Wirtschaftsanalyse des FC Porto

FC Porto - Wirtschaftsanalyse der FC Porto GroupDer FC Porto zählt zu den erfolgreichsten Fußballclubs des 21.Jahrhunderts. Die Liste an nationalen Titeln ist gigantisch. Seit seiner Gründung 1893 konnte der portugiesische Club neben 27 Meistertiteln, 16 nationale Pokal- und 20 Superpokalsiege erringen. Damit liegt der Club aus der Hafenstadt nur knapp hinter Benfica Lissabon, das mit 33 Meistertiteln und 25 nationalen Pokalsiegen als Portugals Rekordmeister zu verstehen ist.

FC Porto – Portugals Serienmeister

Betrachtet man jedoch das letzte Jahrzehnt genauer, so wird Portos nationale Dominanz offensichtlich. Zwischen 2003/04 und 2013/14 gewann der Club 8 portugiesische Meistertitel und verlor lediglich 33 seiner 323 Ligaspiele. Eine Siegquote von 72% spricht für sich und belegt die Überlegenheit der Dragões im höchsten portugiesischen Ligawettbewerb. (Benfica = 65% / Sporting = 56%).

Doch auch im europäischen Clubfußball spielt Portugals Serienmeister eine bedeutende Rolle. Die nationale Titelsammlung wird zum einen ergänzt durch den Europapokal der Landesmeister (86/87) sowie zwei Weltpokal-Triumphen. Zum anderen sind der Gewinn des UEFA-Cups 2002/03 und der darauffolgende Champions League Triumph 2003/04 hervorzuheben. Damals gewann der FC Porto, unter der Leitung des portugiesischen Fachmanns José Mourinho, das Endspiel gegen Celtic Glasgow und im Jahr darauf gegen den AS Monaco.

Der FC Porto gewann CL & EL

Nicht zu vergessen ist Portos letzter Triumph in Europa, als 2010/11 unter André Villas-Boas die Europa League errungen wurde. Damals waren gleich drei Spieler des FC Porto unter den Top 5 Torschützen des Wettbewerbs, die der Kolumbianer Falcao mit 17 Treffern anführte. Neben Falcao spielte mit Hulk ein weiteres Monster bei den Portugiesen, dessen brachiale Spielweise einen wertvollen Beitrag zum sportlichen Abschneiden der Mannschaft leistete.

Trotz all dieser Erfolge wird der FC Porto mehr als Ausbildungsclub, denn Superclub wahrgenommen. Porto verkauft jedes Jahr wichtige Schlüsselspieler und ist somit der Haus und Hof Lieferant bekannter Topclubs aus Spanien, England, Italien, Frankreich und Russland. Vielen Spielern dient der FC Porto als Sprungbrett zu einem europäischen Spitzenclub oder zu einem zahlkräftigen Milliardärs-Spielzeug bzw. Marketinginstrument. Die Sprache, Kultur und „geringere“ Wettbewerbsintensität innerhalb der portugiesischen Liga erleichtern den jungen Spielern, insbesondere Südamerikanern, den Sprung in die europäische Spitze. Zudem ermöglicht der Club den Spielern neben der nötigen Zeit, dem passenden Umfeld und ausreichender Spielpraxis zur Weiterentwicklung, die größte Bühne des europäischen Clubfußballs.

James Rodriguez, Hulk, Falcao, Moutinho, Meireles, Quaresma und Pepe sind große Namen des Weltfußballs und alle samt ehemalige Spieler des FC Porto. Allein durch die Verkäufe dieser Spieler generierte Portugals Serienmeister zwischen 2007/08 und 2012/13 kumuliert EUR 218 Mio. an Ablöse. Absolut beeindruckend besonders wenn man bedenkt, dass durch den Verkauf ein oder mehrerer Schlüsselspieler die sportliche Leistungsfähigkeit kaum abzunehmen scheint. Jahr für Jahr spricht der Club ein mächtiges Wort in Portugals höchster Spielklasse mit und dringt regelmäßig in die KO-Runden der Königsklasse vor.

Obwohl der FC Porto regelmäßig seine Schlüsselspieler verkauft, bleibt er dank des herausragenden Team- und Transfermanagements im Konzert der Großen vertreten. Bemerkenswert! Doch auch hochriskant, bedenkt man, dass Porto nur dank dieser Spielerverkäufe den nötigen betriebswirtschaftlichen Überschuss, der nicht jedes Geschäftsjahr gelingt, erreicht.

Eine Gefährliche Abhängigkeit

Werfen wir einen Blick in die GuV des Fußballkonzerns so stellen wir fest, dass der FC Porto zwischen 2004/05 und 2012/13 einen kumulierten Jahresfehlbetrag von EUR -31 Mio. auswies. Wobei auch durchaus positive Einzelabschlüssen vorhanden sind, als bspw. im Geschäftsjahr 2012/13 ein Gewinn nach Steuer von EUR 20 Mio. erzielt wurde. Exkludiert man jedoch das Ergebnis aus dem Spielerhandel so ergäbe sich für die letzten neun Geschäftsjahre ein kumulierter Verlust von gewaltigen EUR -339 Mio. Würde der Spielerhandel nicht in dieser exe Lance Jahr für Jahr erfolgen, würde das System Porto, gerade in Zeiten des Financial Fairplay, zusammenbrechen und das Fußballunternehmen vor existentielle Probleme stellen. Die Einnahmen aus Spielertransfers sind ein absolutes Schlüsselelement in Portos Geschäftsmodell und gewährleisten dessen überleben.

Gewinn/Verlust (EAT) exklusive Transfereinnahmen der FC Porto Group

Gewinn/Verlust (EAT) exklusive Transfereinnahmen & -ausgaben (=Transferergebnis) der FC Porto Group

Wie wir sehen, befindet sich der Club in einer höchst gefährlichen Abhängigkeit, die jedoch alles andere als unüblich für den portugiesischen Clubfußball ist. Auch die beiden Konkurrenten aus Lissabon sind auf die Transfererlöse angewiesen, um in Europas Clubwettbewerben entscheidend mitzuwirken. Paradox? Ja das stimmt. Wie wir sehen werden, müssen Portugals Topclubs eine andere Erlösquelle, als die üblichen (MATCHDAY, BROADCASTING, COMMERCIAL) maximieren, um ihre Wettbewerbsfähigkeit im europäischen Schlagabtausch zu sichern und somit das Bestehen des Clubs zu sichern.

Ziel der Wirtschaftsanalyse zum FC Porto

Der nachfolgende Report stellt den Fußballkonzern FC Porto vor. Neben der Konzernstruktur nehme ich in weiteren Artikeln die Finanzen des Fußballunternehmens unter die Lupe. Hierbei werden die Einnahmen– und Ausgabenstruktur, die Profitabilität sowie zentrale Vermögenswerte und deren Finanzierung skizziert. Eine Betrachtung der finanziellen Stabilität schließt diese Clubanalyse ab. Die Clubanalyse sieht den FC Porto als Ganzes und bezieht sich somit auf die konsolidierten Finanzinformationen. Das bedeutet, wir bedienen uns der Finanzinformationen der FC Porto Group. Beginnen wir mit der Beschreibung der FC Porto Group.

Die FC Porto Group

Mutterunternehmen der FC Porto Group ist die „Futebol Clube do Porto-Futebol, S.A.D.“, (im Folgenden „FC Porto Futebol SAD“), deren Unternehmensform (S.A.D) als eine Art „AktienSPORTgesellschaft“ verstanden werden kann. Anteile des Fußballunternehmens sind am Dow Jones EuroStoxx Football indexiert. Der Index enthält alle an der Börse gehandelten europäischen Fußballclubs.

Das Grundkapital der FC Porto-Futebol SAD notiert bei EUR 75 Mio. und ist in 15.000 Stückaktien unterteilt. Jede Stückaktie ermöglicht ein Stimmrecht. Hauptaktionäre des Fußballunternehmens sind mit

  • 40% der FUTEBOL CLUBE DO PORTO,
  • mit 18,79% die Imobiliengesellschaft Imobiliária Sacyr Vallehermoso, S.A.,
  • mit 11,01% António Luís Alves Oliveira und
  • mit 10,01% Sportinveste – SGSPS, SA.
  • Als Kleinaktionäre sind der Vorstandsvorsitzende der FC Porto – Futebol SAD, Jorge Nuno de Lima Pinto da Costa (1,23%), sowie der Fußballdirektor Reinaldo da Costa Teles Pinheiro (0,07%) bekannt.

In der FC Porto Group sind mit der PortoComercial, PortoMultimedia, PortoEstadio, PortoSeguro und DragonTour fünf Tochtergesellschaften enthalten, die der FC Porto Futebol SAD unterliegen. Nachfolgende Abbildung gibt einen detaillierteren Einblick in den Fußballkonzern und die Aufgabenfelder der einzelnen Tochterunternehmen.

Die FC Porto Group - Mutter- & Tochterunternehmen des Fußballkonzerns

Die FC Porto Group – Mutter- & Tochterunternehmen des Fußballkonzerns

Der Geschäftsbericht des Fußballkonzerns unterteilt dabei zwei wesentliche Segmente. Segment A umfasst die Aktivitäten des Mutterunternehmens, die sich in der Teilnahme an europäischen Fußballwettbewerben sowie der Vermarktung und Organisation von Sportevents zeigen. Segment B unterliegt der Tochter PortoCommercial und umfasst die Vermarktung und den Verkauf von Lizenzrechten (Image rights, product licensing, Sponsorship) sowie das Merchandising. Neben diesen Hauptsegmenten existieren weitere Betätigungsfelder, die den Tochtergesellschaften   PortoMultimedia, PortoEstádio, PortoSeguro und DragonTour unterliegen.

Der Fußballkonzern setzte in der Saison 2012/13 EUR 78,4 Mio. um. Werden die Transfereinnahmen hinzuaddiert wächst dieser Umsatz sogar auf gewaltige EUR 155,6 Mio. an. Wie der Club damit in der Fußballbranche einzuordnen ist, und wie sich die einzelnen Einnahmequellen zusammensetzen und seit 2003/04 entwickelten, wird in einem weiteren Artikel detailiert erläutert. Hier gehts es zur Einnahmenstruktur der FC Porto Group…

Marco Mesirca / 2015

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