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Das Transfergeschäft des FC Porto

Ein Großteil der tatsächlichen Einnahmen des FC Porto resultiert aus dem Transfergeschäft. Genauer gesagt aus dem Verkauf von Spielern an andere Fußballunternehmen. Bedenken wir, dass der portugiesische Serienmeister zwischen 2003/04 und 2012/13 bei Gesamteinnahmen von EUR 1.006,7 Mio. ganze EUR 379 Mio. (38%) mit dem Verkauf von Spielern erlöste, wird die Bedeutung dieser Einnahmenquelle mehr als veranschaulicht und bedarf einer genaueren Betrachtung

FC Porto - Transfergeschäft der FC Porto GroupBei dieser Erlösquelle handelt es sich nicht um eine Wurstsemmel (Catering) oder ein Trikot (Merchandising) oder gar ein imaginäres Recht der Markennutzung (Sponsoring). Es geht um das Personal, welches hauptverantwortlich für den sportlichen Erfolg ist. Es geht um die Erstellung des Kernproduktes eines Fußballclubs. Und nun muss ich nicht viel dazu schreiben, dass es als eine Kunst zu verstehen ist, ein funktionierendes Teamgefüge zu kreieren, welches sportlichen Erfolg liefert. Wenn nun diese Schlüsselressource zusätzlich als Einnahmequelle für die Funktion des Geschäftsmodells notwendig ist, um das betriebswirtschaftliche Bestehen des Clubs zu sichern, ist das mehr als riskant. Für einen Club der außerhalb der europäischen Big 5 Ligen liegt, aber dennoch im Konzert der Großen mitspielen möchte, ist es jedoch absolut notwendig Ausschau nach anderen Erlösquellen zu halten und so zu agieren. Nun muss ich etwas ausholen, da ich diese Kernaktivität genauer erläutern möchte.

Der Spielerhandel des FC Porto

In der GuV der FC Porto Group taucht der Spielerhandel in zwei Positionen auf. Wie jeder Handel umfasst auch der Spielerhandel den Ein- und Verkauf – im Falle eines Fußballclubs von Spielerrechten. Es handelt sich um das Recht den Spieler einzusetzen. Der Erwerb von Spielern zeigt sich in der GuV in den Abschreibungen des Spielervermögens und der Verkauf von Spielern ist in der Position „Ergebnis aus den Spielerverkäufen“ (Income/expenses related with transactions of player registrations) zu finden.

Abschreibungen auf Spielervermögen

Ersteres gibt nur indirekt Aufschluss über die Kosten einer Spielerverpflichtung, da diese Position lediglich den jährlichen Werteverlust des gesamten Spielervermögens als Aufwand verbucht. Das Spielervermögen (Spielerwerte) ergibt sich aus den Transferaufwendungen für die Verpflichtung von Spielern. Mit Hilfe der „Spieler-Abschreibungen“ wird das Spielervermögen (aktivierte immaterielle Vermögenswert der Spieler) über die entsprechende Nutzungsdauer (Vertragslaufzeit der Spieler) abgeschrieben, wodurch der Werteverlust als Aufwand erfasst wird. Spielerverpflichtungen sind nicht sofort umfassend in der GuV ersichtlich.

Ergebnis aus Spielerverkäufen

Das Ergebnis aus Spielerverkäufen ergibt sich aus den Einnahmen aus Spielerverkäufen, Spielerleihgeschäften und sonstigen Einnahmen und setzt diese den Buchwertverlusten aus Spielerverkäufen sowie den Ausgaben in Zusammenhang mit dem Leihgeschäft mit den Spielern gegenüber. Hier sei jedoch klar darauf verwiesen, dass diese „Kostenseite“ unwesentlichen Einfluss auf das Ergebnis aus dem Spielerverkauf hat. Nachfolgende Abbildung visualisiert diesen Sachverhalt. Durchschnittlich wurden beim FC Porto zwischen 2002 und 2013 pro Jahr EUR 32,3 Mio. mit dem Spielerverkauf erlöst.

Das Ergebnis aus Spielerverkäufen ist ein eigener Punkt der Porto GuV

Das Ergebnis aus Spielerverkäufen ist ein eigener Punkt der Porto GuV

Gehen wir auf diesen Punkt genauer ein und betrachten das Geschäftsjahr 2012/13 genauer. Aus den Einnahmen aus Spielerkäufen („gains from the sales of players` registrations“) generierte der FC Porto zum 30 Juni 2013 EUR 74 Mio. die insbesondere auf die Verkäufe von JAMES RODRIGUEZ und MOUTINHO zum AS Monaco, von HULK zu Zenit St. Petersburg sowie von PEREIRA zu Inter Milan zurückzuführen sind. Hier ist wichtig nicht den tatsächlichen Verkaufswert als „gains…“ zu betrachten. Die Gains erhalten wir durch Abzug des sog. Restbuchwertes eines Spielers und sonstiger Gebühren, wie bspw. Vermittlungsgebühren, proportionaler Beteiligungen anderer Unternehmen sowie sog. Solidaritätszahlungen aus dem Erlös. Ein Blick in Portos Geschäftsbericht zeigt, wie umfassend das Thema Transfermanagement ist. Verschiedenste Parteien sind in verschiedensten Beziehungen an Transfers beteiligt. Gehen wir das ganze am Beispiel von JAMES durch, der 2013 von Porto nach Monaco wechselte.

Der JAMES Transfer zum AS Monaco

Das WM-Sternchen von 2014 kostete den AS Monaco EUR 45 Mio. Von diesen Einnahmen Portos wurden Vermittlungsgebühren in Höhe von EUR 4,4 Mio. abgezogen. Des Weiteren wurden EUR 3,9 Mio. an OREL, das als beteiligte Institution 10% an den Spielerrechten von JAMES hielt, abgeführt. Weitere EUR 1,2 Mio. gehen für den sog. „solidarity Mechanism“ drauf. Und dann wäre da noch der sog. Restbuchwert, der im Falle von JAMES auf Grund der verbleibenden Vertragslaufzeit bei EUR 9,8 Mio. lag, und somit das Ergebnis aus dem JAMES-Verkauf weiter drückte. Abzüglich dieser Positionen blieben dem FC Porto sog. „capital gains“ in Höhe von EUR 25,8 Mio., was 57% des Verkaufspreises sind. Dennoch kein schlechtes Geschäft für die Portugiesen. Insgesamt wurden laut Konzernbericht des FC Porto im Finanzjahr 2012/2013 im Zusammenhang mit dem Verkauf von Spielern EUR 7,87 Mio. an Vermittlungsgebühren entrichtet und EUR 9,6 Mio. an Organisationen, die an Spielern beteiligt sind, entrichtet.

Fazit Portos Transfergeschäft

Um Aufschluss über Portos Transfergeschäft zu erhalten, müssen nun die beiden wesentlichen Positionen, Ergebnis aus Spielerverkäufen und Abschreibungen, betrachtet werden. Nachfolgende Abbildung gibt Aufschluss über das Transfergeschäft bis 2006/07 zurück.

Das Transfergeschäft des FC Porto

Das Transfergeschäft des FC Porto

Gehen wir das ganze nun kurz am Beispiel der Saison 2012/13 durch. Im Geschäftsjahr 2012/13 generierte der FC Porto, wie bereits angeführt, aus dem Spielerhandel einen Überschuss (Result of player sales) von EUR 76,5 Mio. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus den Einnahmen mit Spielerverkäufen und –leihgeschäften (EUR 77,2 Mio.) abzüglich der dazugehörigen Kosten (EUR 0,7 Mio.). Reduzieren wir dieses Ergebnis um die spezifischen Abschreibungen (EUR 26,5 Mio.), so erhalten wir das erweiterte Ergebnis aus dem Spielerhandel, das 2012/13 EUR 49,9 Mio. betrug. Wie vorangegangene Abbildung zeigt, wurde nicht jedes Jahr ein solch gewaltiger Überschuss wie 2013 erzielt. Im Vorjahr 2011/12 überwogen sogar die Abschreibungen, sodass wir ein negatives Ergebnis für den Spielerhandel (EUR -7,2 Mio.) erhalten. Wir sehen also, dass immer auch die Kostenseite betrachtet werden muss um die Transfertätigkeit zu bewerten. Die Spieler müssen ja auch verpflichtet werden und das kostet eben auch Geld.

Marco Mesirca / 2015