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Finanzielle Stabilität des FC Porto

Nachdem nun die Umsatz- und Ausgabenstruktur sowie die Beschreibung der Vermögenswerte und des Gesamtkapitals der Porto Group erfolgten, werfen wir abschließend noch einen Blick auf die finanzielle Stabilität des portugiesischen Serienmeisters. Die finanzielle Stabilität ist die Basis für die Rentabilität eines Unternehmens und bestimmt somit maßgeblich dessen Marktposition und Wachstum. Kurzum sie ist die Grundlage für die weitere Entwicklung eines Unternehmens.

Zur FC Porto - Finanzielle Stabilität der FC Porto GroupBerechnung der finanziellen Stabilität werden Kennzahlen genutzt, die sich aus einzelnen Posten der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung errechnen lassen. Wir werden uns die Nettoverschuldung und das Gearing, sowohl der Porto Group als auch der bisher genutzten Vergleichsobjekte (Benfica & Sporting Lissabon, Atletico Madrid, BVB, FC Bayern & FC Arsenal London) ansehen.

Die Nettoverschuldung des FC Porto

Die Nettoverschuldung ist die Differenz aus Finanzverbindlichkeiten und liquiden Mitteln. Dieser Wert gibt uns Aufschluss über die zinsbelastende Verschuldung eines Unternehmens. Wir verwenden hier nur die Finanzverbindlichkeiten, da diese Verbindlichkeiten eine Zinsbelastung mit sich bringen und somit eine Fälligkeit (Rückzahlungspflicht) aufweisen.

Im Juni 2013 zeigte die Porto Group eine Netto(finanz)verschuldung von EUR 77,6 Mio. Damit konnte der FC Porto seine Verschuldung gegenüber dem Vorjahr (EUR 96 Mio.), dem bisherigen Höchststand dieses Wertes, um mehr als EUR 20 Mio. reduzieren. Seit 2007/08 liegt die Nettoverschuldung des Clubs durchgehend über EUR 75 Mio. Die nationale Konkurrenz aus Lissabon zeigt mit EUR 156,6 Mio. (S.Lissabon) und EUR 278 Mio. (B. Lissabon) weitaus höhere Werte. Auch Atletico Madrid (EUR 124,5 Mio.) und Arsenal London (EUR 109 Mio.) liegen mit ihren Werten über dem des FC Porto. Vorbildlich sind die Werte der zwei deutschen Vertreter. Der BVB zeigte zum 30.06.2013 eine Nettoverschuldung von EUR 33 Mio. Beim deutschen Rekordmeister übersteigen gar die liquiden Mittel die Finanzschulden, sodass wir hier keine Nettoverschuldung (EUR -0,14 Mio.) vorfinden. Der FC Bayern gilt als schuldenfrei.

Das Gearing des Fc Porto

Um die Nettoverschuldung genauer zu bewerten, nehmen wir uns das sog. Gearing vor. Das Gearing bildet eine wertvolle Kennzahl zur Untersuchung der finanziellen Stabilität eines Unternehmens, da in ihr mit den Finanzverbindlichkeiten, den liquiden Mitteln (siehe Nettoverschuldung bzw. net debt) und dem Eigenkapital die wichtigsten Bilanzpositionen hinsichtlich der finanziellen Stabilität enthalten sind. Diese Kennzahl überprüft wie stark die Deckung der Nettofinanzschulden durch das Eigenkapital ist. Die Stabilität eines Unternehmens ist bis zu einem Wert von 50% als gut einzustufen. Werte bis 20% gelten als ideal. Werte über 70% gelten als kritisch. Das heißt, dass die Nettoverschuldung nicht mehr als 70% des Eigenkapitals eines Unternehmens ausmachen sollten.

Das Gearing ausgewählter Fußballclubs 201213

Das Gearing ausgewählter Fußballclubs 201213

Hier zeichnet sich nun ein katastrophales Bild für unsere Vergleichsgruppe. Bei den Lissaboner Fußballkonzernen ist aufgrund der bilanziellen Überschudung (negatives Eigenkapital) keine Berechnung dieses Wertes möglich. Schulden über Schulden. Beim FC Porto und Atletico Madrid ist dieser Wert exorbitant hoch. Diese vier Clubs leiden an einer massiven finanziellen Instabilität.

Der FC Bayern (0%), die Borussia aus Dortmund (23%) und der FC Arsenal London (31%) hingegen, weisen mit ihren Gearing Werten schon fast eine märchenhafte finanzielle Stabilität auf. Unsere Vergleichsgruppe zeigt somit ein höchst inhomogenes Bild bei dieser Kennzahl.

Nichtsdestotrotz lohnt hier die Betrachtung einer weiteren Kennzahl, die die Nettofinanzschuld im Zusammenhang mit der Einnahmenseite betrachtet. Mit der Kennzahl netdebt/EBITDA erfahren wir, wie stark die Nettoverschuldung eines Unternehmens durch das EBITDA gedeckt ist. Das EBITDA zeigt wie viel Geld dem Unternehmen vor Abschreibungen (Investitionen), Zins- und Steuerzahlungen zur Verfügung steht und zeigt uns somit wieviel Geld theoretisch für Zinsen und Tilgung aufgewendet werden könnten. Somit erfahren wir wie sicher die Rückzahlung der Finanzverbindlichkeiten ist, vorausgesetzt das Niveau des EBITDAs kann zukünftig mindestens gehalten werden. Werte unter 1 sind als sehr gut einzustufen, ab 3 wird es bedenklich und größer 7 lässt uns an der Fähigkeit einer vollständigen Tilgung zweifeln, da ja nicht das gesamte EBITDA zur Tilgung von Zinsen zur Verfügung steht.

netdebt durch EBITDA_Deckung der Nettoverschuldung durch EBITDA ausgewählter Fußballclubs 2012_13

Deckung der Nettoverschuldung durch EBITDA ausgewählter Fußballclubs 2012/13

In unserer Vergleichsgruppe haben hier drei Clubs kritische Werte. Atletico Madrid (2,9) und Benfica Lissabon (5,8) zeigen erhöhte Werte, wobei der von Benfica als höchst kritisch anzusehen ist. Sporting Lissabon kommt aufgrund seines negativen EBITDAs gar nicht erst zum Schuldenabbau, da das Sportunternehmen schon vor Abschreibungen Verlust macht.

Der FC Porto zeigt hier für das Geschäftsjahr 2012/13, aufgrund des hervorragenden EBITDAs einen Wert von 1,3. Mit diesem Wert ist die Tilgung der Darlehen sehr wahrscheinlich, das setzt allerdings voraus, dass das EBITDA in Zukunft auf diesem Niveau bleibt. Nehmen wir den EBITDA-Durchschnittswert der letzten 10 Jahre (= EUR 30,6 Mio.) zur Berechnung her, erhöht sich die Kennzahl auf 2,5, was immer noch als verträglich gilt.

Entfernen wir allerdings die Transfereinnahmen aus dieser Kalkulation, so nimmt das ganze verheerende Ausmaße an. Ohne Transfereinnahmen erhalten wir für die vergangenen 10 Jahre ein EBITDA von EUR -0,6 Mio. Das ein negatives EBITDA nicht zum Schuldenabbau beitragen kann, muss man glaube ich nicht weiter vertiefen. Abermals stellen wir fest: der FC Porto braucht die Transfereinnahmen für sein Bestehen.

Fazit – Der FC Porto Gefangener seiner wesentlichen Stärke

Die Finanzanalyse der FC Porto Group analysierte die Einnahmen- & Ausgabenstruktur sowie die Vermögenswerte und deren Finanzierung. Der vorangegangene Report legte die fehlende Rentabilität, massive finanzielle Instabilität sowie wackelnde Liquidität des portugiesischen Serienmeisters offen.

Im Kern lässt sich eine massive Abhängigkeit des portugiesischen Serienmeisters von seinen Spielerverkäufen feststellen, wodurch das Transfermanagement als absolute Schlüsselaktivität Portos identifiziert werden konnte. Der Club schafft es Jahr für Jahr Spieler mit herausragendem Potential zu verpflichten, diese zu entwickeln und in der Mannschaft erfolgreich zu integrieren. Nach einer entsprechenden Entwicklungsphase werden einzelne Schlüsselspieler gewinnbringend verkauft.

Da jedoch die Erlöse aus dem Verkauf von Schlüsselspielern erst die Liquidität des Sportunternehmens sicherstellen, ist diese Geschäftsmodell-Ausprägung sehr gefährlich für einen Fußballclub. Da Portos Schlüsselelement neben der Sicherstellung der wirtschaftlichen Fortführung des Sportunternehmens, die nachhaltige Entwicklung des Fußballclubs hindert, gilt sie zugleich als Segen und Fluch. Der sportlichen Führung ist es nicht möglich langfristig eine Mannschaft zu entwickeln. Vielmehr muss die Mannschaft Jahr für Jahr „geflickt“ werden.

Das Gefährliche an dieser Abhängigkeit von den Transfereinnahmen, ist die absolute Unsicherheit, die dieses Geschäftsgebiet mit sich bringt. Man weiß nie wie sich ein Spieler entwickelt und ob er nach ein paar Jahren gewinnbringend verkauft werden kann. Leistungsentwicklung und Verletzung sind nicht vorherzusehen. Der Druck auf Spieler und sportliche Leiter ist vermutlich um ein vielfaches höher als bei anderen Clubs, da, nicht nur die Entwicklung des Clubs, sondern gar dessen wirtschaftliches Bestehen um ein vielfaches mehr vom sportlichen Erfolg und vor allem von der sportlichen Entwicklung einzelner Spieler abhängt.

Jedoch müssen wir relativieren, dass der portugiesische Markt, seinen Fußballunternehmen anders nicht die nötigen Möglichkeiten bietet, um in der europäischen Fußballelite mehr als nur mitzuspielen. Der nachhaltige Konkurrenzkampf mit den Spitzenteams aus England, Spanien, Deutschland und Italien ist für einen portugiesischen Fußballclub nur schwer möglich. Der FC Porto MUSS daher andere Erlösquellen, als die Üblichen (TV Einnahmen, Sponsoring-Erlöse, etc.), maximieren, um mehr zu erreichen, als „nur“ in der Europa League Mit-Favorit zu sein. Die sportliche Priorisierung darf allerdings nicht auf den Gewinn der Champions League ausgerichtet sein. Es würde vermutlich den Untergang bedeuten, wenn alle Kräfte auf das Bestehen in der Champions League ausgerichtet werden & und die nationalen Wettbewerbe vernachlässigt werden. Ein Handlungsplan für den Serienmeister wäre bspw. die nationalen Wettbewerbe zu dominieren und sich somit für die europäische Königsklasse regelmäßig zu qualifizieren. Dort im nächsten Jahr die Gruppenphase zu überstehen und sehen was kommt. So wie bspw. diese Saison, in der der Club im Champions League Achtelfinale auf den FC Basel  trifft, womit ein Weiterkommen wahrscheinlich ist und erhebliche Einnahmen winken. Dies legt ein zweites Schlüsselelement des FC Porto offen – die Medienerlöse aus den UEFA Club-Wettbewerben, besonders der Champions League, die direkt vom sportlichen Handlungsfeld, insbesondere dem Transfermanagement, aber auch dem Quäntchen Glück bestimmt werden. Ein absolutes Desaster für den FC Porto wäre es aufgrund falscher Fokussierung die Champions League zu verpassen.

Fassen wir zusammen: Der FC Porto ist nicht rentabel, befindet sich in massiver finanzieller Instabilität und sichert seine Liquidität mit einer gefährlich unsicheren Variablen ab. Wollen wir hoffen, dass dieser tolle und interessante Traditionsclub irgendwann eine wirtschaftliche Gesundung hinbekommt und nicht unter der gewaltigen Last des sportlichen Erfolgsdrucks zusammenbricht. Jedoch muss m.E. viel passieren, dass der FC Porto von der Regierung fallen gelassen wird, wenn wir sehen in welcher Lage sich zwei andere portugiesische Traditionsvereine befinden. Wobei der Eine, namentlich Sporting Lissabon, im Zuge des Financial Fairplay von der UEFA bereits sanktioniert wurde und dessen europäische Clubteilnahme gefährdet ist.

Marco Mesirca / 2015

Die Konzernbilanz des FC Porto

FC Porto - Die Bilanz der FC Porto GroupDie zuvor angeführten liquiden Mittel sind Bestandteil des Umlaufvermögens und auf der Aktiva der Unternehmensbilanz zu finden. Die Aktiva zeigt die Vermögenswerte eines Unternehmens, während die Passiva die Finanzierung dieser Werte beinhaltet.

Portos Bilanzsumme betrug im Juni 2013 EUR 227,9 Mio. Das Vermögen der Group setzte sich zu 54% aus Anlage- und zu 46% aus Umlauflaufvermögen zusammen. Das Anlagevermögen beinhaltet Sachanlagen, Spielerwerte, Forderungen gegenüber anderen Unternehmen sowie sonstige Vermögenswerte. Das Umlaufvermögen wird bestimmt von kurzfristigen Forderungen aus Lieferungen Leistungen (trade receivables), liquiden Mitteln sowie sonstigen kurzfristigen Vermögenswerten (sog. „Other current assets“ (EUR 22,8 Mio.)), hier sind auch sog. Rechnungsabgrenzungsposten enthalten. Doch bevor wir hier genauer eingehen, einleitend eine Übersicht zur Bilanz der FC Porto Group, deren Entwicklung in nachfolgender Grafik visualisiert ist.

Entwicklung der Vermögenswerte und deren Finanzierung (Bilanz) der FC Porto Group

Entwicklung der Vermögenswerte (links, grün) und deren Finanzierung (rechts, blau) (Bilanz) der FC Porto Group; Die FC Porto Group bilanzierte bis 2004/05 nach PGAAP. Seit 2005/06 findet der Abschluss nach IFRS Standards statt. Im Zuge der Umstellung wurde auch das Finanzjahr 2004/05 nach IFRS aufbereitet.

Drei bedeutende Vermögenswerte des FC Porto

Wollen wir nun einen detaillierteren Blick auf ausgewählte Vermögenswerte werfen. Im Fokus liegen die Spielerwerte, Forderungen aus Lieferungen & Leistungen (trade receivables) sowie die liquiden Mittel, die bereits umfassend erläutert wurden. Diese drei VMW machten im Juni 2013 80% der Bilanzsumme aus. Im Juni 2004 lagen diese bei lediglich 50%.

 

Entwicklung drei ausgewählter Vermögenswerte von Fußballclubs; Spielerwerte, Cash, Forderungen aus Lieferungen & Leistungen des FC Porto

Entwicklung drei ausgewählter Vermögenswerte von Fußballclubs; Spielerwerte, Cash, Forderungen aus Lieferungen & Leistungen des FC Porto

Den höchsten Vermögenswert in der Bilanz der Porto Group betrifft die Forderungen aus Lieferung und Leistung, die sich in ihrer Laufzeit (kurz- & langfristig) unterscheiden lässt. Mit insgesamt EUR 88,9 Mio. zeigte der FC Porto enorme Forderungen ggü. Kunden. Diese offenen Rechnungen sind, wen wunderts, massiv vom Spielerhandel bestimmt.

Die kurzfristigen Forderungen in Höhe von EUR 69 Mio. resultieren bspw. zu 64 % aus Forderungen gegenüber anderen Fußballclubs. Dem Club standen zum 30.Juni 2013 noch EUR 44,4 Mio. für Falcao (Atletico Madrid), Hulk (Zenit St. Petersburg), Guarin & Alvaro Pereira (Inter Mailand), Moutinho & James Rodriguez (AS Monaco), Cissokho (Olympique Lyon) und für Diego Reyes zu. Weitere EUR 13,5 Mio. sind als langfristig deklariert und werden vermutlich im nächsten Geschäftsjahr fällig. Diese betreffen den Verkauf von Falcao und Hulk, da hier offensichtlich Teilzahlungen vereinbart wurden.

Spielerwerte des FC Porto

Den zweiten großen Vermögenswert bilden mit EUR 76,2 Mio. (bei 37 Spielern) die Spielerwerte. Während im Jahr davor noch 41 Spieler einen Buchwert von EUR 99,2 Mio. zeigten. Der Buchwert eines Spielers ergibt sich aus den Kosten für dessen Verpflichtung. Diese Kosten umfassen Ablösesumme, Vermittlungsgebühr an Berater, Handgelder für Spieler sowie Treueprämien bei Vertragsverlängerungen (S. 38 including intermediation service costs, as well as signing-on fees paid directly to the players, and the called ‘loyalty bonuses). Der Buchwert verändert sich nach jedem Geschäftsjahr um die Höhe der entsprechenden Abschreibungen (am Ende der Vertragslaufzeit geht der Buchwert des Spielers gegen Null) sowie Zu- & Abgängen von Spielern.

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass der Buchwert eines Spielerkaders nichts mit dem real-fiktiven Wert aus den Medien (bsp. Transfermarkt.de) zu tun hat. Während ersterer eher historischer Natur ist und von den tatsächlichen Kosten einer Spielerverpflichtung bestimmt wird, ist der „Real-fiktive“ bestimmt durch vergangene Erfolge und aktuelle Leistungen und häufig eher spekulativ.

Die liquiden Mittel wurden bereits angeführt, kommen wir daher zu einem anderen weiteren wesentlichen langfristigen Vermögenswert– den Sachanlagen, der bei anderen Fußballclubs, DER Vermögenswert schlechthin ist. Beim FC Bayern betrug dieser bspw. im Juni 2013 EUR 263 Mio. Bei einem Vergleich mit anderen Fußballclubs fällt jedoch auf, dass der FC Porto extrem geringe Sachanlagen auswies. Während bspw. Benfica Lissabon Sachanlagen in Höhe von EUR 161 Mio. auswies, sind die EUR 1,6 Mio. Portos als sehr gering anzusehen. In dieser Summe ist, anders als bspw. beim FC Bayern Konzern, nicht das Stadion enthalten, da der FC Porto nicht Eigentümer des „Estádio do Dragão“ ist. Der FC Porto schloss 2003 mit dem aktuellen Eigentümer – EUROANTAS – einen Leasing Vertrag, der dem Club gegen eine jährliche Pauschale erlaubt Spiele im Stadion für 30 Jahre auszutragen.

Nachfolgende Abbildung gibt nun einen Überblick zu ausgewählten Vermögenswerten unserer Vergleichsgruppe. Im Punkt sonstige Aktiva finden sich aktive RAP, Rückstellungen und Forderungen aus Lieferungen und Leistungen.

Vermögenswerte und deren Finanzierung ausgewählter FCs 2012/13

Vermögenswerte und deren Finanzierung ausgewählter FCs 2012/13

FC Porto s passiva – Finanzierung der Vermögenswerte (VMW)

Kommen wir nun zur Finanzierung dieses Vermögens, die wir der Passiva der Unternehmensbilanz entnehmen. Hier finden sich das Eigenkapital und das Fremdkapital. Im Konzernabschluss der FC Porto Group wird das Fremdkapital in kurz- und langfristige Verbindlichkeiten unterschieden, wobei Rückstellungen und passive Rechnungsabgrenzungsposten ebenfalls dort enthalten sind. In der obenstehenden Grafik habe ich diese letzten Posten subtrahiert und als sonstige Passiva ausgewiesen.

In den Verbindlichkeiten sind nun Finanzverbindlichkeiten, resultierend aus Darlehen, Anleihen und Leasinggeschäften, Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie sonstige Verbindlichkeiten enthalten. Diese Grundhaltung habe ich auch bei den anderen Clubs angewendet. Nehmen wir nun die einzelnen Posten grob durch.

FC Porto s Eigenkapital – immerhin positiv

Das Eigenkapital der Porto Group konnte sich 2013 mit EUR 7,6 Mio., dank des positiven Jahresendergebnisses (EUR 20,4 Mio.) positiv stellen, nachdem es im Vorjahr noch ein Minus von EUR (-)12,7 Mio. zeigte. Ein Jahr später (06.2013) zeigt die Group zwar kein hohes Eigenkapital aber immerhin ein positives.

Das Eigenkapital der Porto Group setzt sich zusammen aus dem Grundkapital (share capital = EUR 75 Mio.), dem Jahresendergebnis (EUR 20,3 Mio.) und den Gewinnrücklage (EUR -88 Mio.), die kumulierte Gewinne bzw. Verluste vergangener Jahre zeigt.

Rückblickend ist festzustellen, dass das Eigenkapital sukzessive schrumpfte. Im Juni 2004 lag das Eigenkapital noch bei EUR 41 Mio. und das bei einer Bilanzsumme von EUR 153,9 Mio. Setzen wir das Eigenkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme erhalten wir eine Eigenkapitalquote von 27%. Ende 2013 ist nur noch eine Eigenkapitalquote von 3% vorhanden, was auf eine starke finanzielle Instabilität hindeutet. Dieser Verfall, des einst annehmbaren Eigenkapitals, ist im Wesentlichen auf die herben Verluste in 2005/06 (EUR -30,5 Mio.) und 2011/12 (EUR -36 Mio.) zurückzuführen. Porto muss unbedingt über einen längeren Zeitraum wieder positive Jahresendergebnisse einfahren, um das Eigenkapital zu gesunden.

Unsere Benchmark zeigt jedoch, dass besonders die beiden Clubs aus Lissabon stark mit ihrem Eigenkapital kämpfen. Beide zeigen negative Eigenkapitalwerte. Benficas Eigenkapital liegt bei EUR -23,8 Mio. und das bei einer Bilanzsumme von EUR 416,7 Mio. (=EKQ -6%). Richtig extrem ist es aber bei Sporting Lissabon, das ein negatives Eigenkapital von EUR (-)119 Mio. bei einer Bilanzsumme von EUR 139,5 Mio. (EKQ -90%) zeigte. Beide Clubs sind bilanziell überschuldet.

Atletico Madrid wies mit seinem Eigenkapital (EUR 33 Mio.) und aufgrund seiner höheren Bilanzsumme eine ähnliche EKQuote (6%) wie der FC Porto aus. Mustergültig erweisen sich die Eigenkapitalquoten des FC Bayern (EKQ 48%), der Borussia aus Dortmund (EKQ 46%) und des FC Arsenal London (EKQ 38%).

Zusammensetzung der Gesamtverbindlichkeiten

Kommen wir zu den Verbindlichkeiten, dem Fremdkapital. Die Gesamtverbindlichkeiten der FC Porto Group sind zu 32% langfristig und zu 68% kurzfristig fällig. Allein dieses Übergewicht der Kurzfristigkeit gibt uns Grund zur Sorge. Enthalten sind hier sog. Finanzverbindlichkeiten (Bonds & Bank loans; EUR 95,4 Mio.), Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (trade payable; EUR 65,4 Mio.) und sonstige Verbindlichkeiten (other creditors; EUR 7,7 Mio. & other liabilities EUR 20,63 Mio.).

Die Finanzverbindlichkeiten setzten sich zum Juni 2013 aus Bankkrediten (EUR 56,2 Mio.) und Anleihen (Bonds; EUR 39,1 Mio.) zusammen. Laut Geschäftsbericht lag zum Stichtag die jährliche Zinsrate der Bankkredite bei 8,5 %.

Die Finanzverbindlichkeiten haben sich zwischen Juni 2004 (EUR 45,5 Mio.) und Juni 2013 verdoppelt. Interessant dabei ist, dass seitdem eine bedenkliche Verschiebung in der Fälligkeit eingetreten ist. Während 2004 noch 28% (EUR 13 Mio.) der Finanzverbindlichkeiten innerhalb eines Jahres fällig waren sind es 2013 gewaltige 55% (EUR 52,6 Mio.). Noch massiver war es im Jahr davor, als mit EUR 74 Mio. 75% der Finanzverbindlichkeiten kurzfristig fällig waren. Beim FC Porto ist kein langfristig angelegter Rückzahlungsplan der Finanzverbindlichkeiten zu erkennen, da das prozentuale Verhältnis kurzfristiger Finanzverbindlichkeiten zu den Gesamt-Finanzverbindlichkeiten von Jahr zu Jahr stark variiert.

Die Die Finanzverbindlichkeiten ausgewählter Fußballclubs 2012/2013 & des FC Porto

Die Die Finanzverbindlichkeiten ausgewählter Fußballclubs 2012/2013 & des FC Porto

Werfen wir einen Blick auf die Fußballbranche, so fällt auf, dass der FC Bayern, Borussia Dortmund und Arsenal London gemessen am prozentualen Verhältnis sehr geringe kurzfristige Finanzverbindlichkeiten ausweisen. Beim FC Bayern machen diese gerade mal 4% der gesamten Finanzverbindlichkeiten des Konzerns aus. Hingegen zeigen Benfica (58%), Sporting (64%) und Atletico (72%) ebenso wie Porto ein Übergewicht der kurzfristigen Finanzverbindlichkeiten. Diese Clubs werden immer wieder neue Kredite aufnehmen müssen, um ihre kurzfristigen Verbindlichkeiten zu bedienen, was zu einer verheerenden Belastung werden kann und wird, da die Kredite eher teurer (Zinsraten) werden, da die Rückzahlungswahrscheinlichkeit bei zunehmender Unsicherheit, eher steigt.

Offene Verbindlichkeiten aus Spielerhandel

Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen des FC Porto betrugen zum 30.06.2013 EUR 65,4 Mio. und sind zu 94% kurzfristiger Natur, also innerhalb eines Jahres fällig. Enthalten sind zudem EUR 60,2 Mio. Verbindlichkeiten aus dem Spielerhandel (91%) -> Spielerrechte wurden erworben aber noch nicht bezahlt. (pdf Seite 75)

Diese Position zeigt somit Portos Verpflichtungen ggü. anderen Fußballclubs bzw. Rechtehaltern für den Erwerb von Spielern und mussten innerhalb eines Jahres beglichen werden. Hier ein Screenshot aus dem Geschäftsbericht des Porto Konzerns.

Verbindlichkeiten aus Spielerhandel FC Porto Juni 2013

Verbindlichkeiten aus Spielerhandel FC Porto Juni 2013

Übrig bleiben dann noch die sonstigen Verbindlichkeiten in Höhe von EUR 28,33 Mio. Diese Verbindlichkeiten resultieren zum einen aus Verträgen mit Dritten (Spielervermittler) über die Rechte von Spielern EUR 7,7 Mio. Der FC Porto teilt sich diverse Spielerrechte mit anderen Firmen. Zum anderen finden wir hier folgende Posten, die leider nicht näher erläutert sind:

  • State & public sector (EUR 6,5 Mio.)
  • Advances to clientes (EUR 4,5 Mio.)
  • Other creditors (EUR 9,6 Mio.)

Passive RAP und Rückstellungen

Neben Eigenkapital und Gesamtverbindlichkeiten wird die Passiva komplettiert durch die passiven Rechnungsabgrenzungsposten (RAP = EUR 29,2 Mio.) und den Rückstellungen (EUR 1,9 Mio.), deren Summe in der oberen Grafik unter sonst. Passiva aufgeführt sind. Passive Rechnungsabgrenzungen sind Einzahlungen deren Ertrag erst im nächsten Geschäftsjahr erfolgt. Also der FC Porto hat Geld „zu früh“ erhalten. Hier finden wir Vorauszahlungen für Medienrechte die Zeiträume 2012/13 bis 2014/15 sowie 2014/15 bis 2017/18 betreffend, die für jedes Jahr EUR 2 Mio. schwer sind und natürlich Vorauszahlungen für Dauerkarten.

Nachdem nun die Unternehmensbilanz der Porto Group vorgestellt wurde, wird in einem abschließenden Artikel die finanzielle Stabilität des Fußballkonzerns untersucht. Hier geht es zum abschließenden Report…

Marco Mesirca / 2015

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Das Cash des FC Porto

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Die nun folgende Analyse zum FC Porto nimmt den tatsächlichen Geldfluss des Fußballkonzerns unter die Lupe, wodurch wir letztendlich auf einen sehr bedeutenden Vermögenswert stoßen werden, der sich in der Bilanzaktiva findet – Die liquiden Mittel. Continue reading

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Profitabilität des FC Porto

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Der dritte Teil der Finanzanalyse zur FC Porto Group nimmt sich der Profitabilität des Fußballkonzerns an. Hier wird zum Einen die Gewinnentwicklung des Konzerns untersucht und zum anderen ein Vergleich der aktuellen Werte in unserer Vergleichsgruppe, bestehend aus Benfica & Sporting Lissabon, FC Bayern, BVB, Atletico Madrid und Arsenal London, vorgenommen. Dieser Artikel zeigt u.a. wie rentabel die Fußballunternehmen 2012/13 waren. Continue reading

Kurzmitteilung

Der FC Bayern München gilt als Musterclub für diverse Fußballunternehmen. In nachfolgendem Report gehe ich detailliert auf die Finanzen des FC Bayern München ein. Dabei beschreibe ich die Einnahmen- und Ausgabenstruktur sowie zentrale Vermögenswerte und deren Finanzierung. Die Analyse nimmt den Zeitraum 2005/06 bis 2011/12 und teilweise auch 2012/13 in Augenschein. Continue reading

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Finanzanalyse des Hamburger Sportvereins (HSV)

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Der Hamburger Sportverein (HSV) lässt sich nicht nur wegen seiner Historie als Dinosaurier der Bundesliga bezeichnen. Tatsache ist, dass trotz der gewaltigen Bekanntheit und den vergangenen Erfolgen den Club seit einigen Jahren eine gewisse, nennen wir es mal, Lethargie umgibt. Der HSV ist zahm geworden und kämpft mehr mit seinem Innenleben als mit den Konkurrenten auf dem Rasen. In diesem Beitrag verlinke ich auf meinen Gastbeitrag bei Spielverlagerung.de, in dem ich die Finanzen des Clubs unter die Lupe nehme… Continue reading