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Landschaft der Fußballbranche – Charakteristiken des Profifußballs

Der nachfolgende Beitrag beleuchtet die Landschaft der Fußballbranche. Neben wirtschaftlichen Fakten werden hier zentrale Charakteristiken des Profifußballs aufgezeigt. Hier wird u.a ein Blick auf den doppelten Wettbewerb und die „Kooperenz“ im Profifußball sowie das scheinbar zweitrangige Bestreben vieler Clubs nach wirtschaftlicher Profitabilität geworfen.

Im Zuge der Studie „Wirtschaftsfaktor Bundesliga“ (DFL & McKinsey) wurde die volkswirtschaftliche Bedeutung der Profifußballbranche in Deutschland untersucht. Der Untersuchung zufolge erzeugte der Profi-Fußball in der Saison 2007/2008 eine Wertschöpfung von 5,1 Milliarden Euro, was, nach Angaben der Verantwortlichen, 0,2 Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes entsprach.

Zudem sorgte die deutsche Profifußball-Branche für ein jährliches Steueraufkommen von ca. 1,5 Mrd. Euro netto und war für ca. 70.000 Vollzeit-Arbeitsplätze verantwortlich. Dem Bericht zufolge komme der Branche des professionellen Fußballs, die sich anhand der erzeugten Wertschöpfung durchaus mit der Bergbau- oder der Versandhandel-Branche vergleichen lasse, eine hohe gesamtwirtschaftliche Bedeutung zu, da u. a. mehr als zwei Drittel der generierten Wertschöpfung anderen Industrien zugutekomme.

Profi-Fußball ein Sondermarkt

KUPFER bezeichnet den Markt des Profifußballs als einen Sondermarkt, der sich durch seine Unterhaltungsfunktion und Wirtschaftstätigkeit sowie seinen kulturellen Bezug auszeichne. Primäre Marktteilnehmer des Fußballmarktes bilden die Fußballclubs, welche sich im sportlichen und wirtschaftlichen Wettbewerb zueinander befinden. Dabei ist die sportliche Wettbewerbsfähigkeit eines Clubs scheinbar das entscheidende Kriterium zum Bestehen in dieser Landschaft, da diese die wichtigste Zutrittsbarriere für die jeweilige Marktebene (Ligastruktur & Pokalwettbewerbe) bestimmt. (Vgl. Kupfer, 2006, S. 12f.)

Streben die Clubs somit die Zugehörigkeit der höchsten Marktebene an, so bedarf es der regelmäßigen und innovativen sportlichen Weiterentwicklung, die den Aufstieg in das Ligaoberhaus ermöglicht.

KELLER erweitert den sportlichen Wettbewerb unter den Fußballunternehmen durch den Aspekt des Beschaffungs- bzw. Bieterwettbewerbs um Spielstärke, der sich im Wesentlichen in Neuverpflichtungen, Nachwuchsarbeit und Scouting ausdrücke. (Vgl. Keller, 2010, S. 106.)

Neben der ständig notwendigen sportlichen Weiterentwicklung ist allerdings auch die wirtschaftliche Optimierung unumgänglich. Führungsorganisatorische und finanzielle Kompetenz ermöglichen Investitionen in Infrastruktur, Spielstärke und Administrative, die sich für den Bestand und, bei sinnvoller Tätigung, für den Fortschritt eines Fußballunternehmens verantwortlich zeichnen. Das wirtschaftliche Handeln ist daher eng mit der sportlichen Leistungsfähigkeit verbunden, da nur so Wissen und Leistung intern entwickelt oder extern bezogen werden kann.

KUPFER bezeichnet diesen sportlichen und wirtschaftlichen Wettbewerb als doppelten Wettbewerb, den die Fußballclubs annehmen und führen müssen, da ansonsten „jeglicher Erfolg ein Strohfeuer“ (Kupfer, 2006, S. 24.) bleibe. (Vertiefung erfolgt in Aspekte des Fußballclub-Managements.)

Finanzen der 734 Fußball-Erstligisten Europas

Dem Benchmarking-Bericht der UEFA (für das Finanzjahr 2010) zufolge betrug der Umsatz der 734 europäischen Erstligaclubs 12,8 Mrd. Euro (exklusive Transfererlöse). Bemerkenswert ist das Umsatzwachstum der 53 höchsten europäischen Fußballligen innerhalb eines Jahres von 6,6 Prozent (Umsatz 2009 = 12 Mrd. Euro).

Wesentliche Einnahmequellen bilden Broadcasting (35%), Werbung & Sponsoring (25%), Eintrittsgelder (21%) sowie kommerzielle und sonstige Erlöse (19%), wobei sich die Einnahmenstruktur maßgeblich von Land zu Land unterscheidet. Angemerkt werden muss zudem, dass 67 Prozent der Gesamterträge auf die sog. Top 5-Ligen zurückzuführen sind. (Dieser Punkt wird unteranderem in Big Five Ligen vertieft.)

Betrachtet man allerdings die Aufwendungen der untersuchten Clubs, stellt man fest, dass diese mit 14,4 Mrd. Euro 113 Prozent der kumulierten Umsätze bilden. Besonders auffällig ist hier der hohe Anteil des Personalaufwands. Dieser bildet mit durchschnittlich 64 Prozent den höchsten Kostenpunkt der Clubs. Betriebsaufwand (39%), Nettotransferaufwendungen (7%) und betriebsfremde Aufwendungen (3%) komplettierten der Studie zufolge die Ausgabenstruktur. (Vgl. UEFA, 2011, S. 58 – 66.)

Nachfolgende Grafik veranschaulicht die Einnahmen- und Ausgabenstruktur der europäischen Clubs.

Einnahmen & Ausgaben der 734 Erstligaclubs Fußball – Quelle: UEFA Benchmarking Report 2011

Mit einem kumulierten Netto-Verlust im Jahr 2010 in Höhe von 1,64 Mrd. Euro (Vgl. UEFA, 2011, S. 76.) wird die vorrangige Fokussierung der Fußballclubs auf den sportlichen Wettbewerb unterstrichen. Dies zeigt die zum Teil bestehende finanzielle Unordnung bzw. Dysfunktion in der Fußballindustrie, die allerdings nicht auf alle Clubs zutrifft.

Diese Dysfunktion wird durch den Schuldenstand der Clubs verdeutlicht. Die UEFA schätzt die Netto-Verschuldung (Nettoschulden = Schulden abzüglich Cash-Saldi und flüssige Mittel) der europäischen Erstligaclubs, im Finanzjahr 2010, auf 6,9 Mrd. Euro. Diese Problematik wurde erkannt und soll nun ab der Saison 2012/13 mithilfe der „Financial Fairplay“ Richtlinien bekämpft werden. (Vgl. UEFA, 2011, S. 82.)

Financial Fairplay – Zum Schutz des Fußballs

Das sog. „Financial Fairplay“ Konzept soll die Chancengleichheit unter Europas Topclubs wiederherstellen, indem gegen das unkontrollierte „Schuldenanhäufen“ vorgegangen wird und entsprechende Abweichungen sanktioniert werden.

Nach UEFA Präsident Michel Platini dürfen die Clubs, gemäß des Financial Fairplay Grundgedanken, nicht mehr Geld ausgegeben, als sie auch einnehmen. Zudem diene nach Platini dieses Regulierungsinstrument nicht der Bestrafung von Clubs, sondern dem Schutz der seriös wirtschaftenden Fußballunternehmen und erweitert somit das bisherige Lizenzierungsverfahren der UEFA. (Vgl. Oedinger, 2010.)

Die Richtlinien und Maßnahmen zum finanziellen Fairplay wurden im Mai 2010 bewilligt und 2012 aktualisiert und „treten mit dem 2012 und 2013 endenden Berichtszeitraum in Kraft“ (UEFA, 2012). Zur Beurteilung der Geschäftsberichte im Speziellen sowie der Überwachung des finanziellen Fairplays im Allgemeinen, wurde im Juni 2012 die sog. „UEFA-Finanzkontrollkammer für Klubs (FKKK)“ eingerichtet. Die wesentlichen Zielvorgaben des Financial Fairplay bilden, die

  • „Herstellung von mehr Disziplin und Rationalität im Finanzwesen des Klubfußballs;
  • Reduzierung des Drucks von Gehältern und Transfersummen sowie Begrenzung der inflationären Auswirkungen;
  • Ermutigung der Klubs, gemäß ihrer Einkünfte zu wirtschaften;
  • Empfehlung von langfristigen Investitionen in den Jugendbereich und die Infrastruktur;
  • Bewahrung der langfristigen Funktionsfähigkeit des europäischen Klubfußballs;
  • Sicherstellung der rechtzeitigen Begleichung von Verbindlichkeiten durch die Klubs.“ (UEFA, 2012.) (Für eine genauere Übersicht zum Financial Fairplay)

Doch nicht nur das scheinbar zweitrangige Streben nach wirtschaftlicher Profitabilität der professionellen Clubs charakterisiert den Sondermarkt Fußball und die Besonderheit des Agierens seiner primären Marktteilnehmer.

Kooperenz im Fußball – Konkurrenz & Kooperation

Die sog. Kooperenz bildet das wahrscheinlich markanteste Charakteristikum. Dieses Kunstwort beschreibt den bestehenden sportlichen und wirtschaftlichen Konkurrenzkampf der Clubs bei gleichzeitiger Kooperation zur Erstellung des eigentlichen Kernangebots. Denn zur Austragung eines Spiels, einer Meisterschaft und/oder eines Pokalwettbewerbs bedarf es immer der Teilnahme mehrerer Teams. (Vgl. Keller, 2010, S. 94.).

Dabei befinden sich die Clubs und Verbände in einem besonderen Spannungsfeld, da der Spannungsgrad des jeweiligen Wettbewerbs umso höher ist, je ausgeglichener der Wettbewerb ist (sog. „Lewis-Schmeling-Paradoxons“). (Vgl. Quitzau, 2010, S. 8)

Dies spielt insbesondere auf die vorherrschende Verteilungspraxis der Broadcasting-Erlöse an. In diesem Bereich, der, wie zuvor angeführt, den stärksten Umsatzbeitrag der Clubs leistet, wird zwischen der sog. Zentralvermarktung und Individualvermarktung unterschieden.

Bei erster Form werden die Broadcastingrechte aller Begegnungen des Wettbewerbs von einer höheren Instanz vermarktet und anschließend die erzielten Erlöse nach einem bestimmten Verteilungsschlüssel an die Ligateilnehmer verteilt. So vermarktet bspw. die DFL die TV-Rechte der ersten und zweiten deutschen Fußball-Bundesliga und schüttet die erzielten Erlöse an die Clubs aus.

Bei der Einzelvermarktung können die Clubs die Rechte an ihren Spielen individuell vermarkten. Diese unterschiedlichen Modelle haben ihre Vor- und Nachteile für größere und kleinere Clubs des jeweiligen Wettbewerbs. Fest steht jedoch, dass die Zentralvermarktung eine gleichmäßigere Verteilung der TV-Gelder ermöglicht und somit der Wettbewerb innerhalb der Liga und somit der Spannungsgrad gefördert wird. (Vgl. Ullmann, 2008, S. 14. – Empfehlenswert für eine vertiefende Betrachtung der beiden Modelle.)

Dennoch bestehen immer wieder kartellrechtliche Bedenken, die QUITZAU mit dem „Verdacht auf Syndikatsbildung“ präzisiert. Nach QUITZAU bilde die Zentralvermarktung ein unzulässiges Vermarktungskartell, welches mit gebündelter Marktmacht die Rechte zu überhöhten Preisen vertreibe. (Vgl. Quitzau, 2010, S. 1 – 10.).

Fazit – Charakteritiken Fußballmarkt

Zusammenfassend lassen sich für den Sondermarkt Fußball markante Charakteristika festhalten, die sich im doppelten Wettbewerb und der damit verbundenen scheinbar zweitrangigen Bestrebung wirtschaftlicher Profitabilität, der Kooperenz und, im Falle einer vorherrschenden Zentralvermarktung der TV-Rechte, im Bestehen eines Vermarktungskartells äußern.

Komplettiert wird der Fußballmarkt neben den Fußballclubs, in ihrer Funktion als primäre Marktteilnehmer, durch die sekundären Marktteilnehmer, die nach KUPFER im Wesentlichen Medieninstitutionen, Vermarktungsagenturen, Sponsoren, Werbepartnern, Rechte-Händlern und Fan-Artikel-Handelsfirmen bilden. (Vgl. Kupfer, 2006, S. 13.)

Jedoch bestehen hier auch andere Einteilungen. KELLER bspw. definiert die weiteren Marktteilnehmer als nationale und internationale Verbände, Medien, Sponsoren, Firmenkunden, Kommunen, Rechteagenturen, Fans und Kapitalgeber. (Vgl. Keller, 2010, S. 102.)

Nach DÖRNEMANN bilden die wesentlichen Akteure im Profi-Fußball die Profi-Fußballclubs, die Liga bzw. Lizenzgeber, die Medien, die Fans bzw. Zuschauer, die Dienstleistungskunden, die Sponsoring-Partner, die Vermarkter sowie staatliche Instanzen. (Vgl. Dörnemann, 2002, S. 160.)

In einem weiteren Beitrag werde ich genauer auf die einzelnen Akteure der Fußballlandschaft eingehen, und im Anschluss das Zusammenspiel dieser zu erläutern. Zum Abrunden dieser Thematik erfolgt eine Darstellung der europäischen Big Five Ligen.

Marco Mesirca / 2012
(Literaturverzeichnis)

Die Big 5 Ligen Fußball-Europas Landschaft der Fußballbranche - Branchenkräfte im Profifußball- Branchenkräfte im Profifußball

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