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Führungsstrukturen in Sportunternehmen – Drei Grundmodelle (Teil 1 / 4)

Diese Ausarbeitung befasst sich mit der Differenzierung von Führungsstrukturen. Vereinfacht ausgedrückt befasst sich der Autor mit den unterschiedlichen Führungsstrukturen von Sportunternehmen, speziell von Fußballunternehmen. Dabei liegt der Fokus, neben der Darstellung typisierter Führungsarchitekturen von Clubs, mit deren Kompetenz- und Aufgabenverteilung, auf den speziellen Führungsstrukturen innerhalb des Sportbereichs.

Hierzu werden zunächst die nach KUPFER zentralen Strukturarchitekturen von Profisportunternehmen aufgezeigt. Diese sollen helfen das System Sportunternehmen mit seinen einzelnen Bausteinen Sport, Wirtschaft, Kommunikation, etc. zu erfassen und zu verstehen. Anschließend wird sich dem Verantwortungsbereich „Sport“ und seinen verschiedenen Kompetenzmodellen gewidmet. Ziel ist es zunächst den Aufbau von Clubs und dessen Verantwortungsbereichen theoretisch darzustellen (Teil 1 + 2) um dies anschließend mit praktischen Beispielen (Teil 3) zu untermauern. Ein Fazit (Teil 4) rundet dies abschließend ab

Strukturen in Unternehmen

Unter einer Struktur versteht man die Anordnung der Teile eines Ganzen zueinander. Die Struktur bestimmt Eigenschaften und Wirkungen des Ganzen. So ist bspw. die Struktur eines Wassermoleküls entscheidend geprägt von der Struktur der sog. Dipolbindung. Bei der in diesem System vorzufindenden Variante sind die beiden Wasserstoffmoleküle in einem Winkel von ca. 105 Grad an das Sauerstoffatom angeordnet. Mit Hilfe dieser speziellen Struktur nimmt die Dipolbindung entscheidenden Einfluss auf Eigenschaften und Wirkungen des Wassers.

Strukturen kommen nicht nur in der Natur, sondern in allen Bereichen des Lebens vor. Die wissenschaftliche Definition beschreibt den Begriff der Struktur als Beziehungsgefüge mit dessen Eigenschaften, als Ordnungsgefüge sowie als ein System von Zwecken. An Hand einer Struktur ist die innere Gliederung des Ganzen zu erkennen.

Gerade das wirtschaftliche Handeln eines Unternehmens wird von dessen Struktur stark beeinflusst. Organisationsstrukturen bzw. Führungsstrukturen sind maßgeblich für die zu leistende Performance und die damit verbundene Zielerreichung eines Unternehmens verantwortlich. Jedoch gibt es nicht DIE effizienteste Organisationsstruktur, denn ihre Eignung muss situativ beurteilt werden und unterliegt einer ständigen dynamischen Entwicklung. Besondere Einflussgrößen für die Entwicklung einer bestimmten Organisationsstruktur stellen unteranderem die Eigentümer, die Mitarbeiter, die Rechtsform, die historische Entwicklung, die Branche, die Größe, der Führungsstil und die Ziele des Unternehmens dar. (Vgl. Thommen/Achleitner, 2006, S. 840f.)

Klare Strukturen sind auch in Sportclubs, die inzwischen Sportunternehmen darstellen, zwingend notwendig aber nur teilweise ersichtlich. Positionen, Verantwortungen, Aufgaben und Abläufe müssen klar verteilt, strukturiert und dokumentiert sein um einen reibungslosen Ablauf der Performance zu erreichen. Gerade die Führungsstruktur und die richtige Besetzung der entsprechenden Positionen gelten, neben der sportlichen Leistung auf dem Platz, als Grundlage für den Erfolg. Besonders stark hängt die Organisation bzw. Struktur eines Lizenzliga-Sportclubs von den Faktoren Finanzkraft, Eigentümerverhältnis, Immobilienbesitz, Stadiongröße und den Erfolgen des Vereins ab.

Typisierte Führungsarchitektur-Modelle

Die wesentlichen Entscheidungen eines Teamsportunternehmens werden vom Vorstand bzw. der Geschäftsleitung getroffen. Sie bilden die erste Führungsebene und sind somit hauptverantwortlich für das strategische und operative Handeln des Clubs, welches direkten Einfluss auf die sportliche und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit hat. Die erste Führungsebene befasst sich mit dem optimalen Umgang und Einsatz der verfügbaren Ressourcen. Besonders zu beachten ist die Sicherung bzw. Erweiterung der Vermögenswerte, das bei einem Teamsportunternehmen besonders stark vom sportlichen Erfolg abhängig ist. In Teamsportunternehmen zeigt sich eine besondere Abhängigkeit zweier Faktoren zueinander. Die wirtschaftliche Planungsfähigkeit hängt maßgeblich von der sportlichen Leistung und dem Erreichen spezifischer sportlicher Ziele ab. Umgekehrt hängt die sportliche Planungsfähigkeit erheblich von den finanziellen Mitteln ab, welche von der Qualität der strategischen und wirtschaftlichen Handlungsfähigkeit der handelnden Personen bestimmt wird. (Vgl. KUPFER, 2006, S. 109)

Als wichtigster Bereichsleiter der zweiten Führungsebene eines Clubs wird häufig der Cheftrainer bzw. Sportmanager genannt, jedoch spiegelt dessen strukturelle Eingliederung häufig nicht die tatsächliche Rolle, Verantwortung und Machtfülle wieder. Zum Einen ist der Trainer für die Erreichung/Umsetzung der sportlichen Ziele verantwortlich und zum anderen gilt er in der heutigen Zeit als wichtiges „Mediensprachrohr“ des Vereins und transportiert und formt somit das Image des Clubs maßgeblich. Auf die besonderen Aufgabenbereiche der sportlichen Leitung wird in nachfolgend eingegangen.

„Die Bandbreite geschäftsführender Vorstände/Manager reicht von Modellvarianten des General Manager Typus, über Duos, Terzette, Quartette und bis zum Quintett und schließt weitere Mischformen im Rahmen von Holdingkonstellationen ein.“ (KUPFER, 2006b, S. 11)

THOMAS KUPFER untersuchte zahlreiche Fußballvereine auf deren Führungsarbeit und -struktur. Aus diesen Untersuchungen kristallisierte er anschließend drei typisierende Modelle der Führungsstruktur von Teamsportunternehmen, die nachfolgend vorgestellt werden.

Das Modell des General Managers

Im klassischen General Manager Modell existiert eine zentrale Führungsfigur, die die absolute Entscheidungsmacht im Verein hält. Von dieser Person werden sämtliche strategische und operative Geschäftstätigkeiten gesteuert. Der General Manager führt die Arbeitsbereiche, die er für wichtig erachtet, persönlich aus. Meistens dienen diese Arbeitsbereiche der Sicherung seiner Machtposition und dem Ausbau des Images sowohl des Clubs als auch des Managers selbst.

Modell des General Managers / Quelle: KUPFER, Fussballclubmanagament, 2006, CD Kapitel 6, S. 4

Heutzutage gilt dieses Modell in den Spitzenligen als Auslaufmodell, da die Arbeitsbereiche eines Sportclubs inzwischen zu umfassend und daher meistens nur schwer von einer Person alleine zu meistern sind. Allerdings kann dieses Modell in einer modernisierten Variante mit einer breiteren zweiten Führungsebene in bestimmten Entwicklungsphasen sehr dienlich sein. Dabei muss allerdings beachtet werden, dass eine ausreichende Entscheidungskompetenz für die jeweiligen Bereichsleiter existiert. (Vgl. KUPFER, 2006b, S. 5)

Das Modell der dualen Führungsstruktur

Bei der dualen Führungsstruktur wird die „Vorstandskompetenz in einen sporttechnischen und einen kaufmännisch-administrativen Bereich“ (KUPFER, 2006a, S. 122) getrennt. Um dieses Modell bestmöglich zu nutzen sollte der Sportdirektor und Manager in den geschäftsführenden Vorstand des Clubs integriert werden.

Das duale Führungsstruturmodell / Quelle: KUPFER, Fußballclub-Management, 2006, CD Kapitel 6, S. 6

In der Praxis kann dieses Modell sehr gut funktionieren, jedoch besteht oft die Gefahr, dass die Führung doch zu einem General Manager-Modell umschlägt. So bietet bspw. die höhere Medienpräsenz des Sportvorstandes diesem ein mächtiges Werkzeug seine Macht zu stärken und eigene Interessen effektiver durchzusetzen.

Das Modell des Vorstandquintetts

Der Trend geht bei professionelle Sportclubs hin zu einer mehrdimensionalen Organisationsstruktur, bei der in der ersten Führungsebene oft mehr als zwei geschäftsführende Vorstände arbeiten.

Führungsstruktur Vorstandsquintett / Quelle: KUPFER, Fußballclub-Management, CD Kapeitel 6, S. 8

So sind bei diesem Entwurf dem Vorstandsvorsitzenden, dessen Posten meistens ehrenamtlich oder nebenberuflich erfüllt wird, ein Direktor für Fußball, für Wirtschaft, für PR und Kommunikation sowie ein Finanzdirektor untergeordnet. Dieses Modell stellt eine Variante zur Erreichung einer breiten und professionellen Führung dar.

Fazit

Die Organisationsstruktur kann als Bauplan für die Darstellung der besonderen Gestalt der Organisation verstanden werden. KAISER und HORCH weisen darauf hin, dass der professionelle Sportverein erst durch das Zusammenwirken bestimmter Einflussgrößen und Umweltbedingungen in seinem Erscheinungsbild und seiner Arbeits- und Funktionsweise geprägt wird. (Vgl. Kaiser/Horch, 2010, S. 160, 181.)

Solche Prägungsfaktoren stellen u. a. die Finanzkraft, der regionale Standort, der Erfolg, der Besitz von Infrastruktur, die Identität sowie die Fan-Basis eines Clubs dar. (Vgl. Kupfer, 2006, S. 121.)

Nach KUPFER gehe der Trend zu einer sog. mehrdimensionalen Organisationsstruktur die eine professionelle Führung ermögliche. Bei dieser Konstellation agieren in der ersten Führungsebene des Clubs meistens mehr als zwei geschäftsführende Vorstände. Dabei sind dem Vorstandsvorsitzenden jeweils ein Hauptverantwortlicher für die Bereiche „Fußball“, „Wirtschaft“, „PR & Projekte“ und „Finanzen“ untergeordnet, sodass der Club, aufgrund der jeweiligen Spezialisierung, schneller und flexibler auf sich verändernde Marktgegebenheiten reagieren kann. Dies setzt allerdings voraus, dass die jeweiligen Kompetenzbereiche mit ausgewiesenen und integeren Experten besetzt sind, deren Kommunikation untereinander gewährleistet und permanent ist. (vgl. Kupfer, 2006a, S. 42ff.)

 Marco Mesirca

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3 Antworten zu “Führungsstrukturen in Sportunternehmen – Drei Grundmodelle (Teil 1 / 4)

  1. hallo super

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