Europas Fußballelite – Einnahmen & Lohnkosten der Fußballclubs (1/3)

Nachdem bereits das ganzheitliche Geschäftsmodell eines Fußballclubs, anhand der FC Bayern München AG, dargestellt und entsprechende Schlüsselbereiche hervorgehoben wurden, erfolgt nun die Betrachtung der Schlüsselelemente weiterer europäischer Fußballclubs. Somit sollen gewisse Tendenzen und Unterschiede in den praktizierten Geschäftsmodellen der Top-Fußballunternehmen aufgezeigt werden.

Europas Topclubs1 150x150 Europas Fußballelite   Einnahmen & Lohnkosten der Fußballclubs (1/3)Betrachtet man die Einnahmenstruktur der europäischen Eliteclubs, so können erhebliche Unterschiede in deren Zusammensetzung festgestellt werden. Die DELOITTE „Football Money League 2012“ unterscheidet Spieltageinnahmen (Matchday), mediale Erlöse (Broadcasting) sowie Vermarktungseinnahmen (Commercial).

Letztere umfassen die generierten Einnahmen aus Sponsoring, Merchandising und sonstigen Vermarktungsaktivitäten, während die Spieltageinnahmen weitestgehend durch Ticketverkauf und Mitgliedschaften bestimmt werden. Sie sind stark abhängig von der Stadionkapazität und Stadionauslastung.

Die Erlöse aus „Broadcasting“ umfassen Einnahmen aus nationaler und internationaler Medienvermarktung, die stark an den sportlichen Erfolg gekoppelt sind. Nachstehende Abbildung stellt die Einnahmestrukturen der 20 europäischen Topclubs sowie des FC Porto in der Saison 2010/11, sortiert nach Höhe der Gesamteinnahmen, dar.

Abb30 Einnahmestruktur der umsatzstärksten Fußballclubs 1024x545 Europas Fußballelite   Einnahmen & Lohnkosten der Fußballclubs (1/3)

Einnahmestruktur der umsatzstärksten Fußballclubs nach Deloitte – Zum vergrößern anklicken !! (Die Ergebnisse des FC Porto wurden aus dessen Geschäftsbericht 2010/11 nach dem Muster der DELOITTE Studie übernommen. Ebenfalls sind in diesen Zahlen keine Transfererlöse enthalten)

Zum einen kann der Grafik die Summe der verschiedenen Erlösquellen entnommen werden (linke Seite), die im Falle eines überdurchschnittlichen Wertes, fett markiert ist. Durch entsprechende Farbskalen wird die Höhe der einzelnen Einnahmesäulen verdeutlicht.

Zum anderen wird der prozentuale Anteil der einzelnen Erlösquellen am Gesamtumsatz dargestellt (rechte Seite). Dabei gibt die Farbdichte Aufschluss über die Bedeutung der Einnahmensäulen für die Umsatzstruktur. Mithilfe dieser Präsentation wird die Erläuterung der Erlösstrukturen vereinfacht sowie entsprechende Schlüsselelemente der Geschäftsmodelle aufgezeigt.

In Summe weisen die 20 umsatzstärksten Fußballclubs einen Gesamterlös von EUR 4,4 Mrd. auf, der im Schnitt einen Gesamtumsatz von EUR 220 Mio. pro Club ergibt. Dieser durchschnittliche Umsatz setzt sich zu 23 Prozent aus Spieltageinnahmen (Matchday), zu 42 Prozent aus medialen Erlösen (Broadcasting) und zu 35 Prozent aus sonstigen kommerziellen Erlösen (Commercial) zusammen.

Einnahmen “Commercial”

Die Erlösstruktur der DELOITTE „Football Money League“ wurde bereits im vorangegangenen Kapitel am Beispiel des FC Bayern herangeführt und mit den Konzernangaben verglichen. Im Zuge dessen wurde verdeutlicht, dass die kommerziellen Einnahmen des deutschen Rekordmeisters mit EUR 177,7 Mio. eine wesentliche Bedeutung für die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Clubs bildet, die sich in einem 55-prozentigen Umsatzanteil zeigt. Der FC Bayern kompensiert mit diesem europäischen Spitzenwert die geringeren Einnahmen aus Broadcasting und Spieltagen gegenüber der europäischen Konkurrenz.

Abb31 Einnahmestruktur der umsatzstärksten Fußballclubs Sort. Commercial Prozent 1024x543 Europas Fußballelite   Einnahmen & Lohnkosten der Fußballclubs (1/3)

Einnahmestruktur der umsatzstärksten Fußballclubs sortiert nach COMMERCIAL Einnahmen (in %) – Zum Vergrößern anklicken!

Einen höheren prozentualen Anteil weist nur Borussia Dortmund aus, deren EUR 78,7 Mio. sogar 57 Prozent der Gesamteinnahmen umfassen. Damit liegt der 16. der „Football Money League“ in dieser Erlöskategorie ca. EUR 2 Mio. über dem Durchschnitt.

Hieran ist ersichtlich, dass für die beiden deutschen Topclubs die Akquise werthaltiger Sponsoren sowie der Absatz von Merchandising-Produkten absolute Schlüsselaktivitäten zur Funktion ihrer Geschäftsmodelle bilden.

Die geringste prozentuale Umsatzbedeutung der Vermarktungs-Einnahmen weisen der FC Valencia (20 %) und der FC Arsenal (20 %) auf. Die beiden Clubs erlösen aus Sponsoring, Merchandising und sonstigen Vermarktungsaktivitäten lediglich EUR 22,9 Mio. bzw. EUR 51,2 Mio., womit diese unter dem Durchschnitt liegen.

einnahmen “Spieltag”

Beim FC Arsenal London zeigt sich hingegen ein sehr ausgeprägter Umsatzanteil (41 Prozent) der Spieltageinnahmen. Der Club erlöste über diesen Strang EUR 103 Mio., womit er den viert höchsten Umsatz in dieser Kategorie ausweist. Als Primus gilt hier Real Madrid, dessen EUR 123,6 Mio. ca. 26 Prozent der Gesamteinnahmen bilden.

Abb32 Einnahmestruktur der umsatzstärksten Fußballclubs Sort. Matchday Prozent 1024x545 Europas Fußballelite   Einnahmen & Lohnkosten der Fußballclubs (1/3)

Einnahmestruktur der umsatzstärksten Fußballclubs sortiert nach MATCHDAY (in %) – Zum vergrößern anklicken !!

Der englische Konkurrent des FC Arsenal, Manchester United, weist den zweit höchsten Wert in dieser Kategorie (EUR 120,3 Mio.) auf, deren prozentualer Anteil zum Gesamterlös mit 33 Prozent höchst ausgeglichen ist.

Für den FC Arsenal London kann somit der Ticketverkauf und die damit verbundene Preisgestaltung als fokussierte Aufgabenbereiche des Clubs angesehen werden.

Besonders auffällig sind die vertretenden französischen und italienischen Clubs, Olympique Marseille, Inter Mailand, AC Milan, Olympique Lyon, AS Roma und Juventus Turin, deren prozentualer Bestandteil der Spieltagerlöse nicht über 17 Prozent liegt. Juventus Turin und AS Roma weisen sogar, mit 8 Prozent bzw. 12 Prozent, den niedrigsten prozentualen Anteil auf. Die geringen Erlösbeiträge aus Spieltageinnahmen sind bei Juventus Turin (EUR 11,6 Mio.) und AS Roma (EUR 17,6 Mio.) u.a. auf die geringe Stadionauslastung zurückzuführen, die beim Turiner Topclub lediglich bei 53,6 Prozent und beim AS Roma bei 47,3 Prozent in der Saison 2010/11 lagen.

Einnahmen “Broadcasting”

Dafür zeigen die beiden italienischen Clubs, mit 63 bzw. 58 Prozent, den mit höchsten prozentualen Umsatzbeitrag durch mediale Erlöse auf. Der Gesamtumsatz des AS Roma, in Höhe von EUR 91,9 Mio. ist somit zu 63 Prozent von der Einnahmensäule „Broadcasting“ bestimmt.

Ebenso zeigt Inter Mailand eine markante Ausprägung, die mit EUR 124,4 Mio. (59 Prozent der Cluberlöse) EUR 32,5 Mio. über dem „Money League“ Durchschnitt liegt. Dennoch sind im Broadcasting Bereich die spanischen Topclubs FC Barcelona (EUR 183,7 Mio.) und Real Madrid (EUR 183,5 Mio.) führend. Es folgen der englische Rekordmeister Manchester United (EUR 132,2 Mio.) sowie Inter Mailand.

Abgeschlagen und massiv unter dem Durchschnitt liegen die Clubs Hamburger SV (EUR 26,7 Mio.), Borussia Dortmund (EUR 32,1 Mio.), Napoli (EUR 58 Mio.) und Valencia (EUR 66,4 Mio.). Die Dominanz Real Madrids und Barcelonas sowie die Schwäche des FC Valencia sind insbesondere auf die praktizierte dezentrale Vermarktung der TV-Rechte im spanischen Fußball zurückzuführen, die eine offensichtliche Diskrepanz in Höhe von EUR 117,2 Mio. zur Folge hat.

Abb33 Einnahmestruktur der umsatzstärksten Fußballclubs Sort. Broadcasting Prozent 1024x544 Europas Fußballelite   Einnahmen & Lohnkosten der Fußballclubs (1/3)

Einnahmestruktur der umsatzstärksten Fußballclubs sortiert nach BROADCASTING (in %) – Zum vergrößern anklicken !!

deutsche Clubs Top in der Vermarktung

An den angeführten Darstellungen ist hier neben der Höhe der Gesamterlöse vielmehr die prozentuale Zusammensetzung der Erlösstrukturen und das jeweilige Übergewicht bestimmter Einnahmebereich interessant.

Wie den vorangegangenen Abbildungen zu entnehmen, haben die beiden spanischen Topclubs Real Madrid und FC Barcelona eine ausgewogene Einnahmestruktur nach der Deloitte-Kategorisierung, mit einem lediglich leichten Übergewicht der medialen Erlöse. Eine beinahe absolute Ausgewogenheit (33% / 36% / 31%) kann lediglich Manchester United aufweisen, der mit seinen EUR 367 Mio. den dritten Rang der „Football Money League 2012“ einnimmt.

Die Gesamteinnahmen der beiden deutschen Eliteclubs FC Bayern München und Borussia Dortmund hingegen zeigen eine starke Konzentration auf den Einnahmen aus der Vermarktung, wodurch deren Schlüsselaktivität zur Wettbewerbsfähigkeit verdeutlicht wird. Wobei hier gesagt werden muss, dass diese Konzentration den geringeren medialen Erlösen, gegenüber der europäischen Top-Konkurrenz, geschuldet ist. Die deutschen Clubs haben ihr Heil in anderen Geschäftsbereichen gesucht und gefunden.

Ausgabenblock nr. 1 – Lohnkosten

Als wesentlicher Kostenblock eines Fußballclubs fallen die Lohnkosten für das Personal, insbesondere die Spieler, an. Die höchsten Lohnkosten weisen der FC Barcelona (EUR 238,9 Mio.), Real Madrid (EUR 215,8 Mio.) und der AC Milan (EUR 206,9 Mio.) auf.

Das Verhältnis der Personalkosten zum Umsatz gibt Aufschluss darüber, welchen prozentualen Anteil diese von den Gesamterlösen einnehmen wodurch Einblicke in die Personalpolitik eines Clubs möglich werden. Bei den beiden spanischen Topclubs bildet dieses Verhältnis lediglich beeindruckend niedrige 53 bzw. 45 Prozent, trotz der höchsten Lohnkosten-Summen. Manchester United (46 Prozent), FC Bayern München (49 Prozent)  und Borussia Dortmund (44 Prozent) bleiben dabei sogar unter 50 Prozent. Arsenal London und Tottenham Hotspurs liegen mit 55 bzw. 56 Prozent knapp darüber.

Als höchst kritisch gelten allerdings die Werte von Manchester City (114 Prozent), Inter Mailand (90 Prozent) und AC Milan (88 Prozent), da sich diese im Grunde ihr Personal nicht leisten können. Besonders Manchester City ist in diesem Zusammenhang hervorzuheben, die in der Saison 2010/11 lediglich Einnahmen in Höhe von EUR 169,6 Mio. generierten, allerdings gewaltige EUR 193,3 Mio. Personalkosten auswiesen.

Dies spiegelt sich im ausgewiesenen Verlust vor Steuer in Höhe von EUR 218 Mio. wieder. Manchester United (EUR +33,2 Mio.), FC Bayern München (EUR +16,82 Mio.), Arsenal London (EUR +16,6 Mio.), Borussia Dortmund (EUR +14,9 Mio.) und der FC Porto (EUR +1 Mio.) konnten im Geschäftsjahr 2010/11 jeweils einen Gewinn vor Steuer ausweisen. Verluste fuhren neben Manchester City auch der FC Chelsea London (EUR 74 Mio.) sowie FC Liverpool (EUR 54 Mio.) ein. (Vgl. Geschäftsbericht 2010/11 BVB / Dias, 2011, S. 33f. / O`Connor, 2012a)

Lohnkosten ausgewählter Fußballclubs 1024x549 Europas Fußballelite   Einnahmen & Lohnkosten der Fußballclubs (1/3)

Lohnkosten ausgewählter Fußballclubs – Zum vergrößern anklicken !!

Clubs mit einem extrem hohen Lohnkosten-Umsatz Verhältnis kann somit unterstellt werden, den sportlichen Erfolg erzwingen zu wollen, indem sie vermeintlich exzellente Spieler mit horrenden Gehältern locken.

Eine nachhaltige Entwicklung ist somit nur schwer möglich, da durch den hohen Kostenanteil ein großer Teil der Erlöse beansprucht wird, wodurch nur schwer weitere Ausgaben gedeckt werden können. Eine nachhaltige Personalpolitik dagegen kann den Clubs unterstellt werden, die eine auf den Umsatz abgestimmte Gehaltsstruktur aufweisen. Michel Platini empfiehlt in diesem Zusammenhang einen prozentualen Anteil von nicht mehr als 60 Prozent.

Marken- & Transfermanagement ->->->…

In Teil 2 gehe ich u.a. das Marken- & Transfermanagement der europäischen Top-Fußballclubs ein.

Marco Mesirca / 2012

Das Fußballclub Geschäftsmodell Entwicklung1 150x150 Europas Fußballelite   Einnahmen & Lohnkosten der Fußballclubs (1/3)Europas Fußballelite Ausgabenstruktur und Profitabilität 150x150 Europas Fußballelite   Einnahmen & Lohnkosten der Fußballclubs (1/3)

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3 Responses to Europas Fußballelite – Einnahmen & Lohnkosten der Fußballclubs (1/3)

  1. Hallo Herr Mesirca,
    die Einnahmen die die Vereine für die Teilnahme an der CL bzw. für das Weiterkommen bekommen fallen die unter Broadcasting oder Sponsoring?
    Für die Teilnahme an der Cl erhält der Verein glaube ich 8,8 mio und pro Siegt in der Gruppe eine Million. Dazu erhält der Verein ja Prämien fürs Achtelfinale usw.

    Mit freundlichen Grüßen

    Thomas Buchholz

  2. Dankeschön!

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