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Landschaft der Fußballbranche – Kapitalgeber & Besitzverhältnisse

Kapitalgeber bilden neben dem Staat, den Verbänden, Sponsoren, Sportpublikum, Medien, etc. einen weiteren Akteur in der Fußballlanschaft.

Landschaft der Fußballbranche - Kapitalgeber im ProfifussballKapitalgeber ermöglichen Fußballclubs den Zugang zu aktuell nicht vorhandenem Kapital (externes Kapital). Im Fokus stehen hierbei die Formen der Kreditfinanzierung. Seit 2007 ist der Zugang zu externem Kapital, durch die Einführung der Gesetzesvorschrift Basel II, erschwert. Ob sich Investoren finden lassen, wird über den Nachweis der Kapitalmarktreife bestimmt, welche  bei Teamsportclubs mittels einer beständigen sportlichen Leistungsfähigkeit bei gleichzeitiger wirtschaftlicher Stabilität erreicht wird. (Vgl. Keller, 2010, S. 106.)

Investoren, Oligarchen & Mäzene

Einflussreiche Kapitalgeber im europäischen Fußball bilden zunehmend Investoren, Oligarchen, Unternehmen und Mäzene. Diese sind nicht immer unumstritten, da besonders ihr Einfluss auf die Clubpolitik häufig kritisch hinterfragt wird, wie bspw. der Fall TSG Hoffenheim und Dietmar Hopp in Deutschland zeigt. (Vgl. Fritsch, 2012.)

Die Rechtsform deutscher Clubs

Ursprünglich sind deutsche Fußballclubs als eingetragene Vereine organisiert und stellen somit Non-Profit-Organisationen dar. Jedoch ist es seit 1998 deutschen Clubs gestattet den professionellen Bereich des Fußballvereins, in der Regel die Lizenzspielerabteilung, in einer Tochtergesellschaft auszugliedern. Diese Tochtergesellschaft bildet in der Regel eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung bzw. eine Aktiengesellschaft. (Vgl. Walters / Hamil, 2010, S. 30)

Die Ernst & Young Studie „Bälle, Tore und Finanzen IX“ berichtet, dass 52 % der Lizenspielerabteilungen deutscher Fußballclubs, der 3. bis 1. Liga, immer noch als eingetragene Vereine (e.V.) organisiert sind. Lediglich 48 % bilden Kapitalgesellschaften. Nachfolgende Übersicht stellt die Rechtsformen der Lizenzspielerabteilungen der 1. bis 3. Fußballbundesliga-Clubs dar:

  • e. V. (52 %)
  • AG (2 %)
  • GmbH (24 %)
  • KGaA (6 %)
  • GmbH & Co. KGaA (16 %)

Es ist bemerkenswert wie hoch der Anteil der Rechtsform „eingetragener Verein“ in Deutschlands höchsten Fußballligen (1. bis 3. Liga) immernoch ist, da Kapitalgesellschaften professionellere Strukturen ermöglichen und den wirtschaftlichen Handlungsrahmen erweitern.

Dank der Möglichkeit die Lizenzspielerabteilung auszugliedern, wurde es den Fußballunternehmen (Tochterunternehmen) möglich an die Börse zu gehen. Das bekannteste deutsche Beispiel bildet der Börsengang der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA, die im Oktober 2000 BVB Aktien für je EUR 11 ausgab. Allerdings fiel der Kurs rapide, sodass im Januar 2005 die Aktie lediglich EUR 1,85 wert war. Der Einbruch war massiv. 8 Jahre später steht sie bei EUR 3,14.

Obwohl Clubaktien auch an der Börse gehandelt werden können, müssen in Deutschland die Mehrheitsanteile der Tochtergesellschaft im Besitz des Hauptvereins bleiben, dies besagt die sog. 50+1 Regel.

Die 50+1 Regel

Der DFB beschloss die sog. 50+1 Regel, wonach 51 Prozent der Tochtergesellschaft im Eigentum des Stammvereins bleiben müsse, um die Übernahme durch externe Institutionen bzw. Personen zu verhindern. Dadurch soll gewährleistet werden, dass der Club unter der Kontrolle der Mitglieder, die den Geschäftsführer sowie die Mitglieder des Vorstandes des Clubs bestimmen, bleibt. Obwohl einige Clubs der Liga darauf aus sind, diese Regelung, unter der Argumentation der Wettbewerbsfähigkeit mit anderen europäischen Clubs, zu ändern, wurde die Regelung beibehalten und im Oktober 2008 bestätigt mit dem Verweis der Erhaltung der Ligastabilität sowie zum Schutz des Ligawettbewerbs. (Vgl. Walters / Hamil, 2010, S. 30)

Anpassung der 50+1 Regel

2011 wurde diese Regel nun etwas gelockert, so dass es eng mit dem Verein verbundenen Finanziers, Sponsoren oder Mäzenen in Zukunft möglich ist „nach 20 Jahren Engagement im Verein die Kapitalmehrheit und Stimmenmehrheit an der Fußball-Kapitalgesellschaft(Ashelm, 2011.) zu erhalten. Mit dieser Regelanpassung lasse sich die „50+1 Regel“ mit dem deutschen Recht und dem europäischen Gemeinschaftsrecht vereinbaren, wodurch die Bedenken bezüglich des Kartellverbots und der Kapitalverkehrsfreiheit schwinden. (Vgl. Ashelm, 2011 .)

Besitzverhältnisse in Europa

Deutschland  ist das einzige Land in dem für den Fußball derartige Gesetze gelten. Englands Premier League bspw. bietet als Europas umsatzstärkste und allgemein als stärkste Liga tituliert, dank des angewandten Sportrechts, Investoren eine attraktive Investitionsmöglichkeit. Bekannteste und höchst gegensätzliche Beispiele stellen die Engagements der Mehrheitseigentümer des FC Chelsea und von Manchester United dar. (Vgl. Guthardt, 2009.)

Manchester United & Chelsea London

Seit 2003 agiert Roman Abramovich als Mehrheitseigentümer des FC Chelsea. Während dieser allerdings sein zinsloses Gesellschafterdarlehen in Höhe von 340 Mio. GBP in Eigenkapital des Clubs umwandelte und somit die Verbindlichkeiten des Clubs drastisch reduzierte (Zudem wurden ca. 750 Mio. Pfund in den Verein investiert. Zahlen sind geschätzt und berufen sich auf angegebene Quelle.), wurde Manchester United Opfer einer höchst spekulativen Übernahme. Der damalige börsennotierte Club wurde, vereinfacht ausgedrückt, von der Glazer Familie im Jahre 2005 für GBP 790 Mio., die überwiegend mittels hoher Kredite finanziert wurden, übernommen und anschließend von der Börse zurückgezogen. Daraufhin erfolgte die Überschreibung der Verbindlichkeiten der Glazers auf den Club, sodass sich dieser noch heute einer übermächtigen Verschuldung und vor allem anfallender Zinszahlungen gegenübersieht. Hauptgläubiger des Clubs bilden überwiegend Banken. (Vgl. Theurer, 2010.)

Auch in der französischen Liga scheint dieses Modell eingeführt. Mit der Übernahme von 70 Prozent des Clubs Paris St. Germain und der Zielsetzung „in der französischen Liga eine Ära [zu] prägen und in der Königsklasse dem FC Barcelona und Real Madrid Paroli“ (Menuge, 2012.) zu bieten, unterstreichen die Qatar Investment Authority und der italienische Trainer Ancelotti die ambitionierte  Neu-Orientierung des Clubs. (Vgl. Lehnartz, 2012.)

Die beiden oben erwähnten englischen Beispiele stehen stellvertretend dafür, welche Gefahr aber auch Vorteile von diesem Eigentümer-Modell ausgehen. Fest steht allerdings, dass sich der Club in ein nicht im vornherein abzuschätzendes Abhängigkeitsverhältnis und Wagnis begibt.

Ein höchst negatives Beispiele ereignete sich bspw. beim spanischen Spitzenclub FC Malaga. Der Club wurde 2010 von Abdullah Bin Nasser Al Thani aus Katar für 25 Mio. Euro übernommen. Der FC Malaga beendete die Saison 2011/12 auf dem vierten Platz der spanischen ersten Liga. Doch trotz der damit verbundenen Champions League Qualifikation steht der FC Malaga nun vor großen finanziellen Problemen, da der Eigentümer nach Medienberichten keine finanziellen Mittel mehr zur Verfügung stellt, um u.a. die überzogenen Gehälter der Spieler zu finanzieren sowie die Liquidität des Clubs zu sichern. Bisher sind keine Gründe für diesen Rückzug bekannt, wodurch die Willkür eines Investors unterstrichen wird. (Vgl. Eberhardt, 2012a.)

Die S.A.D in Spanien

Doch wie sieht es mit etwaigen Kapitalgebern und den Besitzverhältnissen in Spanien aus? Die Mehrzahl der 42 professionellen Fußballclubs in Spanien bilden eine sog. S.A.D (Sociedades Anònimas Deportiva). Eine S.A.D kann als eine Art „Aktiensportgesellschaft“ mit beschränkter Haftung verstanden werden, bei der die gehaltenen Anteile an einem Club, ähnlich dem englischen Modell, die Gewichtung des Stimmrechts (Mitspracherechts) bestimmt. Das S.A.D Modell wurde 1990, auf Grund der finanziellen Krise, die u. a. aus Mangel an zentraler Regulation, steigendem kommerziellen Druck, steigenden Kosten, schwacher finanzieller Entwicklungen und einem hohen Schuldenstand in der spanischen Fußballbranche resultierten, initiiert. Die von der spanischen Regierung eingeleiteten gesetzlichen Änderungen des Sportrechts beendeten das Mitglieder-Modell als Eigentümer-Modell bei fast allen spanischen Clubs, mit Ausnahme vom FC Barcelona, Real Madrid, Athletic Bilbao und Osasuna. Diesen Clubs wurde weiterhin erlaubt an dem Mitglieder-Modell festzuhalten, da sie u.a. eine positive Bilanz in der Saison 1985/86 aufwiesen. (nähere Informationen in Vgl. Walters / Hamil, 2010, S. 30)

Die Serie A – Kapitalgeber & Besitzer der Clubs

Doch auch in Italiens Serie A ist das Finanzierungs- und Eigentümermodell mit einem Investor längst Praxis. Die Mehrheit der erfolgreichsten italienischen Fußballclubs befinden sich im Eigentum wohlhabender Personen, Familien oder Unternehmen, sodass hier ebenfals Eigentumsstrukturen der allgemeinen Unternehmenswelt abgebildet werden. So ist bspw. Inter Mailand in direktem Besitz der Moratti Familie. Juventus Turin hingegen wird durch die Holding Company IFI (Instituto Finanziario Industriale) kontrolliert, die sich wiederum im Besitz der Agnelli Familie befindet. Eine ähnliche indirekte Einflussnahme weist Silvio Berlusconi beim AC Mailand auf. Er ist Eigentümer von Fininvest die Mehrheitseigentümer des Clubs ist. Ferner sind die drei Clubs Juve, Lazio und Roma an der italienischen Börse gelistet. Allerdings werden in der Regel nur eine prozentuale Minderheit der Anteile an der Börse gehandelt, wodurch die Familien bzw. Unternehmen ihre Haupteinflussnahme am Club sichern. Dies demonstriere nach WALTERS & HAMIL den kleinen aber feinen Unterschied zwischen Eigentum und Kontrolle eines Clubs am deutlichsten. (Vgl. Walters / Hamil, 2010, S. 30ff.)

Fazit

Im vorangegangenen Artikel wurden exemplarisch Kapitalgeber verschiedener europäischer Fußballclubs sowie Besitzkonstruktionen in den einzelnen euopäischen Fußball-Kernmärkten aufgezeigt. Während in Deutschland „noch“ strikte Vorgaben bezüglich des Besitzes eines Clubs herrschen, existiert in den anderen europäischen Fußballländern (England, Frankreich, Spanien, Italien) eher das Verständnis von Mehrheiteigentümer-Verhältnissen der freien Wirtschaft. Da allerdings die Einflussnahme in einem Unternehmen nicht zwingend mit dem Besitz der Mehrheitanteile zusammenhängt, sondern auch von vertraglichen Gestaltungen beeinflusst wird, sehen einige Experten diese Regelung, die im übrigen vom DFB festgesetzt wurde, als nicht zulässig an.

Interessant in diesem Zusammenhang sind meines Erachtens die unterschiedlichen Meinungen des Sportpublikums zu dieser Thematik. Während 71 Prozent der italienischen Bevölkerung für ein Verbot privater Clubeigentümer in Europas Top Ligen sind, besteht diesbezüglich in Frankreich (44% [lediglich 44 Prozent der französischen Bevölkerung sind für ein Verbot von privaten Eigentümern in einem Fußballclub.]), Deutschland (39%), England (36%) und Spanien (36%) eine überwiegende Akzeptanz. (Vgl. Schnabel, 2009, S. 24.)

Marco Mesirca
(Literaturverzeichnis)
Landschaft der Fußballbranche - Branchenkräfte im Profifußball- Branchenkräfte im Profifußball
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2 Antworten zu “Landschaft der Fußballbranche – Kapitalgeber & Besitzverhältnisse

  1. Gibt es eigentlich auch Fussballvereine auf der Form von der gemeinnützigen GmbH?

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