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Das Transfergeschäft des FC Porto

Ein Großteil der tatsächlichen Einnahmen des FC Porto resultiert aus dem Transfergeschäft. Genauer gesagt aus dem Verkauf von Spielern an andere Fußballunternehmen. Bedenken wir, dass der portugiesische Serienmeister zwischen 2003/04 und 2012/13 bei Gesamteinnahmen von EUR 1.006,7 Mio. ganze EUR 379 Mio. (38%) mit dem Verkauf von Spielern erlöste, wird die Bedeutung dieser Einnahmenquelle mehr als veranschaulicht und bedarf einer genaueren Betrachtung

FC Porto - Transfergeschäft der FC Porto GroupBei dieser Erlösquelle handelt es sich nicht um eine Wurstsemmel (Catering) oder ein Trikot (Merchandising) oder gar ein imaginäres Recht der Markennutzung (Sponsoring). Es geht um das Personal, welches hauptverantwortlich für den sportlichen Erfolg ist. Es geht um die Erstellung des Kernproduktes eines Fußballclubs. Und nun muss ich nicht viel dazu schreiben, dass es als eine Kunst zu verstehen ist, ein funktionierendes Teamgefüge zu kreieren, welches sportlichen Erfolg liefert. Wenn nun diese Schlüsselressource zusätzlich als Einnahmequelle für die Funktion des Geschäftsmodells notwendig ist, um das betriebswirtschaftliche Bestehen des Clubs zu sichern, ist das mehr als riskant. Für einen Club der außerhalb der europäischen Big 5 Ligen liegt, aber dennoch im Konzert der Großen mitspielen möchte, ist es jedoch absolut notwendig Ausschau nach anderen Erlösquellen zu halten und so zu agieren. Nun muss ich etwas ausholen, da ich diese Kernaktivität genauer erläutern möchte.

Der Spielerhandel des FC Porto

In der GuV der FC Porto Group taucht der Spielerhandel in zwei Positionen auf. Wie jeder Handel umfasst auch der Spielerhandel den Ein- und Verkauf – im Falle eines Fußballclubs von Spielerrechten. Es handelt sich um das Recht den Spieler einzusetzen. Der Erwerb von Spielern zeigt sich in der GuV in den Abschreibungen des Spielervermögens und der Verkauf von Spielern ist in der Position „Ergebnis aus den Spielerverkäufen“ (Income/expenses related with transactions of player registrations) zu finden.

Abschreibungen auf Spielervermögen

Ersteres gibt nur indirekt Aufschluss über die Kosten einer Spielerverpflichtung, da diese Position lediglich den jährlichen Werteverlust des gesamten Spielervermögens als Aufwand verbucht. Das Spielervermögen (Spielerwerte) ergibt sich aus den Transferaufwendungen für die Verpflichtung von Spielern. Mit Hilfe der „Spieler-Abschreibungen“ wird das Spielervermögen (aktivierte immaterielle Vermögenswert der Spieler) über die entsprechende Nutzungsdauer (Vertragslaufzeit der Spieler) abgeschrieben, wodurch der Werteverlust als Aufwand erfasst wird. Spielerverpflichtungen sind nicht sofort umfassend in der GuV ersichtlich.

Ergebnis aus Spielerverkäufen

Das Ergebnis aus Spielerverkäufen ergibt sich aus den Einnahmen aus Spielerverkäufen, Spielerleihgeschäften und sonstigen Einnahmen und setzt diese den Buchwertverlusten aus Spielerverkäufen sowie den Ausgaben in Zusammenhang mit dem Leihgeschäft mit den Spielern gegenüber. Hier sei jedoch klar darauf verwiesen, dass diese „Kostenseite“ unwesentlichen Einfluss auf das Ergebnis aus dem Spielerverkauf hat. Nachfolgende Abbildung visualisiert diesen Sachverhalt. Durchschnittlich wurden beim FC Porto zwischen 2002 und 2013 pro Jahr EUR 32,3 Mio. mit dem Spielerverkauf erlöst.

Das Ergebnis aus Spielerverkäufen ist ein eigener Punkt der Porto GuV

Das Ergebnis aus Spielerverkäufen ist ein eigener Punkt der Porto GuV

Gehen wir auf diesen Punkt genauer ein und betrachten das Geschäftsjahr 2012/13 genauer. Aus den Einnahmen aus Spielerkäufen („gains from the sales of players` registrations“) generierte der FC Porto zum 30 Juni 2013 EUR 74 Mio. die insbesondere auf die Verkäufe von JAMES RODRIGUEZ und MOUTINHO zum AS Monaco, von HULK zu Zenit St. Petersburg sowie von PEREIRA zu Inter Milan zurückzuführen sind. Hier ist wichtig nicht den tatsächlichen Verkaufswert als „gains…“ zu betrachten. Die Gains erhalten wir durch Abzug des sog. Restbuchwertes eines Spielers und sonstiger Gebühren, wie bspw. Vermittlungsgebühren, proportionaler Beteiligungen anderer Unternehmen sowie sog. Solidaritätszahlungen aus dem Erlös. Ein Blick in Portos Geschäftsbericht zeigt, wie umfassend das Thema Transfermanagement ist. Verschiedenste Parteien sind in verschiedensten Beziehungen an Transfers beteiligt. Gehen wir das ganze am Beispiel von JAMES durch, der 2013 von Porto nach Monaco wechselte.

Der JAMES Transfer zum AS Monaco

Das WM-Sternchen von 2014 kostete den AS Monaco EUR 45 Mio. Von diesen Einnahmen Portos wurden Vermittlungsgebühren in Höhe von EUR 4,4 Mio. abgezogen. Des Weiteren wurden EUR 3,9 Mio. an OREL, das als beteiligte Institution 10% an den Spielerrechten von JAMES hielt, abgeführt. Weitere EUR 1,2 Mio. gehen für den sog. „solidarity Mechanism“ drauf. Und dann wäre da noch der sog. Restbuchwert, der im Falle von JAMES auf Grund der verbleibenden Vertragslaufzeit bei EUR 9,8 Mio. lag, und somit das Ergebnis aus dem JAMES-Verkauf weiter drückte. Abzüglich dieser Positionen blieben dem FC Porto sog. „capital gains“ in Höhe von EUR 25,8 Mio., was 57% des Verkaufspreises sind. Dennoch kein schlechtes Geschäft für die Portugiesen. Insgesamt wurden laut Konzernbericht des FC Porto im Finanzjahr 2012/2013 im Zusammenhang mit dem Verkauf von Spielern EUR 7,87 Mio. an Vermittlungsgebühren entrichtet und EUR 9,6 Mio. an Organisationen, die an Spielern beteiligt sind, entrichtet.

Fazit Portos Transfergeschäft

Um Aufschluss über Portos Transfergeschäft zu erhalten, müssen nun die beiden wesentlichen Positionen, Ergebnis aus Spielerverkäufen und Abschreibungen, betrachtet werden. Nachfolgende Abbildung gibt Aufschluss über das Transfergeschäft bis 2006/07 zurück.

Das Transfergeschäft des FC Porto

Das Transfergeschäft des FC Porto

Gehen wir das ganze nun kurz am Beispiel der Saison 2012/13 durch. Im Geschäftsjahr 2012/13 generierte der FC Porto, wie bereits angeführt, aus dem Spielerhandel einen Überschuss (Result of player sales) von EUR 76,5 Mio. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus den Einnahmen mit Spielerverkäufen und –leihgeschäften (EUR 77,2 Mio.) abzüglich der dazugehörigen Kosten (EUR 0,7 Mio.). Reduzieren wir dieses Ergebnis um die spezifischen Abschreibungen (EUR 26,5 Mio.), so erhalten wir das erweiterte Ergebnis aus dem Spielerhandel, das 2012/13 EUR 49,9 Mio. betrug. Wie vorangegangene Abbildung zeigt, wurde nicht jedes Jahr ein solch gewaltiger Überschuss wie 2013 erzielt. Im Vorjahr 2011/12 überwogen sogar die Abschreibungen, sodass wir ein negatives Ergebnis für den Spielerhandel (EUR -7,2 Mio.) erhalten. Wir sehen also, dass immer auch die Kostenseite betrachtet werden muss um die Transfertätigkeit zu bewerten. Die Spieler müssen ja auch verpflichtet werden und das kostet eben auch Geld.

Marco Mesirca / 2015

Finanzielle Stabilität des FC Porto

Nachdem nun die Umsatz- und Ausgabenstruktur sowie die Beschreibung der Vermögenswerte und des Gesamtkapitals der Porto Group erfolgten, werfen wir abschließend noch einen Blick auf die finanzielle Stabilität des portugiesischen Serienmeisters. Die finanzielle Stabilität ist die Basis für die Rentabilität eines Unternehmens und bestimmt somit maßgeblich dessen Marktposition und Wachstum. Kurzum sie ist die Grundlage für die weitere Entwicklung eines Unternehmens.

Zur FC Porto - Finanzielle Stabilität der FC Porto GroupBerechnung der finanziellen Stabilität werden Kennzahlen genutzt, die sich aus einzelnen Posten der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung errechnen lassen. Wir werden uns die Nettoverschuldung und das Gearing, sowohl der Porto Group als auch der bisher genutzten Vergleichsobjekte (Benfica & Sporting Lissabon, Atletico Madrid, BVB, FC Bayern & FC Arsenal London) ansehen.

Die Nettoverschuldung des FC Porto

Die Nettoverschuldung ist die Differenz aus Finanzverbindlichkeiten und liquiden Mitteln. Dieser Wert gibt uns Aufschluss über die zinsbelastende Verschuldung eines Unternehmens. Wir verwenden hier nur die Finanzverbindlichkeiten, da diese Verbindlichkeiten eine Zinsbelastung mit sich bringen und somit eine Fälligkeit (Rückzahlungspflicht) aufweisen.

Im Juni 2013 zeigte die Porto Group eine Netto(finanz)verschuldung von EUR 77,6 Mio. Damit konnte der FC Porto seine Verschuldung gegenüber dem Vorjahr (EUR 96 Mio.), dem bisherigen Höchststand dieses Wertes, um mehr als EUR 20 Mio. reduzieren. Seit 2007/08 liegt die Nettoverschuldung des Clubs durchgehend über EUR 75 Mio. Die nationale Konkurrenz aus Lissabon zeigt mit EUR 156,6 Mio. (S.Lissabon) und EUR 278 Mio. (B. Lissabon) weitaus höhere Werte. Auch Atletico Madrid (EUR 124,5 Mio.) und Arsenal London (EUR 109 Mio.) liegen mit ihren Werten über dem des FC Porto. Vorbildlich sind die Werte der zwei deutschen Vertreter. Der BVB zeigte zum 30.06.2013 eine Nettoverschuldung von EUR 33 Mio. Beim deutschen Rekordmeister übersteigen gar die liquiden Mittel die Finanzschulden, sodass wir hier keine Nettoverschuldung (EUR -0,14 Mio.) vorfinden. Der FC Bayern gilt als schuldenfrei.

Das Gearing des Fc Porto

Um die Nettoverschuldung genauer zu bewerten, nehmen wir uns das sog. Gearing vor. Das Gearing bildet eine wertvolle Kennzahl zur Untersuchung der finanziellen Stabilität eines Unternehmens, da in ihr mit den Finanzverbindlichkeiten, den liquiden Mitteln (siehe Nettoverschuldung bzw. net debt) und dem Eigenkapital die wichtigsten Bilanzpositionen hinsichtlich der finanziellen Stabilität enthalten sind. Diese Kennzahl überprüft wie stark die Deckung der Nettofinanzschulden durch das Eigenkapital ist. Die Stabilität eines Unternehmens ist bis zu einem Wert von 50% als gut einzustufen. Werte bis 20% gelten als ideal. Werte über 70% gelten als kritisch. Das heißt, dass die Nettoverschuldung nicht mehr als 70% des Eigenkapitals eines Unternehmens ausmachen sollten.

Das Gearing ausgewählter Fußballclubs 201213

Das Gearing ausgewählter Fußballclubs 201213

Hier zeichnet sich nun ein katastrophales Bild für unsere Vergleichsgruppe. Bei den Lissaboner Fußballkonzernen ist aufgrund der bilanziellen Überschudung (negatives Eigenkapital) keine Berechnung dieses Wertes möglich. Schulden über Schulden. Beim FC Porto und Atletico Madrid ist dieser Wert exorbitant hoch. Diese vier Clubs leiden an einer massiven finanziellen Instabilität.

Der FC Bayern (0%), die Borussia aus Dortmund (23%) und der FC Arsenal London (31%) hingegen, weisen mit ihren Gearing Werten schon fast eine märchenhafte finanzielle Stabilität auf. Unsere Vergleichsgruppe zeigt somit ein höchst inhomogenes Bild bei dieser Kennzahl.

Nichtsdestotrotz lohnt hier die Betrachtung einer weiteren Kennzahl, die die Nettofinanzschuld im Zusammenhang mit der Einnahmenseite betrachtet. Mit der Kennzahl netdebt/EBITDA erfahren wir, wie stark die Nettoverschuldung eines Unternehmens durch das EBITDA gedeckt ist. Das EBITDA zeigt wie viel Geld dem Unternehmen vor Abschreibungen (Investitionen), Zins- und Steuerzahlungen zur Verfügung steht und zeigt uns somit wieviel Geld theoretisch für Zinsen und Tilgung aufgewendet werden könnten. Somit erfahren wir wie sicher die Rückzahlung der Finanzverbindlichkeiten ist, vorausgesetzt das Niveau des EBITDAs kann zukünftig mindestens gehalten werden. Werte unter 1 sind als sehr gut einzustufen, ab 3 wird es bedenklich und größer 7 lässt uns an der Fähigkeit einer vollständigen Tilgung zweifeln, da ja nicht das gesamte EBITDA zur Tilgung von Zinsen zur Verfügung steht.

netdebt durch EBITDA_Deckung der Nettoverschuldung durch EBITDA ausgewählter Fußballclubs 2012_13

Deckung der Nettoverschuldung durch EBITDA ausgewählter Fußballclubs 2012/13

In unserer Vergleichsgruppe haben hier drei Clubs kritische Werte. Atletico Madrid (2,9) und Benfica Lissabon (5,8) zeigen erhöhte Werte, wobei der von Benfica als höchst kritisch anzusehen ist. Sporting Lissabon kommt aufgrund seines negativen EBITDAs gar nicht erst zum Schuldenabbau, da das Sportunternehmen schon vor Abschreibungen Verlust macht.

Der FC Porto zeigt hier für das Geschäftsjahr 2012/13, aufgrund des hervorragenden EBITDAs einen Wert von 1,3. Mit diesem Wert ist die Tilgung der Darlehen sehr wahrscheinlich, das setzt allerdings voraus, dass das EBITDA in Zukunft auf diesem Niveau bleibt. Nehmen wir den EBITDA-Durchschnittswert der letzten 10 Jahre (= EUR 30,6 Mio.) zur Berechnung her, erhöht sich die Kennzahl auf 2,5, was immer noch als verträglich gilt.

Entfernen wir allerdings die Transfereinnahmen aus dieser Kalkulation, so nimmt das ganze verheerende Ausmaße an. Ohne Transfereinnahmen erhalten wir für die vergangenen 10 Jahre ein EBITDA von EUR -0,6 Mio. Das ein negatives EBITDA nicht zum Schuldenabbau beitragen kann, muss man glaube ich nicht weiter vertiefen. Abermals stellen wir fest: der FC Porto braucht die Transfereinnahmen für sein Bestehen.

Fazit – Der FC Porto Gefangener seiner wesentlichen Stärke

Die Finanzanalyse der FC Porto Group analysierte die Einnahmen- & Ausgabenstruktur sowie die Vermögenswerte und deren Finanzierung. Der vorangegangene Report legte die fehlende Rentabilität, massive finanzielle Instabilität sowie wackelnde Liquidität des portugiesischen Serienmeisters offen.

Im Kern lässt sich eine massive Abhängigkeit des portugiesischen Serienmeisters von seinen Spielerverkäufen feststellen, wodurch das Transfermanagement als absolute Schlüsselaktivität Portos identifiziert werden konnte. Der Club schafft es Jahr für Jahr Spieler mit herausragendem Potential zu verpflichten, diese zu entwickeln und in der Mannschaft erfolgreich zu integrieren. Nach einer entsprechenden Entwicklungsphase werden einzelne Schlüsselspieler gewinnbringend verkauft.

Da jedoch die Erlöse aus dem Verkauf von Schlüsselspielern erst die Liquidität des Sportunternehmens sicherstellen, ist diese Geschäftsmodell-Ausprägung sehr gefährlich für einen Fußballclub. Da Portos Schlüsselelement neben der Sicherstellung der wirtschaftlichen Fortführung des Sportunternehmens, die nachhaltige Entwicklung des Fußballclubs hindert, gilt sie zugleich als Segen und Fluch. Der sportlichen Führung ist es nicht möglich langfristig eine Mannschaft zu entwickeln. Vielmehr muss die Mannschaft Jahr für Jahr „geflickt“ werden.

Das Gefährliche an dieser Abhängigkeit von den Transfereinnahmen, ist die absolute Unsicherheit, die dieses Geschäftsgebiet mit sich bringt. Man weiß nie wie sich ein Spieler entwickelt und ob er nach ein paar Jahren gewinnbringend verkauft werden kann. Leistungsentwicklung und Verletzung sind nicht vorherzusehen. Der Druck auf Spieler und sportliche Leiter ist vermutlich um ein vielfaches höher als bei anderen Clubs, da, nicht nur die Entwicklung des Clubs, sondern gar dessen wirtschaftliches Bestehen um ein vielfaches mehr vom sportlichen Erfolg und vor allem von der sportlichen Entwicklung einzelner Spieler abhängt.

Jedoch müssen wir relativieren, dass der portugiesische Markt, seinen Fußballunternehmen anders nicht die nötigen Möglichkeiten bietet, um in der europäischen Fußballelite mehr als nur mitzuspielen. Der nachhaltige Konkurrenzkampf mit den Spitzenteams aus England, Spanien, Deutschland und Italien ist für einen portugiesischen Fußballclub nur schwer möglich. Der FC Porto MUSS daher andere Erlösquellen, als die Üblichen (TV Einnahmen, Sponsoring-Erlöse, etc.), maximieren, um mehr zu erreichen, als „nur“ in der Europa League Mit-Favorit zu sein. Die sportliche Priorisierung darf allerdings nicht auf den Gewinn der Champions League ausgerichtet sein. Es würde vermutlich den Untergang bedeuten, wenn alle Kräfte auf das Bestehen in der Champions League ausgerichtet werden & und die nationalen Wettbewerbe vernachlässigt werden. Ein Handlungsplan für den Serienmeister wäre bspw. die nationalen Wettbewerbe zu dominieren und sich somit für die europäische Königsklasse regelmäßig zu qualifizieren. Dort im nächsten Jahr die Gruppenphase zu überstehen und sehen was kommt. So wie bspw. diese Saison, in der der Club im Champions League Achtelfinale auf den FC Basel  trifft, womit ein Weiterkommen wahrscheinlich ist und erhebliche Einnahmen winken. Dies legt ein zweites Schlüsselelement des FC Porto offen – die Medienerlöse aus den UEFA Club-Wettbewerben, besonders der Champions League, die direkt vom sportlichen Handlungsfeld, insbesondere dem Transfermanagement, aber auch dem Quäntchen Glück bestimmt werden. Ein absolutes Desaster für den FC Porto wäre es aufgrund falscher Fokussierung die Champions League zu verpassen.

Fassen wir zusammen: Der FC Porto ist nicht rentabel, befindet sich in massiver finanzieller Instabilität und sichert seine Liquidität mit einer gefährlich unsicheren Variablen ab. Wollen wir hoffen, dass dieser tolle und interessante Traditionsclub irgendwann eine wirtschaftliche Gesundung hinbekommt und nicht unter der gewaltigen Last des sportlichen Erfolgsdrucks zusammenbricht. Jedoch muss m.E. viel passieren, dass der FC Porto von der Regierung fallen gelassen wird, wenn wir sehen in welcher Lage sich zwei andere portugiesische Traditionsvereine befinden. Wobei der Eine, namentlich Sporting Lissabon, im Zuge des Financial Fairplay von der UEFA bereits sanktioniert wurde und dessen europäische Clubteilnahme gefährdet ist.

Marco Mesirca / 2015

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Das Cash des FC Porto

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Die nun folgende Analyse zum FC Porto nimmt den tatsächlichen Geldfluss des Fußballkonzerns unter die Lupe, wodurch wir letztendlich auf einen sehr bedeutenden Vermögenswert stoßen werden, der sich in der Bilanzaktiva findet – Die liquiden Mittel. Continue reading

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Ausgabenstruktur des FC Porto

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Der zweite Teil der Finanzanalyse zur FC Porto Group nimmt sich die Ausgabenstruktur des Fußballunternehmens vor und vergleicht diese mit anderen großen Clubs. Die Vergleichsobjekte sind Benfica & Sporting Lissabon, FC Bayern München, Atletico Madrid, Borussia Dortmund und Arsenal London. Continue reading

Wirtschaftsanalyse des FC Porto

FC Porto - Wirtschaftsanalyse der FC Porto GroupDer FC Porto zählt zu den erfolgreichsten Fußballclubs des 21.Jahrhunderts. Die Liste an nationalen Titeln ist gigantisch. Seit seiner Gründung 1893 konnte der portugiesische Club neben 27 Meistertiteln, 16 nationale Pokal- und 20 Superpokalsiege erringen. Damit liegt der Club aus der Hafenstadt nur knapp hinter Benfica Lissabon, das mit 33 Meistertiteln und 25 nationalen Pokalsiegen als Portugals Rekordmeister zu verstehen ist.

FC Porto – Portugals Serienmeister

Betrachtet man jedoch das letzte Jahrzehnt genauer, so wird Portos nationale Dominanz offensichtlich. Zwischen 2003/04 und 2013/14 gewann der Club 8 portugiesische Meistertitel und verlor lediglich 33 seiner 323 Ligaspiele. Eine Siegquote von 72% spricht für sich und belegt die Überlegenheit der Dragões im höchsten portugiesischen Ligawettbewerb. (Benfica = 65% / Sporting = 56%).

Doch auch im europäischen Clubfußball spielt Portugals Serienmeister eine bedeutende Rolle. Die nationale Titelsammlung wird zum einen ergänzt durch den Europapokal der Landesmeister (86/87) sowie zwei Weltpokal-Triumphen. Zum anderen sind der Gewinn des UEFA-Cups 2002/03 und der darauffolgende Champions League Triumph 2003/04 hervorzuheben. Damals gewann der FC Porto, unter der Leitung des portugiesischen Fachmanns José Mourinho, das Endspiel gegen Celtic Glasgow und im Jahr darauf gegen den AS Monaco.

Der FC Porto gewann CL & EL

Nicht zu vergessen ist Portos letzter Triumph in Europa, als 2010/11 unter André Villas-Boas die Europa League errungen wurde. Damals waren gleich drei Spieler des FC Porto unter den Top 5 Torschützen des Wettbewerbs, die der Kolumbianer Falcao mit 17 Treffern anführte. Neben Falcao spielte mit Hulk ein weiteres Monster bei den Portugiesen, dessen brachiale Spielweise einen wertvollen Beitrag zum sportlichen Abschneiden der Mannschaft leistete.

Trotz all dieser Erfolge wird der FC Porto mehr als Ausbildungsclub, denn Superclub wahrgenommen. Porto verkauft jedes Jahr wichtige Schlüsselspieler und ist somit der Haus und Hof Lieferant bekannter Topclubs aus Spanien, England, Italien, Frankreich und Russland. Vielen Spielern dient der FC Porto als Sprungbrett zu einem europäischen Spitzenclub oder zu einem zahlkräftigen Milliardärs-Spielzeug bzw. Marketinginstrument. Die Sprache, Kultur und „geringere“ Wettbewerbsintensität innerhalb der portugiesischen Liga erleichtern den jungen Spielern, insbesondere Südamerikanern, den Sprung in die europäische Spitze. Zudem ermöglicht der Club den Spielern neben der nötigen Zeit, dem passenden Umfeld und ausreichender Spielpraxis zur Weiterentwicklung, die größte Bühne des europäischen Clubfußballs.

James Rodriguez, Hulk, Falcao, Moutinho, Meireles, Quaresma und Pepe sind große Namen des Weltfußballs und alle samt ehemalige Spieler des FC Porto. Allein durch die Verkäufe dieser Spieler generierte Portugals Serienmeister zwischen 2007/08 und 2012/13 kumuliert EUR 218 Mio. an Ablöse. Absolut beeindruckend besonders wenn man bedenkt, dass durch den Verkauf ein oder mehrerer Schlüsselspieler die sportliche Leistungsfähigkeit kaum abzunehmen scheint. Jahr für Jahr spricht der Club ein mächtiges Wort in Portugals höchster Spielklasse mit und dringt regelmäßig in die KO-Runden der Königsklasse vor.

Obwohl der FC Porto regelmäßig seine Schlüsselspieler verkauft, bleibt er dank des herausragenden Team- und Transfermanagements im Konzert der Großen vertreten. Bemerkenswert! Doch auch hochriskant, bedenkt man, dass Porto nur dank dieser Spielerverkäufe den nötigen betriebswirtschaftlichen Überschuss, der nicht jedes Geschäftsjahr gelingt, erreicht.

Eine Gefährliche Abhängigkeit

Werfen wir einen Blick in die GuV des Fußballkonzerns so stellen wir fest, dass der FC Porto zwischen 2004/05 und 2012/13 einen kumulierten Jahresfehlbetrag von EUR -31 Mio. auswies. Wobei auch durchaus positive Einzelabschlüssen vorhanden sind, als bspw. im Geschäftsjahr 2012/13 ein Gewinn nach Steuer von EUR 20 Mio. erzielt wurde. Exkludiert man jedoch das Ergebnis aus dem Spielerhandel so ergäbe sich für die letzten neun Geschäftsjahre ein kumulierter Verlust von gewaltigen EUR -339 Mio. Würde der Spielerhandel nicht in dieser exe Lance Jahr für Jahr erfolgen, würde das System Porto, gerade in Zeiten des Financial Fairplay, zusammenbrechen und das Fußballunternehmen vor existentielle Probleme stellen. Die Einnahmen aus Spielertransfers sind ein absolutes Schlüsselelement in Portos Geschäftsmodell und gewährleisten dessen überleben.

Gewinn/Verlust (EAT) exklusive Transfereinnahmen der FC Porto Group

Gewinn/Verlust (EAT) exklusive Transfereinnahmen & -ausgaben (=Transferergebnis) der FC Porto Group

Wie wir sehen, befindet sich der Club in einer höchst gefährlichen Abhängigkeit, die jedoch alles andere als unüblich für den portugiesischen Clubfußball ist. Auch die beiden Konkurrenten aus Lissabon sind auf die Transfererlöse angewiesen, um in Europas Clubwettbewerben entscheidend mitzuwirken. Paradox? Ja das stimmt. Wie wir sehen werden, müssen Portugals Topclubs eine andere Erlösquelle, als die üblichen (MATCHDAY, BROADCASTING, COMMERCIAL) maximieren, um ihre Wettbewerbsfähigkeit im europäischen Schlagabtausch zu sichern und somit das Bestehen des Clubs zu sichern.

Ziel der Wirtschaftsanalyse zum FC Porto

Der nachfolgende Report stellt den Fußballkonzern FC Porto vor. Neben der Konzernstruktur nehme ich in weiteren Artikeln die Finanzen des Fußballunternehmens unter die Lupe. Hierbei werden die Einnahmen– und Ausgabenstruktur, die Profitabilität sowie zentrale Vermögenswerte und deren Finanzierung skizziert. Eine Betrachtung der finanziellen Stabilität schließt diese Clubanalyse ab. Die Clubanalyse sieht den FC Porto als Ganzes und bezieht sich somit auf die konsolidierten Finanzinformationen. Das bedeutet, wir bedienen uns der Finanzinformationen der FC Porto Group. Beginnen wir mit der Beschreibung der FC Porto Group.

Die FC Porto Group

Mutterunternehmen der FC Porto Group ist die „Futebol Clube do Porto-Futebol, S.A.D.“, (im Folgenden „FC Porto Futebol SAD“), deren Unternehmensform (S.A.D) als eine Art „AktienSPORTgesellschaft“ verstanden werden kann. Anteile des Fußballunternehmens sind am Dow Jones EuroStoxx Football indexiert. Der Index enthält alle an der Börse gehandelten europäischen Fußballclubs.

Das Grundkapital der FC Porto-Futebol SAD notiert bei EUR 75 Mio. und ist in 15.000 Stückaktien unterteilt. Jede Stückaktie ermöglicht ein Stimmrecht. Hauptaktionäre des Fußballunternehmens sind mit

  • 40% der FUTEBOL CLUBE DO PORTO,
  • mit 18,79% die Imobiliengesellschaft Imobiliária Sacyr Vallehermoso, S.A.,
  • mit 11,01% António Luís Alves Oliveira und
  • mit 10,01% Sportinveste – SGSPS, SA.
  • Als Kleinaktionäre sind der Vorstandsvorsitzende der FC Porto – Futebol SAD, Jorge Nuno de Lima Pinto da Costa (1,23%), sowie der Fußballdirektor Reinaldo da Costa Teles Pinheiro (0,07%) bekannt.

In der FC Porto Group sind mit der PortoComercial, PortoMultimedia, PortoEstadio, PortoSeguro und DragonTour fünf Tochtergesellschaften enthalten, die der FC Porto Futebol SAD unterliegen. Nachfolgende Abbildung gibt einen detaillierteren Einblick in den Fußballkonzern und die Aufgabenfelder der einzelnen Tochterunternehmen.

Die FC Porto Group - Mutter- & Tochterunternehmen des Fußballkonzerns

Die FC Porto Group – Mutter- & Tochterunternehmen des Fußballkonzerns

Der Geschäftsbericht des Fußballkonzerns unterteilt dabei zwei wesentliche Segmente. Segment A umfasst die Aktivitäten des Mutterunternehmens, die sich in der Teilnahme an europäischen Fußballwettbewerben sowie der Vermarktung und Organisation von Sportevents zeigen. Segment B unterliegt der Tochter PortoCommercial und umfasst die Vermarktung und den Verkauf von Lizenzrechten (Image rights, product licensing, Sponsorship) sowie das Merchandising. Neben diesen Hauptsegmenten existieren weitere Betätigungsfelder, die den Tochtergesellschaften   PortoMultimedia, PortoEstádio, PortoSeguro und DragonTour unterliegen.

Der Fußballkonzern setzte in der Saison 2012/13 EUR 78,4 Mio. um. Werden die Transfereinnahmen hinzuaddiert wächst dieser Umsatz sogar auf gewaltige EUR 155,6 Mio. an. Wie der Club damit in der Fußballbranche einzuordnen ist, und wie sich die einzelnen Einnahmequellen zusammensetzen und seit 2003/04 entwickelten, wird in einem weiteren Artikel detailiert erläutert. Hier gehts es zur Einnahmenstruktur der FC Porto Group…

Marco Mesirca / 2015

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Die Einnahmen des FC Porto

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Die Finanzanalyse zum FC Porto untersucht die Einnahmenstruktur des Fußballkonzerns. Hierbei werden die Einnahmesäulen in ihrer Entwicklung dargestellt und wie sich diese zur europäischen Konkurrenz verhalten. Continue reading