhalt, Coaching

Bei 65% der Ausbildungsstätten sind die Trainer dazu angehalten eine klar vorgegebene Trainingsphilosophie umzusetzen. Darüber hinaus gibt die Mehrzahl der Clubs an ein einheitliches Spielsystem zu verfolgen, das sich an der ersten Mannschaft orientiert. Mit 52% wurde das 4-3-3 am häufigsten genannt, gefolgt vom 4-4-2 (28%).

In Bezug auf die Trainingseinheiten gibt es allerdings große Unterschiede. Zwar finden die meisten Trainingseinheiten im Team statt (Gruppentraining), jedoch liegt bei 66% der Clubs der individuelle Fortschritt des Spielers im Fokus. Die Teamentwicklung ist scheinbar weniger wichtig. Im Fokus liegt der Fortschritt des Einzelnen. Dies führt auch dazu, dass mehr und mehr Clubs Einzeltrainingseinheiten einbauen. Allerdings gibt es hier kein einheitliches Bild. Manche Clubs bieten dies gar nicht an und manche mehr & mehr. Dabei gilt jedoch zu beachten die richtige Balance zwischen Einzel- & Gruppentrainingseinheiten zu bekommen.

Bei der Betrachtung der Altersstufen ergeben sich die Altergruppen „bis 12 Jahren, „13-15 Jahre“, „16 und älter“. In diesen Altersgruppen existieren definierte Lernziele. Aufschluss über die Anzahl und Häufigkeit der Gruppen- & Einzeltrainingseinheiten sowie den Spielen in den einzelnen Altersstufen gibt folgende Tabelle:

ECA Report - Trainingshäufigkeit im Durchschnitt

Die Anzahl der Turniere sank innerhalb der letzten Jahre, wobei internationale Turniere zunehmen.

Technische Unterstützung wie bspw. Videoanalyse findet bei 75% der Clubs schon im Jugendbereich Anwendung.

Aufgrund der steigenden Anforderungen des modernen Fußballs, die sich insbesondere in der Geschwindigkeit des Spiels zeigen, bedarf es der besseren technischen Ausbildung der Jugendspieler. Obwohl somit die technische Entwicklung überwiegt, darf die taktische Schulung nicht vernachlässigt werden. Hier muss eine angemessene Verteilung gefunden werden, die den Ansprüchen des modernen Fußballspiels gerecht wird. Dies sollte sich nicht am aktuellen Zustand orientieren, sondern zukünftige Entwicklungen antizipieren. Der Spieler muss nicht nur den aktuellen Anforderungen gerecht werden, sondern im besten Fall neue Standards setzen. Der Untersuchung zufolge liegt bei 60% der Clubs der Fokus eher auf der technischen und taktischen Ausbildung der Spieler als auf der physischen. Das Fitnesstraining beginnt durchschnittlich ab 14 Jahren.

Die Entwicklung der Nachwuchsspieler hängt entscheidend von der Qualität und Struktur des Trainerpersonals ab. Dem Report zufolge sollte eine gesunde Balance zwischen Trainern, die Erfahrung als Fußballspieler haben und Trainern mit akademischen Hintergrund bestehen.

Als kritischen Erfolgsaspekt wird auf die Kommunikation zwischen dem Direktor des Nachwuchzentrums und dem Trainerteam hingewiesen. Selbstredend bildet die Kommunikation innerhalb des Trainerteams über Trainingsinhalte, -schwerpunkte und Entwicklungsstadien der Spieler einen weiteren Erfolgsfaktor. Der Direktor des Leistungszentrums sollte als Trainer der Trainer (Coach of the coaches) auftreten und nicht mit administrativen Aufgaben beschäftigt sein. Seine Aufgabe ist die Entwicklung der Trainer.

ECA Report - Training & Trainer

Empfehlungen

Der Bericht nennt abschließend einige Erfolgsfaktoren für das Management eines Nachwuchszentrums:

  • Eine klare Vision der Nachwuchsförderung, die auf langfristig angelegte und konstante Umsetzung baut.
  • Den Dirktor des Nachwuchszentrums im Sportvorstand integrieren und somit diesem Bereich ein größeres Mitsprachrecht gewähren.
  • Investitionen in die Jugend bringen zum einen finanzielle Vorteile aber auch eine höhere Loyalität und Identifikation sowohl der Spieler  als auch der Fans dem Club gegenüber.
  • Es muss eine gesunde Balance zwischen Wettkampf- und Ausbildungsgedanke herrschen.
  • Die Qualität der Trainer, die Umgebung und Atmosphäre im Nachwuchszentrum bestimmen maßgeblich den Ausbildungserfolg.
  • Qualität statt Quantität
  • Die Spielphilosophie der Herrenmannschaft sollte sich nach dem Nachwuchs richten. Dort können am besten zukünftige Trends antizipiert werden und die Spieler schon früh entsprechend geschult und vorbereitet werden.

Fazit

Die Bedeutung des Nachwuchses rückt dank des Financial Fairplay immer mehr in den Fokus. Bedenkt man, dass die Ausgaben für die Nachwuchsförderung nicht als „relevante Ausgaben“ in der Break-Even-Vorschrift (Artikel 58; 2.) angesehen werden, wird hier ein interessanter Aspekt verdeutlicht, um langfristige Wettbewerbsvorteile zu erhalten. Der Club macht sich unabhängig vom Transfermarkt (und den dort herrschenden Gehaltsforderungen) und entwickelt im besten Fall seine eigenen und zukünftigen Spieler für bestimmte Positionen und Rollen selbst. Der Club kann gezielt Verstärkungen und/oder Erweiterungen für seine erste Mannschaft und dessen Spielanlage kreiieren. Der Nachwuchs prägt den Standard von morgen.

Ferner entfallen Eingewöhnungsphasen, die aufgrund von kulturellen Unterschieden auftreten können und oft auf das nicht Beherrschen einer Sprache zurückzuführen sind.

Die Förderung der eigenen Jugend bringt Vorteile, die die spielerischen Elemente betreffen aber auch die Identifikation mit dem Club positiv beeinflussen. Für einen Jugendspieler ist es das oberste Ziel in der ersten Mannschaft seines Clubs zu spielen. Er wird alles für den Verein geben. Und gerade dieser Aspekt stellt einen weiteren Vorteil der Integration des eigenen Nachwuchses ins erste Team gegenüber Spielertransfers dar: Der Wille zum Sieg eines Spielers wächst durch die Identifikation mit seinem Club.

Marco Mesirca / 2013

Und hier gibt es den Report der ECA „Report on youth academies in Europe

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3 Antworten zu “Der Nachwuchs im europäischen Fußball

  1. Totaal - Catenaccio

    Vielen Dank für diesen interessanten und gut geschriebenen Bericht!

    Hier erfährt man, was wirklich wichtig ist im Fußball, im Gegensatz zu den meisten anderen Zeitungsartikeln. Eine perfekte Ergänzung zu „spielverlagerung.de“.

    Danke dafür!

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