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Einfluss von Kultur und Ethnizität auf die Persönlichkeit

Nach dem kompakten Überblick zu den verschiedenen Persönlichkeitstheorien folgt nun die Beschreibung des Einflusses von Kultur und Ethnizität auf die Persönlichkeit. Zur Beschreibung von Persönlichkeiten ist es von absoluter Bedeutung kulturelle und ethnische Einflüsse zu untersuchen, da „Vorstellungen von Persönlichkeit und von vorhersagbarem Verhalten (…) außerhalb eines (…) kulturellen Kontextes, in dem sie zu verstehen sind, wertlos“ (FRIEDMAN, SCHUSTACK, 2004, S. 594) sind.

Es gilt somit die Kultur als Schlüsselelement in die Persönlichkeitsanalyse miteinzubeziehen. Die nachfolgende Tabelle zeigt wie die 8 Aspekte der Persönlichkeitspsychologie dieses Schlüsselelement betrachten.

Schlüsselement Kultur in den 8 Perspektiven der Persönlichkeitspsychologie / Quelle: FRIEDMAN, SCHUSTACK, 2004, S. 597,598

In der Vergangenheit wurden Menschen aufgrund ihrer körperlichen Merkmale, wie Hautfarbe, Augenform, Körpergröße und ihrer geografischen Herkunft in sogenannte Rassen gruppiert. Diesen Rassen wurden unterschiedliche Persönlichkeitseigenschaften zugeschrieben. Doch da Rassen eng mit der Biologie eines Menschen verbunden sind, können Personen eine Rasse nicht mehr verlassen. So können zwar Menschen ihre Religion oder Überzeugung im Laufe des Lebens wechseln, aber niemals ihre körperlichen Merkmale. Diese endgültige Kategorisierung führt zu Vorurteilen, die schreckliche Ausmaße haben können. Aufgrund dessen haben Persönlichkeitsbeschreibungen frei von rassistischen Vorurteilen zu sein, da die Vergangenheit anschaulich zeigt, dass selbst „subtile kulturelle Vorurteile und Einflüsse (…) das Urteilsvermögen der gebildetsten [und einflussreichsten] Männer“ (FRIEDMAN, SCHUSTACK, 2004, S. 576) getrübt haben.

Um die Persönlichkeit des Menschen zu beschreiben, sollte sich lieber der Auswirkungen ethischer Identifikationen, wie Geschichte, Familie, Subkultur, Religion und gesellschaftliche Klasse, als rassistischer Vorurteile, bedient werden. Denn wie bereits erwähnt kann die Beschreibung einer Person nicht nur auf Grundlage körperlicher Merkmale erfolgen, da geistige und intellektuelle Gesinnungen jederzeit wechseln können. Der Mensch entwickelt sich und seine Persönlichkeit weiter, doch er kann nicht seine grundlegende körperliche Erscheinung (Hautfarbe, Mund-, Augenform) wechseln, wie es etwa der Raupe bei ihrer Verwandlung zum Schmetterling gelingt. Friedman und Schustack führen folgendes Beispiel an, welches den Sachverhalt verdeutlicht:

„Ein arabischer Mann, der in Saudi-Arabien lebt, hat vielleicht eine große Nase, dunkles Haar, spricht arabisch, trägt ein Kaffiyeh, ist politisch konservativ eingestellt, folgt traditionellen arabischen Bräuchen und verzichtet darüber hinaus auf den Verzehr von Schweinfleisch, da er ein Moslem ist. Doch wie steht es um den Enkel eines solchen Arabers, der in Los Angeles geboren und aufgewachsen ist und als Schauspieler arbeitet? Er hat vielleicht ebenfalls eine große Nase und dunkles Haar, doch würde er sonst seinem Großvater in keiner Weise ähneln!“ (FRIEDMAN, SCHUSTACK, 2004, S. 577)

Kollektivismus vs. Individualismus

Des Weiteren können klare Unterschiede bezüglich westlicher Kulturen und östlicher Kulturen auf die Entwicklung der Persönlichkeit festgestellt werden. Es gilt somit, dass das kulturelle Milieu in die Analyse einer Persönlichkeit mit einzufließen hat. Kalkutta bspw. stellt eine weitaus gastfreundlichere Stadt dar, als bspw. New York. New York ist nicht umsonst die Hochburg des Kapitalismus und Inbegriff des robusten Individualismus. Und diese alltägliche Aussetzung der Persönlichkeit gegenüber diesem kulturellen Milieus muss sich auf die Entwicklung eines Menschen auswirken. In westlichen Kulturen wird vermehrt der Individualismus bevorzugt. So bewundern bspw. US-Amerikaner Cowboys und Spitzensportler. Menschen östlicher Kulturen hingegen bevorzugen Erscheinungen des Kollektivs, wie Gruppen oder Mannschaften und deren Lenker. Schustack und Friedman postulieren daher, dass Menschen westlicher Kulturen im Gegensatz zu denen östlicher Kulturen eher dazu neigen Dinge alleine zu lösen als im Team.

Interessant ist das Ergebnis der Forschung, dass Japaner bspw. positive Lebenserfahrungen eher ANDEREN zutrauen als sich selbst. Es liegt daher nahe, dass diese eher eine pessimistischere Grundlagenhaltung gegenüber individuellen Vorteilen als US-Amerikaner haben. Wobei hier nicht gleich auf eine pessimistische Lebenseinstellung zu schließen ist. Meines Erachtens nehmen Personen des östlichen Kulturkreises ihre eigene Person nicht so wichtig, da sie weniger auf ihr eigenes Wohlergehen fokussiert sind, sondern eher einen demütigeren Lebensstil leben als Menschen der konsumorientierten Kulturkreise.

Dies führt uns zu Karl Marx, der Federführend in der Erforschung von Auswirkungen des Wirtschaftssystems auf das individuelle Verhalten war. Mit Hilfe seines Studiums der Geschichte und Auswirkungen ökonomischer Unterdrückungen schlussfolgerte Marx, „dass viele gesellschaftliche Institutionen (einschließlich der Religion) hauptsächlich dazu dienten, die ökonomische Macht der Elite zu festigen“ (FRIEDMAN, SCHUSTACK, 2004, S. 581). Marx Ideen bildeten den Ursprung von Sozialismus & Kommunismus.

Nach dem Gedanken des Sozialismus muss eine Gesellschaft so strukturiert sein, dass die Menschen vorrangig Nutzen für die Gesellschaft und nicht für sich selbst generieren. Der Kommunismus wiederrum versteht sich als Mittel zur Revolution der Arbeiterklasse zur Beseitigung von Privateigentum und ist folgedessen weitaus Extremer als der Sozialismus, der besonders das Wohl der Gemeinschaft fokusiert. Nach der kommunistischen Auffassung stellt Privateigentum ein Übel dar, welches „zu einer selbstsüchtigen, entmenschlichten und entfremdeten Gesellschaft führt“ (FRIEDMAN, SCHUSTACK, 2004, S. 581). Somit behauptete Marx, dass psychosoziale Eigenschaften direkt in Zusammenhang mit der Wirtschaftsstruktur einer Gesellschaft stehen.

Trotz der Nicht-Bestätigung dieser These erfreut sich Marx einer großen Zahl von Anhängern in der Soziologie, Sozialpsychologie, Politikwissenschaften und der Persönlichkeitspsychologie. Hier ist insbesondere der Forscher Erich Fromm zu nennen, der „tiefgreifende Überlegungen zur existenziellen Entfremdung in der modernen Gesellschaft“ FRIEDMAN, SCHUSTACK, 2004, S. 581) vornimmt. Nach Fromm müssen kapitalistische Gesellschaften eine Art Konsumkultur schaffen, ansonsten könne diese Ideologie nicht bestehen. Fromm stellte aber die Möglichkeit und vielleicht auch das Ziel in Aussicht, dass Gesellschaften geformt werden könnten, die die Selbsterfüllung des Menschen durch das Gemeinwohl, die Liebe und die gegenseitige Rücksichtnahme ermöglichten.

Sprache – das zentrale Einflussmerkmal

Als einflussreichstes Kulturmerkmal gilt die Sprache. Sie dient der zwischenmenschlichen Interaktion und bestimmt das Wesen eines Menschen maßgeblich. Sprachen sind sehr komplex und verschieden, dennoch weisen sie gemeinsame Merkmale auf, die linguistische Universalien genannt werden. Um den Wert der Sprache für eine Gesellschaft darzustellen, dient nachfolgendes Zitat von Frantz Fanon:

„Zu sprechen bedeutet, eine bestimmte Syntax zu benutzen und die Morphologie dieser oder jener Sprache zu begreifen, doch vor allem bedeutet es eine Kultur anzunehmen und das Gewicht einer Zivilisation mitzutragen“ (in: FRIEDMAN, SCHUSTACK, 2004, S. 583).

Sprache stärkt zum einen den Zusammenhalt jener, die diese sprechen und zum anderen schließt sie diejenigen aus, die die Sprache der Gruppe nicht beherrschen. Sprache ist somit der Zugang zur Integration in einer Gruppe.

Innerhalb der Sprache existieren zwei wichtige Nuancen die eine einheitliche Sprache, auch innerhalb einer Sprache, unterscheiden. Das sind der Idiolekt und der Dialekt. Ersterer „ist eine Form des Selbstausdrucks und somit ein Teil der Persönlichkeit“ (FRIEDMAN, SCHUSTACK, 2004, S. 583). Der Idiolekt stellt eine eigene Version der Muttersprache dar und resultiert aus den gemachten Erfahrungen einer Person. Der Dialekt hingegen entsteht aus regionalen Unterschieden und kann einzelnen Regionen eines Landes zugeordnet werden. Auch der Dialekt führt, ähnlich dem Idiolekt, zu einer Gruppenidentität, derer die auf dieselbe Weise sprechen. Der einzige Unterschied dieser beiden Nuancen ist die Abhängigkeit des Dialektes von Region und Kultur sowie die des Idiolektes von Interessen, Erfahrungen und gesellschaftlicher Schicht.

Wir halten fest, dass Kultur, insbesondere das kulturelle Milieu und das Kulturmerkmal Sprache, weitreichenden Einfluss auf die Entwicklung des Menschen ausüben. Durch den kulturellen und ethnischen Einfluss der Umwelt und die daraus resultierenden Eindrücke werden Persönlichkeiten mitunter zu dem was sie sind.

Marco Mesirca / 2011

(unter zuhilfename des Werkes “Persönlichkeitspsychologie und differentielle Psychologie” von FRIEDMAN & SCHUSTACK, 2004)

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