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FC Bayern AG – Geschäftsmodell des bayerischen Superclubs (3/3)

Wie sieht das Geschäftsmodell eines europäischen Fußballclubs aus? Dieser Beitrag stellt die neun Geschäftsmodell-Bausteine der FC Bayern München AG dar und bildet somit den dritten Teil der „bayerischen Superclub“ Reihe. Nachdem ich mich in vorangegangenen Beiträgen bereits  ausführlich mit der Konzernstruktur und finanziellen Situation sowie dem Transfer-, Markenmanagement und den Kanäle des bayerischen Fußballunternehmens auseinandergesetzt habe, erfolgt nun noch die Visualisierung des Geschäftsmodells.

Nachfolgende Übersicht ist als grafisch strukturierte Ansammlung wesentlicher Keyfacts des FC Bayern München Geschäftsmodells zu verstehen. Der finanzielle Part des Modells (Einnahmen, Ausgaben, finanzielle Ressourcen) bezieht sich auf Angaben zum Mutterunternehmen, da dessen Hauptgeschäft der Fußballbereich ist. Für tiefere Einblicke in den Konzern FC Bayern München empfehle ich die vorangegangenen Artikel.

Das Werteangebot des FC Bayern München

Wie bei allen Fußballunternehmen bildet das absolute Kernprodukt, das Spiel bzw. der Wettkampf mit anderen Mannschaften. Das Kern- oder auch Einstiegsprodukt verspricht Unterhaltung, Leidenschaft, Emotionen und Identifikation. Die Besonderheit liegt beim FC Bayern darin, dass der Club aufgrund seiner Erfolgsgeschichte weitestgehend für sportlichen Erfolg steht.

Um das Event, das Spiel, werden diverse Zusatzangebote platziert. So bilden Eintrittskarten die Grundvoraussetzung für Zuschauer die sportliche Begegnung direkt zu verfolgen und dabei zu sein. Merchandising, Catering und Hospitality befriedigen zusätzliche Bedürfnisse der Anhänger. Doch auch Informationen werden via Website, Club-TV, MyFCB.de, etc. zur Verfügung gestellt, um den Informationshunger der Interessierten zu stillen.

Bedeutung der Marke FC Bayern

Im Kern wird jedoch das bayerische Lebensmotto und die Selbstverständlichkeit des deutschen Rekordmeisters, durch die sportliche Leistung sowie die Zusatzprodukte und –dienstleistungen, in Form der Marke transportiert und von den diversen Kundengruppen nachgefragt. Dank der außergewöhnlichen Markenkraft des FC Bayern bilden die verschiedenen Plattformen des Clubs (Stadion, Trikot, Website, etc.) wertvolle Werbeflächen, die für Sponsoren sehr attraktiv sind. Hier wird von Seiten des Clubs eine Markensynergie angestrebt. Die Sponsoren bevorzugen es in einem höchst erfolgreichen, seriösen und sportlich attraktiven Umfeld wahrgenommen zu werden.

Das Geschäftsmodell des Mutterunternehmens FC Bayern München AG – Zum Vergrößern anklicken !!!!

Adidas & Audi wertvolle Partner

So trieb bspw. dieses seriöse und attraktive Umfeld Adidas (offizieller Ausrüster des Clubs) und Audi (als Premium Partner) dazu, Anteile des Fußballunternehmens zu erwerben und somit, neben der FC Bayern München e. V., Anteilseigner mit jeweils 9,1 Prozent zu werden. Infolgedessen tragen diese beiden Schlüsselpartner, die zugleich Kunden, da Sponsoren, und Anteilseigner des Fußballunternehmens sind, zur finanziellen Stabilität und Professionalisierung der Unternehmensführung bei.

Als Kunden eines Fußballunternehmens werden die Fans, das Sportpublikum sowie die Sponsoren, Medien und andere Fußballclubs betrachtet. Innerhalb Deutschland weist der FC Bayern die weltweit meisten Fanclubmitglieder auf und erfreut sich zudem innerhalb Europas einer großen Sympathie.

sportliche & wirtschaftliche Kompetenz als Schlüsselaktivität

Die hohen Sponsoringeinnahmen sprechen für die höchst werthaltige Sponsoringstruktur, die dem Club die europäische Wettbewerbsfähigkeit sichert (der FC Bayern weist die höchsten kommerziellen Einnahmen im europäischen Fußball auf. Hierauf wird in einem weiteren Artikel genauer eingegangen). Die Vermarktung lässt sich daher als ausgewiesene Schlüsselaktivität der Unternehmensführung bezeichnen.

Doch gerade die erfolgreiche sportliche Arbeit und das damit verbundene Teammanagement bilden, als wesentliche Schlüsselaktivitäten, die Grundlage für die starke Marke und den Vermarktungserfolgt des Clubs. Denn ohne sportlichen Erfolg kann keine starke Fußballclubmarke entstehen geschweige denn vermarktet werden.

Der erwirtschaftete negative Transferüberschuss ist, wie in einem weiteren Artikel verdeutlicht wird, für einen der umsatzstärksten Fußballclubs nicht ungewöhnlich und lässt den Schluss zu, dass die Schlüsselaktivität Transfermanagement, also das Verpflichten und Verkaufen von Spielern, beim FC Bayern darauf ausgelegt ist, das Team zu verstärken um somit den sportlichen Erfolg zu fördern. Beim FC Bayern weist diese besondere Aktivität jedoch das entscheidende Merkmal auf, dass Spieler nicht durch die Aufnahme von Darlehen bzw. anderem Fremdkapital finanziert, sondern mit eigenen finanziellen Mitteln gestemmt werden. Lediglich für den Bau der Allianz Arena hatte der Konzern in den Wirtschaftjahren bis 2004/2005 Fremdmittel zur Finanzierung aufgenommen.

Vorbild FC Bayern München

„They have an excellent revenue, they create profit and they’re always at the top in European football. I admire Bayern and their economic policies.” (Barbara Berlusconi)

Abschließend lässt sich festhalten, dass die einnahmenorientierte Ausgabenpolitik des deutschen Rekordmeisters und das damit verbundene höchst professionelle und seriöse Finanzmanagement, im Geschäftsjahr 2010/11 den 19. Konzerngewinn in Folge ermöglichte. Mit diesem positiven wirtschaftlichen Ergebnis steht fest, dass das Geschäftsmodell der FC Bayern München AG, als eine von wenigen Ausnahmen im europäischen Fußball, finanziell rentabel ist und zugleich sportlichen Erfolg ermöglicht. Nicht umsonst wird das bayerische Fußballunternehmen von europäischen Spitzenclubs, wie bspw. dem AC Mailand, als Vorbild angesehen. Barbara Berlusconi, Vorstandsmitglied des italienischen Clubs, rechtfertigte jüngst die Sparmaßnahmen des AC Mailand und verwies dabei auf die vorbildliche finanzielle Handlungsweisheit des deutschen Rekordmeisters.

Marco Mesirca / 2012

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12 Antworten zu “FC Bayern AG – Geschäftsmodell des bayerischen Superclubs (3/3)

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  4. Hallo liebes Offensivgeist-Team,

    ich habe in den letzten Tagen Stunden damit verbracht die ganzen Artikel auf Eurer Seite zu „inhalieren“, weil ich teilweise genau darüber meine Bachelor Arbeit schreibe 🙂
    V.a. die 3-Teilige Story über den FC Bayern München und der Vorstellung des Geschäftsmodells in Anlehnung an Osterwalder haben mir sehr weitergeholfen.
    Jedoch habe muss ich noch explizit auf die Innovation in dem Geschäftsmodell von dem FCB eingehen und wollte daher fragen, ob Ihr wisst, wie genau das Geschäftsmodell charakterisiert war bevor der Verein zur AG wurde?!
    Im Netz finde ich leider nicht so viel, aber vielleicht habt Ihr ja mehr Ahnung und könnt mir helfen?!

    Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.

    mit freundlichen Grüßen,

    • Hallo Fine,

      vielen Dank für deine Anfrage. Es freut mich sehr zu hören, dass dir der Blog gefällt.

      Zu deiner Frage: Innovation im Geschäftsmodells der FC Bayern AG?
      Die Innovation betrifft sicherlich die Ausgliederung der ProfiFußballabteilung und die damit möglichen Einstiege von Adidas (2002) und Audi (2010-2011). Hier sind zwei wesentliche Schlüsselpartner hinzugekommen, die meines Erachtens großen Einfluss auf die professionellen Strukturen des Fußballclubs hatten und noch haben. Der FCB hat somit unternehmerischeres Knowhow zweier Weltkonzerne inkludiert und dafür noch finanzielle Mittel generiert.

      Zum dritten, ohne dies an eine bestimmte Jahreszahl zu koppeln, ist im Bereich des Marketing und der Markenbildung eine Professionalisierung eingetreten – Mia san Mia.(Schlüsselaktivität) Wobei dies meines Erachtens auf die Zeit von Van Gaal zurück zu führen ist, zumindest aus externer sicht.

      Auch wichtig ist die Kanalnutzung. Der online Weg hat erhebliche Neuheiten ermöglicht – Andere und weitere Kundenansprache. Ich denke insbesondere an den Aufbau eines WEB-TV senders, eines Online FanShops, und zuletzte einer CommunityPlattform MyFCB.

      UNd ganz ganz wichtig: Die Erstellung einer bedeutenden Schlüsselressource, die ein bedeutender Kanal des Clubs ist: Die Allianz Arena. Der Club hat somit seine eigene Heimat, die er auch außerhalb der offiziellen Spieltage nutzen kann und somit Erlöse generiert. Die Schlüsselressource Allianz Arena, fast immer ausverkauft, ist der werthaltigste Vermögensgegenstand des Clubs (bilanziell). Der FC Bayern hat früh verstanden, dass Investitionen in Steine ebenso wichtig wie Investitionen in Beine sind. Und seit Klinsmanns Verpflichtung auch, dass Investitionen in Köpfe und Konzepte die Trumpfkarte bringen können (Vorausgesetzt sie sind sinnvoll; aber das gilt für alle Investitionen :)).

      Ich hoffe ich konnte dir helfen und würde mich sehr freuen, wenn du meinen Blog als Quelle (und somit im Literaturverzeichnis) angibst.

      Alles gute und

      Beste Grüße
      Marco

  5. Hallo,

    Ich binja eigentlich nicht der „Rezessionen Schreiber“, aber für diese wie auch für die BVB Analyse muss ich einfach sagen -super! Endlich zeigt jemand auch auf Grundlage von Bilanzen und Kennzahlen den wirtschaftlichen Wert von Vereinen auf die sich schon länger selbst als Unternehmen bezeichnen, aber von hoffnungslos überforderten sportreportern mit pauschalen wertaussagen(ohne Grundlage/wissen!) finanziell eingestuft werden. Mich würde als Kaufmann interessieren ob Sie die Kennzahlen aufgrund einer Strukturbilanz errechnet haben und wie sie diese bekommen haben? Ich fände es toll wenn diese tollen Analysen zu den Vereinen regelmäßig wiederholt werden würden um „up to date“ zu bleiben, am besten auf einer speziellen Homepage die leicht gefunden werden kann(Name mit vereinen & Finanzen assoziiert).
    Ich liebe den Sport und bin wirtschaftlich interessiert und darum bin ich auch so begeistert von den Berichten, also bitte weitermachen!

    Gruß
    Peter

    • Hallo,
      es freut mich sehr das zu hören. vielen Dank für Ihr tolles Feedback.
      Die Analysen zu den Clubs beruhen auf den Konzernberichten der Fußballunternehmen. Der BVB bringt regelmäßig eine ausführliche Broschüre heraus. Ich ordne die Daten dann und versuche das Ganze ausführlich zu beschreiben, sodass es jeder Interessierte versteht. Mir macht die Aufbereitung sehr viel Spaß und man lernt sehr viel dabei. Die Werte zu anderen europäischen Clubs basieren auf einer Studie der Universität Barcelona (Prof. Dr. Gay de Lièbana).
      Ich habe für Spielverlagerung.de einen weiteren Club unter die Lupe genommen. Hier der Link zur Finanzanalyse des HSV:

      http://spielverlagerung.de/2013/10/29/finanz-analyse-hamburger-sportverein-hsv/

      Beste Grüße

  6. Hallo,

    ich schreibe gerade über den BVB und Bayern und vergleiche die beiden in Hinsicht auf das Stakeholdermanagement und Stakeholderanalyse. Eure Blogs über die beiden Vereine hat mir sehr geholfen aber ich wollte noch fragen:
    Habt Ihr da vielleicht noch ein paar mehr Infos? Oder habt Ihr vielleicht sogar eine Stakeholderanalyse dieser beiden Vereine?

    Schon einmal danke und macht weiter so. Sind tolle Beiträge 🙂

  7. Hallo,
    ein sehr interessanter Artikel! Gut geschrieben!
    Eine Frage dazu: In dem 3-teiligen Artikel werden mehrere Quellen genannt, z.B. „Vgl. Kupfer, 2006“.
    Wo kann ich diese Quellen finden? Gibt es zu den Quellen auch detaillierte Angaben?
    Danke.

    Viele Grüße
    Chris

  8. Super, vielen Dank!
    Ich werde das Buch lesen, klingt gut!

    Viele Grüße
    Chris

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