Kurzmitteilung

Finanzanalyse des FC Bayern München

FC Bayern - Lokomotive des deutschen Fußballs3Der FC Bayern stolziert in dieser Saison von einem Sieg zum nächsten und dominiert die heimische Liga wie kein anderer Fußballclub in Europa. Die vorzeitige Meisterschaft und ein souveränes Weiterkommen im CL-Achtelfinale gegen Arsenal London, setzen den sportlichen Siegeszug der Vorsaison fort. Doch nicht nur sportlich läuft beim deutschen Rekordmeister alles exzellent. Neben den Erfolgen in sämtlichen wichtigen Wettbewerben zeigte der Fußballkonzern einen monströsen Umsatz mit einer für Fußballclubs ordentlichen Rendite. Den Clubangaben zufolge wurde 2012/13 ein Umsatz von EUR 432,8 Mio. und ein Gewinn (nach Steuer) von EUR 14 Mio. erzielt. Absolut herausragend, besonders wenn man bedenkt, dass der bayerische Club neben diesem wirtschaftlichen Erfolg, die sportliche Krone Europas errang.

FC Bayern nachhaltig rentabel

Die wirtschaftliche Solidität des deutschen Rekordmeisters und amtierenden Champions League Siegers ist allgemein bekannt. Nicht selten wird er als Vorbild für diverse, nicht nur krisengebeutelte, Topclubs genannt. Betrachten wir die Zahlen ab 2005/06 erkennen wir, neben einem gewaltigen Umsatzwachstum, eine durchgehende Rentabilität.

Innerhalb von acht Geschäftsjahren verdoppelte sich der Konzernumsatz der Münchner auf EUR 432,8 Mio. (2012/13) – ein Rekordwert für den bayerischen Fußballkonzern und bisher unerreicht im deutschen Clubfußball. Kein anderer Sportclub in Deutschland verzeichnete bisher einen solch gewaltigen Umsatz.

00 - Gesamtumsatz- und Gewinnentwicklung des FC Bayern KonzernsHinzu kommt eine durchgehende Profitabilität, denn die Münchner generierten zwischen 2005/06 und 2012/13 ausnahmslos positive Jahresendergebnisse. Bayern München kombiniert eine nachhaltige wirtschaftliche Rentabilität mit enormer sportlicher Kontinuität, was alles andere als selbstverständlich ist in unserer Fußballwelt.

Ein Vergleich der Champions League Sieger verdeutlicht, dass das Jahresendergebnis der Bayern in entsprechender Saison sowohl in Höhe als auch Vorzeichen außergewöhnlich ist. Zwar zeigt die Historie, dass auch der CL-Sieger 2011/12, Chelsea London, in seinem Triumph-Geschäftsjahr einen Gewinn auswies, der jedoch mit GBP 1,4 Mio. erheblich geringer ausfiel als der der Münchner. Außerdem waren die Geschäftsjahre der Londoner davor und danach von verheerenden Zahlen geprägt. Der Londoner Fußballclub wies sowohl 2010/11 (GBP -68 Mio.) als auch 2012/13 (GBP -50 Mio.) horrende Jahresfehlbeträge aus. Ferner zeigte der CL-Sieger 2010/11 (FC Barcelona) einen Verlust in Höhe von EUR -9 Mio. Und auch Inter Mailand (CL Sieger 2009/10) bewies in seinem Königsjahr mit EUR -69 Mio. nicht gerade herausragende betriebswirtschaftliche Fähigkeiten.

00 - Jahresendergebnisse der Champions League Sieger

Finanzanalyse des FC Bayern München

Grund genug den bayerischen Fußballclub genauer unter die Lupe zu nehmen. In nachfolgendem Report gehe ich detailliert auf die Finanzen des FC Bayern München ein. Dabei beschreibe ich die Einnahmen- und Ausgabenstruktur sowie zentrale Vermögenswerte und deren Finanzierung. Die Analyse nimmt den Zeitraum 2005/06 bis 2012/13 in Augenschein. Kontext der Betrachtung ist der Konzern FC Bayern München AG, dessen Beschreibung nun einleitend erfolgt.

Der Konzern FC Bayern München AG

Der Konzern FC Bayern München AG setzt sich zusammen aus dem Mutterunternehmen, der FC Bayern München AG, und seinen Tochterunternehmen, der Allianz Arena München Stadion GmbH, der Allianz Arena Payment GmbH und der Arena Stadion Beteiligungs GmbH & Co. KG.

Dem Mutterunternehmen unterliegt das sog. Geschäftsfeld „Fußball“, das laut Konzernbericht folgende Aufgaben umfasst:

  • Die „Unterhaltung von Fußball-Mannschaften sowie
  • deren Vermarktung auf allen zur Verfügung stehenden Märkten,
  • der Verwertung eigener Rechte sowie
  • dem Handel mit Produkten aus dem Bereich der Marke FC Bayern einschließlich aller gängigen Formen und Vertriebswege des Merchandisings.“.

Mehrheitseigentümer der FC Bayern München AG ist (Stand März 2014), mit 75,01% der Anteile, der FC Bayern München e.V. Hinzu kommen als Anteilseigner die adidas AG, die Audi AG und seit Kurzem die Allianz SE mit kumuliert 24,99% (jeweils 8,33%). Der kürzlich vermeldete Einstieg der Allianz SE soll Medienberichten zufolge EUR 110 Mio. schwer sein.

Konzern- & Führungsstruktur des FC Bayern

Wie der Blick in die Konzernübersicht zeigt, sind im Aufsichtsrat des Mutterunternehmens namenhafte Persönlichkeiten großer Institutionen der Wirtschaft (Sponsoren des deutschen Rekordmeisters) vertreten. Hier finden wir u.a. Hainer (adidas AG), Stadler (Audi AG), Höttges (Telekom) und Prof. Dr. Winterkorn (Volkswagen). Somit findet sich geballte Kompetenz im Kontrollgremium der Bayern, das neben der Kontrolle des Vorstandes, diesen auch beruft und berät. Angefügt werden muss, dass der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Bayern AG, Uli Hoeneß, zugleich Präsident des FC Bayern München e.V., zum 14.03.2014 von allen Ämtern zurückgetreten ist, sodass einige Positionen im Laufe dieses Jahres neu besetzt werden müssen. Zum Rücktritt und der Person verliere ich keine weiteren Worte.

Die Tochterunternehmen der FC Bayern AG zeigen sich für den Geschäftsbereich „Allianz Arena“ zuständig. Die Allianz Arena München Stadion GmbH vermarktet die Allianz Arena als Fußballstadion in München und ermöglicht dem FC Bayern sowie Dritten (TSV 1860, DFB, UEFA, FIFA) die Nutzung des Stadions für Fußballspiele und/oder diverse Events (bspw. Champions League Finale, Stadionführungen, etc.).  Die Allianz Arena Payment GmbH zeigt sich verantwortlich für das elektronische Kartenbezahlsystem, womit innerhalb des Stadions Waren und Dienstleistungen bezahlt werden. Das Tochterunternehmen agiert ausschließlich als Dienstleistungsunternehmen der Allianz Arena Stadion GmbH. Letzte Tochter ist die Arena Stadion Beteiligungs GmbH & Co. KG., deren einziger Zweck „das Halten einer Beteiligung in Höhe von 5,1% an der Allianz Arena München Stadion GmbH“ ist. Werfen wir nun einen Blick auf die beiden wesentlichen Geschäftsbereiche und deren Beitrag zum Konzernumsatz.

Geschäftsbereiche „Fußball“ & „Allianz Arena“

Da der Konzernbericht 2012/13 zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikel noch nicht veröffentlicht wurde, gehe ich zunächst auf die Zahlen der, nach Konzernangaben definierten, „Geschäftsbereiche“ in 2011/12 ein. Im Geschäftsjahr 2011/12 wies der Fußballkonzern Umsatzerlöse von EUR 354,7 Mio. aus, von denen 89% (EUR 314,2 Mio.) auf den Geschäftsbereich „Fußball“ zurückzuführen sind. Durch Addition der sonstigen betrieblichen Erträge (EUR 18,7 Mio.) erhalten wir einen Gesamtumsatz von EUR 373,4 Mio., der als Konzernumsatz verstanden werden kann.

02 - FCB - Gesamtumsatz Geschäftsbereiche aufgespaltet

Laut Konzernabschluss spaltet sich der Geschäftsbereich „Fußball“ in die Erlösquellen „Sportveranstaltung/Vermarktung/Sponsoring“ und in „Merchandising/Lizenzen“. Letztere wies einen beeindruckenden substanziellen Anstieg auf, indem sie, verglichen zu 2010/11, um EUR 14 Mio. auf EUR 60,3 Mio. (2011/12) gesteigert wurde. Der Posten „Sportveranstaltungen/V./Sp.“ wuchs zwar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ebenfalls, jedoch liegt der Erlös von EUR 253,9 Mio. unter dem bisherigen Topwert aus 2009/10 (EUR 259,8 Mio.). Auch der Geschäftsbereich „Allianz Arena“  nahm um ca. EUR 5 Mio. zu und steuerte mit EUR 40,4 Mio. ein bisheriges Rekordergebnis bei.

Da diese Einteilung allerdings sehr grob ist, möchte ich zwei weitere Quellen anführen, um somit detailierte Angaben zur Einnahmenstruktur des Clubs zu liefern. Hierzu bediene ich mich den Zahlen aus der Pressemitteilung des bayerischen Fußballkonzerns und den Werten aus der Deloitte Football Money League.

Umsatzzusammensetzung des FC Bayern

Erstere Quelle nimmt eine ausführlichere Einteilung der Einnahmesäulen vor. Das Papier teilt die Erlöse des Mutterunternehmens in „Spielbetrieb“, „Sponsoring/Vermarktung“, „Merchandising“, „TV-/Hörfunk“, „Transfers“ und „sonstige“ ein. Durch die Summierung dieser Posten erhalten wir die Gesamterlöse des Geschäftsfeldes „Fußball“ (Umsatzerlöse + anteilige sonstige betr. Erträge). Durch Addition der Gesamterlöse des Geschäftsfeldes „Allianz Arena“ (Umsatzerlöse + anteilige sonstige betr. Ertr05 - Umsatzzusammensetzung Deloitte vs FCBäge), erhalten wir sodann den Gesamt-Konzernumsatz. Das schöne an diesem Vorgehen ist, dass die Erlösaufteilung aus dem abgelaufenen Geschäftsjahr 2012/13 zur Verfügung steht und wir damit eine genauere Beschreibung des Konzernumsatzes der Triple-Saison 2012/13 vornehmen können. Des Weiteren nutzen wir Deloittes FML um einen europäischen Vergleich der Umsatzzahlen zu ermöglichen. In Deloittes Football Money League 2014 lagen die Bayern mit ihrem Umsatz (exkl. Transfererlöse, etc.) auf Rang drei hinter den spanischen Giganten aus Barcelona und Madrid. Starten wir nun:

Matchday Einnahmen des FC Bayern

Die Erlöse „Spielbetrieb“ umfassen sowohl Spieltagserlöse (Kartenverkäufe, etc.) aus Bundesliga-Heimspielen, Freundschaftsspielen, DFB-Pokal Partien und europäischen Clubwettbewerben, als auch teilweise Erlöse aus der Zentralvermarktung bestimmter Wettbewerbe. Während die Gelder aus der Zentralvermarktung der Bundesliga (DFL) nicht in diese Kategorie fallen, werden die aus der Champions League (UEFA) hier erfasst.

In der abgelaufenen Saison wurden dem FC Bayern von der UEFA, nach eigenen Angaben, EUR 62,9 Mio. ausgeschüttet. Ziehen wir diesen Betrag von den EUR 150 Mio. (Spielbetrieb) ab, so erhalten wir einen Restwert von EUR 87,1 Mio., der den sog. „Matchday“-Einnahmen der Deloitte Football Money League 2014 entspricht. Wir erhalten dadurch die reinen Spieltag-Erlöse des Clubs. In der aktuellen Ausgabe der jährlich erscheinenden Publikation, heißt es ganz allgemein, diese Einnahmekategorie sei größtenteils durch Tickets und Mitgliedschaften bestimmt.

Nach Deloitte generierte der FC Bayern München in der Saison 2012/13 pro Spiel durchschnittliche Spieltageinnahmen (Matchday-Erlöse) von EUR 3,4 Mio., wodurch insgesamt EUR 87,1 Mio. umgesetzt wurden. Betrachten wir die Entwicklung dieser Umsatzkategorie, so sehen wir, dass 2005/06 die Erlöse noch bei EUR 52,1 Mio. lagen. Seitdem ist ein kontinuierlicher Anstieg zu verzeichnen. Im europäischen Vergleich der Matchday-Einnahmen liegen die Bayern hinter Arsenal London (EUR 108,3 Mio.), FC Barcelona (EUR 117,6 Mio.), Real Madrid (EUR 119 Mio.) und Manchester United (EUR 127 Mio.) auf Platz 5 der DFML 2014. Nachfolgende Abbildung veranschaulicht diesen Sachverhalt.

06 - Matchday EInnahmen FML 2007-2014 des FC Bayern + Vergleich FML 2014_2

Wir haben nun also die Spielbetriebs-Einnahmen, ausgewiesen vom FC Bayern, die Matchday-Erlöse, ausgewiesen von Deloitte, und die UEFA Ausschüttungsbeträge an die Clubs in Zusammenhang gebracht (Spielbetrieb – UEFA CL = Matchday). Gehen wir nun näher auf die UEFA Preisgelder ein.

UEFA Preisgelder 2012/13 = EUR 62,9 Mio.

Nach jeder Saison schüttet die UEFA einen Teil ihrer Erlöse an die teilnehmenden Clubs der Champions und Europa League aus. In der Saison 2012/13 erspielte der FC Bayern, dank des Champions League Triumphes und unter mithilfe der überaus guten Performance des gelben Rivalen aus Dortmund, nach Clubangaben EUR 62,9 Mio. Diese Summe liegt damit fast EUR 20 Mio. über dem Ausschüttungsbetrag von 2011/12, als die Bayern im Champions League Finale dem FC Chelsea unterlagen. Diese Einnahmequelle trägt 14,5% zum Gesamtumsatz bei. Nachfolgende Abbildung zeigt die Entwicklung der Erlöse aus der UEFA Zentralvermarktung (CL) des FC Bayern München.

04 - Erlöse aus Zentralvermarktung UEFA + Abschneiden in WettbewerbAn dieser Stelle möchte ich auf den vergleichbar geringen Betrag aus 2007/08 (EUR 4,7 Mio.) hinweisen, als die Bayern „nur“ das Halbfinale im UEFA Cup erreichten, das gegen Zenit St. Petersburg sehr enttäuschend verloren ging. Damals machten diese Erlöse lediglich 1,4% des Gesamtumsatzes aus. Hieran wird deutlich, wie wichtig die erfolgreiche Teilnahme in der Champions League, nicht nur markentechnisch sondern vor allem auch monetär für einen Club ist.

Um einen europäischen Vergleich zu liefern und die Zusammensetzung des Gesamtbetrages zu verstehen, dient ein Blick auf die UEFA Abrechnung der Saison 2011/12. Gehen wir das ganze kurz am Beispiel unserer roten Freunde durch.

In der Saison 2011/12 erreichte der FC Bayern das Champions League Finale, wofür er 43,8 Mio. erhielt. Der Betrag setzt sich zusammen aus Start- (EUR 3,9 Mio.), Spiel- (EUR 3,3 Mio.) und Leistungsprämien (EUR 3,6 Mio.), die für die Art und Weise des Bestehens der Gruppenphase verteilt wurden. Hinzu kommen Prämien für das Erreichen des Achtel- (EUR 3 Mio.), Viertel- (EUR 3,3 Mio.) und Halbfinales (EUR 4,2) sowie für die Endspielteilnahme (EUR 5,6 Mio.). Der Sieger dieser Champions League Saison, FC Chelsea, erhielt anstatt der EUR 5,6 Mio. EUR 9 Mio. für die Endspielteilnahme. Doch der Sieg der CL führte nicht dazu, dass der FC Bayern München ca. EUR 20 Mio. weniger als der FC Chelsea (EUR 63 Mio.) erhielt. Dafür ist der sog. Marketpool verantwortlich.

05 - UEFA CL 201112 - die 15 höchsten AusschüttungsbeträgeDer FC Bayern erhielt aus dem Marketpool mit EUR 16,9 Mio. ca. EUR 16 Mio. weniger als der FC Chelsea (EUR 33 Mio.). Dieser massive Unterschied der Einnahmen des Erst- und Zweitplatzierten (und auch anderen Teilnehmern) der UEFA Champions League ist daher nicht ausschließlich auf den Triumph des Wettbewerbes zu schieben, sondern wird maßgeblich von der Höhe der Prämie aus dem Marktpool bestimmt. Der Marktprämien-Anteil der Clubs ist nach UEFA-Angaben abhängig

  • „vom kommerziellen Wert ihres nationalen TV-Marktes,
  • der Anzahl ausgetragener UEFA Champions-League-Spiele und
  • ihrer Platzierung in der betreffenden Saison in der nationalen Meisterschaft des Vorjahres“ (UEFA, Finanzbericht, S. 29).

Das erklärt auch warum bspw. Manchester United 2011/12 (EUR 37 Mio.) trotz scheitern in der CL-Gruppenphase, mehr aus dem UEFA Topf erhielt als bspw. Olympique Marseille (EUR 28 Mio.), das im Viertelfinale unterlag.

Broadcasting Erlöse des FC Bayern

Des Weiteren zeigt die Pressemitteilung des FC Bayern den Einnahmeposten „TV- und Hörfunk“, der 2012/13 bei EUR 44,1 Mio. lag. Nach Angaben des Unternehmens wird dieser größtenteils von den Erlösen aus der Bundesliga-Zentralvermarktung (EUR 37,4 Mio.) bestimmt. Der offene Betrag von EUR 6,7 Mio. setzt sich aus Vermarktungseinnahmen des DFB Pokal sowie eigener Freundschaftsspiele zusammen.

Die Erlöse aus der BL-Zentralvermarktung erhöhten sich im Vergleich zu 2009/10 (EUR 28,6 Mio.) um ca. EUR 9 Mio. Da der prozentuale Anteil dieser Einnahmequelle am Gesamtumsatz seit 2009/10 zwischen 8% und 9% liegt, kann daraus abgeleitet werden, dass sie sich mehr oder weniger proportional zum Konzernumsatz entwickelt.

Addieren wir zu den Erlösen aus der TV- und Hörfunk-Vermarktung die UEFA Ausschüttungsbeträge aus den europäischen Clubwettbewerben, so erhalten wir Deloittes sog. „Broadcasting“-Erlöse. Für die Triple-Saison 2012/13 ergibt sich ein Broadcasting Erlös von EUR 107 Mio., der im Vergleich zum Vorjahr um 31% wuchs. Gegenüber 2005/06 (EUR 42,8 Mio.) ist der aktuelle Rekordwert 2,5mal so groß. Im europäischen Vergleich generierten sieben Clubs höhere Beträge als der FC Bayern, was an deren Vermarktungspraktik (Individual- vs. Zentralvermarktung), höheren Gesamtpaketen und deren Verteilungsmethodik liegt.

07 - Broadcasting Einnahmen FML 2007-2014 des FC Bayern + Vergleich FML 2014

Die zwei Spanier, als Leader dieser Kategorie, vermarkten ihre Medienrechte komplett individuell und die englischen und italienischen Clubs profitieren von höheren Gesamteinnahmen derer länderspezifischen Medienerlöse und deren zu ihrem Vorteil ausgelegtem Verteilungsmethodik. Allerdings sei angemerkt, dass sich der massive Unterschied ab dieser Saison 2013/14 ändert, da die DFL eine sensationelle Steigerung in den Gesamteinnahmen für die Bundesligarechte ausfechten konnte.

Commercial Erlöse des FC Bayern

Wer mit Deloittes Football Money League vertraut ist, weiß, dass die Studie neben den MATCHDAY- und BROADCASTING-Erlösen noch eine dritte Umsatzkategorie führt. Die sog. COMMERCIAL-Erlöse, welche sich beim FC Bayern aus den Einnahmequellen Sponsoring/Vermarktung, Merchandising, sonstiges und Allianz Arena ergeben, vervollständigen den nach Deloitte angeführten Gesamtumsatz eines Clubs.

Die Bayern waren bisher immer einer der führenden Fußballunternehmen dieser Umsatzkategorie, die die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Rekordmeisters in Fußballeuropa gewährleistet. Mit aktuell  EUR 237 Mio. verzeichnet der BOArische Fußballclub seinen bisherigen Topwert, der, wäre da nicht ein gewisser französischer Hauptstadtclub, wiederholt dazu geführt hätte, dass die Bayern hier die anderen Clubs dominieren. Lediglich Paris St. Germain, der absolute Neuling in den Top5 der Football Money League, wies mit EUR 254,7 Mio. höheren Commercial-Erlöse aus. Nichtsdestotrotz ist diese Einnahmequelle Bayerns Steckenpferd, das verglichen zum Vorjahr 11/12 um mehr als EUR 35 Mio. stieg und sich seit 2005/06 (EUR 110 Mio.)  mehr als verdoppelte.

08 - Commercial EInnahmen FML 2007-2014 des FC Bayern + Vergleich FML 2014Die Einnahmen aus Sponsoring und Vermarktung stiegen gegenüber dem Vorjahr um EUR 20 Mio. auf EUR 102 Mio. Und auch die Merchandising-Umsätze legten um satte 44% auf EUR 82,8 Mio. zu. Verglichen zu 2009/10 (EUR 38,9 Mio.) bedeutet das eine Verdoppelung dieser Umsätze. Die drei Finalteilnahmen dürften hier wegbereitend gewesen sein. Erstaunlich ist auch der Anteil der Onlineverkäufe über clubeigene Kanäle, die 2012 laut Stefan Mennerich, bei ca. EUR 2 Mio. pro Monat lagen und 50% der Direkt-Verkäufe beitrugen.

Die Umsätze „Allianz Arena” blieben weitestgehend konstant zwischen EUR 38 und 41 Mio. Die sonstigen Einnahmen (EUR 13 Mio.) umfassen nach Pressebericht Einnahmen aus New Media, der DFB-Abstellung von Nationalspielern, der FC Bayern II sowie aus Jugend- und Frauenfußball.

Abschließend fehlt nun noch eine wichtige Einnahmequelle der Fußballclubs, die beim FC Bayern München in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung verliert. Die Transfererträge komplettieren den Gesamtumsatz des Konzerns FC Bayern München, die in der Football Money League Untersuchung nicht enthalten sind. In der Studie heißt es: „(…) Revenue excludes player transfer fees, VAT and other sales related taxes”. Ferner heißt es: „(…) where information was available to us, significant non-football activities or capital transactions have been excluded from income“.

Transfererträge FC Bayern = EUR 1,6 Mio.

In der abgelaufenen Saison 2012/13 nahm der FC Bayern München EUR 1,6 Mio. durch Spielerverkäufe ein. Diese Summe machte 0,4% des Gesamtumsatzes aus und verdeutlicht, dass Bayerns Umsatzstärke unabhängig von dieser Einnahmequelle ist. Seit 2008/09 ist der prozentuale Anteil der Transfererlöse nicht über 8% gestiegen. 2009/10 wurden mit EUR 27 Mio. 7,8% des Konzernumsatz beigesteuert. Lediglich 2006/07 (EUR 44 Mio.) und 2007/08 (EUR 33 Mio.) lag der prozentuale Beitrag über 10%. Allerdings sei hier angemerkt, dass mir die tatsächlichen Transfererträge, die in den Pressemitteilung des FC Bayern München kommuniziert werden, nur von 2009/10 bis 2012/13, bekannt sind. Die Werte davor basieren auf einer einfachen Berechnung, deren Vorgehen und auftretende Problematik im Folgenden beschrieben wird.

Gleichen wir den Konzernumsatz der Bayern mit dem Umsatz nach Deloitte ab, so erhalten wir eine Differenz, die nach Aufrunden exakt den in der Pressemitteilungen zu findenden Transfererträgen entspricht.

09 - Transfererträge des FC Bayern München Ermittlung2

Allerdings kann ich nicht genau versichern, dass dieser Mechanismus vor 2009/10 ebenfalls gilt. Hier erscheinen mir bspw. die Zahlen aus 2006/07 als sehr zweifelhaft, besonders wenn man diese mit den Angaben auf Transfermarkt.de vergleicht. Mit einigen leichten Abweichungen stimmen zwar die Größenordnungen der Beträge mit denen der Differenzbeträge überein – bis auf 2006/07. Auch ein Blick auf die sog. „Einzahlungen aus Abgängen von Anlagevermögen“ der Kapitalflussrechnung deuten nicht auf einen Transferertrag in der Größenordnung von EUR 44 Mio. hin. (Wobei angeführt werden muss, dass dies nicht identisch mit den Transfererträgen seien muss, da Einzahlungen anders als Erträge tatsächliche Geldeingänge bedeuten. Diese können also auch aus Geschäften vorangegangener Perioden resultieren. Näheres zur Kapitalflussrechnung später.) Stellt sich nun die Frage, was diese EUR 44 Mio. sind? Ich weiß es nicht und würde mich freuen wenn ein Leser an dieser Stelle Rat weiß.

Die Ausgaben des FC Bayern Konzerns

„Revenue is vanity, profit is sanity…“

Dieses immerwährende Sprichwort sagt im Grunde aus, dass der Umsatz eines Unternehmens noch so groß und dessen Wachstum noch so gewaltig sein kann, ist kein Gewinn vorhanden, ist alles nichts. Der Umsatz muss immer, zumindest langfristig gesehen, höher sein als die Ausgaben. Nur dann trägt sich eine Unternehmung langfristig und kann sich nachhaltig entwickeln.

In der Saison 2012/13 entstanden dem FC Bayern Aufwendungen in Höhe von EUR 410,3 Mio., die den Gesamteinnahmen in Höhe von EUR 432,8 Mio. gegenüberstanden. Hieraus ergibt sich ein Ergebnis vor Steuer (EBT) von EUR 22,5 Mio., das abzüglich der Steuern (EUR 8,5 Mio.) den bereits angeführten Jahresüberschuss (Gewinn) in Höhe von EUR 14 Mio. ergibt.

Wie Eingangs angeführt, war die Umsatzrendite des Konzerns im Betrachtungszeitraum von 2005-2013 nie negativ (kein Verlust), lag allerdings auch nie über 6%. Der bisherige Rekordwert von 5,9% (2006/07) gilt als ordentlich und solide. Betrachten wir jedoch den Durchschnittswert, exklusive des bisherigen Rekordwerts, so erkennen wir, dass die Bayern mit einer durchschnittlichen Umsatzrendite von 1,6% eine geringe Rentabilität aufweisen. Allerdings, so sei ausdrücklich betont, gab es auch nie einen negativen Wert.

Anders die Konkurrenz aus Dortmund, die in den beiden zurückliegenden Geschäftsjahren kumuliert EUR 78,7 Mio. Gewinn erwirtschaftete und somit, auch aufgrund des geringeren Umsatzes, eine herausragende Rendite (durchschn. 13%) zeigte. Allerdings muss angemerkt werden, dass Borussia Dortmund vor nicht all zu langer Zeit ums Überleben kämpfte und nur knapp dem Zusammenbruch entging. Diese Anmerkung soll nicht im Ansatz die jüngsten wirtschaftlichen und sportlichen Leistungen der Schwarzgelben schmälern. Es ist herausragend, was hier mit den verfügbaren Mitteln aufgebaut und erreicht wurde. Aber wie bereits Watzke in einem seiner zahlreichen Interviews sagte, laute nun die devise Nachhaltigkeit zu erreichen, die der FC Bayern bereits zeigt.

Zudem möchte ich Arsenal London anführen, das wie der FC Bayern, in den letzten Jahren nie einen Jahresfehlbetrag auswies und ebenfalls für wirtschaftliche Vernunft steht. Anders dessen englischer Konkurrent Manchester City, der seit mehreren Jahren immense Fehlbeträge ausweist, um seine sportliche Leistungsfähigkeit zu tunen. In nachstehender Grafik sind nun wesentliche Kernzahlen der genannten Konkurrenten aus 2012/13 angeführt.

11 - Kennzahlenvergleich der Konkurrenz BVB, ArsenalIch habe in dieser Grafik bewusst nicht den Gewinn nach Steuer gewählt, da der FC Arsenal und Manchester City anderen Versteuerungen unterliegen, als unsere deutschen Topclubs. Zudem weise ich darauf hin, dass die Gesamteinnahmen des FC Arsenal den sog. „Group turnover“ sowie den Posten „Profit on disposal of player registrations” beinhalten. In der Deloitte Analyse werden die Transfererträge und der Einnahmestrang „property development“ herausgerechnet – hier sind sie enthalten. Darüber hinaus habe ich den Gesamtausgaben der Clubs einfachheitshalber das Finanzergebnis (Net interest) hinzugefügt, da bei allen Vergleichsobjekten die Finanzierungsaufwendungen überwiegen.

Schauen wir uns nun die Ausgabenstruktur des FC Bayern München genauer an. Gegenüber der Vorsaison 2011/12 nahmen die Ausgaben des Bayern-Konzerns um EUR 56 Mio. zu (+15%). Verglichen zu 2005/06 (EUR 209,1 Mio.) stiegen diese sogar um 96%. Das ist allerdings nicht verwunderlich, da sich ja auch die Einnahmen beinahe verdoppelten.

10 - Entwicklung Ausgabenstruktur FC BayernDie Aufwendungen der Bayern unterteile ich in Material- und Personalaufwand, betriebliche Aufwendungen, Abschreibungen sowie das Finanzergebnis, das von Zinsen und ähnlichen Aufwendungen dominiert wird. Streng genommen sollte dieser Posten wahrscheinlich nicht in die Gesamtausgaben hineinfallen, da hier neben Zinszahlungen auch Erträge aus Zinsen, Finanzanlagen, etc. enthalten sind. Da dieser Posten allerdings seit 2005/06 negativ ist, nehme ich ihn in die Aufwendungen hinein.

Für das Geschäftsjahr 2012/13 gibt es zu den Konzernausgaben leider noch keine detailierte Übersicht, daher werde ich vorrangig kurz auf ausgewählte Ausgaben bis 2011/12 eingehen. Allerdings können wir mit Hilfe der neuesten Informationen zum Mutterunternehmen (Pressemitteilung 2012/13) in manchen Posten erstaunliche Entwicklungen feststellen und beschreiben – wie ein Blick auf die Personalkosten zeigen wird.

Personalaufwand FC Bayern München

Im Geschäftsjahr 2011/12 betrugen die Personalkosten des Bayern Konzerns EUR 167,1 Mio. Damit machten diese 53% der Gesamtaufwendungen aus. Die Personalquote von 45% zeigt, dass die Personalkosten des bayerischen Konzerns lediglich 45% des Konzernumsatzes beanspruchten. Verglichen zu 2010/11 nahmen die PK um 6% zu. Den höchsten Anstieg verzeichnete der Club 2007/08, als die ausgewiesenen PK um satte 43% gegenüber 2006/07 zulegten. Eine Folge der ausbleibenden Champions League Qualifikation 2007, als die damaligen Granaten Frank Ribery, Luca Toni und Miroslav Klose verpflichtet wurden, um die Schmach der Vorsaison wettzumachen.

12 - Personalaufwand FCBayern AGWerfen wir nun einen Blick auf die entsprechenden Werte des Mutterunternehmens in 2012/13 so erkennen wir einen erneuten zweistelligen prozentualen Anstieg der Personalkosten auf EUR 202,8 Mio. Aber Mutterunternehmen ist nicht gleich Konzern! Das ist richtig, doch im Falle der Personalkosten zeigt ein Blick in die Vergangenheit, dass das Gros auf den Geschäftsbereich Fußball zurückzuführen ist, sodass dieser Einschub sehr wohl zielführend wird. 2011/12 bspw. betrugen die Personalkosten des Konzerns EUR 167,1 Mio., von denen EUR 165,6 Mio. auf das Mutterunternehmen (Geschäftsfeld Fußball) zurückfallen. Und auch ein Blick auf die Zahlen bis 2009/10 zurück bestätigt, dass die Personalkosten der Mutter durchgehend 99% der Konzern-Gesamt-Personalkosten betrugen. Es zeigt sich also, ein massiver Anstieg der Personalkosten (um ca. 20%) des Konzerns innerhalb einer Saison. Dieser Anstieg ist auf die Verpflichtung neuer Spieler, Vertragsverlängerungen und natürlich auch auf den sportlichen Siegeszug zurückzuführen.

Laut Konzernbericht sei der Spielerkader des Clubs auf die „Teilnahme im internationalen Spielbetrieb ausgerichtet“, dessen Nichtteilnahme bzw. frühzeitiges Scheitern (Gruppenaus) „unmittelbar zu Einnahmeausfällen“ führen würde, „die nicht anderweitig ausgeglichen“ werden könnten. Es wird ausdrücklich betont, dass der wirtschaftliche Erfolg des FC Bayern nicht vom sportlichen entkoppelt werden könne.

Abschreibungen des FC Bayern

Nun möchte ich noch auf die Transfer- und Anlageabschreibungen des FC Bayern München eingehen, die in der GuV unter „Abschreibungen“ zusammengefasst sind. Mit Hilfe der Abschreibungen wird der jährliche Werteverlust des Anlagevermögens als Aufwand verbucht. Dabei ist zu beachten, dass die Anschaffungs- und Herstellkosten des Anlagegutes als Ausgangswert dienen. Bei Transferabschreibungen eines Fußballclubs ist darauf zu achten, dass lediglich die geleisteten Transferentschädigungen bei Neuverpflichtungen und weitere damit verbundene Anschaffungskosten den Wert des sog. immateriellen Anlagevermögens bestimmen. Sog. Herstellkosten die, aus der Ausbildung eigener Jugendspieler resultieren, sind hier irrelevant. Mit Hilfe der Abschreibung wird der aktivierte immaterielle Vermögenswert des Spielers über die entsprechende Nutzungsdauer (Vertragslaufzeit Spieler) abgeschrieben und somit der Werteverlust als Aufwand erfasst.

Im Geschäftsjahr 2011/12 zeigte der Konzern Gesamtabschreibungen in Höhe von EUR 57,2 Mio., von denen EUR 43 Mio. auf die sog. Transferentschädigungen (Transferabschreibungen) zurück zuführen sind. Die restlichen EUR 14 Mio. umfassen Abschreibungen auf Sachanlagen, etc. Dieser Punkt wird klarer wenn wir uns später die Bilanz des Clubkonzerns vornehmen. 2012/13 lagen die Transferabschreibungen bei EUR 52,2 Mio., also EUR 9,8 Mio. über dem Vorjahreswert.

Und auch hier möchte ich einen Vergleich mit anderen Fußballunternehmen anführen. Der BVB wies 2012/13 Gesamtabschreibungen in  Höhe von EUR 22,4 Mio. aus, von denen EUR 11,6 Mio. auf immaterielle Vermögenswerte, also Transfers, zurückzuführen sind. Wir sehen, dass der BVB nur einen Bruchteil (1/5tel) des Bayern Wertes zeigt, was uns wiederrum die Kräfteverhältnisse in Sachen Spielerverpflichtungen beider Clubs verdeutlicht.

Jedoch werden die Bayern von anderen Clubs, wie bspw. Manchester City zumindest im Zahlenwert getoppt. Der englische Club wies Abschreibungen auf Spielervermögen in Höhe von GBP 81 Mio., was zum 31.Mai 2013 (Ende des Geschäftsjahres ManCity) EUR 94,6 Mio. entsprach. Auch hier wird ein enormer Kräfteunterschied auf dem Papier deutlich. Besonders wenn man die Werte ManCity`s mit denen der Schwarzgelben aus Dortmund vergleicht, steigt erneut die Hochachtung vor der Arbeit beim BVB um ein vielfaches, wenn wir uns an die Performance der Dortmunder in der Champions League erinnern. Der FC Arsenal ist hier auf Augenhöhe mit den Bayern.

Betriebliche Ausgaben FC Bayern

Einen weiteren wesentlichen Kostenpunkt bilden die betrieblichen Ausgaben des Clubs. Mit EUR 94,9 Mio. umfassten diese 27% der definierten Gesamtkosten und 25% der Konzerneinnahmen. Die betrieblichen Ausgaben stiegen seit 2005/06 (EUR 60 Mio.) um 58%.

Details zu diesem Aufwand sind leider nicht vorhanden. Im Konzernbericht heißt es lediglich, dass nach dem Verkauf eines Spielers „dessen korrespondierender Restbuchwert“ unter diesem Posten erfasst werde. So zeigt sich, dass hier ein Zusammenhang mit den Transfererlösen und den weiter unten noch angeführten immateriellen Spielervermögen liegt. Um das zu verstehen, muss man etwas ausholen:

Jeder Spieler der verpflichtet wird, wird als immaterieller Vermögensgegenstand in der Bilanz mit einem gewissen Buchwert erfasst. Mittels Abschreibungen findet hier ein jährlicher Wertverlust des sog. Spielervermögens statt (das allerdings, abhängig von Neuverpflichtungen, wieder im Wert steigen kann). Wird ein Spieler nun verkauft, erhält der Club einen Erlös aus dem Transfer. Liegt dieser nun unterhalb des gebuchten Wertes des Spielers in der Bilanz, muss diese Differenz unter dem Posten betriebliche Ausgaben erfasst werden. Ist das der Fall, so hat ein Club einen bilanziellen Verlust mit dem Verkauf des Spielers generiert.

Bevor wir fortfahren hier eine Übersicht zur Gewinn- und Verlustrechnung des Konzerns FC Bayern München AG von 2005/06 bis 2012/13.

13 - Guv Übersicht FC Bayern Konzern

Cash Flow und Kassenbestand FC Bayern Konzern

Revenue is vanity, profit is sanity and CASH is KING.“

Der vorangegangene Teil beruhte auf der Gewinn- und Verlustrechnung des Bayern Konzerns, in der nicht-zahlungswirksame Aufwendungen und Erträge enthalten sind, die das Ergebnis einer Periode „verzerren“. So wird bspw. die tatsächliche Belastung einer Spielerverpflichtung nicht vollständig in der GuV dargestellt, da diese dort lediglich in Form von Abschreibungen über mehrere Jahre hinweg (Vertragslaufzeit) als Aufwand erfasst und verteilt wird. Um Aufschluss über den tatsächlichen Zahlungsfluss einer Periode zu erhalten, muss daher die Kapitalflussrechnung herangezogen werden.

Im Folgenden werde ich auf den tatsächlichen Mittelab- und -zufluss des Konzerns FC Bayern München AG eingehen, der uns letztendlich zu einem bedeutenden Vermögensgegenstand des Clubs führt. Dranbleiben lohnt sich.

Die Kapitalflussrechnung, oder auch Cash Flow Rechnung (CF-Rechnung), umfasst drei wesentliche Abschnitte: Der CF aus laufender Geschäftstätigkeit, der CF aus Investitionstätigkeit und der CF aus der Finanzierungstätigkeit. Im Geschäftsjahr 2011/12 generierte der FC Bayern Konzern

  • aus der laufenden Geschäftstätigkeit einen Zufluss in Höhe von EUR 58,3 Mio.
  • aus der Investitionstätigkeit einen Mittelabfluss von EUR 82 Mio. und
  • einen Mittelabfluss aus der Finanzierungstätigkeit von EUR 5,6 Mio.

Saldiert man diese drei Abschnitte so wird die Verringerung des Zahlungsmittelbestandes (liquiden Mittel) von EUR 144 Mio. auf EUR 114 Mio. deutlich. Das „Festgeldkonto“ des FC Bayern reduzierte sich somit um ca. EUR 30 Mio. Dieser Sachverhalt ist in nachfolgender Grafik visualisiert und ist im Wesentlichen auf die hohen Investitionen ins Anlagevermögen (Spielervermögen) zurückzuführen.

14 - Liquide Mittel des FC Bayern KonzernsDen höchsten Bestand wies der FC Bayern im Juni 2011 aus (EUR 144 Mio.). Damals generierte der Konzern einen Gesamtmittelzufluss von EUR 69,3 Mio., der im Wesentlichen auf „Einzahlungen aus Eigenkapitalzuführungen“ zurückzuführen war. Auch das Jahr zuvor verzeichnete der Fußballkonzern Einzahlungen aus Eigenkapitalzufuhr – in Höhe von EUR 27 Mio. Diese Mittelzuflüsse sind mit dem Einstieg der Audi AG zu erklären, die seit 2010 Anteile am Mutterunternehmen FC Bayern München AG hält. Später werden wir hierauf noch genauer eingehen.

Seit 2005 wurde der Bestand an liquiden Mitteln von EUR 77,8 Mio. auf 114,4 Mio. (06.2012) erhöht. Die liquiden Mittel des FC Bayern sind ein erstaunliches Alleinstellungsmerkmal im deutschen Fußball. Kein anderer Club hatte zum Juni 2012 auch nur ansatzweise einen solch gewaltigen Kassenbestand. Addiert man die Werte des BVB, von Schalke 04, des HSV und von Werder Bremen so erhält man mit EUR 28,5 Mio. nicht einmal ein Drittel des bayerischen Barvermögens. Mir ist lediglich Arsenal London bekannt, das zum Mai 2012 mit EUR 192 Mio. (GBP 153,6 Mio.) einen höheren Cash-Bestand als der deutsche Rekordmeister auswies.

16 - Liquide Mittel_Kassenbestand europäische Fußballclubs 2012

Kerninvestitionen des FC Bayern Konzerns

Da die Investitionstätigkeit in der Saison 2011/12 den höchsten Mittelabfluss forderte, lohnt ein Blick auf die Investitionsanalyse. Die Investitionstätigkeit setzt sich zusammen aus Ein- und Auszahlungen, die aus Ab- und Zugängen von Anlagevermögen resultierten (EUR 7 Mio. eingezahlt und EUR 89 Mio. ausbezahlt). Werden diese Ein- und Auszahlungen saldiert so erhält man die EUR -82 Mio. Gehen wir tiefer hinein, so erfahren wir, dass 2011/12 EUR 77,7 Mio. in den Spielerkader investiert wurden. Zwischen 2006/07 und 2011/12 investierte der FC Bayern kumuliert EUR 305 Mio. in seinen Spielerkader, was 82% der, in diesem Zeitraum getätigten, Konzerninvestitionen entspricht. Hieran wird die Bedeutung des Humankapitals in Zahlen verdeutlicht. Die Spielerwerte bilden für jeden Fußballclub eine absolute Schlüsselressource. Nachfolgende Abbildung gibt eine Übersicht zu den Investitionsschüben, die 2008, 2010 und 2012, die jeweils über EUR 75 Mio. lagen.

15 - Kerninvestitionen des FC Bayern Konzerns 2007 - 2012

Vermögensgegenstände des Bayern Konzerns

Die zuvor angeführten liquiden Mittel sind Bestandteil des Umlaufvermögens und auf der Aktiva der Unternehmensbilanz zu finden. Die Aktiva zeigt die Vermögenswerte eines Unternehmens. Doch bevor wir hier genauer eingehen, einleitend eine Übersicht zur Konzernbilanz des FC Bayern, deren Entwicklung in nachfolgender Grafik visualisiert ist. Die Bayern bilanzieren nach HGB.

17 - Entwicklung der Konzernbilanz des FC Bayern München 2006 - 2012Das Umlaufvermögen gilt als kurzfristiges Anlagevermögen und wird vorrangig für den Geschäftsbetrieb eines Unternehmens genutzt, verbraucht, veräußert, etc. Als Umlaufvermögen gelten die bereits angeführten liquiden Mittel, also Kassenbestand, Schecks, Barvermögen, etc., sowie Vorräte, Forderungen und Wertpapiere. Das Umlaufvermögen des FC Bayern München Konzerns betrug zum 30. Juni 2012 EUR 151,9 Mio. Neben dem Umlaufvermögen, findet sich in der Bilanzaktiva das Anlagevermögen (langfristig) und die aktiven Rechnungsabgrenzungsposten.

Das Anlagevermögen des FC Bayern setzt sich zusammen aus immateriellen Vermögenswerten (VW) (Spielerwerte, Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte, Lizenzen…), Sachanlagen (Grundstücke, Bauten, technische Anlagen & Maschinen) sowie Finanzanlagen (Wertpapiere des Anlagevermögens, sonst. Ausleihungen). Zum Juni 2012 wies die Bayern Bilanz Anlagevermögen in Höhe von EUR 354,5 Mio. aus, das im Wesentlichen von Spielerwerten (EUR 71,7 Mio.) und Sachanlagen (EUR 273 Mio.) bestimmt wurde.

Drei bedeutende Vermögenswerte des FC Bayern

Der Bilanz entnehmen wir somit drei bedeutende Vermögenswerte. Diese sind das Barvermögen (liquide Mittel), die Spielerwerte und die Sachanlagen, welche das Bayern Gelände sowie die Allianz Arena betreffen. Nachfolgende Abbildung zeigt die Entwicklung dieser drei Vermögenswerte seit Juni 2006:

19 - Entwicklung 3 stärksten Vermögenswerte FC BayernEin Vergleich mit der Konkurrenz zeigt, dass der FC Bayern 2012 deutschlandweit in allen drei Kategorien die höchsten Werte auswies. Im Vergleich zu den englischen Topclubs ist der Unterschied nicht mehr so dramatisch. Zwar sind die liquiden Mittel, wie bereits erwähnt herausragend – nur Arsenal London hat mehr – doch gerade die Spielerwerte sind um einiges geringer als die der englischen Vergleichsobjekte. Doch ist das ein Nachteil? Nein, denn es bedeutet nur, dass der FC Bayern bisher keine exzessiven Investitionen in Spieler tätigen musste, wie Chelsea und Manchester City, um wettbewerbsfähig zu sein. Bei diesen Clubs wird teilweise nach dem Schrotflinten-Prinzip eingekauft: „Streuen, irgendeiner wirds schon sein“. Obwohl hier gleichzeitig angemerkt werden muss, dass der FC Bayern in Sachen Spielerinvestitionen in einer anderen Liga agiert als die nationale Konkurrenz und sich zunehmend den europäischen Spitzenclubs angleicht.

Die Spielerwerte resultieren aus den Anschaffungskosten für Fußballspieler. Chelsea London wies bspw. zum 31. Mai 2012 EUR 251 Mio. (GBP 200,45 Mio.) an Spielerwerten aus. Dieser Wert wird allerdings noch von den Citizens aus Manchester getoppt, die mit EUR 283,3 Mio. (GBP 226,2 Mio.), einen noch gewaltigeren Wert zeigten.

20 - 3 zentrale VW ausgewählter FußballclubsAn dieser Stelle ein kleiner Einschub. Neben dem bilanziellen Spielerwert existiert eine andere medial genutzte Größe um den Marktwert des Kaders zu beziffern. Dieser ist anders als der bilanzielle Wert abhängig von den aktuellen sportlichen Leistungen der Mannschaft sowie den individuellen Qualitäten der Spieler. Es handelt sich um den aktuellen Marktwert eines Fußballkaders, der bspw. auf Transfermarkt.de abgefragt werden kann. Im Februar 2014 lag der Marktwert des Bayern-Kaders bei EUR 526 Mio. Vor zwei Jahren, also ziemlich genau zum Ende des Geschäftsjahres 2011/12, betrug der Marktwert noch lediglich EUR 355 Mio. Eine erstaunliche Entwicklung, die selbstverständlich durch die letztjährige Titelsammlung positiv beeinflusst wurde. Der bilanzielle Spielerwert ist eher historischer Natur.

Jedoch sei angemerkt, dass durch die Verpflichtungen von Martinez, Mandzukic, Shaqiri und Dante zur Saison 2012/13, die bilanziellen Spielerwerte um einiges Ansteigen können. Und auch für die aktuelle Saison könnte der Geschäftsbericht einen weiteren Anstieg zeigen (Götze, Thiago). Der FC Bayern setzt mehr und mehr auf externe hochpreisige Topspieler, als es noch vor ein paar Jahren war. Auch ein möglicher Abgang Toni Kroos und Müllers würde da nichts ändern, da Eigengewächse nicht in der Bilanz auftauchen. Wir werden sehen was zukünftige Berichte für uns bereithalten.

Gesamtkapital des FC Bayern Konzerns

Kommen wir nun zur Finanzierung der Vermögenswerte und werfen einen Blick auf das Gesamtkapital des Bayern Konzerns, welches sich in der Passiva findet. Die Basis zur Finanzierung eines Unternehmens bildet das Eigenkapital. Es trägt anfallende Risiken aus der Unternehmenstätigkeit, wie bspw. Generierung von Jahresfehlbeträgen, und kann somit eine gewisse Sicherheit und Stabilität für das Unternehmen bedeuten. Würden alle Vermögensgegenstände zum bilanziellen Wert verkauft und davon alle Verbindlichkeiten beglichen werden, so erhielte man das Eigenkapital. Das Eigenkapital zeigt den bilanziellen Buchwert des Unternehmens.

Das Eigenkapital des FC Bayern

Der bayerische Fußballkonzern wies zum 30. Juni 2012 mit EUR 248,7 Mio. ein gewaltiges Eigenkapital aus, das 49% des Gesamtkapitals umfasste. Diese Eigenkapitalquote lässt eine herausragende finanzielle Stabilität vermuten. Auch wenn es ähnliche Kaliber gibt, ist ein solcher Wert in der europäischen Fußballbranche alles andere als selbstverständlich. Laut dem UEFA Benchmarking-Bericht zur Klublizenzierung in Europa wiesen im Finanzjahr 2011 von den insgesamt 678 untersuchten Fußballclubs 273 eine Eigenkapitalquote größer 20% aus. 255 Clubs jedoch zeigten eine Eigenkapitalquote kleiner 0%, was für eine starke finanzielle Instabilität spricht. Wohl gemerkt, diese Werte stammen aus der Saison 2010/11 und liegen somit 1 Jahr hinter unserer Betrachtung. Doch auch damals lag das Eigenkapital der Bayern bei soliden EUR 239 Mio.

In nachfolgender Abbildung sind die Eigenkapitalstände fünf ausgewählter Fußballkonzerne enthalten. Hier sticht besonders der FC Schalke 04 heraus, der zum 31. Dezember 2012 ein negatives Eigenkapital in Höhe von EUR 76 Mio. verzeichnete, das als dramatisch angesehen werden dürfte. Auch auf die englischen Clubs lohnt es zu schauen. Chelsea London und Manchester City haben beide eine Eigenkapitalquote von ca. +60%, sodass hier noch einige Verluste generiert werden könnten, ohne das Eigenkapital vollends aufzuzehren.

21 - Das Eigenkapital ausgewählter Fußballclubs 2012Das Eigenkapital der Bayern ergibt sich aus Grundkapital, Kapital- und Gewinnrücklage sowie dem einbehaltenen Konzerngewinn. Das Grundkapital des Konzerns (gezeichnetes Kapital) ist eingeteilt in 27,5 Mio. Stückaktien, von denen der FC Bayern München e.V. 22,5 Mio., die adidas AG 2,5 Mio. und die Audi AG 2,5 Mio. halten. Durch die Einstiege von adidas und Audi konnte eine Kapitalrücklage von EUR 173,09 Mio. geschaffen werden. Die Gewinnrücklage betrug im Juni 2012 EUR 37,06 Mio. Hinzu kommt ein Konzerngewinn in Höhe von EUR 11,06 Mio. Durch Addition dieser Posten ergibt sich für den 30. Juni 2012 der Eigenkapitalstand von EUR 248,7 Mio.

Der Einstieg der Audi AG beim FC Bayern

Der hohe Wert der Bayern war jedoch nicht schon immer so existent. Noch 2006 umfasste das Eigenkapital EUR 132,5 Mio. (EK-Quote von 26%). Innerhalb von sechs Jahren wurde das Eigenkapital des Konzerns um EUR 116,2 Mio. erhöht. Dies erfolgte zwischen 2006 und 2009 überwiegend über einbehaltene Gewinne, was als Selbstfinanzierung verstanden wird. Der Löwenanteil erfolgte jedoch ab 2010 mit dem Einstieg der Audi AG, der einen wahren Wachstumsboost zur Folge hatte. Nach Konzernangaben wurde am 18.01.2010 der Vorstand von der Hauptversammlung ermächtigt „das Grundkapital der FC Bayern München AG mit Zustimmung des Aufsichtsrates bis zum Dezember 2014 einmalig oder mehrmalig um bis zu insgesamt T€ 2.500 gegen Bareinlage, durch Ausgaben von neuen, auf den Namen lautenden Stückaktien, zu erhöhen“. Die Audi AG erwarb 9,1% der Anteile und stieg somit für insgesamt EUR 90 Mio. bei Bayern ein (2,5 Mio. Stückaktien).

Dieser Einstieg erfolgte in zwei Schritten. Zunächst wurden 2010 für insgesamt EUR 27 Mio. 750.000 Stückaktien und somit 2,9% der Anteile an der FCB AG erworben. Im darauffolgenden Jahr wurden dann weitere 1,75 Mio. Stückaktien für insgesamt EUR 62 Mio. erworben, wodurch der Anteil von Audi an der FC Bayern München AG auf 9,1% anstieg. In nachfolgender Abbildung ist die Entwicklung und Zusammensetzung des Eigenkapitals des Konzerns übersichtlich dargestellt. Darüber hinaus habe ich mich an einer Visualisierung des Audi Einstiegs versucht.

22 - Eigenkapital der FC Bayern AG Entwicklung und ZusammensetzungNun steht auch noch der Einstieg der Allianz SE bevor, der wiederrum ein Wachstum des Eigenkapitals zur Folge haben wird. Laut Clubangaben sollen die dadurch generierten Gelder hauptsächlich für die Verbindlichkeiten, die hauptsächlich mit der Finanzierung der Allianz Arena entstanden, verwendet werden.

Verbindlichkeiten des FC Bayern Konzerns

Neben dem Eigenkapital finanziert sich ein Unternehmen über Fremdkapital, das in kurzfristig und langfristig unterschieden wird. Die Gesamtverbindlichkeiten des FC Bayern Konzerns lagen zum 30. Juni 2012 bei insgesamt EUR 175 Mio. und wurden seit 2006 um EUR 84 Mio. reduziert. Die Verbindlichkeiten lassen sich neben ihrer Laufzeit (in dieser Grafik bereits geschehen) in ihrer Art unterscheiden. Hier wird unterschieden in

  • Verbindlichkeiten ggü. Kreditinstituten (VgK.),
  • Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie
  • sonstige Verbindlichkeiten.

Die Verbindlichkeiten ggü. Kreditinstituten (VgK.) sind mit EUR 118,4 Mio. der größte Posten und wurden laut Konzernabschluss zur Finanzierung des Stadionneubaus in den Wirtschaftsjahren bis 2004/05 aufgenommen.

23 - Entwicklung und Struktur der Verbindlichkeiten des FC Bayern KonzernsAuffällig sind die kurzfristen Verbindlichkeiten ggü. Kreditinstituten (VgK.), die mit EUR 4,5 Mio. durchgehend konstant sind. Seit 2006/07 zeigte dieser Posten den selben Wert. Diese Summe ist immer das Minimum zur Reduzierung der Verbindlichkeiten ggü. Kreditinstituten, wodurch sich konsequenterweise die langfristigen VgK. auf jeden Fall jedes Jahr reduzieren. Des häufigeren fanden jedoch höhere Tilgungen statt, wie uns ein Blick in die Kapitalflussrechnung zeigt. Unter „Auszahlungen aus der Tilgung von Anleihen und Finanzkrediten“ ist ersichtlich, dass 2010 und 2012 lediglich die bereits genannte Minimalsumme von EUR 4,5 Mio. getilgt wurde. Im Jahr davor, 2011, hingegen wurde der Posten VgK. um gewaltige EUR 39,5 Mio. reduziert. Gleiches gilt, wenn auch mit anderen Summen, für 2009 und 2008.

Von 2006 bis 2012 wurden kumuliert Finanzverbindlichkeiten in Höhe von EUR 138 Mio. getilgt. Nehmen wir daher eine jährliche Tilgungssumme von EUR 19,8 Mio. an, so können wir errechnen, dass in ca. 6 Jahren sämtliche Verbindlichkeiten ggü. Kreditinstituten vollständig getilgt wären – vorausgesetzt es kommen keine neuen hinzu. Doch, so wurde kürzlich vermeldet, sollen die Einzahlungen aus Eigenkapitalzufuhr durch den Einstieg der Allianz SE, vorrangig zur Finanzierung des Stadionkredites verwendet werden. Dies ist absolut herausragend und würde den Tilgungsplan festigen.

Den dritten großen Posten der Bayernbilanz, bilden die sog. passiven Rechnungsabgrenzungsposten in Höhe von EUR 69,3 Mio. Passive RAP sind Einnahmen eines Unternehmens, deren Ertrag der Folgeperiode zugerechnet wird (Vorauszahlungen). Bei Fußballunternehmen setzt sich dieser Posten in erster Linie aus Dauerkartenverkäufen zusammen. Zudem sind häufig Vorauszahlungen für Vermarktungsrechte sowie von Sponsoren enthalten. Hier bekommen wir leider keine genaueren Informationen zum FC Bayern.

Abschließend noch eine Übersicht zum Gesamtkapital ausgewählter Fußballclubs im Geschäftsjahr 2012. Ich möchte an dieser Stelle jedoch noch darauf hinweisen, dass die Clubs nach unterschiedlichen Rechnungslegungsvorschriften bilanzieren. So bilanziert der FC Bayern und Schalke 04 nach HGB, der BVB nach IFRS und die englischen Clubs Arsenal, Chelsea und Manchester City nach UK GAAP.

25 - Gesamtkapital ausgewählter Fußballclubs 2012

Die Finanzielle Stabilität des FC Bayern Konzern

Nachdem nun die Umsatz- und Ausgabenstruktur sowie die Beschreibung der Vermögenswerte und des Gesamtkapitals der Bayern AG erfolgten, wollen wir nun abschließend noch einen Blick auf die finanzielle Stabilität des deutschen Rekordmeisters werfen. Hierbei werden Kennzahlen genutzt, die sich aus einzelne Posten der Aktiva und Passiva der Bayern-Bilanz ergeben. Wir werden uns die Nettoverschuldung, das Gearing sowie die Liquidität 1. und 3. Grades, sowohl des FC Bayern Konzern als auch der bisher genutzten Vergleichsobjekte, ansehen.

Nettoverschuldung des FC Bayern Konzern minimal

Ein Blick auf die sog. Nettoverschuldung zeigt, dass der FC Bayern als schuldenfrei zu verstehen ist. Würden die gesamten liquiden Mittel vollumfänglich und auf einen Schlag zur Abzahlung der Finanzverbindlichkeiten (VgK.) verwendet, blieben den Bayern zum 30. Juni 2012 EUR 4 Mio. zur Tilgung offen. Wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt, verbesserte sich dieser Wert innerhalb von 4 Jahren gewaltig. Noch im Juni 2009 betrug die Nettoverschuldung der Münchner EUR 127,5 Mio.

24 - Nettoverschuldung ausgewählter Fußballclubs 2012

Werfen wir auch hier einen Blick auf die Konkurrenz, so sticht abermals der FC Schalke 04, mit einer Nettoverschuldung von EUR 125,7 Mio., hervor. Hier habe ich als Finanzverbindlichkeiten, die Verbindlichkeiten ggü. Kreditinstituten (EUR 81,4 Mio.) mit den Verbindlichkeiten aus Anleihen (EUR 47,5 Mio.) addiert. Ferner fällt auf, dass zwar Arsenal einen höheren Bestand an liquiden Mitteln auswies als die Münchner, dafür allerdings auch höhere Finanzverbindlichkeiten, die mit EUR 279,8 Mio. doppelt so hoch sind, wie die der Bayern. Der FCB zeigte somit zum Bilanzstichtag 2012 eine weitaus geringere Nettoverschuldung als der FC Arsenal (EUR 89,1 Mio.). Die Finanzverbindlichkeiten des FC Arsenal setzten sich aus sog. „Fixed + Floating rated bonds“ zusammen.  Des Weiteren zeigten die Manchester City Group und der BVB Konzern eine Nettoverschuldung von EUR 73 Mio. bzw. EUR 42 Mio., die ebenfalls über dem Wert unseres Anschauungsobjektes liegen. Die Finanzverbindlichkeiten von Manchester City setzen sich zusammen aus „borrowings“ und „finance lease“. Fast alle Vergleichsobjekte haben eine höhere Nettoverschuldung bei geringerer Bilanzsumme als die Bayern.

Das Gearing der Bayern – Absolut vorbildlich

Darüber hinaus nehme ich mir noch das sog. Gearing des Konzerns vor. Diese interessante Kennzahl dient der Bewertung der finanziellen Stabilität eines Unternehmens, indem sie die liquiden Mittel, die Finanzverbindlichkeiten und das Eigenkapital in Verbindung bringt. Die Bayern zeigten hier zum Juni 2012 einen Wert von 1,6%, was als absolut hervorragend gilt. Der Wert 1,6% sagt aus, dass die bestehende (minimale) Nettoverschuldung der Bayern lediglich 1,6% des Eigenkapitals bildete. Als gut gelten bereits Werte zwischen 20% – 50%.

Betrachten wir auch hier unsere Vergleichsgruppe. Für den BVB ergab sich ein Gearing-Wert von 45% (06.2012), der allerdings durch Addition der sonstigen finanziellen Verbindlichkeiten auf 71% ansteigt. Die Arsenal London Group (24%) und ManCity Group (18%) zeigten wie die Münchner ideale Werte. Für den Schalke Konzern lässt sich diese Kennzahl, aufgrund des negativen Eigenkapitals nicht berrechnen.

Abschließend möchte ich noch die Liquidität (LIQ) 1. und 3. Grades heranziehen. Erster Wert betrachtet das Verhältnis der liquiden Mittel zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten und gibt Aufschluss, zu wieviel Prozent die kurzfristigen Verbindlichkeiten durch das Barvermögen gedeckt sind. Die Liquidität 3. Grades erweitert die liquiden Mittel, um die sonstigen Posten des Umlaufvermögens, sodass das Verhältnis kurzfristiger Vermögenswerte zu kurzfristigen Verbindlichkeiten geprüft wird. Die Bayern zeigen in beiden Kennzahlen sensationelle Werte. Jedoch sticht besonders die LIQ 1.Grades (216%) hervor, aus der wir lesen können, dass die kurzfristigen Verbindlichkeiten des bayerischen Fußballkonzerns zu mehr als 200% durch liquide Mittel gedeckt waren. Bedenken wir den empfohlenen Zielkorridor (10% – 30%) dieser Kennzahl, wird die mehr als stabile Stellung des FC Bayern abermals untermauert. Nachfolgende Abbildung stellt nun die einzelnen Werte der Vergleichsobjekte dar. Nähere Informationen zu den einzelnen Zahlen können der Abbildung entnommen werden.

26 - Liquidität 1. und 3.Grades ausgewählter Fußballclubs

Fazit – Lokomotive und Raubritter

Vorangegangener Report stellt eine ausführliche Analyse der Bayern Finanzen dar. Zu Beginn der Ausarbeitung wird die unglaubliche Umsatzpower der Bayern deutlich, die allerdings mit einer, im Vergleich zu anderen Fußballunternehmen, „geringen“ Umsatzrendite verbunden ist. So wies der FC Bayern in den letzten drei Jahren eine geringere Rendite als bspw. der BVB aus. Jedoch generierten die Roten in den letzten 8 Jahren – anders als die Schwarzgelben – durchgehend positive Jahresendergebnisse.

Darüber hinaus ist die „geringe“ Rentabilität nicht weiter schlimm, denn der deutsche Rekordmeister zeigt eine sportliche Ausbeute die seinesgleichen sucht – und das bei wirtschaftlicher Gesundheit. Eine Nettoverschuldung (Finanzverbindlichkeiten – liquide Mittel) von EUR 4 Mio. ist ein hervorragender Wert, der belegt, dass die Bayern im Grunde als schuldenfrei gelten. Dies in Kombination mit einem herausragenden Gearing-Wert und den überragenden Liquiditäts-Kennzahlen, zementiert die finanzielle Stabilität des bayerischen Konzerns.

Das Fundament der Bayern ist stabil. Ein eigenes Stadion, das als abgezahlt zu verstehen ist, eine sensationelle Mannschaft, ein überragendes Trainer-Team und ein prallgefüllter Geldspeicher lassen den FC Bayern in eine mehr als rosige Zukunft blicken. Wir erkennen alle Anzeichen eines einzigartigen Fußballunternehmens mit ausgezeichneter Marktposition, das finanziell solide, rentabel und dazu noch auf Wachstumskurs ist. Dies gepaart mit einer sportlichen Selbstverständlichkeit, die zumindest in der Bundesliga noch nie dagewesen ist, lässt den deutschen Rekordmeister als absolutes Musterbeispiel für ausgezeichnete und solide Clubführung erscheinen.

Paradoxerweise jedoch sind die Roten nicht nur Lokomotive des deutschen Fußballs sondern zugleich Raubritter der Bundesliga. Kein anderer Club treibt die deutsche Liga dermaßen an und vertritt sie seit Jahren so vorbildlich auf dem internationalen Parkett, wie die Bayern. Doch andererseits vernichten sie verblüffend schnell ihre nationale Konkurrenz oder halten sie zumindest im Zaum. Die jüngsten Verpflichtungen von Lewandowski und Götze lassen ein altes Muster der Bayern erkennen: Mittels gezielter Spielerverpflichtungen rebellierende Clubs zu schwächen. Neben der Verstärkung des eigenen Kaders, entfernen die Bayern somit der Konkurrenz die zentralen sportlichen Motoren. Diese gewaltige Macht gespürt, beklagte erst kürzlich Hans-Joachim Watzke, Bayerns Vorsatz den BVB zerstören zu wollen. Kein Wunder, bedenken wir, dass mit Robert Lewandowski, ein weiterer zentaler Erfolgsgarant des BVB an die Isar wechselt.

Doch keine Angst die Bayern werden keinen Club bis zur Unkenntlichkeit zerstören, denn ansonsten droht der Liga langeweile, was auch fürs bayerische Geschäft schlecht wäre. Haltet durch Clubs der Bundesliga und bietet dem „Todesstern des Südens“ weiterhin die Stirn. Mit Innovation und Erfindergeist und der Bereitschaft neue Wege zu gehen, muss es weiterhin möglich sein, die Roten zu ärgern. Denn auch der Große FC Bayern muss trotz seiner Dominanz und Macht Schwachstellen haben, die es zu finden gilt. Jede Vorherrschaft ist endlich – auch im Fußball.

Marco Mesirca / März 2014

Das Geschäftsmodell des BVBEuropas Fußballelite - Ausgabenstruktur und Profitabilität

17 responses to “Finanzanalyse des FC Bayern München

  1. Super Arbeit !

    Handelt es sich bei dem Artikel um eine im Rahmen eines Studiums durchgeführte Seminarabeit oder gar höheres ?

    • Hallo, nein keine Seminararbeit. Nur so. Hatte Lust auf eine ausführliche Analyse zu den Bayern. Danke für dein Kompliment.
      Beste Grüße

  2. Hallo, super Arbeit erstmal!
    Was mich im Zusammenhang mit den Spielertransfers und GuV interessieren würde: stellen wir uns mal vor, ein spieler wird für 40 mio für 4 jahre verpflichtet, macht bei linearer abschreibung 10 mio kosten pro jahr. Nach jahr 3 steht er also noch mit 10 mio restwert in den bücher. Was passiert, wenn sein vertrag zu diesem Zeitpunkt vorzeitig um weitere 4 jahre verlängert wird? Wird dann der restwert von 10 mio auf weitere 4 jahre abgeschrieben, linear dann 2,5 mio pro jahr?
    Viele Grüße und danke schon mal,
    Marco

  3. Pingback: Linktipp: Finanzanalyse des FC Bayern München | Miasanrot.de

  4. Pingback: #Link11: Kein Aprilscherz | Fokus Fussball

  5. Großes Kompliment für diese Analyse. Ganz fantastische Arbeit, von der sich ein Haufen etablierter Journalisten ein paar Scheiben abschneiden könnte.

  6. Großes Kino und ganz großes Lob :-)
    Super geschrieben.
    Da fühlt man sich direkt an sein Studium zurückerinnert.

    Was mich ja mal interessieren wurde, wie die Unterschiede waren, wenn man alle Abschlüsse auf einen Rechnungslegungstandard bringen wurde.

    • Hallo, ganz vielen Dank. Ja, stimmt. Vielleicht lässt sich ja jemand inspieren für eine solche Studienarbeit 😉
      Beste Grüße

  7. Super Beitrag, das finde ich total klasse,

  8. Danke für diese tolle Analyse! Ganz hervorragend geschrieben.

    Hast du eigentlich auch vergleichbare Daten für die spanischen Teams?

    • Hallo Mario,
      ist in Planung und wird demnächst umgesetzt. Zur Zeit sitze ich an einer Analyse des TSV 1860.
      Bleib am besten über Facebook oder Newsfeed dran.

      Beste Grüße

  9. Der arme tüpen der das geschrieben hat

  10. Eindrucksvolle Arbeit ! Habe großen Respekt vor deiner PRIVATEN Leistung. Wird mir bei meiner Studienarbeit eine wichtige Hilfe sein ! A fettes Merci dafür :-)

  11. Pingback: Jahresabschluss des FC Bayern München | Fußball und Wirtschaft

  12. Hallo,

    Zunächst einmal habe ich nicht alles gelesen, sondern nur einzelne Auszüge. Doch das was ich gelesen habe, war wirklich sehr gut. Bei einigen Dingen hast Du es Dir zwar sehr einfach gemacht, aber da dieser Text sicherlich von vielen Laien gelesen wird, bin ich begeistert. Ich thematisierte oft die Fianzen von Real Madrid, die ständig viel zu schlecht und vorallem unfair dargestellt werden. Bayernfans verblüffen mich oftmals mit der Kenntnis keine Bilanzen lesen zu können und zu glauben, dass Real Madrid viel schlechter aufgestellt ist wie Bayern. Völliger Quatsch! Bayern ist derzeit meines Wissens nach der reichte Club Europas. Das Eigenkapital beträgt 405 Mio. Euro, Real meines Wissens nach auf Platz 2. deren Eigenkapital beträgt 370 Mio. Euro (beides Stand 30.06.2014). Dein Bericht hat mir daher so gut gefallen, dass er zunächst einmal neutral war und auch viele klare Fakten enthält. Klasse!

  13. Hallo,

    mich würde interessieren, wie bedeutend die fußballerischen Erfolge des Vereins seit Gründung für die heutige finanzielle Lage ist. Also wie viel Anteil haben die Erfolge an der heutigen Situation, in der andere Einnahmequellen sicherlich einen höheren Stellenwert haben, als das vor 80 Jahren der Fall war.

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