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Die Konzernbilanz des FC Porto

FC Porto - Die Bilanz der FC Porto GroupDie zuvor angeführten liquiden Mittel sind Bestandteil des Umlaufvermögens und auf der Aktiva der Unternehmensbilanz zu finden. Die Aktiva zeigt die Vermögenswerte eines Unternehmens, während die Passiva die Finanzierung dieser Werte beinhaltet.

Portos Bilanzsumme betrug im Juni 2013 EUR 227,9 Mio. Das Vermögen der Group setzte sich zu 54% aus Anlage- und zu 46% aus Umlauflaufvermögen zusammen. Das Anlagevermögen beinhaltet Sachanlagen, Spielerwerte, Forderungen gegenüber anderen Unternehmen sowie sonstige Vermögenswerte. Das Umlaufvermögen wird bestimmt von kurzfristigen Forderungen aus Lieferungen Leistungen (trade receivables), liquiden Mitteln sowie sonstigen kurzfristigen Vermögenswerten (sog. „Other current assets“ (EUR 22,8 Mio.)), hier sind auch sog. Rechnungsabgrenzungsposten enthalten. Doch bevor wir hier genauer eingehen, einleitend eine Übersicht zur Bilanz der FC Porto Group, deren Entwicklung in nachfolgender Grafik visualisiert ist.

Entwicklung der Vermögenswerte und deren Finanzierung (Bilanz) der FC Porto Group

Entwicklung der Vermögenswerte (links, grün) und deren Finanzierung (rechts, blau) (Bilanz) der FC Porto Group; Die FC Porto Group bilanzierte bis 2004/05 nach PGAAP. Seit 2005/06 findet der Abschluss nach IFRS Standards statt. Im Zuge der Umstellung wurde auch das Finanzjahr 2004/05 nach IFRS aufbereitet.

Drei bedeutende Vermögenswerte des FC Porto

Wollen wir nun einen detaillierteren Blick auf ausgewählte Vermögenswerte werfen. Im Fokus liegen die Spielerwerte, Forderungen aus Lieferungen & Leistungen (trade receivables) sowie die liquiden Mittel, die bereits umfassend erläutert wurden. Diese drei VMW machten im Juni 2013 80% der Bilanzsumme aus. Im Juni 2004 lagen diese bei lediglich 50%.

 

Entwicklung drei ausgewählter Vermögenswerte von Fußballclubs; Spielerwerte, Cash, Forderungen aus Lieferungen & Leistungen des FC Porto

Entwicklung drei ausgewählter Vermögenswerte von Fußballclubs; Spielerwerte, Cash, Forderungen aus Lieferungen & Leistungen des FC Porto

Den höchsten Vermögenswert in der Bilanz der Porto Group betrifft die Forderungen aus Lieferung und Leistung, die sich in ihrer Laufzeit (kurz- & langfristig) unterscheiden lässt. Mit insgesamt EUR 88,9 Mio. zeigte der FC Porto enorme Forderungen ggü. Kunden. Diese offenen Rechnungen sind, wen wunderts, massiv vom Spielerhandel bestimmt.

Die kurzfristigen Forderungen in Höhe von EUR 69 Mio. resultieren bspw. zu 64 % aus Forderungen gegenüber anderen Fußballclubs. Dem Club standen zum 30.Juni 2013 noch EUR 44,4 Mio. für Falcao (Atletico Madrid), Hulk (Zenit St. Petersburg), Guarin & Alvaro Pereira (Inter Mailand), Moutinho & James Rodriguez (AS Monaco), Cissokho (Olympique Lyon) und für Diego Reyes zu. Weitere EUR 13,5 Mio. sind als langfristig deklariert und werden vermutlich im nächsten Geschäftsjahr fällig. Diese betreffen den Verkauf von Falcao und Hulk, da hier offensichtlich Teilzahlungen vereinbart wurden.

Spielerwerte des FC Porto

Den zweiten großen Vermögenswert bilden mit EUR 76,2 Mio. (bei 37 Spielern) die Spielerwerte. Während im Jahr davor noch 41 Spieler einen Buchwert von EUR 99,2 Mio. zeigten. Der Buchwert eines Spielers ergibt sich aus den Kosten für dessen Verpflichtung. Diese Kosten umfassen Ablösesumme, Vermittlungsgebühr an Berater, Handgelder für Spieler sowie Treueprämien bei Vertragsverlängerungen (S. 38 including intermediation service costs, as well as signing-on fees paid directly to the players, and the called ‘loyalty bonuses). Der Buchwert verändert sich nach jedem Geschäftsjahr um die Höhe der entsprechenden Abschreibungen (am Ende der Vertragslaufzeit geht der Buchwert des Spielers gegen Null) sowie Zu- & Abgängen von Spielern.

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass der Buchwert eines Spielerkaders nichts mit dem real-fiktiven Wert aus den Medien (bsp. Transfermarkt.de) zu tun hat. Während ersterer eher historischer Natur ist und von den tatsächlichen Kosten einer Spielerverpflichtung bestimmt wird, ist der „Real-fiktive“ bestimmt durch vergangene Erfolge und aktuelle Leistungen und häufig eher spekulativ.

Die liquiden Mittel wurden bereits angeführt, kommen wir daher zu einem anderen weiteren wesentlichen langfristigen Vermögenswert– den Sachanlagen, der bei anderen Fußballclubs, DER Vermögenswert schlechthin ist. Beim FC Bayern betrug dieser bspw. im Juni 2013 EUR 263 Mio. Bei einem Vergleich mit anderen Fußballclubs fällt jedoch auf, dass der FC Porto extrem geringe Sachanlagen auswies. Während bspw. Benfica Lissabon Sachanlagen in Höhe von EUR 161 Mio. auswies, sind die EUR 1,6 Mio. Portos als sehr gering anzusehen. In dieser Summe ist, anders als bspw. beim FC Bayern Konzern, nicht das Stadion enthalten, da der FC Porto nicht Eigentümer des „Estádio do Dragão“ ist. Der FC Porto schloss 2003 mit dem aktuellen Eigentümer – EUROANTAS – einen Leasing Vertrag, der dem Club gegen eine jährliche Pauschale erlaubt Spiele im Stadion für 30 Jahre auszutragen.

Nachfolgende Abbildung gibt nun einen Überblick zu ausgewählten Vermögenswerten unserer Vergleichsgruppe. Im Punkt sonstige Aktiva finden sich aktive RAP, Rückstellungen und Forderungen aus Lieferungen und Leistungen.

Vermögenswerte und deren Finanzierung ausgewählter FCs 2012/13

Vermögenswerte und deren Finanzierung ausgewählter FCs 2012/13

FC Porto s passiva – Finanzierung der Vermögenswerte (VMW)

Kommen wir nun zur Finanzierung dieses Vermögens, die wir der Passiva der Unternehmensbilanz entnehmen. Hier finden sich das Eigenkapital und das Fremdkapital. Im Konzernabschluss der FC Porto Group wird das Fremdkapital in kurz- und langfristige Verbindlichkeiten unterschieden, wobei Rückstellungen und passive Rechnungsabgrenzungsposten ebenfalls dort enthalten sind. In der obenstehenden Grafik habe ich diese letzten Posten subtrahiert und als sonstige Passiva ausgewiesen.

In den Verbindlichkeiten sind nun Finanzverbindlichkeiten, resultierend aus Darlehen, Anleihen und Leasinggeschäften, Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie sonstige Verbindlichkeiten enthalten. Diese Grundhaltung habe ich auch bei den anderen Clubs angewendet. Nehmen wir nun die einzelnen Posten grob durch.

FC Porto s Eigenkapital – immerhin positiv

Das Eigenkapital der Porto Group konnte sich 2013 mit EUR 7,6 Mio., dank des positiven Jahresendergebnisses (EUR 20,4 Mio.) positiv stellen, nachdem es im Vorjahr noch ein Minus von EUR (-)12,7 Mio. zeigte. Ein Jahr später (06.2013) zeigt die Group zwar kein hohes Eigenkapital aber immerhin ein positives.

Das Eigenkapital der Porto Group setzt sich zusammen aus dem Grundkapital (share capital = EUR 75 Mio.), dem Jahresendergebnis (EUR 20,3 Mio.) und den Gewinnrücklage (EUR -88 Mio.), die kumulierte Gewinne bzw. Verluste vergangener Jahre zeigt.

Rückblickend ist festzustellen, dass das Eigenkapital sukzessive schrumpfte. Im Juni 2004 lag das Eigenkapital noch bei EUR 41 Mio. und das bei einer Bilanzsumme von EUR 153,9 Mio. Setzen wir das Eigenkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme erhalten wir eine Eigenkapitalquote von 27%. Ende 2013 ist nur noch eine Eigenkapitalquote von 3% vorhanden, was auf eine starke finanzielle Instabilität hindeutet. Dieser Verfall, des einst annehmbaren Eigenkapitals, ist im Wesentlichen auf die herben Verluste in 2005/06 (EUR -30,5 Mio.) und 2011/12 (EUR -36 Mio.) zurückzuführen. Porto muss unbedingt über einen längeren Zeitraum wieder positive Jahresendergebnisse einfahren, um das Eigenkapital zu gesunden.

Unsere Benchmark zeigt jedoch, dass besonders die beiden Clubs aus Lissabon stark mit ihrem Eigenkapital kämpfen. Beide zeigen negative Eigenkapitalwerte. Benficas Eigenkapital liegt bei EUR -23,8 Mio. und das bei einer Bilanzsumme von EUR 416,7 Mio. (=EKQ -6%). Richtig extrem ist es aber bei Sporting Lissabon, das ein negatives Eigenkapital von EUR (-)119 Mio. bei einer Bilanzsumme von EUR 139,5 Mio. (EKQ -90%) zeigte. Beide Clubs sind bilanziell überschuldet.

Atletico Madrid wies mit seinem Eigenkapital (EUR 33 Mio.) und aufgrund seiner höheren Bilanzsumme eine ähnliche EKQuote (6%) wie der FC Porto aus. Mustergültig erweisen sich die Eigenkapitalquoten des FC Bayern (EKQ 48%), der Borussia aus Dortmund (EKQ 46%) und des FC Arsenal London (EKQ 38%).

Zusammensetzung der Gesamtverbindlichkeiten

Kommen wir zu den Verbindlichkeiten, dem Fremdkapital. Die Gesamtverbindlichkeiten der FC Porto Group sind zu 32% langfristig und zu 68% kurzfristig fällig. Allein dieses Übergewicht der Kurzfristigkeit gibt uns Grund zur Sorge. Enthalten sind hier sog. Finanzverbindlichkeiten (Bonds & Bank loans; EUR 95,4 Mio.), Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (trade payable; EUR 65,4 Mio.) und sonstige Verbindlichkeiten (other creditors; EUR 7,7 Mio. & other liabilities EUR 20,63 Mio.).

Die Finanzverbindlichkeiten setzten sich zum Juni 2013 aus Bankkrediten (EUR 56,2 Mio.) und Anleihen (Bonds; EUR 39,1 Mio.) zusammen. Laut Geschäftsbericht lag zum Stichtag die jährliche Zinsrate der Bankkredite bei 8,5 %.

Die Finanzverbindlichkeiten haben sich zwischen Juni 2004 (EUR 45,5 Mio.) und Juni 2013 verdoppelt. Interessant dabei ist, dass seitdem eine bedenkliche Verschiebung in der Fälligkeit eingetreten ist. Während 2004 noch 28% (EUR 13 Mio.) der Finanzverbindlichkeiten innerhalb eines Jahres fällig waren sind es 2013 gewaltige 55% (EUR 52,6 Mio.). Noch massiver war es im Jahr davor, als mit EUR 74 Mio. 75% der Finanzverbindlichkeiten kurzfristig fällig waren. Beim FC Porto ist kein langfristig angelegter Rückzahlungsplan der Finanzverbindlichkeiten zu erkennen, da das prozentuale Verhältnis kurzfristiger Finanzverbindlichkeiten zu den Gesamt-Finanzverbindlichkeiten von Jahr zu Jahr stark variiert.

Die Die Finanzverbindlichkeiten ausgewählter Fußballclubs 2012/2013 & des FC Porto

Die Die Finanzverbindlichkeiten ausgewählter Fußballclubs 2012/2013 & des FC Porto

Werfen wir einen Blick auf die Fußballbranche, so fällt auf, dass der FC Bayern, Borussia Dortmund und Arsenal London gemessen am prozentualen Verhältnis sehr geringe kurzfristige Finanzverbindlichkeiten ausweisen. Beim FC Bayern machen diese gerade mal 4% der gesamten Finanzverbindlichkeiten des Konzerns aus. Hingegen zeigen Benfica (58%), Sporting (64%) und Atletico (72%) ebenso wie Porto ein Übergewicht der kurzfristigen Finanzverbindlichkeiten. Diese Clubs werden immer wieder neue Kredite aufnehmen müssen, um ihre kurzfristigen Verbindlichkeiten zu bedienen, was zu einer verheerenden Belastung werden kann und wird, da die Kredite eher teurer (Zinsraten) werden, da die Rückzahlungswahrscheinlichkeit bei zunehmender Unsicherheit, eher steigt.

Offene Verbindlichkeiten aus Spielerhandel

Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen des FC Porto betrugen zum 30.06.2013 EUR 65,4 Mio. und sind zu 94% kurzfristiger Natur, also innerhalb eines Jahres fällig. Enthalten sind zudem EUR 60,2 Mio. Verbindlichkeiten aus dem Spielerhandel (91%) -> Spielerrechte wurden erworben aber noch nicht bezahlt. (pdf Seite 75)

Diese Position zeigt somit Portos Verpflichtungen ggü. anderen Fußballclubs bzw. Rechtehaltern für den Erwerb von Spielern und mussten innerhalb eines Jahres beglichen werden. Hier ein Screenshot aus dem Geschäftsbericht des Porto Konzerns.

Verbindlichkeiten aus Spielerhandel FC Porto Juni 2013

Verbindlichkeiten aus Spielerhandel FC Porto Juni 2013

Übrig bleiben dann noch die sonstigen Verbindlichkeiten in Höhe von EUR 28,33 Mio. Diese Verbindlichkeiten resultieren zum einen aus Verträgen mit Dritten (Spielervermittler) über die Rechte von Spielern EUR 7,7 Mio. Der FC Porto teilt sich diverse Spielerrechte mit anderen Firmen. Zum anderen finden wir hier folgende Posten, die leider nicht näher erläutert sind:

  • State & public sector (EUR 6,5 Mio.)
  • Advances to clientes (EUR 4,5 Mio.)
  • Other creditors (EUR 9,6 Mio.)

Passive RAP und Rückstellungen

Neben Eigenkapital und Gesamtverbindlichkeiten wird die Passiva komplettiert durch die passiven Rechnungsabgrenzungsposten (RAP = EUR 29,2 Mio.) und den Rückstellungen (EUR 1,9 Mio.), deren Summe in der oberen Grafik unter sonst. Passiva aufgeführt sind. Passive Rechnungsabgrenzungen sind Einzahlungen deren Ertrag erst im nächsten Geschäftsjahr erfolgt. Also der FC Porto hat Geld „zu früh“ erhalten. Hier finden wir Vorauszahlungen für Medienrechte die Zeiträume 2012/13 bis 2014/15 sowie 2014/15 bis 2017/18 betreffend, die für jedes Jahr EUR 2 Mio. schwer sind und natürlich Vorauszahlungen für Dauerkarten.

Nachdem nun die Unternehmensbilanz der Porto Group vorgestellt wurde, wird in einem abschließenden Artikel die finanzielle Stabilität des Fußballkonzerns untersucht. Hier geht es zum abschließenden Report…

Marco Mesirca / 2015

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Das Cash des FC Porto

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Profitabilität des FC Porto

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Kurzmitteilung

Der FC Bayern München gilt als Musterclub für diverse Fußballunternehmen. In nachfolgendem Report gehe ich detailliert auf die Finanzen des FC Bayern München ein. Dabei beschreibe ich die Einnahmen- und Ausgabenstruktur sowie zentrale Vermögenswerte und deren Finanzierung. Die Analyse nimmt den Zeitraum 2005/06 bis 2011/12 und teilweise auch 2012/13 in Augenschein. Continue reading

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