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Der FIFA – Sumpf

In den letzten Monaten gab es erhebliche Turbulenzen um und innerhalb der FIFA. Zum Einen wurde die Vergabe der Fußball-WM nach Russland und Katar für die Jahre 2018 und 2022 verurteilt und unter Korruptionsverdacht gestellt. Diverse Medien berichteten, dass die WM Vergaben mit Bestechungen beeinflusst wurden.

Besonders Bin Hammam, der später als Präsidentschaftskandidat gehandelt wurde und sich maßgeblich für die Vergabe nach Katar engagierte, wurde beschuldigt Stimmen für die Vergabe des Fußball-Events gekauft zu haben. (BLAU, 2011)

Für einen Ritterschlag ….

Doch nicht nur Hammam auch diverse andere Funktionäre des Weltverbandes stehen unter Verdacht. So teilte David Triesmann, ehemaliger FA-Präsident und Leiter der englischen WM-Bewerbung für 2018, mit, dass einige FIFA-Exekutivmitglieder vor der WM-Vergabe unlautere und regelwidrige Forderungen gestellt hatten. (ECKERT, 2011)

Laut Triesmann habe „Jack Warner (…) 3,5 Millionen Euro verlangt, damit er in Trinidad unter anderem ein Ausbildungszentrum bauen könne. Worawi Makudi aus Thailand soll die TV-Rechte an einem Freundschaftsspiel verlangt haben. Ricardo Teixeira aus Brasilien soll (…) zu ihm [Triesmann] gekommen sein und ihn gefragt haben, was er „für ihn habe“. Nicolás Leoz aus Paraguay setzte hinter diese Fußball-Posse das Ausrufezeichen: Laut Triesman hätte der Funktionär seine WM-Stimme [pro England] für einen Ritterschlag durch die Queen gegeben“ (DOBBERT, 2011a).

Der neue alte Blatter

Zum anderen wurde die erneute Wiederwahl des 75-jährigen Joseph Blatters als neuen alten FIFA-Präsidenten kritisiert. Denn diese wurde, nach der Suspendierung und des damit verbunden Rücktritts Bin Hammams als Präsidentschaftskandidat, lediglich mit einem Kandidaten durchgeführt. Die FIFA suspendierte Bin Hammam, nachdem er Blatter der Korruption beschuldigte, und konterte Bin Hammams Vorwürfe indem sie ihm selbst Bestechlichkeit und Korruption unterstellten. (ZORN / ASHELM, 2011)

Dies gleicht insofern einer Farce, da ebenfalls Jack Warner, Präsident des Verbandes CON-CACAF, Blatter öffentlich vorwarf „dem Fußball-Verband für Nord- und Mittelamerika/Karibik (CONCACAF) ein „Geschenk“ von einer Million Dollar [hat] zukommen lassen, um das Geld „nach eigenem Ermessen“ zu verwenden“ (DOBBERT, 2011b). Dies ist insofern bedenklich da Blatter hierzu keine Erlaubnis der FIFA-Finanzkommission hatte. Daraufhin wurde Warner ebenso wie Bin Hammam von der Ethikkommission der FIFA der Bestechlichkeit beschuldigt und suspendiert. (DOBBERT, 2011b)

Warner bezeichnete danach die Ethikkommission der FIFA als „korruptes Gericht [deren] Mitglieder von Blatter handverlesen seien“ (HECKMANN, 2011). Trotz dieser Vorwürfe und Bedenken wurde Joseph Blatter kurz darauf als Präsident bestätigt und befindet sich nun in seiner vierten Amtsperiode als Präsident der FIFA. Doch nicht erst seit 2011 bestehen diese Korruptionsvorwürfe gegen die FIFA und besonders gegen Blatter.

Schon seit Blatters Beginn …

Schon 1998 verteilte Blatter in der Nacht vor seiner ersten Präsidentschaftswahl 50.000 Dollar in bar an afrikanische Funktionäre. Blatter argumentierte daraufhin, dass er gerne Geld an Menschen verteile, die Tränen in den Augen hätten. Dies, so versicherte er, sei aber keine Bestechung, vielmehr sei es ein humanitärer Akt gewesen. Später erinnerte sich Blatter nicht mehr an diese Aussage. Dies war der Beginn einiger Ungereimtheiten. Vor der nachfolgenden Wiederwahl Blatters im Jahre 2002, legte der damalige Generalsekretär der FIFA, Michel Zen-Ruffinen, ein Dokument vor, welches die willkürliche Amtsführung Blatters aufzeigte. Daraufhin erhoben elf von 24 Vorstands-Mitgliedern gegen Blatters Misswirtschaft und Amtsmissbrauch Anklage. Doch diese Klage wurde aufgrund formaler Gründe fallen gelassen. (CATUOGNO, 2011)

Ebenso damals wie heute widersetzte sich Blatter allen Turbulenzen und Gegnern und trat seine vierjährige Amtszeit an. Inzwischen ist es seine vierte Amtsperiode in die er am 1. Juli 2011 startete. (HESSELMANN, 2011)

Aktuell besteht gegen 11 der 24 FIFA-Exekutivmitglieder akuter Korruptionsverdacht. Dennoch verhindert die FIFA, die Bekanntgabe der Namen der korrupten Mitglieder. Sie gingen sogar bis zum Bundesgerichtshof um dies zu verhindern. Das hat laut Guido Tognoni nichts mit Transparents und dem Kampf gegen Korruption zu tun. (WITSCHI, 2011)

Aufgrund dieser Ereignisse bildet die FIFA inzwischen ein Synonym für Bestechung und Korruption. (STEUL, 2011)  Das Image der FIFA, welches sich auf die Werte Authentizität, Einheit, Leistung und Integrität beruft, hat massiv gelitten. Besonders die Formulierung und die Ziele zum Aspekt der Integrität stimmen mit dem gelebten Wert nicht überein. Die FIFA möchte „wie der Fussball Vorbild sein, indem wir [die FIFA]  Fairplay, Toleranz, Sportsgeist und Transparenz vorleben“ (FIFA, 2011).

Daher muss erreicht werden, dass sich die FIFA wieder auf ihre Mission, Verpflichtungen und Werte besinnt und diese lebt. Das Image der FIFA muss nun durch gezielte Maßnahmen wieder erneuert und auf die Basis zurück geführt werden. Dieser Schritt kann nicht abrupt erfolgen aber es müssen die nötigen Maßnahmen analysiert, geplant, eingeleitet und über einen langen Zeitraum umgesetzt und gelebt werden, um ein seriöses und professionelles Image zu erlangen.

Fazit

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die FIFA ein mehr als angeschlagenes Image aufweist. Die Werte der Organisation wurden über Jahre hinweg einer unaufhaltsamen Zerreißprobe unterzogen. Damit die FIFA diesen entstanden Schaden noch auffangen kann, müssen strukturelle Änderungen besonders in der Personalpolitik erfolgen. Die FIFA muss sich ihrer Vergangenheit und der damit verbunden Verantwortung bewusst werden und dementsprechende Entwicklungen einleiten und kreieren. Die Verantwortlichen müssen sich der Aufgabe der FIFA bewusst werden und dieser, für den Fußball so wichtigen Organisation, mit Stolz angehören und sie respektvoll vertreten. Denn jedes Mitglied der Organisation ist Repräsentant der FIFA und somit des Fußballs. Hier ist kein Platz für Korruption, Illoyalität und Betrug.

Marco Mesirca

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