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Die Fitnessbranche – Ketten fressen Einzelbetriebe

Der deutsche Fitnessmarkt 2013 – Deloittes Sport Business Gruppe hat in Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeberverband deutscher Fitness- & Gesundheitsanlagen (DSSV) und der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) eine Studie zum deutschen Fitnessmarkt  erarbeitet.

FitnessbrancheDie seit 2004 jährlich erscheinende Marktanalyse dient laut Deloitte „als Planungs- und Informationsinstrument“, das zum einen die Transparenz der Fitnessbranche erhöht und zum anderen einen wesentlichen Beitrag zur Professionalisierung der Industrie leistet. Im folgenden Artikel möchte ich diese Studie vorstellen indem ich wesentliche Kernergebnisse präsentiere. Hierdurch erhält der Leser einen umfassenden Einblick in den Fitnessmarkt. Vielen Dank an die Verantwortlichen, die mir diese Studie zukommen haben lassen.

Fitnessbranche – konstanter Umsatzwachstum

Fast EUR 4 Mrd. setzte die Fitnessbranche im Jahr 2012 um. Berücksichtigt sind hier Anlagen mit einer Gesamtfläche von mehr als 200 qm. Mit einem Nettoumsatz von EUR 3,83 Mrd. treibt die Branche ihren Wachstum voran, obgleich der Wachstum von 2010 zu 2011 mit ca. EUR 167 Mio. bedeutend höher ausfiel als der von 2011 zu 2012 (EUR 5 Mio.).

Seit 2009 konnte der Umsatz von EUR 3,43 Mrd. auf  EUR 3,83 Mrd. gesteigert werden. Der Studie zufolge setzt sich der Nettoumsatz aus Mitgliedsbeiträgen, Tageskartenverkäufen, Personaltraining und Thekenverkäufen zusammen.

Wachsende Mitgliederzahlen

Der erneute Anstieg ist trotz der durchschnittlich gesunkenen Mitgliedsbeiträge im Wesentlichen auf den Mitgliederzuwachs zurückzuführen. Im Jahr 2012 verzeichneten die Fitnessanlagen, mit einer Gesamtfläche von mehr als 200 qm, 7,5 Mio. Mitglieder. Damit waren 3,7% (264 TSD) mehr Menschen in kommerziellen Studios  angemeldet als 2011.

Mit Hilfe dieses Wertes lässt sich der Anteil von Fitnessstudiomitgliedern an der Gesamtbevölkerung berechnen. Die sog. Penetrationsquote beträgt Ende 2012 9,1% und verbesserte sich gegenüber 2007 (6,7%) um 2,4 Prozentpunkte. Betrachtet man hingegen lediglich die Hauptzielgruppe der Fitnessbranche (18 bis 65-Jährigen) so steigt die „Penetrationsquote“ auf 14,3%. Dies bedeutet, dass in Deutschland im Jahr 2012 14,3% der 18- bis 65-Jährigen als Mitglieder in einem Fitnessstudio angemeldet waren.

Mitgliederentwicklung vs Penetrationsquote

Des Weiteren vergleicht Deloitte den Fitnesssport mit den mitgliedsstärksten Sportarten. Dieser Vergleich zeigt, dass der Sport „Fitness“ die meisten Mitglieder 2012 hatte. Allerdings verweisen die Studienverantwortlichen (Karsten Hollasch und Niels Gronau) darauf, dass ein Vergleich mit anderen Sportarten, wie bspw. Fußball, aufgrund der Organisations- und Mitgliederstruktur nur bedingt möglich sei. Als passendes Vergleichsobjekt wird daher der Golfsport genannt, der Ende 2012 eine Penetrationsquote von 0,8% aufwies.

Die mitgliederstärksten Sportarten

Betriebsstruktur: 3 FitnessAnlage-typen

Der Studie ist ferner zu entnehmen, dass Ende 2012 6.222 Fitnessanlagen (mit einer Gesamtfläche > 200qm) in Deutschland existierten, die durchschnittlich 1.203 Mitglieder pro Anlage aufwiesen. An dieser Stelle muss allerdings differenziert werden, da bspw. die sog. „Einzelbetriebe“ zwar den höchsten Marktanteil nach Anlagen (72,4%) aufweisen, jedoch in puncto Mitgliedschaften lediglich einen Marktanteil von 48,3%  zeigten.

Werfen wir daher nun einen genaueren Blick in die Betriebsstruktur der Fitnessbranche. Deloitte zufolge lässt sich die Branche in drei Betriebskategorien unterteilen. Die Unterteilung erfolgt nach Anlagenanzahl und kumulierter Mitgliederzahl:

  • Kettenbetrieb: Unternehmen mit min. 3 Anlagen, die zusammen mehr als 5.000 Mitgliedschaften aufweisen. Ketten betreiben ihre Fitnessanlagen sowohl im Eigenbetrieb als auch nach einem Franchisekonzept.
  • Filialbetrieb: Unternehmen mit zwei oder mehr Anlagen die kumuliert weniger als 5.000 Mitglieder zeigen.
  • Einzelbetriebe: „Einzelne Anlagen, die in der Regel durch ihre Eigentümer geführt werden“.

Betrachtet man nun die durchschnittliche Mitgliederzahl pro Anlage nach dieser Kategorisierung so erfahren wir, dass Ende 2012 die Kettenbetriebe im Schnitt 2.422, die Filialbetriebe 1.314 und die Einzelbetriebe 802 Mitglieder pro Anlage aufwiesen.

Insgesamt weisen die Kettenbetriebe einen konstanten Mitgliederzuwachs auf. Dies zeigt die Mitgliederentwicklung seit 2007.  Von 2007 bis 2012 erfuhr diese Betriebskategorie einen Zuwachs von 1,6 Mio. Mitgliedern auf ca. 3,5 Mio., sodass die „Ketten“, Ende 2012, einen Marktanteil nach Mitgliedschaften von 47,2% inne hatten. Und dies bei einem 23,5%igen Anteil an den gesamten Fitnessanlagen.

Dies hat allerdings auch seinen Preis für die Mitglieder. Während bei den Einzelbetrieben auf 1 qm 0,6 Mitglieder kommen, sind in den Ketten 1,5 Mitglieder pro qm vorhanden. Die Einzelbetriebe bieten ihren Kunden, gemessen an der Fläche, mehr als doppelt soviel Platz zum trainieren.

Ketten Fressen Einzelbetriebe

Wie bereits angeführt, fallen die größten Marktanteile, gemessen sowohl an Mitgliedschaften als auch an Anlagen, größtenteils auf die Ketten- (47,2% / 23,5%) und Einzelbetriebe (48,3% / 72,4%). Dazwischen liegen mit 300 TSD Mitgliedern (4,5%) und 249 Anlagen (4,1%) die sog. Filialbetriebe, die als Durchlaufposten gesehen werden können.

Jedoch zeigt sich seit 2007, dass die Einzelbetriebe sowohl ihren Marktanteil an Mitgliedschaften als auch an Fitnessanlagen allmählich einbüßen. Dies ist besonders auf die Ausdehnung der Kettenbetriebe zurückzuführen. In der Studie heißt es hierzu:

„Die Zugewinne der Ketten gehen damit im Wesentlichen auf Kosten der Einzelbetreiber (…) Dieser Effekt wird hauptsächlich durch drei Ursachen getrieben:

  1. Einzelanlagen inklusive ihrer Mitglieder werden von Ketten übernommen oder schließen sich deren Franchise-Konzept an,
  2. Einzelbetriebe entwickeln sich zu Filial- oder Kettenbetrieben weiter oder
  3. die Betriebe scheiden aufgrund einer Betriebsaufgabe oder Insolvenz aus dem Markt aus.“

Marktanteil nach MItgliedschaften & Anlagen

Umsatz der Einzelbetriebe sinkt

Doch die Einzelbetriebe zeigen nicht nur eine Reduzierung ihrer Marktanteile (Mitgliedschaften & Anlagen) sondern auch einen leichten Umsatzrückgang gegenüber 2010. Während die Kettenbetriebe ihren Nettoumsatz seit 2009 um 40% auf EUR 1,41 Mrd. steigern konnten, reduzierte sich der Umsatz der Einzelbetriebe von EUR 2,26 Mrd. in 2010 auf EUR 2,18 Mrd. in 2012.

Umsatzentwicklung Fitnessanlagen

McFIT – First in Fitness

Der konstante Mitglieder- und Umsatzwachstum zeigt die zunehmende Macht der Kettenbetriebe in der Fitnessbranche. Der Studie zufolge weist diese Betriebsstruktur ökonomische Vorteile u.a. in der Organisation und der Markenbildung auf.

2012 existierten in Deutschland 149 Ketten mit ca. 1.460 Fitnessanlagen. Absoluter Branchenführer in Sachen Mitgliederzahl ist McFIT, das mit ca. 1,2 Mio. Mitgliedern vor „Fitness First Germany“ (ca. 274 TSD) und „Injoy“ (ca. 200 TSD) liegt und somit allein auf einen Marktanteil von 16% kommt.

Mitglieder- & Anlagenzahl Kettenbetriebe

Auch in Sachen Nettoumsatz dominiert die McFIT GmbH: Das Unternehmen liegt nach, Deloitte Informationen, mit einem Nettoumsatz von EUR 236,5 Mio. im Geschäftsjahr 2012 vor Fitness First Germany (ca. EUR 150 Mio.) und Mrs. Sporty (ca. EUR 70 Mio.). Aus dem hieraus errechenbaren Nettoumsatz pro Mitglied lassen sich am besten die Angebot- und Preisstrategien innerhalb der Fitnessbranche verdeutlichen.

Umsatzzahlen Kettenbetriebe

Discount-, Medium- und Premiumanbieter

Während sich für McFIT ein Nettoumsatz pro Mitglied (Monat) von ca. EUR 19 errechnen lässt, zeigen sich bei „Fitness First Germany“ ca. EUR 45 und bei Body+Soul ca. EUR 70. Diese drei Kettenanbieter stehen exemplarisch für die in der Fitnessbranche vorherrschende Angebots- und Preisstruktur. Die Studie unterteilt die Segmente Discount, Medium und Premium.

  • Discountanbieter lassen sich charakterisieren durch ein eingeschränktes Leistungsspektrum und eine geringe persönliche Betreuung ihrer Mitglieder. In der Regel liegt die Fokussierung auf Cardio- und Kraftgeräte. Der monatliche Mitgliedsbeitrag liegt bei unter EUR 30.
  • „Anbieter im Mediumbereich sprechen mit ihrem Angebot und ihrer Ausstattung ein eher breites Publikum an“. Der monatliche Mitgliedsbeitrag liegt bei EUR 30 bis EUR 60.
  • Premiumanbieter zeichnen sich durch ihr „hochwertiges, breit gefächertes Angebotsspektrum“ aus, das auf Mitglieder mit höherem Einkommen ausgerichtet ist. Der monatliche Mitgliedsbeitrag liegt bei über EUR 60.

Der Marktstudie zufolge setzt sich die Fitnessbranche zu 11% aus Discountanbietern, zu 63% aus Anbietern im Mediumbereich und zu 26% aus Premiumanbietern zusammen. In diesem Zusammenhang würde ich gerne eine Kreuztabelle präsentieren, die die Verteilung der Betriebsarten in der Angebotsstruktur zeigt. Jedoch ist eine solche Übersicht nicht in der Studie enthalten.

Positionierung ist Erfolgsfaktor

Innerhalb der verschiedenen Angebots- und Betriebsstrukturen entwickeln sich auch Nischenanbieter, wie bspw. Mrs Sporty. Die Fitnesseinrichtung spezialisierte sich auf die Bedürfnisse der Frauen und erfährt damit zweistellige Wachstumsraten. Hier wird für ca. EUR 40 im Monat nur für Frauen ein 30-minütiges Zirkeltraining angeboten, dass dem Unternehmen „in den letzten fünf Jahren jährliche Wachstumsraten im zweistelligen Bereich“ bescherte.

Der Studie zufolge sind Discount- und Frauenfitness am erfolgreichsten, wodurch die Bedeutung einer klaren Positionierung unterstrichen wird. Werfen wir nun einen Blick auf die Kundenstruktur der Fitnessanbieter.

Zielgruppen der Fitnessbranche

Die in der Studie enthaltene Kundenstrukturanalyse zeigt einen leichten Überhang des weiblichen Geschlechts. 51,4% der Fitnesstreibenden sind weiblich. Bei einer geschlechtsspezifischen Betrachtung der Angebotsstruktur-Nachfrage zeigt sich jedoch, dass Frauen eher den Medium- (54,3%) und Premiumsektor (55,8%) bevorzugen. Die Mitglieder des Discountbereichs sind lediglich zu 43,5% weiblich.

Auch wurde die Altersstruktur unter die Lupe genommen: Dem zufolge sind 53,2% der Kunden im Fitnessmarkt über 40 Jahre. Besonders gering ist der Anteil der über 40 Jährigen im Discountsegment (30,2%). Allerdings zeigt sich ein Übergewicht (58%) dieser Altersgruppe im Premiumsektor. Mitglieder unter 50 Jahre bildeten 70,6% der Kunden im Fitnessmarkt. Diese Altersgruppe ist mit 84% besonders ausgeprägt im Discountsegment vertreten.

Altersverteilung der Mitglieder der Fitnessanlagen

Zusammenfassung

Im vorangegangenen Artikel wurde der Fitnessmarkt in Deutschland beschrieben. Unter Verwendung der Marktanalyse der Deloitte Sports Group (Der Fitnessmarkt 2013) wurden Betriebs- und Angebotsstruktur der Fitnessbranche angeführt sowie eine Beschreibung der Kundenstruktur vorgenommen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich die Fitnessanbieter in die drei Anlagetypen Einzel-, Filial- und Kettenbetrieb unterteilen lassen. Während der Fitnessmarkt im allgemeinen erheblichen Wachstum erfährt, ist besonders eine Marktanteilsverschiebung bezüglich der Mitgliedschaften festzustellen. In den letzten fünf Jahren konnten die Kettenbetriebe einen Mitgliederzuwachs von 1,6 Mio. Menschen verbuchen, wodurch der Marktanteil von 34% auf 47% anstieg. Dies ist weitestgehend auf Übernahmen bzw. Betriebsaufgaben von Einzelbetrieben zurückzuführen.

Darüber hinaus wurde die Angebotsstruktur der Fitnessbranche skizziert, die sich in Discount, Medium und Premium unterteilen lässt. Der Studie zufolge sind die Mehrzahl der Fitnessanlagen (63%) im sog. Mediumsektor angesiedelt. Der Mediumsektor ist es auch der neben dem Premiumbereich von den weiblichen Kunden bevorzugt wird. Hingegen zeigt der Discountbereich mit 57% ein männliches Übergewicht in seiner Mitgliederstruktur. Die Mitglieder der gesamten Fitnessbetreiber sind zu 51% weiblich und zu 53% über 40 Jahre.

Hinsichtlich der Altersstruktur zeigen sich jedoch erhebliche Unterschiede in den Angebotssegmenten. Während die Mehrheit der Mitglieder im Medium- und Premiumsektor über 40 Jahre ist, besteht ein klares Übergewicht (70%) der unter 40-Jährigen im Discountbereich, was insbesondere auf die Preisstruktur zurückzuführen ist.

Marco Mesirca / 2013

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