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Das Cash des FC Porto

FC Porto - Das Cash der FC Porto GroupDie vorangegangene Skizzierung der Einnahmen– und Ausgabenstruktur des FC Porto basiert auf der Gewinn- und Verlustrechnung des Konzerns. Die GuV enthält jedoch naturgemäß nicht-zahlungswirksame Aufwendungen und Erträge einer Periode, wodurch das Endergebnis in gewisser Weise verzerrt ist/wird. So wird bspw. die tatsächliche Belastung einer Spielerverpflichtung nicht vollständig in der GuV dargestellt, da diese dort lediglich in Form von Abschreibungen über mehrere Jahre hinweg (Vertragslaufzeit) als Aufwand erfasst und verteilt wird. Um Aufschluss über den tatsächlichen Zahlungsmittelfluss einer Periode zu erhalten, muss daher die Kapitalflussrechnung herangezogen werden. Sie ist im übrigen auch kaum beeinflussbar durch irgendwelche bilanzpolitischen Kkniffe, anders als die Gewinn- und Verlustrechnung.

das „Bargeld“ des FC Porto

Der nun folgende Teil nimmt den tatsächlichen Mittelab- und -zufluss des FC Porto Konzerns unter die Lupe, wodurch wir letztendlich auf einen sehr bedeutenden Vermögenswert stoßen werden, der sich in der Bilanzaktiva findet: Die LIQUIDEN MITTEL.

Die Kapitalflussrechnung, oder auch Cash Flow Rechnung (CF-Rechnung), umfasst drei wesentliche Abschnitte: Den CF aus laufender Geschäftstätigkeit, den CF aus Investitionstätigkeit und den CF aus der Finanzierungstätigkeit. Im Geschäftsjahr 2012/13 generierte die FC Porto Group

  • aus der laufenden Geschäftstätigkeit einen Mittelabfluss in Höhe von EUR (-) 30 Mio.
  • aus der Investitionstätigkeit einen Mittelzufluss von EUR 67 Mio. (=Desinvestitionen) und
  • einen Mittelabfluss aus der Finanzierungstätigkeit von gewaltigen EUR (-) 21 Mio.

Saldiert man diese drei Abschnitte so wird die Erhöhung des Zahlungsmittelbestandes (liquiden Mittel) von EUR 1,9 Mio. auf EUR 17,8 Mio. deutlich. Das bedeutet, dass das „Festgeldkonto“ der FC Porto Group zum 30. Juni 2013 um EUR 15,9 Mio. stieg. Dieser Sachverhalt ist in nachfolgender Grafik visualisiert.

Der FC Porto kompensiert seit 2003/04, und wahrscheinlich schon davor, den unzureichenden Cash Flow aus laufender Geschäftstätigkeit mit massiven Desinvestitionen. Der Club verhindert größtenteils durch die Veräußerung von Spielervermögen, dass die liquiden Mittel ins Negative ziehen und sichert somit seine Liquidität.

Nichtsdestotrotz konnte der FC Porto seit Juni 2004 seinen Bestand an liquiden Mitteln um EUR 17,8 Mio. erhöhen (+912%), wobei hier angeführt werden muss, dass der Bestand immer wieder Schwankungen unterliegt und wir somit nicht von einem konstanten Anstieg sprechen können.

Die Entwicklung der liquiden Mittel der FC Porto Group. Wie viel Cash hat der Fußballclub

Die Entwicklung der liquiden Mittel der FC Porto Group. Wie viel Cash hat der Fußballclub

Summieren wir die einzelnen Cash Flow Abschnitte so erfahren wir, dass der FC Porto sein Gros des Überschusses der ständigen Desinvestitionen verdankt. Seit Juni 2004 wurden kumuliert EUR 59 Mio. aus der Investitionstätigkeit gezogen, was insbesondere auf die Veräußerung der Spieler zurückgeht. Wir erkennen somit ein klares Übergewicht der Einzahlungen, die zu 99% von Spielerverkäufen stammen. Sehen wir uns daher diesen Bereich etwas genauer an.

Investitionstätigkeit – Fokus Spielerhandel

Betrachten wir den Spielerhandel in der Cash Flow Rechnung isoliert, so sehen wir, dass 2012/13 gewaltige EUR 122,2 Mio. aus dem Verkauf von Spielern erzielt wurden, denen EUR 55,7 Mio. an Auszahlungen gegenüberstanden. Dem FC Porto flossen somit allein aus dem Spielerhandel in 2012/13 EUR 66,5 Mio. zu.

Nehmen wir allerdings den 10-Jahresdurchschnitt vergangener Tage so erkennen wir, dass dies eine eigenständige Hausnummer ist und nicht immer dieses Niveau erreicht. Zwischen 2003 und 2013 wurden aus Spielerverkäufen stattliche EUR 497,5 Mio. eingezahlt und EUR 431,5 Mio. für Spieler ausgezahlt, was einem Überschuss von EUR 66,0 Mio. bedeutet. Im Mittel bedeutet dies also einen Überschuss von EUR 6,6 Mio. pro Jahr, der aus dem Spielerhandel gezogen wird.

Auszüge aus der Cash Flow Rechnung des FC Porto, Transfergeschäft, Kredite & Zinszahlungen

Auszüge aus der Cash Flow Rechnung des FC Porto, Transfergeschäft, Kredite & Zinszahlungen

FC Porto – Finanzierungstätigkeit

Interessant ist ebenfalls die Finanzierungstätigkeit des Clubs. Hier erfahren wir alles über die gezahlten und in Anspruch genommenen Kredite sowie die Zinsbelastung der Porto Group. In der Saison 2012/13 wurden Kredite in Höhe von EUR 132 Mio. aufgenommen und im gleichen Atemzug EUR 141,9 Mio. an Krediten zurückgezahlt. Das ist gewaltig, besonders wenn man die historische Entwicklung und den sprunghaften Anstieg 2006/07 betrachtet. Damals wurden EUR 96 Mio. an Krediten aufgenommen und EUR 105 Mio. abbezahlt, während es sich noch im Vorjahr um EUR 43 Mio. und EUR 41 Mio. handelte.

Insgesamt wurden zwischen 2003/04 und 2012/13 Darlehen in Höhe von EUR 965 Mio. aufgenommen und EUR 917 Mio. abbezahlt. In 10 Jahren konnte der FC Porto somit Darlehen von fast 1 Milliarde Euro in Anspruch nehmen.

Im Zusammenhang mit Krediten müssen auch immer die Zinszahlungen betrachtet werden. Seit 2003/04 wendete die FC Porto Group EUR 55,2 Mio. für Zinszahlungen auf. Allein 2012/13 wurden EUR 11 Mio. für Zinsen ausbezahlt. Kein Wunder bei dieser Kreditpolitik.

Saldieren wir die letzten Jahre in der Cash Flow Rechnung so sehen wir, das die  operative Tätigkeit eher Geld verschlingt als zuschießt. Eigentlich sollte dieser Geldfluss ein positives Kennzeichen haben. Dies kompensiert der Club mit Hilfe der Desinvestitionen, vorrangig aus Spielerverkäufen.

Cash Flow Übersicht des FC Porto

Net Cash Flow Übersicht des FC Porto

Das Cash anderer Fußballclubs

Auch hier möchte ich Werte aus der Fußballbranche anführen. Ohne diese ist eine Einordnung des gelesenen nicht jedem möglich, da die Fußballbranche nicht ohne weiteres mit anderen zu vergleichen ist.

Bei unserem Blick in die Vergleichsgruppe fällt sofort auf, dass der FC Porto im Geschäftsjahr 2012/13 der einzige Club ist, dessen Investitionstätigkeit ein positives Vorzeichen zeigt und damit für ein Übergewicht an Desinvestitionen steht.

Der FC Bayern investierte EUR 88 Mio., der FC Arsenal EUR 55 Mio. Jedoch zogen diese beiden Musterclubs auch aus der laufenden Geschäftstätigkeit, mit EUR 98 Mio. und EUR 62 Mio., erheblich mehr als der portugiesische Club, dessen CF aus laufender Geschäftstätigkeit (EUR -30 Mio.) zeigte, was der Club durch Desinvestition und Kreditaufnahme kompensieren musste.

Auch bei Atletico Madrid lohnt sich eine genauere Betrachtung. Der spanische Hauptstadtclub zeigt aus der laufenden Geschäftstätigkeit einen negativen Wert (EUR -4,8 Mio.), investierte aber dennoch in Spieler (EUR -17 Mio.). Um dies auszugleichen wurde auch hier die Aufnahme eines Darlehens in Höhe von EUR 61 Mio. notwendig, das nach Abzug der Rückzahlungen eine netto Finanzierungstätigkeit von EUR 22,5 Mio. ausmachte. Der Club braucht Fremdkapital um seine Liquidität zu sichern, da die laufende Geschäftstätigkeit (EUR -4,8 Mio.) und Investitionstätigkeit (EUR -17 Mio.) nicht vorhandene liquide Mittel aufgezehrt hätte.

Liquide Mittel ausgewählter Fußballclubs zum Ende des Geschäftsjahres 2012/13

Liquide Mittel ausgewählter Fußballclubs zum Ende des Geschäftsjahres 2012/13

Richtig gruselig wird es jedoch bei Benfica Lissabon. Zwar zeigt der portugiesische Club 2012/13 lediglich einen CF aus Finanzierungstätigkeit von EUR -1,51 Mio., was nicht weiter schlimm scheint. Werfen wir jedoch einen genaueren Blick hinter diese Zahl, so stellen wir fest, dass der Club im Betrachtungszeitraum Darlehen von EUR 183 Mio. aufnahm um fällige Kredite in Höhe von EUR 185 Mio. abzubezahlen. Warum das so gruselig ist? Ganz einfach, der Club muss immens hohe Darlehen aufnehmen um selbige jedoch ältere zu begleichen und somit liquide zu bleiben. Eine hohe Verschuldung scheint die Folge, wie wir später sehen werden. Und Sporting schießt den Vogel ab. Aus laufender Geschäftstätigkeit flossen dem Club EUR 48 Mio. ab und auch die Investitionstätigkeit verlangte EUR 5 Mio. Um dies zu kompensieren wurden saldiert EUR 54 Mio. an Darlehen aufgenommen.

Die vorangegangene Grafik zeigt, den Stand der liquiden Mittel der Vergleichsgruppe. Arsenal London wies mit EUR 179 Mio. den höchsten Stand an liquiden Mitteln aus, gefolgt von Bayern München (EUR 114 Mio.), FC Porto (EUR 17,8 Mio.), dem BVB (EUR 12,5 Mio.). Schlusslichter bilden Atletico Madrid (EUR 2 Mio.), Sporting Lissabon (EUR 1,2 Mio.) und Benfica Lissabon (EUR 0,4 Mio.).

Die Umsatzverdienstrate des FC Porto

Es bietet sich nun die Berechnung einer weiteren Kennzahl zur Untersuchung der Rentabilität an. Neben der Umsatzrendite (Gewinn / Umsatz), die aus der GuV berechnet wird, können wir nun mit der Umsatzverdienstrate zwei zentrale Werte aus GuV und CashFlow Rechnung miteinander kombinieren. Die Umsatzverdienstrate dividiert den operativen CashFlow durch den Umsatz, wodurch wir Aufschluss über den operativen Mittelzufluss pro EURO Umsatz erhalten. Bei dieser Kennzahl gibt es keinen Richtwert, es gilt nur je mehr desto besser.

Umsatzverdienstrate ausgewählter Fußballclubs im Geschäftsjahr 2012_13 / Die Umsatzverdienstrate ist eine weitere Rentabilitätskennzahl, bei der der Cash Flow durch den Umsatz difidiert wird.

Umsatzverdienstrate ausgewählter Fußballclubs im Geschäftsjahr 2012/13 ; Die Umsatzverdienstrate ist eine weitere Rentabilitätskennzahl, bei der der Cash Flow durch den Umsatz dividiert wird.

Zunächst setzen wir hier den operativen CashFlow (EUR -30,06 Mio.) und den Umsatz exkl. Transferergebnis (EUR 78,4 Mio.) in Relation. Hier erhalten wir aufgrund des negativen Cash Flows aus laufender Geschäftstätigkeit eine negative Umsatzverdienstrate von (-)38%. Das heißt pro Euro Umsatz flossen dem portugiesischen Serienmeister 38 Cent ab. Für die letzten 9 Jahre (seit 2004/05) ergibt sich ein Wert von -6,8%. Das heißt dem FC Porto fließen im Schnitt pro Euro Umsatz 6,8 Cent ab. Abermals wird die Bedeutung der Spielerverkäufe für die Porto Group deutlich. Da wir um die Bedeutung der Transfereinnahmen für Portos Geschäftsmodell wissen, sehen wir uns daher die Umsatzverdienstrate inkl. Transferergebnis an.

Umsatzverdienstrate inkl. Transferergebnis

Hierzu fügen wir dem Umsatz einfach das Transferergebnis hinzu und saldieren den Cash Flow aus laufender Geschäftstätigkeit mit dem CF aus der Investitionstätigkeit, da diese sowieso zu 99% vom Spielerhandel dominiert wird. (= Free CashFlow). Wir haben oben bereits gesehen, dass der FC Porto seinen negativen operativen CashFlow (EUR -30,06 Mio.) mit Hilfe massiver Desinvestitionen aus dem immateriellen Vermögen (EUR 67 Mio.) kompensiert und somit die Liquidität der Group sichert.

Nun erhalten wir ein sehr viel besseres Bild für das Geschäftsjahr 2012/13. Die Umsatzverdienstrate liegt nun bei 24%. Pro EURO Umsatz sind der Group somit 24 Cent zugeflossen. Das hört sich nun schon viel besser an. Im 10-Jahresdurchschnitt erhalten wir nun eine Umsatzverdienstrate von 1%, was auf jeden Fall besser ist als die zuvor erhaltenen -6,8%. Hiermit wird die Schlüsselaktivität Transferhandel für Portos Geschäftsmodell abermals deutlich. Der FC Porto überlebt nur dank seiner massiven Desinvestitionen.

Umsatzverdienstrate inkl. Transferergebnis ausgewählter Fußballclubs im Geschäftsjahr 2012/13

Umsatzverdienstrate inkl. Transferergebnis ausgewählter Fußballclubs im Geschäftsjahr 2012/13

Bei dieser Kennzahl im europäischen Vergleich müssen wir jedoch vorsichtig sein, da einige Clubs die Investitionstätigkeit dafür nutzen, wozu sie vorgesehen ist – Zum Investieren in Zukunft und Wachstum. Bei anderen Clubs finden sich nicht nur Investitionen in den Spielerkader, sondern auch in Infrastruktur. Porto weist als einziger Club unserer Vergleichsgruppe kumuliert einen Mittelzufluss aus seiner Investitionstätigkeit, die von Spielerverkäufen dominiert sind. Also bitte die obere Abbildung mit Vorsicht genießen.

Dennoch zeigt uns der hier genutzte Free Cash Flow wieviel Geld den Sportunternehmen nach der Investitionstätigkeit im Juni 2013 zur Verfügung stand – entweder für Finanzierungstätigkeiten oder für Barvermögen Aufbau.

Die liquiden Mittel builden einen zentralen Vermögenswert eines Unternehmens. Schauen wir nun wie die sonstigen Vermögenswerte des Clubs und deren Finanzierung aussehen. Hier gehts zum Blick in die Bilanz des FC Porto.

Marco Mesirca / 2015

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