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Finanzielle Stabilität des FC Porto

Nachdem nun die Umsatz- und Ausgabenstruktur sowie die Beschreibung der Vermögenswerte und des Gesamtkapitals der Porto Group erfolgten, werfen wir abschließend noch einen Blick auf die finanzielle Stabilität des portugiesischen Serienmeisters. Die finanzielle Stabilität ist die Basis für die Rentabilität eines Unternehmens und bestimmt somit maßgeblich dessen Marktposition und Wachstum. Kurzum sie ist die Grundlage für die weitere Entwicklung eines Unternehmens.

Zur FC Porto - Finanzielle Stabilität der FC Porto GroupBerechnung der finanziellen Stabilität werden Kennzahlen genutzt, die sich aus einzelnen Posten der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung errechnen lassen. Wir werden uns die Nettoverschuldung und das Gearing, sowohl der Porto Group als auch der bisher genutzten Vergleichsobjekte (Benfica & Sporting Lissabon, Atletico Madrid, BVB, FC Bayern & FC Arsenal London) ansehen.

Die Nettoverschuldung des FC Porto

Die Nettoverschuldung ist die Differenz aus Finanzverbindlichkeiten und liquiden Mitteln. Dieser Wert gibt uns Aufschluss über die zinsbelastende Verschuldung eines Unternehmens. Wir verwenden hier nur die Finanzverbindlichkeiten, da diese Verbindlichkeiten eine Zinsbelastung mit sich bringen und somit eine Fälligkeit (Rückzahlungspflicht) aufweisen.

Im Juni 2013 zeigte die Porto Group eine Netto(finanz)verschuldung von EUR 77,6 Mio. Damit konnte der FC Porto seine Verschuldung gegenüber dem Vorjahr (EUR 96 Mio.), dem bisherigen Höchststand dieses Wertes, um mehr als EUR 20 Mio. reduzieren. Seit 2007/08 liegt die Nettoverschuldung des Clubs durchgehend über EUR 75 Mio. Die nationale Konkurrenz aus Lissabon zeigt mit EUR 156,6 Mio. (S.Lissabon) und EUR 278 Mio. (B. Lissabon) weitaus höhere Werte. Auch Atletico Madrid (EUR 124,5 Mio.) und Arsenal London (EUR 109 Mio.) liegen mit ihren Werten über dem des FC Porto. Vorbildlich sind die Werte der zwei deutschen Vertreter. Der BVB zeigte zum 30.06.2013 eine Nettoverschuldung von EUR 33 Mio. Beim deutschen Rekordmeister übersteigen gar die liquiden Mittel die Finanzschulden, sodass wir hier keine Nettoverschuldung (EUR -0,14 Mio.) vorfinden. Der FC Bayern gilt als schuldenfrei.

Das Gearing des Fc Porto

Um die Nettoverschuldung genauer zu bewerten, nehmen wir uns das sog. Gearing vor. Das Gearing bildet eine wertvolle Kennzahl zur Untersuchung der finanziellen Stabilität eines Unternehmens, da in ihr mit den Finanzverbindlichkeiten, den liquiden Mitteln (siehe Nettoverschuldung bzw. net debt) und dem Eigenkapital die wichtigsten Bilanzpositionen hinsichtlich der finanziellen Stabilität enthalten sind. Diese Kennzahl überprüft wie stark die Deckung der Nettofinanzschulden durch das Eigenkapital ist. Die Stabilität eines Unternehmens ist bis zu einem Wert von 50% als gut einzustufen. Werte bis 20% gelten als ideal. Werte über 70% gelten als kritisch. Das heißt, dass die Nettoverschuldung nicht mehr als 70% des Eigenkapitals eines Unternehmens ausmachen sollten.

Das Gearing ausgewählter Fußballclubs 201213

Das Gearing ausgewählter Fußballclubs 201213

Hier zeichnet sich nun ein katastrophales Bild für unsere Vergleichsgruppe. Bei den Lissaboner Fußballkonzernen ist aufgrund der bilanziellen Überschudung (negatives Eigenkapital) keine Berechnung dieses Wertes möglich. Schulden über Schulden. Beim FC Porto und Atletico Madrid ist dieser Wert exorbitant hoch. Diese vier Clubs leiden an einer massiven finanziellen Instabilität.

Der FC Bayern (0%), die Borussia aus Dortmund (23%) und der FC Arsenal London (31%) hingegen, weisen mit ihren Gearing Werten schon fast eine märchenhafte finanzielle Stabilität auf. Unsere Vergleichsgruppe zeigt somit ein höchst inhomogenes Bild bei dieser Kennzahl.

Nichtsdestotrotz lohnt hier die Betrachtung einer weiteren Kennzahl, die die Nettofinanzschuld im Zusammenhang mit der Einnahmenseite betrachtet. Mit der Kennzahl netdebt/EBITDA erfahren wir, wie stark die Nettoverschuldung eines Unternehmens durch das EBITDA gedeckt ist. Das EBITDA zeigt wie viel Geld dem Unternehmen vor Abschreibungen (Investitionen), Zins- und Steuerzahlungen zur Verfügung steht und zeigt uns somit wieviel Geld theoretisch für Zinsen und Tilgung aufgewendet werden könnten. Somit erfahren wir wie sicher die Rückzahlung der Finanzverbindlichkeiten ist, vorausgesetzt das Niveau des EBITDAs kann zukünftig mindestens gehalten werden. Werte unter 1 sind als sehr gut einzustufen, ab 3 wird es bedenklich und größer 7 lässt uns an der Fähigkeit einer vollständigen Tilgung zweifeln, da ja nicht das gesamte EBITDA zur Tilgung von Zinsen zur Verfügung steht.

netdebt durch EBITDA_Deckung der Nettoverschuldung durch EBITDA ausgewählter Fußballclubs 2012_13

Deckung der Nettoverschuldung durch EBITDA ausgewählter Fußballclubs 2012/13

In unserer Vergleichsgruppe haben hier drei Clubs kritische Werte. Atletico Madrid (2,9) und Benfica Lissabon (5,8) zeigen erhöhte Werte, wobei der von Benfica als höchst kritisch anzusehen ist. Sporting Lissabon kommt aufgrund seines negativen EBITDAs gar nicht erst zum Schuldenabbau, da das Sportunternehmen schon vor Abschreibungen Verlust macht.

Der FC Porto zeigt hier für das Geschäftsjahr 2012/13, aufgrund des hervorragenden EBITDAs einen Wert von 1,3. Mit diesem Wert ist die Tilgung der Darlehen sehr wahrscheinlich, das setzt allerdings voraus, dass das EBITDA in Zukunft auf diesem Niveau bleibt. Nehmen wir den EBITDA-Durchschnittswert der letzten 10 Jahre (= EUR 30,6 Mio.) zur Berechnung her, erhöht sich die Kennzahl auf 2,5, was immer noch als verträglich gilt.

Entfernen wir allerdings die Transfereinnahmen aus dieser Kalkulation, so nimmt das ganze verheerende Ausmaße an. Ohne Transfereinnahmen erhalten wir für die vergangenen 10 Jahre ein EBITDA von EUR -0,6 Mio. Das ein negatives EBITDA nicht zum Schuldenabbau beitragen kann, muss man glaube ich nicht weiter vertiefen. Abermals stellen wir fest: der FC Porto braucht die Transfereinnahmen für sein Bestehen.

Fazit – Der FC Porto Gefangener seiner wesentlichen Stärke

Die Finanzanalyse der FC Porto Group analysierte die Einnahmen- & Ausgabenstruktur sowie die Vermögenswerte und deren Finanzierung. Der vorangegangene Report legte die fehlende Rentabilität, massive finanzielle Instabilität sowie wackelnde Liquidität des portugiesischen Serienmeisters offen.

Im Kern lässt sich eine massive Abhängigkeit des portugiesischen Serienmeisters von seinen Spielerverkäufen feststellen, wodurch das Transfermanagement als absolute Schlüsselaktivität Portos identifiziert werden konnte. Der Club schafft es Jahr für Jahr Spieler mit herausragendem Potential zu verpflichten, diese zu entwickeln und in der Mannschaft erfolgreich zu integrieren. Nach einer entsprechenden Entwicklungsphase werden einzelne Schlüsselspieler gewinnbringend verkauft.

Da jedoch die Erlöse aus dem Verkauf von Schlüsselspielern erst die Liquidität des Sportunternehmens sicherstellen, ist diese Geschäftsmodell-Ausprägung sehr gefährlich für einen Fußballclub. Da Portos Schlüsselelement neben der Sicherstellung der wirtschaftlichen Fortführung des Sportunternehmens, die nachhaltige Entwicklung des Fußballclubs hindert, gilt sie zugleich als Segen und Fluch. Der sportlichen Führung ist es nicht möglich langfristig eine Mannschaft zu entwickeln. Vielmehr muss die Mannschaft Jahr für Jahr „geflickt“ werden.

Das Gefährliche an dieser Abhängigkeit von den Transfereinnahmen, ist die absolute Unsicherheit, die dieses Geschäftsgebiet mit sich bringt. Man weiß nie wie sich ein Spieler entwickelt und ob er nach ein paar Jahren gewinnbringend verkauft werden kann. Leistungsentwicklung und Verletzung sind nicht vorherzusehen. Der Druck auf Spieler und sportliche Leiter ist vermutlich um ein vielfaches höher als bei anderen Clubs, da, nicht nur die Entwicklung des Clubs, sondern gar dessen wirtschaftliches Bestehen um ein vielfaches mehr vom sportlichen Erfolg und vor allem von der sportlichen Entwicklung einzelner Spieler abhängt.

Jedoch müssen wir relativieren, dass der portugiesische Markt, seinen Fußballunternehmen anders nicht die nötigen Möglichkeiten bietet, um in der europäischen Fußballelite mehr als nur mitzuspielen. Der nachhaltige Konkurrenzkampf mit den Spitzenteams aus England, Spanien, Deutschland und Italien ist für einen portugiesischen Fußballclub nur schwer möglich. Der FC Porto MUSS daher andere Erlösquellen, als die Üblichen (TV Einnahmen, Sponsoring-Erlöse, etc.), maximieren, um mehr zu erreichen, als „nur“ in der Europa League Mit-Favorit zu sein. Die sportliche Priorisierung darf allerdings nicht auf den Gewinn der Champions League ausgerichtet sein. Es würde vermutlich den Untergang bedeuten, wenn alle Kräfte auf das Bestehen in der Champions League ausgerichtet werden & und die nationalen Wettbewerbe vernachlässigt werden. Ein Handlungsplan für den Serienmeister wäre bspw. die nationalen Wettbewerbe zu dominieren und sich somit für die europäische Königsklasse regelmäßig zu qualifizieren. Dort im nächsten Jahr die Gruppenphase zu überstehen und sehen was kommt. So wie bspw. diese Saison, in der der Club im Champions League Achtelfinale auf den FC Basel  trifft, womit ein Weiterkommen wahrscheinlich ist und erhebliche Einnahmen winken. Dies legt ein zweites Schlüsselelement des FC Porto offen – die Medienerlöse aus den UEFA Club-Wettbewerben, besonders der Champions League, die direkt vom sportlichen Handlungsfeld, insbesondere dem Transfermanagement, aber auch dem Quäntchen Glück bestimmt werden. Ein absolutes Desaster für den FC Porto wäre es aufgrund falscher Fokussierung die Champions League zu verpassen.

Fassen wir zusammen: Der FC Porto ist nicht rentabel, befindet sich in massiver finanzieller Instabilität und sichert seine Liquidität mit einer gefährlich unsicheren Variablen ab. Wollen wir hoffen, dass dieser tolle und interessante Traditionsclub irgendwann eine wirtschaftliche Gesundung hinbekommt und nicht unter der gewaltigen Last des sportlichen Erfolgsdrucks zusammenbricht. Jedoch muss m.E. viel passieren, dass der FC Porto von der Regierung fallen gelassen wird, wenn wir sehen in welcher Lage sich zwei andere portugiesische Traditionsvereine befinden. Wobei der Eine, namentlich Sporting Lissabon, im Zuge des Financial Fairplay von der UEFA bereits sanktioniert wurde und dessen europäische Clubteilnahme gefährdet ist.

Marco Mesirca / 2015

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Das Cash des FC Porto

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Die nun folgende Analyse zum FC Porto nimmt den tatsächlichen Geldfluss des Fußballkonzerns unter die Lupe, wodurch wir letztendlich auf einen sehr bedeutenden Vermögenswert stoßen werden, der sich in der Bilanzaktiva findet – Die liquiden Mittel. Continue reading

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Profitabilität des FC Porto

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Der dritte Teil der Finanzanalyse zur FC Porto Group nimmt sich der Profitabilität des Fußballkonzerns an. Hier wird zum Einen die Gewinnentwicklung des Konzerns untersucht und zum anderen ein Vergleich der aktuellen Werte in unserer Vergleichsgruppe, bestehend aus Benfica & Sporting Lissabon, FC Bayern, BVB, Atletico Madrid und Arsenal London, vorgenommen. Dieser Artikel zeigt u.a. wie rentabel die Fußballunternehmen 2012/13 waren. Continue reading

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Ausgabenstruktur des FC Porto

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Der zweite Teil der Finanzanalyse zur FC Porto Group nimmt sich die Ausgabenstruktur des Fußballunternehmens vor und vergleicht diese mit anderen großen Clubs. Die Vergleichsobjekte sind Benfica & Sporting Lissabon, FC Bayern München, Atletico Madrid, Borussia Dortmund und Arsenal London. Continue reading

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Europas Fußballelite – Finanzielle Stabilität der Top-Clubs

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Nachdem die Ausgabenstruktur und Profitabilität der 20 umsatzstärksten Fußballclubs bereits erfolgte, wird nun in diesem Beitrag auf die finanzielle Stabilität der Fußballelite eingegangen. Welche Vermögenswerte, in welcher Höhe, haben die einzelnen Fußballclubs? WIe sind diese finanziert? Diese und weitere Fragen werden nun beantwortet. Continue reading

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Europas Fußballelite – Profitabilität der 20 umsatzstärksten Fußballclubs

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Ziel dieses Artikels ist es die wirtschaftliche Situation der 20 umsatzstärksten Fußballclubs der Saison 2010/11 zu beleuchten. Im ersten Teil dieses Artikel-Zweiteilers wird zunächst die Ausgabenstruktur beschrieben und abschließend die Profitabilität der Clubs skizziert. Denn wie heißt es so schön: „revenue is vanity and profit is sanity“. Einen besonderen Zusatz bildet die im 2.Teil dieses Artikels erfolgende Beschreibung der finanziellen Stabilität der Clubs… Continue reading