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Online Bolzblatz – Bewegtbild-Angebot im Profifußball

Nach TV ist das Internet das wichtigste Sportmedium der heutigen Zeit. Diese Entwicklung führte, im Zusammenhang mit der Popularität des Sports, zu einem regelrechten Online-Sport-Boom, welcher den Träger Fußball dazu veranlasste, die neuen Möglichkeiten des Online-Marktes, für sich zu nutzten. Dank der Online-Bewegtbildtechnologie, ist es den Vereinen möglich, rund um die Uhr Inhalte und Informationen weltweit via Internet zur Verfügung zustellen und somit u.a. Fans stärker zu binden sowie unabhängig von großen TV-Sendern zu agieren.

Die Studie „Online-Bolzplatz“ wurde 2008 von Benedikt Eder und Marco Mesirca im Rahmen einer Studienarbeit erstellt. Diese Untersuchung wurde mit der Motivation erarbeitet, darzustellen ob und wie die europäischen Premium-Fußballvereine die Möglichkeiten des Online-Bewegtbildangebotes nutzen. Über die Untersuchung wurde im Sportmagazin SPONSORS (S.19) und auf spiegel.de berichtet.

Untersuchungsgegenstand zur Bewegtbild-Studie

Die Auswahl des Untersuchungsgegenstandes erfolgte in zwei Schritten. Zunächst wurden die fünf stärksten Fußballligen, anhand des Punktestandes der UEFA-Koeffizientenrangliste zwischen 2002 und 2007 ermittelt, um im Anschluss die vier erfolgreichsten Mannschaften der jeweiligen Ligen zu erfassen. Grundlage hierfür waren die erzielten Punkte der Meisterschaften zwischen 2002 und 2007. Die nachfolgende Grafik stellt die Clubs der Analyse übersichtlich dar.

Übersicht Untersuchungsgegenstand Online-Bolzplatz / Quelle: Mesirca

Untersuchungsdesign zur Bewegtbild-Studie

Das Untersuchungsdesign wurde in drei wesentliche Bereiche aufgeteilt.

  1. allgemeine Untersuchung des Bewegtbildangebots
  2. Usability des Bewegtbildangebots
  3. Häufigkeit von Neuererscheinungen innerhalb eines festgelegten Zeitraums

Die allgemeine Untersuchung des Bewegtbildangebots der Clubs umfasste die Sprache, Struktur, Integration, Zahlungspflicht?, Notwendigkeit einer Registrierung, Preise und Inhaltstypen der Bewegtbild-Angebote sowie deren Inhalt von Werbung. Im folgenden möchte ich kurz auf die Variable Struktur eingehen. Nach unserem Verständnis ist von „strukturiertem Web-TV“ die Rede wenn ein klar strukturiertes System ersichtlich ist, sprich die Videoinhalte in klar definierten Bereichen, wie zum Beispiel „Interview“ oder „Highlights“, eingeteilt sind. Die zweite möglichkeit dieser Variable stellt die „Videogalerie“ dar. Hier werden die Videos in chronologischer Reihenfolge aber ohne weitere Unterteilung veröffentlicht. Die Kategorie „unstrukturiertes Bewegtbildangebot“ spricht für sich. Hier werden die Videos scheinbar willkürlich platziert und der Umfang ist deutlich geringer als in den anderen beiden Kategorien. Wir waren der Meinung, dass zum Zeitpunkt der Untersuchung (2008) jeder Premium-Fußballclub bereits ein strukturiertes Bewegtbildangebot aufweisen sollte.

In der zweiten Ebene „Usability“ wollte das Projektteam erfahren in welcher Sprache und Qualität die Angebote zur Verfügung standen und welche Zahlungs-, Nutzungs-, und eventuell Downloadmöglichkeiten dem Kunden ermöglicht wurden. Hier ist besonders die Variable Zahlungsmöglichkeiten anzuführen. Das Autoren-Team unterschied zwischen den Möglichkeiten „Abonnement“, „Pay by click“ und „frei zugängliche Nutzung“. Wobei die Technik und der Ablauf des Bezahlvorgangs keine Rolle spielte. Wir wollten lediglich herausfinden ob sich die Kunden fest an das Angebot binden müssen oder nach belieben auswählen und nutzen durften.

Die Anzahl und Regelmäßigkeit von Neuerscheinungen und deren Abspieldauer wurden in einem zweiten Untersuchungszeitraum, nach dem Fertigstellen der ersten beiden Ebenen, untersucht. Hierzu wurde mit Hilfe täglicher Beobachtung ermittelt wie viele Beiträge in den einzelnen Kategorien und insgesamt erstellt wurden und wie lange diese im Durchschnitt dauerten. Das gesamte Codebuch (Untersuchungsleitfaden) gliederte sich in drei Ebenen und 73 Variablen.

Die Ergebnisse der Bewegtbild-Analyse

Die Ergebnisse können folgendermaßen zusammengefasst werden. 17 der 20 untersuchten Vereine wussten die Entwicklung des Online-Marktes ausreichend zu würdigen und boten Bewegtbilder auf ihren Homepages an. 11 dieser 17 Vereine (55%) strukturierten ihr Bewegtbildangebot, sodass man von einem Web-TV Sender sprechen konnte. Damit boten sie eine Vielzahl von Inhalten und Beiträgen an. 15% des Untersuchungsgegenstandes boten kein und 10% boten lediglich ein unstrukturiertes Bewegtbild an. Immerhin gestalteten 20% der untersuchten Vereine in Form einer Videogalerie.

Kein Verein außer dem FC Bayern München zeigte vor, während oder nach dem Inhalt Werbung. Beim FC Bayern wurde vor Beginn und am Ende der Übertragung jeweils kurz der Werbepartner eingeblendet. Die Sprachmöglichkeiten im Bereich der Anmeldung beschränkten sich grundsätzlich auf die jeweilige Landessprache. Lediglich die spanischen Clubs boten neben ihres Landessprache eine zweite Variante (Englisch).

Alle Vereine welche die Nutzung in einem integrierten Pay‐Content‐Bereich anboten, ermöglichten die Zahlung via Kreditkarte. In Deutschland war außerdem die Zahlung per Lastschriftverfahren üblich. Der SV Werder Bremen und der FC Schalke 04, deren Inhalte über Maxdome.de veröffentlicht wurden, boten als einzige nicht die Kreditkartenzahlung an, dafür aber eine Pay‐by‐click Variante. Zu erwähnen ist noch die spezielle Zahlungsvariante des FC Bayern München. T‐Pay stellte die Zahlungsmöglichkeit dar, bei der die Option bestand den Rechnungsbetrag auf der Telefonrechnung ausweisen zu lassen. Dies hängte wohl mit der Partnerschaft mit der Telekom zusammen.

Im Allgemeinen beschränkten sich die Nutzungsmöglichkeiten auf Abonnements oder freien Zugang. Alle Vereine die mit einem Pay‐Content‐Bereich aufwarteten, stellten diesen in einem Abo zur Verfügung. Die Abos variierten in ihren Laufzeiten.

Allerdings waren alle elf Web-TV Angebote kostenpflichtig. Die Preise variierten zwischen 3,99 und 6,65 Euro pro Monat. Wobei die Clubs der spanischen Primera Division und der englische Premier League die mit Abstand teuersten Angebote hatten. Die Clubs der deutschen Bundesliga hingegen setzten sich mit ihrem Angebot von durchschnittlich 3,99 Euro pro Monat als mit Abstand günstigste Anbieter durch. Der Großteil der angebotenen Inhalte bildeten Highlights, Interviews und Pressekonferenzen. Der Umfang der neu erschienenden Videos reichte bis zu 60 neuen Beiträgen in zwei Wochen. In der Regel wurden die Inhalte, in Form eines Abonnements, verkauft.

Große Unterschiede gab es in der Qualität der Bewegtbilder. Die Übertragungsraten variierten zwischen 303,00 und 594,14 kBit/s.

Abschließend ist zu sagen, dass 2008 bei den Clubs der italienischen Serie A und der spanischen Primera Division, mit Ausnahme vom FC Barcelona, die Entwicklung des Bewegtbildangebotes noch nicht so weit fortgeschritten war wie in England, Deutschland und Frankreich.

Marco Mesirca

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