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Führungsstrukturen in Sportunternehmen – Eine Empfehlung (Teil 4 / 4)

Dieser Vierteiler beschäftigte sich im 1.Teil mit den drei unterschiedlichen Führungsstrukturmodellen. Nach der Darstellung dieser folgte im 2. Teil die Ausarbeitung der zentralen Aufgaben und Führungsstrukturen von Sportclubs innerhalb des Sportbereichs. Um diese anschließend an Beispielen in der Praxis vorzustellen (Teil 3). Es folgt nun ein Fazit und abschließende Bewertung von Führungsstrukturen im Sport.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die zu Beginn aufgeführten drei typisierten Führungsarchitekturen nur bedingt in der Praxis in Reinform anzutreffen sind. Es besteht immer die Tendenz in gewissen Situationen zu einem anderen Modell zu wechseln. So besteht beispielsweise häufig bei dualen Führungsstrukturen die Gefahr, dass der sporttechnische Leiter aufgrund seiner stärkeren Medienpräsenz eine höhere Aufmerksamkeit bekommt als der kaufmännisch-administrative, welche ersterer für seine eigene Zwecke (aus)nutzen kann und somit Machtaspekte ausspielt.

Des weiteren ist zu sagen, dass sich das Modell des General Managers nicht als sehr zukunftsorientiert darstellt, da die Anforderungen an Fußball-Unternehmen heutzutage so umfassend sind, dass diese nur sehr schwer von einem Einzelnen verantwortet werden können. Zudem stellt dieses Modell ein zu unflexibles System dar, da Entscheidungen zu lange brauchen um getroffen zu werden. Denn je tiefer eine Führungsstruktur ist, desto länger sind die Bearbeitungs- bzw. Entscheidungswege und Folge dessen fehlt die Handlungsschnelligkeit. In einem solchen Fall wirkt das Unternehmen unflexibel und vergeudet im Falle wichtiger Entscheidungen und auftretender Handlungsanforderungen wertvolle Zeit.

Mit Hilfe mehrerer Verantwortungsbereiche, denen verschiedene Spezialisten/Experten vorsitzen, können Entscheidungen schneller getroffen werden und Handlungen schneller erfolgen. Unternehmen können somit schneller und flexibler auf die sich ständig verändernden Marktgegebenheiten reagieren. Es bietet sich daher an eine mehrdimensionale Führungsstruktur zu entwickeln und die speziellen Kompetenzbereiche mit ausgewählten und vertrauensvollen Spezialisten zu besetzten.

Es ist aber davon abzuraten, wie der Fall Wolfsburg 2010 gezeigt hat, einen Club im sportlichen Bereich nur einer Person anzuvertrauen, da im Falle eines Wechsel dieser Person eine zu große Lücke hinterlassen würde. Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass die sportliche Leistungsfähigkeit das Kernprodukt eines Teamsportunternehmens darstellt.

Meines Erachtens sollte die sportliche Abteilung einer einheitlichen Philosophie folgen (Spielsystem, Taktik, Jugendausbildung, Scouting, etc.). Diese muss aber wachsen und nachhaltig entwickelt werden und nicht einfach von einer Person plötzlich und kurzfristig implementiert werden, wenn nicht feststeht, dass dies nachhaltig betrieben werden kann. Im Falle Magaths brachen alle Strukturen nach seinem plötzlichen Abgang aus Wolfsburg zusammen. Er hinterließ einen großer Scherbenhaufen, der beinahe den Abstieg des Clubs bedeutet hätte. Allerdings muss gesagt werden, dass Magath sich nun darum bemüht seine Strukturen wieder zu schaffen, um den Club dauerhaft an der Spitze der Liga zu etablieren.

Dennoch muss festgehalten werden, dass Sportdirektoren und/oder Cheftrainer durchaus im Vorstand vertreten sein sollten, da diese maßgeblich mit ihrer Leistung für die Entwicklung und den Erfolg des Clubs verantwortlich sind. Ihnen muss ein Mitspracherecht gegeben werden, um eine erfolgreiche und nachhaltige sportliche Entwicklung zu gewährleisten. Zu oft und zu schnell wird die sportliche Führung mit dem nötigen Spezialwissen aus den Ämtern enthoben. Um im Anschluss wieder durch andere mit neuen Philosophien und im schlimmsten Fall ohne jegliche Vision ausgestattete sportliche Leiter, besetzt zu werden. Eine nachhaltige Führungsstruktur stellt nicht nur für den sportlichen Bereich, sondern vor allem für den gesamten Club eine essenzielle Grundlage dar, um erfolgreich zu sein.

Grundsätzlich sollte das bestehen eines Unternehmens unabhängig von den handelnden Personen sein. Viel wichtiger ist, dass ein einheitliches Verständnis des Clubs vorhanden ist und flexible und individuelle Strukturen geschaffen werden. Denn wir erinnern uns an die einleitenden Worte, dass die Struktur die Eigenschaften und Wirkungen des Ganzen beeinflussen. Ohne die spezielle Struktur der Dipolbindung wäre Wasser nicht gleich Wasser.

Downloads:

Differenzierung von Führungsstrukturen – komplett

Differenzierung von Führungsstrukturen – Handout

Marco Mesirca

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