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Persönlichkeitsspezifische Unterschiede von Mann & Frau

Die Geschlechtsunterschiede von Männern und Frauen sind zum einen biologischer Natur (Genetalien) und zum anderen gesellschaftlicher Natur. Da Menschen mitunter sehr komplexe und differenzierte Vorstellungen von männlich und weiblich haben, befassen sich Psychologen vor allem mit den sozialen Geschlechtsunterschieden.

Sowohl Männer als auch Frauen weisen auf sehr unterschiedliche Art und Weise maskuline und feminine Merkmale auf. Neben körperlichen Unterschieden unterscheiden sich Männer und Frauen auch in psychologischen Merkmalen. Denn es ist nicht möglich aufgrund biologischer Unterschiede psychologische Eigenschaften zuzuordnen. Für die Persönlichkeitsentwicklung sind kulturelle und soziale Einflüsse prägend. Dennoch ist es interessant, „die vielfältigen Einflüsse auf soziale gesellschaftliche Unterschiede hinsichtlich der Persönlichkeit zu erforschen“ (FRIEDMAN, SCHUSTACK, 2004, S. 488).

Typische gesellschaftliche Persönlichkeitsunterschiede rühren aufgrund unterschiedlicher Kultur und Zeittendenzen. Demnach werden Mann und Frau oft bestimmte Eigenschaften zugeschrieben (Frau = fürsorglich, unterwürfig, etc.). Tatsächlich können aber keine wirklichen stereotypen Unterschiede erkannt werden. Dies beweist unter anderem eine 1974 durchgeführte Studie bezüglich Persönlichkeitsmerkmalen und Verhalten von Fauen und Männern.

Allerdings existieren in wenigen Bereichen verlässliche Geschlechtsunterschiede in Bezug auf psychologischen Fähigkeiten. So sind Jungen bspw. Mädchen in der räumlichen Vorstellungskraft überlegen. Wohingegen die Frauen in der Sprachbegabung fortgeschrittener sind als Jungen. Des Weiteren bestehen erhebliche Unterschiede in der Aggression und Kommunikation. Männer sind verbal und körperlich aggresiver als Frauen. Frauen hingegen beschlagener in der nonverbalen Kommunikation. Dies ist, wie Studien belegen, darauf zurückzuführen, dass gewisse strukturelle und/oder funktionelle Unterschiede in den jeweiligen Gehirnhälften existieren.

Dennoch „wäre es eine zu grobe Vereinfachung, eine simple genetische Basis für jeden Persönlichkeitsaspekt anzunehmen“ (FRIEDMAN, SCHUSTACK, 2004, S. 497), denn jede Persönlichkeit ist in vielerlei Hinsicht einzigartig.

Im Folgenden werden nun die Geschlechtsunterschiede hinsichtlich der Persönlichkeit nach den acht Perspektiven dargestellt, wobei zuerst noch sexuelle Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten von Mann und Frau aufgezeigt werden sollen. Das weibliche Interesse an Sex kann sich zwischen 20 und 40 Jahren weiter erhöhen. Das sexuelle Verlangen der Frau ist nur unwesentlich von der Empfängnisbereitschaft (Zyklus) der Frau abhängig (6 % der Frauen haben während ihres Zykluses ein gesteigertes Sexverlangen).

Demnach haben psychologische Einflüsse einen stärkeren Einfluss auf das sexuelle Verlangen der Frau als hormonelle und/oder physiologische Faktoren. Des Weiteren zeigen Männer ein stärkeres Ausmaß an Liebesgefühlen in einer Beziehung als Frauen. Zudem wurden Beziehungen häufiger wegen den Zweifeln der Frau beendet. Letzendlich ist ebenso festzuhalten, dass Männer emotional stärker auf Trennungen reagieren als Frauen.

1) Geschlechtsunterschiede nach psychoanalytischem Ansatz

Nach Freud versucht der Junge in der phallischen Phase seinen Vater zu ersetzen um seine Mutter zu erobern. Nachdem der Vater allerdings stärker und größer ist, hat der Junge Angst vor Bestrafung durch seinen Vater. Freud führte hier die sog. „Kastrationsangst“ ein. Um diese Angst zu überwinden orientiert sich der Junge an seinem Vater und nimmt dessen Persönlichkeitszüge an.

Durch die Bewältigung der sog. „Ödipuskrise“ entwickeln Jungen maskuline Wesenszüge und übernehmen Ethik- und Moralverhalten der Eltern. Daraus resultiert die Entwicklung des Über-Ich (Gewissen). Bei Mädchen verhält es sich, laut Freud, während der phallischen Phase etwas anders.

Zu Beginn fokussieren auch sie sich auf die Mutter als Liebesobjekt. Doch sobald sie feststellen, dass sie keinen Penis haben, entwickeln sie den sog. „Penisneid“. Durch diese Entwicklung werden die Mädchen von Neid-, Minderwertigkeits- und Eifersuchtsgefühlen eingeholt und ziehen sich von ihrer Mutter zurück. Es folgt die starke Fokussierung auf den Vater und ersetzt ihr Verlangen nach dem männlichen Glied durch den Wunsch ein Kind zu erhalten. Da Mädchen nicht die Ödipuskrise erleben bzw. bewältigen müssen und vorausgehend keine so extremen Ängste (Kastrationsangst) überwinden müssen, entwickeln sie ein schwächer ausgeprägtes Über-Ich und entwickeln daher die laut Freud sog. femininen Persönlichkeitszüge wie Eifersucht, Neid, Minderwertigkeit, etc.

2) Geschlechtsunterschiede nach neoanalytischem Ansatz

Erik Eriksons Theorie zur Persönlichkeitsentwicklung beruht auf dem freudschen psychoanalytischen Ansatz, fügte ihm allerdings den gesellschaftlichen Aspekt als Einflussgröße hinzu. Karen Horney hingegen verweigerte sich Freuds Theorie, übernahm den Ansatz allerdings mit dem Unterscheid, dass nicht die Frauen auf des Mannes Penis eifersüchtig seien, sondern, dass der Mann auf die Fähigkeit der Frau – Kinder in die Welt zu setzen – eifersüchtig sei. Sie drehte somit die Spieß einfach um. Horney verwies auf die Interaktion von „gesellschaftlichen Zwängen und biologischen Faktoren“ (FRIEDMAN, SCHUSTACK, 2004, S. 502). Nach Horney und Eriksons Weiterentwicklung Freuds Theorie besteht somit immernoch die Ansicht, dass die Biologie hauptverantwortlich für die Persönlichkeit sei.

Carl Gustav Jung fügte der psychoanalytischen Theorie das alte asiatische Yin (männlich) und Yang (weiblich) – Konzept hinzu und entwickelte zwei Archetypen die beide Bestandteil einer kompletten Persönlichkeit seien müssen. Die sog. Anima ist die weibliche Komponente und für den Bereich „Beziehung“ in der Persönlichkeit zuständig. Der sog. Animus bildet den männlichen Part und enthält die abstrakte, analytisch logische Komponente. Nach Jung erfolgt keine Bewertung von männlich und weiblich. Er postulierte, dass es nötig sei beide Aspekte im Bewussten und Unbewussten zu erkennen, zu identifizieren um eine gesunde und ausgeglichene Persönlichkeit zu entwickeln.

Diese Ansichten, insbesondere Freuds Theorie, gelten als nicht mehr zeitgemäß und zudem als kaum empirisch bestätigt.

3) Geschlechtsunterschiede nach biologisch / evolutionärem Ansatz

Nach dem biologisch / evolutionärem Ansatz sind Männer auf viele Sexualkontakte aus um sicherzustellen, dass die eigenen Gene weitergegeben werden. Um dies sicherzustellen, müssen Männer verschiedene Partner suchen und schwängern. Nur so ist es ihnen möglich den Bestand der eigenen Gene zu sichern. Frauen hingegen haben nur bedingt Zeit und Energie Kinder zu gebären und großzuziehen. Daher müssen sie selektieren um den optimalsten Partner zu finden, der sie optimaler weise unterstützt und gesundes Erbgut weitergibt.

Dieser Ansatz soll zum einen bestätigen, warum Männer ein höheres Sexualverlangen als Frauen haben und als aktiver gelten und zum anderen warum Frauen eher opfer- bzw. hilfsbereit sind. Laut einer amerikanischen Studie hat der Durchschnittsmann mehr Sexualpartner als die Durchschnittsfrau. Dies hat allerdings, so wird kritisiert, nicht nur evolutionäre Gründe sondern vor allem kulturell gesellschaftliche sowie damit verbundene Normen und Erwartungshaltungen.

4) Geschlechtsunterschiede nach behavioristischem Ansatz

Der behavioristische Ansatz geht davon aus, dass Menschen durch Verstärkung, Modellierung, Konditionierung, Generalisierung sowie durch stellvertretendes bzw. beobachtendes Lernen anderes Verhalten erlernen. Dazu zählt auch das Erlangen geschlechtsspezifischer Persönlichkeitsmerkmale. Besonders die Eltern stellen hierfür wichtige „Verstärker“ und „Modellierer“ dar. (MÄDCHEN bekommt weißes Kleid, muss darauf aufpassen. => das Mädchen bekommt für ruhig-, zurückhaltend- und liebsein Lob und lernt somit, dass dieses Verhalten gut ist.). Weitere Einflussgrößen (Modelle) bilden Gleichaltrige, Lehrer, Trainer, Medien, etc. Insbesondere Letztere prägen globale geschlechtsspezifische Klischees (Muskelmann, Topmodell, etc.).

Dieser Lernansatz geht davon aus, dass Geschlechtsverhalten durch gesellschaftliche Einflüsse geprägt wird.

5) Geschlechtsunterschiede nach kognitivem Ansatz

Laut der Geschlechtsschemata-Theorie sind Kultur und die Sozialisierung der Geschlechterrollen für die Entwicklung gewisser Geschlechtsschemata verantwortlich. Darunter sind Mentalstrukturen zu verstehen, die unser Verstehen von Fähigkeiten & Verhaltensweisen von Männern und Frauen definieren/vorgeben. Damit verarbeiten Menschen geschlechtsrelevante Informationen.

6) Ansätze zur Bestimmung geschlechtstypischer Persönlichkeitsmerkmale

Bei diesem Ansatz soll untersucht werden was typisch feminin und maskulin in Bezug auf die Merkmale Aggression, Dominanz (Führungsqualitäten), Emotionalität, Angst, Leistungsmotivation und dem Belohnungsempfinden ist.

Hyde konnte mit Hilfe einer Metaanalyse von 143 Studien in den 80er Jahren nachweisen, dass Männer aggresiver sind als Frauen. Dies schließt sowohl die verbale und ganz besonders die physische Aggression und Gewalt mit ein. Zudem wiesen Eagly & Steffen, ebenfalls in den 80er Jahren mit Hilfe einer Metaanalyse von 63 Aggressionsstudien nach, dass es in diesem Bereich ebenfalls männlich-weibliche Unterschiede gibt. Sie wiesen nach, dass dieser Effekt bei jüngeren Menschen stärker auftrete als bei älteren.

Definiert man den Begriff „Dominanz“, Aggressions-unabhängig, mit Schlagwörtern wie Führungsqualität, Kontrollverhalten und Verhalten, welches sich gegen Kontrolle widersetzt, so ist hier kein geschlechtsspezifischer Unterschied zu erkennen.

Klare Tendenzen sind allerdings im Bereich der Interaktion zu erkennen. So unterbrechen, befehlen, drohen und widersetzen sich Jungen eher Forderungen. Wohingegen sich Mädchen in Gesprächen abwechseln, Meinungen anderer miteinbeziehen und diese eher anhören. Zudem stellen sie ihre Forderung höflicher als männliche Geschöpfe dar.

Hinsichtlich der erlebten Emotionen gibt es ebenfalls klare Unterschiede. So weinen laut Beobachtungsstudien „Jungen als Säuglinge, Klein- & Vorschulkinder häufiger (…) als Mädchen“ (FRIEDMAN, SCHUSTACK, 2004, S. 513). Mädchen und Frauen hingegen weinen, laut eigenen Berichten und Beobachtungsdaten, öfter im höheren Lebensalter. Die Mutmaßungen, dass Frauen stärkere Angstgefühle hegen, konnte nicht bestätigt werden. Denn Männer geben nur weniger oft das Empfinden von Angst zu. „Diese Ergebnisse deuten daraufhin, dass Frauen sich leichter auf ihre eignen Emotionen und die anderer einstellen können.“ (FRIEDMAN, SCHUSTACK, 2004, S. 514).

Bezüglich der Leistungsmotivation, also dem Verlangen nach Erfolg zu streben, konnten Unterschiede festgestellt werden. Allerdings gelten diese als nicht stichhaltig. Hinsichtlich des Belohnungsempfindens konnte ebenfalls kein eindeutiger Geschlechtsunterschied festgestellt werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich bezüglich dem Streben nach beruflichem Erfolg keine eindeutige Aussage zu geschlechtsspezifischen Tendenzen treffen lassen.

7) Geschlechtsunterschiede nach humanistischem Ansatz

Abraham Maslow stellte im Zuge seiner Persönlichkeitstheorie die Wichtigkeit der Selbstverwirklichung in den Vordergrund. Für Maslow hat eine selbstverwirklichte Person „die traditionellen Auffassungen zu männlicher und weiblicher Persönlichkeit transzendiert (überwunden)“ (FRIEDMAN, SCHUSTACK, 2004, S. 515). In der westlichen Kultur gelten das Empfinden und Ausüben niedriger Dominaz (Unterlegenheit, Introversion, Beeinflussbarkeit, Minderwertigkeit) als feminin – so wie es die psychoanalytischen und biologischen Ansätze postulierten. Maslow hingegen stellte die Hypothese auf, dass es kulturelle und gesellschaftliche Einflüsse (Normen, Erziehung, Status, Erwartung) zu verantworten haben, dass niedrige Dominanz und die damit einhergehenden Merkmale, mit femininen Wesenszügen in Verbindung gebracht werden. Da Frauen aber lange Zeit der Weg zur Selbstverwirklichung vorbehalten war, konnten sie diese Einflüsse und Merkmale nie wirklich bekämpfen.

Interessant in diesem Zusammenhang und auch bestätigend für Maslows Hypothese ist auch das Ergebnis einer von ihm im Jahre 1942 durchgeführten Studie. Der Studie zufolge gelten Frauen mit einem starken Selbstwertgefühl als unabhängig, erfolgreich, durchsetzungsfähig und gesund. Zudem weisen diese ein gesundes Sexualverhalten auf.

Humanistische Ansätze gehen von einer psychologischen Gleichstellung von Mann und Frau aus, da jedes Individuum nach Selbstverwirklichung strebt. Laut diesem Ansatz werden Persönlichkeitsunterschiede von Mann und Frau, aufgrund der zunehmenden Gleichberechtigung der Frau, zusehends schwinden.

8 ) Geschlechtsunterschiede nach Interaktionistischem Ansatz

Mit Hilfe der interaktionistischen Ansätze lässt sich erläutern, dass viele geschlechtsspezifische Aktivitäten sowohl auf individuellen Persönlichkeitsmerkmalen als auch auf Anforderungen gesellschaftlicher Einflüsse zurückzuführen sind. Es ist belegbar, dass Männer eher hilfsbereit sind, wenn es konkrete und instrumentelle Unterstützung erfordert. Frauen hingegen helfen wenn es der emotionalen bzw. zwischenmenschlichen Unterstützung bedarf. Bezüglich der Fürsorge lässt sich feststellen, dass sowohl junge Mädchen als auch ältere Frauen fürsorglicher sind als männliche Personen. Hingegen lässt sich bezüglich der Kontaktfreudigkeit keine klare Tendenz nachweisen.

Es ist allerdings erwiesen, dass Frauen besser darin sind nonverbales Verhalten anderer zu verstehen und zu deuten. Hierunter fällt besonders das Deuten von Gesichtsmimik und Körperhaltung. Männer hingegen lassen sich ein wenig schlechter beeinflussen bzw. überzeugen und kommen somit weniger oft zur Übereinstimmung bzw. Anpassung der eigenen Meinung dem Gesprächspartner gegenüber.

Marco Mesirca / 2011

(unter zuhilfename des Werkes “Persönlichkeitspsychologie und differentielle Psychologie” von FRIEDMAN & SCHUSTACK, 2004)

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Eine Antwort zu “Persönlichkeitsspezifische Unterschiede von Mann & Frau

  1. Interessant. Ich finde die debatte schon seit jahren faszinierend. sind die unterschiede biologischer natur oder anerzogen? nach meinen erfahrung und lesewissen, bin ich von der biologischen seite überzeugter. auf beiden ufern gibt es ausnahmen, die auch immer wieder gennant werden, wenn es um das thema geht aber in meinem augen, ist es ein fehler, eine hypothese zu widerlegen wenn die ausnamen als grund nennt, die aber eben nur 20% der gesammt maße ausmacht. das wäre als würde man sagen „der mensch ist von natur aus nicht hetero sexuell, denn 10% der bevölkerung sind homosexuell“ das ist zwar richtig, ändert aber nichts an der breiten masse und an den tatsache, das der mensch eben mit ausnahmen, hetero ist.

    das ist einer der gründe, warum ich wissenschaft so liebe. es beginnt mit fragen, geht über in spekulation und die forschung kommt der wahrheit dann immer näher. und am ende, hat man hoffentlich unwiderlegbare fakten, die man akzeptieren muss, auch wenn sie einem nicht gefallen. grade bei dem thema, freue ich mich auf den tag, an dem wir soweit sind, dass durch hormongehalt messung und verfolgung von nervenbahnen und weiteren verfahren festzulegen ist, was sache ist. wäre doch toll den nerv zu finden, der dafür sorgt, dass rot unsere lieblingsfarbe ist und anhat andockstationen sehen zu können, dass diese person blau absolut nicht mag. dann hat auch diese debatte endlich ein ende, egal, was dabei rauskommen wird. aber manchen fällt es schwerer als anderen akzeptieren zu müssen, dass wir vll kognitiv weniger halndlunsgfreier sind, als wir denken

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