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Die Konzernbilanz des FC Porto

FC Porto - Die Bilanz der FC Porto GroupDie zuvor angeführten liquiden Mittel sind Bestandteil des Umlaufvermögens und auf der Aktiva der Unternehmensbilanz zu finden. Die Aktiva zeigt die Vermögenswerte eines Unternehmens, während die Passiva die Finanzierung dieser Werte beinhaltet.

Portos Bilanzsumme betrug im Juni 2013 EUR 227,9 Mio. Das Vermögen der Group setzte sich zu 54% aus Anlage- und zu 46% aus Umlauflaufvermögen zusammen. Das Anlagevermögen beinhaltet Sachanlagen, Spielerwerte, Forderungen gegenüber anderen Unternehmen sowie sonstige Vermögenswerte. Das Umlaufvermögen wird bestimmt von kurzfristigen Forderungen aus Lieferungen Leistungen (trade receivables), liquiden Mitteln sowie sonstigen kurzfristigen Vermögenswerten (sog. „Other current assets“ (EUR 22,8 Mio.)), hier sind auch sog. Rechnungsabgrenzungsposten enthalten. Doch bevor wir hier genauer eingehen, einleitend eine Übersicht zur Bilanz der FC Porto Group, deren Entwicklung in nachfolgender Grafik visualisiert ist.

Entwicklung der Vermögenswerte und deren Finanzierung (Bilanz) der FC Porto Group

Entwicklung der Vermögenswerte (links, grün) und deren Finanzierung (rechts, blau) (Bilanz) der FC Porto Group; Die FC Porto Group bilanzierte bis 2004/05 nach PGAAP. Seit 2005/06 findet der Abschluss nach IFRS Standards statt. Im Zuge der Umstellung wurde auch das Finanzjahr 2004/05 nach IFRS aufbereitet.

Drei bedeutende Vermögenswerte des FC Porto

Wollen wir nun einen detaillierteren Blick auf ausgewählte Vermögenswerte werfen. Im Fokus liegen die Spielerwerte, Forderungen aus Lieferungen & Leistungen (trade receivables) sowie die liquiden Mittel, die bereits umfassend erläutert wurden. Diese drei VMW machten im Juni 2013 80% der Bilanzsumme aus. Im Juni 2004 lagen diese bei lediglich 50%.

 

Entwicklung drei ausgewählter Vermögenswerte von Fußballclubs; Spielerwerte, Cash, Forderungen aus Lieferungen & Leistungen des FC Porto

Entwicklung drei ausgewählter Vermögenswerte von Fußballclubs; Spielerwerte, Cash, Forderungen aus Lieferungen & Leistungen des FC Porto

Den höchsten Vermögenswert in der Bilanz der Porto Group betrifft die Forderungen aus Lieferung und Leistung, die sich in ihrer Laufzeit (kurz- & langfristig) unterscheiden lässt. Mit insgesamt EUR 88,9 Mio. zeigte der FC Porto enorme Forderungen ggü. Kunden. Diese offenen Rechnungen sind, wen wunderts, massiv vom Spielerhandel bestimmt.

Die kurzfristigen Forderungen in Höhe von EUR 69 Mio. resultieren bspw. zu 64 % aus Forderungen gegenüber anderen Fußballclubs. Dem Club standen zum 30.Juni 2013 noch EUR 44,4 Mio. für Falcao (Atletico Madrid), Hulk (Zenit St. Petersburg), Guarin & Alvaro Pereira (Inter Mailand), Moutinho & James Rodriguez (AS Monaco), Cissokho (Olympique Lyon) und für Diego Reyes zu. Weitere EUR 13,5 Mio. sind als langfristig deklariert und werden vermutlich im nächsten Geschäftsjahr fällig. Diese betreffen den Verkauf von Falcao und Hulk, da hier offensichtlich Teilzahlungen vereinbart wurden.

Spielerwerte des FC Porto

Den zweiten großen Vermögenswert bilden mit EUR 76,2 Mio. (bei 37 Spielern) die Spielerwerte. Während im Jahr davor noch 41 Spieler einen Buchwert von EUR 99,2 Mio. zeigten. Der Buchwert eines Spielers ergibt sich aus den Kosten für dessen Verpflichtung. Diese Kosten umfassen Ablösesumme, Vermittlungsgebühr an Berater, Handgelder für Spieler sowie Treueprämien bei Vertragsverlängerungen (S. 38 including intermediation service costs, as well as signing-on fees paid directly to the players, and the called ‘loyalty bonuses). Der Buchwert verändert sich nach jedem Geschäftsjahr um die Höhe der entsprechenden Abschreibungen (am Ende der Vertragslaufzeit geht der Buchwert des Spielers gegen Null) sowie Zu- & Abgängen von Spielern.

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass der Buchwert eines Spielerkaders nichts mit dem real-fiktiven Wert aus den Medien (bsp. Transfermarkt.de) zu tun hat. Während ersterer eher historischer Natur ist und von den tatsächlichen Kosten einer Spielerverpflichtung bestimmt wird, ist der „Real-fiktive“ bestimmt durch vergangene Erfolge und aktuelle Leistungen und häufig eher spekulativ.

Die liquiden Mittel wurden bereits angeführt, kommen wir daher zu einem anderen weiteren wesentlichen langfristigen Vermögenswert– den Sachanlagen, der bei anderen Fußballclubs, DER Vermögenswert schlechthin ist. Beim FC Bayern betrug dieser bspw. im Juni 2013 EUR 263 Mio. Bei einem Vergleich mit anderen Fußballclubs fällt jedoch auf, dass der FC Porto extrem geringe Sachanlagen auswies. Während bspw. Benfica Lissabon Sachanlagen in Höhe von EUR 161 Mio. auswies, sind die EUR 1,6 Mio. Portos als sehr gering anzusehen. In dieser Summe ist, anders als bspw. beim FC Bayern Konzern, nicht das Stadion enthalten, da der FC Porto nicht Eigentümer des „Estádio do Dragão“ ist. Der FC Porto schloss 2003 mit dem aktuellen Eigentümer – EUROANTAS – einen Leasing Vertrag, der dem Club gegen eine jährliche Pauschale erlaubt Spiele im Stadion für 30 Jahre auszutragen.

Nachfolgende Abbildung gibt nun einen Überblick zu ausgewählten Vermögenswerten unserer Vergleichsgruppe. Im Punkt sonstige Aktiva finden sich aktive RAP, Rückstellungen und Forderungen aus Lieferungen und Leistungen.

Vermögenswerte und deren Finanzierung ausgewählter FCs 2012/13

Vermögenswerte und deren Finanzierung ausgewählter FCs 2012/13

FC Porto s passiva – Finanzierung der Vermögenswerte (VMW)

Kommen wir nun zur Finanzierung dieses Vermögens, die wir der Passiva der Unternehmensbilanz entnehmen. Hier finden sich das Eigenkapital und das Fremdkapital. Im Konzernabschluss der FC Porto Group wird das Fremdkapital in kurz- und langfristige Verbindlichkeiten unterschieden, wobei Rückstellungen und passive Rechnungsabgrenzungsposten ebenfalls dort enthalten sind. In der obenstehenden Grafik habe ich diese letzten Posten subtrahiert und als sonstige Passiva ausgewiesen.

In den Verbindlichkeiten sind nun Finanzverbindlichkeiten, resultierend aus Darlehen, Anleihen und Leasinggeschäften, Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie sonstige Verbindlichkeiten enthalten. Diese Grundhaltung habe ich auch bei den anderen Clubs angewendet. Nehmen wir nun die einzelnen Posten grob durch.

FC Porto s Eigenkapital – immerhin positiv

Das Eigenkapital der Porto Group konnte sich 2013 mit EUR 7,6 Mio., dank des positiven Jahresendergebnisses (EUR 20,4 Mio.) positiv stellen, nachdem es im Vorjahr noch ein Minus von EUR (-)12,7 Mio. zeigte. Ein Jahr später (06.2013) zeigt die Group zwar kein hohes Eigenkapital aber immerhin ein positives.

Das Eigenkapital der Porto Group setzt sich zusammen aus dem Grundkapital (share capital = EUR 75 Mio.), dem Jahresendergebnis (EUR 20,3 Mio.) und den Gewinnrücklage (EUR -88 Mio.), die kumulierte Gewinne bzw. Verluste vergangener Jahre zeigt.

Rückblickend ist festzustellen, dass das Eigenkapital sukzessive schrumpfte. Im Juni 2004 lag das Eigenkapital noch bei EUR 41 Mio. und das bei einer Bilanzsumme von EUR 153,9 Mio. Setzen wir das Eigenkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme erhalten wir eine Eigenkapitalquote von 27%. Ende 2013 ist nur noch eine Eigenkapitalquote von 3% vorhanden, was auf eine starke finanzielle Instabilität hindeutet. Dieser Verfall, des einst annehmbaren Eigenkapitals, ist im Wesentlichen auf die herben Verluste in 2005/06 (EUR -30,5 Mio.) und 2011/12 (EUR -36 Mio.) zurückzuführen. Porto muss unbedingt über einen längeren Zeitraum wieder positive Jahresendergebnisse einfahren, um das Eigenkapital zu gesunden.

Unsere Benchmark zeigt jedoch, dass besonders die beiden Clubs aus Lissabon stark mit ihrem Eigenkapital kämpfen. Beide zeigen negative Eigenkapitalwerte. Benficas Eigenkapital liegt bei EUR -23,8 Mio. und das bei einer Bilanzsumme von EUR 416,7 Mio. (=EKQ -6%). Richtig extrem ist es aber bei Sporting Lissabon, das ein negatives Eigenkapital von EUR (-)119 Mio. bei einer Bilanzsumme von EUR 139,5 Mio. (EKQ -90%) zeigte. Beide Clubs sind bilanziell überschuldet.

Atletico Madrid wies mit seinem Eigenkapital (EUR 33 Mio.) und aufgrund seiner höheren Bilanzsumme eine ähnliche EKQuote (6%) wie der FC Porto aus. Mustergültig erweisen sich die Eigenkapitalquoten des FC Bayern (EKQ 48%), der Borussia aus Dortmund (EKQ 46%) und des FC Arsenal London (EKQ 38%).

Zusammensetzung der Gesamtverbindlichkeiten

Kommen wir zu den Verbindlichkeiten, dem Fremdkapital. Die Gesamtverbindlichkeiten der FC Porto Group sind zu 32% langfristig und zu 68% kurzfristig fällig. Allein dieses Übergewicht der Kurzfristigkeit gibt uns Grund zur Sorge. Enthalten sind hier sog. Finanzverbindlichkeiten (Bonds & Bank loans; EUR 95,4 Mio.), Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (trade payable; EUR 65,4 Mio.) und sonstige Verbindlichkeiten (other creditors; EUR 7,7 Mio. & other liabilities EUR 20,63 Mio.).

Die Finanzverbindlichkeiten setzten sich zum Juni 2013 aus Bankkrediten (EUR 56,2 Mio.) und Anleihen (Bonds; EUR 39,1 Mio.) zusammen. Laut Geschäftsbericht lag zum Stichtag die jährliche Zinsrate der Bankkredite bei 8,5 %.

Die Finanzverbindlichkeiten haben sich zwischen Juni 2004 (EUR 45,5 Mio.) und Juni 2013 verdoppelt. Interessant dabei ist, dass seitdem eine bedenkliche Verschiebung in der Fälligkeit eingetreten ist. Während 2004 noch 28% (EUR 13 Mio.) der Finanzverbindlichkeiten innerhalb eines Jahres fällig waren sind es 2013 gewaltige 55% (EUR 52,6 Mio.). Noch massiver war es im Jahr davor, als mit EUR 74 Mio. 75% der Finanzverbindlichkeiten kurzfristig fällig waren. Beim FC Porto ist kein langfristig angelegter Rückzahlungsplan der Finanzverbindlichkeiten zu erkennen, da das prozentuale Verhältnis kurzfristiger Finanzverbindlichkeiten zu den Gesamt-Finanzverbindlichkeiten von Jahr zu Jahr stark variiert.

Die Die Finanzverbindlichkeiten ausgewählter Fußballclubs 2012/2013 & des FC Porto

Die Die Finanzverbindlichkeiten ausgewählter Fußballclubs 2012/2013 & des FC Porto

Werfen wir einen Blick auf die Fußballbranche, so fällt auf, dass der FC Bayern, Borussia Dortmund und Arsenal London gemessen am prozentualen Verhältnis sehr geringe kurzfristige Finanzverbindlichkeiten ausweisen. Beim FC Bayern machen diese gerade mal 4% der gesamten Finanzverbindlichkeiten des Konzerns aus. Hingegen zeigen Benfica (58%), Sporting (64%) und Atletico (72%) ebenso wie Porto ein Übergewicht der kurzfristigen Finanzverbindlichkeiten. Diese Clubs werden immer wieder neue Kredite aufnehmen müssen, um ihre kurzfristigen Verbindlichkeiten zu bedienen, was zu einer verheerenden Belastung werden kann und wird, da die Kredite eher teurer (Zinsraten) werden, da die Rückzahlungswahrscheinlichkeit bei zunehmender Unsicherheit, eher steigt.

Offene Verbindlichkeiten aus Spielerhandel

Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen des FC Porto betrugen zum 30.06.2013 EUR 65,4 Mio. und sind zu 94% kurzfristiger Natur, also innerhalb eines Jahres fällig. Enthalten sind zudem EUR 60,2 Mio. Verbindlichkeiten aus dem Spielerhandel (91%) -> Spielerrechte wurden erworben aber noch nicht bezahlt. (pdf Seite 75)

Diese Position zeigt somit Portos Verpflichtungen ggü. anderen Fußballclubs bzw. Rechtehaltern für den Erwerb von Spielern und mussten innerhalb eines Jahres beglichen werden. Hier ein Screenshot aus dem Geschäftsbericht des Porto Konzerns.

Verbindlichkeiten aus Spielerhandel FC Porto Juni 2013

Verbindlichkeiten aus Spielerhandel FC Porto Juni 2013

Übrig bleiben dann noch die sonstigen Verbindlichkeiten in Höhe von EUR 28,33 Mio. Diese Verbindlichkeiten resultieren zum einen aus Verträgen mit Dritten (Spielervermittler) über die Rechte von Spielern EUR 7,7 Mio. Der FC Porto teilt sich diverse Spielerrechte mit anderen Firmen. Zum anderen finden wir hier folgende Posten, die leider nicht näher erläutert sind:

  • State & public sector (EUR 6,5 Mio.)
  • Advances to clientes (EUR 4,5 Mio.)
  • Other creditors (EUR 9,6 Mio.)

Passive RAP und Rückstellungen

Neben Eigenkapital und Gesamtverbindlichkeiten wird die Passiva komplettiert durch die passiven Rechnungsabgrenzungsposten (RAP = EUR 29,2 Mio.) und den Rückstellungen (EUR 1,9 Mio.), deren Summe in der oberen Grafik unter sonst. Passiva aufgeführt sind. Passive Rechnungsabgrenzungen sind Einzahlungen deren Ertrag erst im nächsten Geschäftsjahr erfolgt. Also der FC Porto hat Geld „zu früh“ erhalten. Hier finden wir Vorauszahlungen für Medienrechte die Zeiträume 2012/13 bis 2014/15 sowie 2014/15 bis 2017/18 betreffend, die für jedes Jahr EUR 2 Mio. schwer sind und natürlich Vorauszahlungen für Dauerkarten.

Nachdem nun die Unternehmensbilanz der Porto Group vorgestellt wurde, wird in einem abschließenden Artikel die finanzielle Stabilität des Fußballkonzerns untersucht. Hier geht es zum abschließenden Report…

Marco Mesirca / 2015

Wirtschaftsanalyse des FC Porto

FC Porto - Wirtschaftsanalyse der FC Porto GroupDer FC Porto zählt zu den erfolgreichsten Fußballclubs des 21.Jahrhunderts. Die Liste an nationalen Titeln ist gigantisch. Seit seiner Gründung 1893 konnte der portugiesische Club neben 27 Meistertiteln, 16 nationale Pokal- und 20 Superpokalsiege erringen. Damit liegt der Club aus der Hafenstadt nur knapp hinter Benfica Lissabon, das mit 33 Meistertiteln und 25 nationalen Pokalsiegen als Portugals Rekordmeister zu verstehen ist.

FC Porto – Portugals Serienmeister

Betrachtet man jedoch das letzte Jahrzehnt genauer, so wird Portos nationale Dominanz offensichtlich. Zwischen 2003/04 und 2013/14 gewann der Club 8 portugiesische Meistertitel und verlor lediglich 33 seiner 323 Ligaspiele. Eine Siegquote von 72% spricht für sich und belegt die Überlegenheit der Dragões im höchsten portugiesischen Ligawettbewerb. (Benfica = 65% / Sporting = 56%).

Doch auch im europäischen Clubfußball spielt Portugals Serienmeister eine bedeutende Rolle. Die nationale Titelsammlung wird zum einen ergänzt durch den Europapokal der Landesmeister (86/87) sowie zwei Weltpokal-Triumphen. Zum anderen sind der Gewinn des UEFA-Cups 2002/03 und der darauffolgende Champions League Triumph 2003/04 hervorzuheben. Damals gewann der FC Porto, unter der Leitung des portugiesischen Fachmanns José Mourinho, das Endspiel gegen Celtic Glasgow und im Jahr darauf gegen den AS Monaco.

Der FC Porto gewann CL & EL

Nicht zu vergessen ist Portos letzter Triumph in Europa, als 2010/11 unter André Villas-Boas die Europa League errungen wurde. Damals waren gleich drei Spieler des FC Porto unter den Top 5 Torschützen des Wettbewerbs, die der Kolumbianer Falcao mit 17 Treffern anführte. Neben Falcao spielte mit Hulk ein weiteres Monster bei den Portugiesen, dessen brachiale Spielweise einen wertvollen Beitrag zum sportlichen Abschneiden der Mannschaft leistete.

Trotz all dieser Erfolge wird der FC Porto mehr als Ausbildungsclub, denn Superclub wahrgenommen. Porto verkauft jedes Jahr wichtige Schlüsselspieler und ist somit der Haus und Hof Lieferant bekannter Topclubs aus Spanien, England, Italien, Frankreich und Russland. Vielen Spielern dient der FC Porto als Sprungbrett zu einem europäischen Spitzenclub oder zu einem zahlkräftigen Milliardärs-Spielzeug bzw. Marketinginstrument. Die Sprache, Kultur und „geringere“ Wettbewerbsintensität innerhalb der portugiesischen Liga erleichtern den jungen Spielern, insbesondere Südamerikanern, den Sprung in die europäische Spitze. Zudem ermöglicht der Club den Spielern neben der nötigen Zeit, dem passenden Umfeld und ausreichender Spielpraxis zur Weiterentwicklung, die größte Bühne des europäischen Clubfußballs.

James Rodriguez, Hulk, Falcao, Moutinho, Meireles, Quaresma und Pepe sind große Namen des Weltfußballs und alle samt ehemalige Spieler des FC Porto. Allein durch die Verkäufe dieser Spieler generierte Portugals Serienmeister zwischen 2007/08 und 2012/13 kumuliert EUR 218 Mio. an Ablöse. Absolut beeindruckend besonders wenn man bedenkt, dass durch den Verkauf ein oder mehrerer Schlüsselspieler die sportliche Leistungsfähigkeit kaum abzunehmen scheint. Jahr für Jahr spricht der Club ein mächtiges Wort in Portugals höchster Spielklasse mit und dringt regelmäßig in die KO-Runden der Königsklasse vor.

Obwohl der FC Porto regelmäßig seine Schlüsselspieler verkauft, bleibt er dank des herausragenden Team- und Transfermanagements im Konzert der Großen vertreten. Bemerkenswert! Doch auch hochriskant, bedenkt man, dass Porto nur dank dieser Spielerverkäufe den nötigen betriebswirtschaftlichen Überschuss, der nicht jedes Geschäftsjahr gelingt, erreicht.

Eine Gefährliche Abhängigkeit

Werfen wir einen Blick in die GuV des Fußballkonzerns so stellen wir fest, dass der FC Porto zwischen 2004/05 und 2012/13 einen kumulierten Jahresfehlbetrag von EUR -31 Mio. auswies. Wobei auch durchaus positive Einzelabschlüssen vorhanden sind, als bspw. im Geschäftsjahr 2012/13 ein Gewinn nach Steuer von EUR 20 Mio. erzielt wurde. Exkludiert man jedoch das Ergebnis aus dem Spielerhandel so ergäbe sich für die letzten neun Geschäftsjahre ein kumulierter Verlust von gewaltigen EUR -339 Mio. Würde der Spielerhandel nicht in dieser exe Lance Jahr für Jahr erfolgen, würde das System Porto, gerade in Zeiten des Financial Fairplay, zusammenbrechen und das Fußballunternehmen vor existentielle Probleme stellen. Die Einnahmen aus Spielertransfers sind ein absolutes Schlüsselelement in Portos Geschäftsmodell und gewährleisten dessen überleben.

Gewinn/Verlust (EAT) exklusive Transfereinnahmen der FC Porto Group

Gewinn/Verlust (EAT) exklusive Transfereinnahmen & -ausgaben (=Transferergebnis) der FC Porto Group

Wie wir sehen, befindet sich der Club in einer höchst gefährlichen Abhängigkeit, die jedoch alles andere als unüblich für den portugiesischen Clubfußball ist. Auch die beiden Konkurrenten aus Lissabon sind auf die Transfererlöse angewiesen, um in Europas Clubwettbewerben entscheidend mitzuwirken. Paradox? Ja das stimmt. Wie wir sehen werden, müssen Portugals Topclubs eine andere Erlösquelle, als die üblichen (MATCHDAY, BROADCASTING, COMMERCIAL) maximieren, um ihre Wettbewerbsfähigkeit im europäischen Schlagabtausch zu sichern und somit das Bestehen des Clubs zu sichern.

Ziel der Wirtschaftsanalyse zum FC Porto

Der nachfolgende Report stellt den Fußballkonzern FC Porto vor. Neben der Konzernstruktur nehme ich in weiteren Artikeln die Finanzen des Fußballunternehmens unter die Lupe. Hierbei werden die Einnahmen– und Ausgabenstruktur, die Profitabilität sowie zentrale Vermögenswerte und deren Finanzierung skizziert. Eine Betrachtung der finanziellen Stabilität schließt diese Clubanalyse ab. Die Clubanalyse sieht den FC Porto als Ganzes und bezieht sich somit auf die konsolidierten Finanzinformationen. Das bedeutet, wir bedienen uns der Finanzinformationen der FC Porto Group. Beginnen wir mit der Beschreibung der FC Porto Group.

Die FC Porto Group

Mutterunternehmen der FC Porto Group ist die „Futebol Clube do Porto-Futebol, S.A.D.“, (im Folgenden „FC Porto Futebol SAD“), deren Unternehmensform (S.A.D) als eine Art „AktienSPORTgesellschaft“ verstanden werden kann. Anteile des Fußballunternehmens sind am Dow Jones EuroStoxx Football indexiert. Der Index enthält alle an der Börse gehandelten europäischen Fußballclubs.

Das Grundkapital der FC Porto-Futebol SAD notiert bei EUR 75 Mio. und ist in 15.000 Stückaktien unterteilt. Jede Stückaktie ermöglicht ein Stimmrecht. Hauptaktionäre des Fußballunternehmens sind mit

  • 40% der FUTEBOL CLUBE DO PORTO,
  • mit 18,79% die Imobiliengesellschaft Imobiliária Sacyr Vallehermoso, S.A.,
  • mit 11,01% António Luís Alves Oliveira und
  • mit 10,01% Sportinveste – SGSPS, SA.
  • Als Kleinaktionäre sind der Vorstandsvorsitzende der FC Porto – Futebol SAD, Jorge Nuno de Lima Pinto da Costa (1,23%), sowie der Fußballdirektor Reinaldo da Costa Teles Pinheiro (0,07%) bekannt.

In der FC Porto Group sind mit der PortoComercial, PortoMultimedia, PortoEstadio, PortoSeguro und DragonTour fünf Tochtergesellschaften enthalten, die der FC Porto Futebol SAD unterliegen. Nachfolgende Abbildung gibt einen detaillierteren Einblick in den Fußballkonzern und die Aufgabenfelder der einzelnen Tochterunternehmen.

Die FC Porto Group - Mutter- & Tochterunternehmen des Fußballkonzerns

Die FC Porto Group – Mutter- & Tochterunternehmen des Fußballkonzerns

Der Geschäftsbericht des Fußballkonzerns unterteilt dabei zwei wesentliche Segmente. Segment A umfasst die Aktivitäten des Mutterunternehmens, die sich in der Teilnahme an europäischen Fußballwettbewerben sowie der Vermarktung und Organisation von Sportevents zeigen. Segment B unterliegt der Tochter PortoCommercial und umfasst die Vermarktung und den Verkauf von Lizenzrechten (Image rights, product licensing, Sponsorship) sowie das Merchandising. Neben diesen Hauptsegmenten existieren weitere Betätigungsfelder, die den Tochtergesellschaften   PortoMultimedia, PortoEstádio, PortoSeguro und DragonTour unterliegen.

Der Fußballkonzern setzte in der Saison 2012/13 EUR 78,4 Mio. um. Werden die Transfereinnahmen hinzuaddiert wächst dieser Umsatz sogar auf gewaltige EUR 155,6 Mio. an. Wie der Club damit in der Fußballbranche einzuordnen ist, und wie sich die einzelnen Einnahmequellen zusammensetzen und seit 2003/04 entwickelten, wird in einem weiteren Artikel detailiert erläutert. Hier gehts es zur Einnahmenstruktur der FC Porto Group…

Marco Mesirca / 2015

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Finanzanalyse des Hamburger Sportvereins (HSV)

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Der Hamburger Sportverein (HSV) lässt sich nicht nur wegen seiner Historie als Dinosaurier der Bundesliga bezeichnen. Tatsache ist, dass trotz der gewaltigen Bekanntheit und den vergangenen Erfolgen den Club seit einigen Jahren eine gewisse, nennen wir es mal, Lethargie umgibt. Der HSV ist zahm geworden und kämpft mehr mit seinem Innenleben als mit den Konkurrenten auf dem Rasen. In diesem Beitrag verlinke ich auf meinen Gastbeitrag bei Spielverlagerung.de, in dem ich die Finanzen des Clubs unter die Lupe nehme… Continue reading

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Europas Fußballelite – Finanzielle Stabilität der Top-Clubs

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Nachdem die Ausgabenstruktur und Profitabilität der 20 umsatzstärksten Fußballclubs bereits erfolgte, wird nun in diesem Beitrag auf die finanzielle Stabilität der Fußballelite eingegangen. Welche Vermögenswerte, in welcher Höhe, haben die einzelnen Fußballclubs? WIe sind diese finanziert? Diese und weitere Fragen werden nun beantwortet. Continue reading

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Europas Fußballelite – Profitabilität der 20 umsatzstärksten Fußballclubs

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Ziel dieses Artikels ist es die wirtschaftliche Situation der 20 umsatzstärksten Fußballclubs der Saison 2010/11 zu beleuchten. Im ersten Teil dieses Artikel-Zweiteilers wird zunächst die Ausgabenstruktur beschrieben und abschließend die Profitabilität der Clubs skizziert. Denn wie heißt es so schön: „revenue is vanity and profit is sanity“. Einen besonderen Zusatz bildet die im 2.Teil dieses Artikels erfolgende Beschreibung der finanziellen Stabilität der Clubs… Continue reading

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Das Fußballclub Geschäftsmodell – Übersicht zur Entwicklung eines Ansatzes

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Der Weg zur Entwicklung eines ganzheitlichen Geschäftsmodellansatzes für Fußballclubs. 9 Schlüsselbausteine erklären die Grundfunktion dieser besonderen Unternehmen. Continue reading