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Europas Fußballelite – Fokus auf 3 Fußballclubs (3/3)

Zum Abschluss dieses Artikeldreiteilers wird nun auf die drei Fußballclubs FC Arsenal London, Manchester City und den FC Porto eingegangen, die in den zuvor angeführten Schlüsselelementen erhebliche Unterschiede aufweisen und somit drei unterschiedliche Geschäftsmodellausprägungen typisieren, die nächste Woche vorgestellt werden.

Nachfolgende Abbildung stellt zuvor noch wesentliche Eckdaten zu ausgewählten europäischen Topclubs übersichtlich dar. Die Auswahl der Clubs beschränkte sich auf die Fußballunternehmen Manchester United, FC Bayern München, FC Arsenal London, Chelsea London, Liverpool, Manchester City und FC Porto. Diese Clubs wurden angeführt, da ich zu diesen Clubs alle relevanten Daten erfassen konnte, sodass ein vollständiger Vergleich in den einzelnen Kategorien möglich und vorallem ersichtlich wird. Die finanziellen Angaben zu Einnahmen, Lohnkosten & Gewinn vor Steuer beziehen sich auf das Wirtschaftsjahr 2010/11.

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Arsenal London – Prunk ist Stadion

Da die Einnahmenstruktur des FC Arsenal London stark auf den Spieltageinnahmen basiert, kann hier festgestellt werden, dass die hierzu nötigen Aufgaben, wie Ticketverkauf, Preisgestaltung, Stadionmanagement, Catering, etc., wesentliche Schlüsselaktivitäten des Geschäftsmodells darstellen, die für 41 Prozent der Gesamterlöse verantwortlich sind. Zentrale Schlüsselressource bildet somit das Stadion des Clubs.

Zudem lässt sich an der beinahe ausgeglichenen Transferbilanz der letzten 12 Jahre bei gleichzeitigem positiven sportlichen Leistungen erkennen, dass das Transfermanagement ebenfalls eine absolute Schlüsselkomponente des Geschäftsmodells bildet. Der Club schafft es Spielerabgänge gleichwertig zu ersetzen und einen wettbewerbsfähigen Champions League Kader zusammenzustellen, ohne dabei horrende Transferinvestitionen zu tätigen. Zwar schwankt die saisonale Transferbilanz, gleicht sich allerdings im Mittel beinahe aus. Das Scouting sowie die Jugendausbildung können somit als weitere zentrale Schlüsselaktivitäten von herausragender Qualität des FC Arsenal London gedeutet werden.

Die Marke des FC Arsenal London, zugleich Wertangebot und  Schlüsselressource des Geschäftsmodells, zeigt, als sechst wertvollste Clubmarke, einen starken Wert (GBP 196 Mio.) sowie ein starkes Markenrating (AA) auf.

Alles in allem konnte der FC Arsenal im Zeitraum 2007 bis 2011 den fünften Betriebsgewinn in Folge  ausweisen (Vgl. Hill-Wood, 2011, S. 66.), was auf die Funktion und Rentabilität des verfolgten Geschäftsmodells schließen lässt.

Manchester City – Investitionen in Markenaufbau?

Im Gegensatz dazu wies Manchester City im Geschäftsjahr 2010/2011 einen Verlust vor Steuer in Höhe von EUR 218 Mio. auf, der sogar das Ergebnis des Vorjahres (2009/10) in Höhe von ca. GBP -120 Mio. übertraf. (Vgl. Al Mubarak/Cook, o.J., S. 65.)

Dieses negative Betriebsergebnis, welches in der Saison 2010/11 130 Prozent des Gesamtumsatzes bildete, ist insbesondere auf die Personalpolitik zurückzuführen. Die Unternehmensführung erwirtschaftete in den letzten 12 Jahren einen negativen Transferüberschuss in Höhe von EUR 584 Mio. und stellte somit einen Kader zusammen, der mit einem Marktwert von EUR 489 Mio. den dritt wertvollsten im europäischen Fußball bildet.

Zur Überzeugung der Spieler werden, so scheint es, horrende Lohnzahlungen in Kauf genommen, die 2010/11 114 Prozent der Gesamterlöse entsprachen. Von einer Funktion im betriebswirtschaftlichen Sinne kann bei diesem praktizierten Geschäftsmodell nicht die Rede sein.

Immerhin wurde durch die intensiven Investitionen in den Spielerkader der Markenwert um 97 Prozent gegenüber 2010 gesteigert, wodurch die Marke Manchester City im Jahre 2011 die elft wertvollste Fußballclubmarke bildete. (Vgl. Chattaway, 2011, S. 4.)

FC Porto – Kernkompetenz Spielerentwicklung

Im Bereich des Transfermanagements tritt besonders der FC Porto hervor, der in den letzten 12 Jahren einen Transferüberschuss in Höhe von EUR 203 Mio. erwirtschaftete. Der Club verkaufte seine Spieler mit einer absoluten Wertsteigerung. Dies bildet im Vergleich der europäischen Topclubs, insbesondere der regelmäßigen Champions League Teilnehmer eine absolute Ausnahme.

Der über die letzten Jahre erwirtschaftete durchschnittliche Transferüberschuss bildet 19 Prozent der Gesamteinnahmen der Saison 2010/11. Als Schlüsselaktivitäten lässt sich somit das Transfermanagement interpretieren, das neben diesem positiven Erlösbeitrag, die sportliche Leistung des FC Porto nicht all zu stark schwächt.

Da der Club im Mittel, in allen ihm, durch die grundsätzliche Qualifikation möglichen Champions League Partien, 1 Punkt pro Spiel erspielte, scheint auch eine gewisse wettbewerbsfähig gegeben. Darüber hinaus gewann der portugiesische Rekordmeister in der Saison 2003/04 die Champions League und davor den UEFA Pokal, was für eine internationale Wettbewerbsfähigkeit spricht.

Der FC Porto versteht es, talentierte Spieler in frühen Jahren zu entdecken, zu verpflichten sowie auszubilden und diese, nach einem gewissen Zeitraum, mit einer gewaltigen Wertsteigerung zu verkaufen. Dies spricht u. a. für die Qualität des Scouting sowie der Jugendausbildung des FC Porto als Schlüsselaktivität.

Nicht auszudenken, welche Rolle dieser portugiesische Topclub in Europas Fußballelite einnehmen könnte, wenn diverse Stars wie bspw. Hulk, Falcao und Quaresma nicht verkauft worden wären. Ganz zu schweigen, wenn es gelungen wäre einen der beiden Top-Trainer, Mourinho oder Villas‑Boas, zu halten.

Fazit – Gewinnerzielung als Indikator zur Funktion eines Geschäftsmodells

Der vorangegangene Artikel beleuchtete gewisse Schwerpunkte bzw. Merkmale von Fußballclubs. So wurde bei Arsenal London dargelegt, dass aufgrund des prozentualen Anteils der Spieltageinnahmen, das eigene Stadion für den englischen Club von absoluter Bedeutung für die Funktion des Geschäftsmodells ist. Zwar stellt für jeden Fußballverein das Stadion eine absolute Schlüsselressource dar, da dies die zentrale Plattform für den Wettkampf sowie die Vermarktung bildet, doch ist dies in Arsenals Fall aufgrund der Stärke des Umsatzbeitrags der Spieltageinnahmen von spezieller Bedeutung. Arsenal investierte in eine eigene Spielstätte und zog somit die Strategie der Investition in Steine der der Investition in Beine vor. Der FC Arsenal London (sowie der FC Bayern München) hat schon früh die Kraft dieser Erlösquelle erkannt.

Während Manchester City jedoch eine scheinbar wahllose Investitionswut zur Spieleraquirierung aufweist und somit hohe Verluste einfährt, dient das Transfermanagement dem portugisischen Rekordmeister FC Porto als wichtige Erlösquelle. Als einer der wenigen Topclubs Europas erzielte dieser Fußballclub in den letzten Jahren eine postive Transferbilanz, die einen wertvollen Beitrag leistet, obgleich sich dies als schlecht kalkulierbar und somit nicht empfehlenswert darstellt. Zu groß ist die daraus resultierende Unsicherheit und Schwächung des eigenen Kaders/Teamgefüges. Leistungsträger sollten langfristig an den Club gebunden werden.

Es gilt festzuhalten, dass der Unternehmensgewinn auch in der Fußballbranche als wesentlicher Indikator für die Funktion des Geschäftmodells eines Fußballclubs gelten sollte.

Marco Mesirca / 2012

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