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Image eines Führungsspielers? Lahms Image

In diesen Beitrag habe ich Philipp Lahms Image skizziert und unteranderem die Auswirkungen, resultierend aus dem Marketing zur Biographie „Der feine Unterschied“, erfasst und dargestellt.

Einleitend möchte ich das nachfolgende Zitat von Herrn Wagner anbringen der treffend, metaphorisch, doch auch etwas zynisch und überspitzt, die Situation und das Image Lahms zum Ausdruck bringt:

Wagners Image-Metapher zu Lahm / Quelle: WAGNER, Bild.de, 2011

Definition Image

Das Image entspricht dem Vorstellungsbild der Bezugsgruppen eines Unternehmens, einer Marke  oder Person und gibt somit Auskunft darüber was die Stakeholder von diesem Meinungsgegenstand halten. Unter dem Image wird die Summe bewerteter Einzelinformationen, die die Menschen aus den Medien (TV, Radio, Print, Internet, etc.) aufnehmen und verwerten, verstanden. „Diese Einzelmeinungen bilden in ihrer Summe das Vorstellungsbild gegenüber dem Meinungsgegenstand ab“ (RUISINGER / JORZIK, Public Relations , 2008, S. 34). Somit bildet das Image einen zentralen Einfluss- und somit Erfolgsfaktor der Unternehmens- bzw. Markenkommunikation. Für Marken, Unternehmen oder Personen ist das Image lebenswichtig. (Vgl. RUISINGER / JORZIK, Public Relations , 2008, S. 34)

Lahms Image-Wandel: Vom Musterprofi zum ?????

Philipp Lahms Image wandelte sich innerhalb der letzten drei Jahre massiv. Zu Beginn seiner Profi-Karriere wurde Lahm als Musterknabe sowie besserer Schwiegersohn in der Öffentlichkeit wahrgenommen, da er sich insbesondere durch seine charakterliche und  sportliche Vorbildlichkeit auszeichnete. Lahm traf immer den richtigen Ton und positionierte sich schon früh als sicherer Redner mit treffenden Analysen in den Medien. Zudem bildete der Münchner einen Leistungsträger der deutschen Nationalmannschaft und des FC Bayern München. Bis dahin galt Lahm als ehrlicher, aufrechter doch auch sanfter Musterprofi.

Diese Ansicht wurde weitestgehend über die letzten Jahre gewandelt. Zunächst gilt es das Interview zur Transferpolitik des FC Bayern anzuführen. Mit Hilfe der dort angebrachten Kritik machte sich Philipp Lahm erstmals nicht nur Freunde. Er erzürnte die Größen des FC Bayern, allen voran Uli Hoeneß und Karl Heinz Rummenigge. Dafür wurde er von Hoeneß zum Raport zitiert und musste eine Rekordstrafe für seine Äußerungen zahlen. Doch dies war nicht weiter schlimm, da Lahm im Grunde nur das offenlegte, was vielen Fußballkennern bereits bekannt war. Lahm bekam dadurch eine etwas härtere und kritischere Seite und wurde als kritischer sowie kompetenter Fußballfachmann wahrgenommen. (vgl. AUMÜLLER, 2009)

Ein weiterer Profilierungsschritt bildete Lahms Machtanspruch bezüglich der Kapitänsbinde. Lahm wurde für die WM 2010 Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, nachdem sich Michael Ballack schwer verletzte und nicht teilnehmen konnte. In einer Pressekonferenz teilte Lahm während des Turniers mit, er sei nicht bereit widerstandslos die Binde abgeben zu wollen. In diesem Moment unterstrich Lahm sein Selbstbewusstsein und zeigte wieder eine kritische Seite, die allerdings für viele Menschen als negativ und rücksichtslos wahrgenommen wurde, da er einem verletzten Führungsspieler nicht kampflos das Feld überlassen wollte. (vgl. DERICHS, 2010).

Es folgte die Führungsspieler-Debatte, in der Kahn und Sammer die aktuelle Führungsauffassung Lahms und Schweinsteigers kritisierten. Doch Lahm schmetterte diese Kritik selbstsicher ab indem er sagte, dass ihn und Schweinstieger nicht interessiere, „was ein ehemaliger Spieler in irgendeinem Blog“ (Lahm, in: TRAEMANN / KOCHHEIM, 2011l) von sich gäbe. Die Bild betitelte dieses Video als „Hier verhöhnt der Bayern Kapitän den großen Kahn“. Jedoch stellte sich diese Beschreibung von Lahms Aussage als völlig überspitzt dar.

Lahms Image bekam somit, in Kombination mit der geäußerten Kritik an Bayerns Personalpolitik und dem Einfordern der Kapitänsbinde, das Attribut RESPEKTLOSIGKEIT hinzu, welches als nicht sehr positive Charaktereigenschaft in der Gesellschaft geschätzt wird. Dies wurde selbstverständlich durch die Vorabdrucke in der Bildzeitung untermauert, als er Rudi Völlers Trainerarbeit und somit dessen Fußballkompetenz im Zuge des Marketings seines Buches infrage stellte, untermauert.

Des Weiteren stellte die Debatte um einen möglichen Tabubruch eine weitere Komponente zum Wandel Lahm Images dar. Durch die Unterstellung – bevor Löw dies in der Pressekonferenz negierte – vertrauliche Internas verraten zu haben, kamen die höchst negativen Elemente wie UNEHRLICHKEIT, VERRAT, UNKOLLEGIALITÄT und ILLOYALITÄT hinzu.

Attribute eines Führungsspielers

Lahms Image des vorbildlichen Fußball-Musterprofis wurde somit, besonders durch die Bild-Kampagne, um die Elemente RESPEKTLOSIGKEIT, UNEHRLICHKEIT, Verrat, Unkollegialität und Illoyalität entstellt. Doch nicht nur negatives wurde mit diesem Buch erreicht, denn nachdem erste ehrliche Leserkommentare erschienen und insbesondere Lahms Stellungnahmen (vgl. Lahm, in: WERNER, 2011) erfolgten, wurde deutlich, dass Lahm auch den Anspruch gerecht werden kann Führungsspieler zu sein (vgl. BELLSTEDT, 2011), da er durchaus kritisch, fachmännisch und kompetent analysiert und dies zum Ausdruck bringen kann.

Abschließend ist zu sagen, dass die genannten Elemente negative Eigenschaften repräsentieren, die Lahms Musterprofi-Image stark schädigten. Doch es muss auch erwähnt werden, dass erst dadurch deutlich wurde, dass Philipp Lahm nicht nur der nette kleine Junge von neben an ist, der brav seinen Mund hält, sondern auch ein kritischer, intelligenter, kompetenter und unangenehmer Führungsspieler, der Dinge zur richtigen Zeit auf der richtigen Plattform anspricht und sich auch vor Fußballgrößen nicht versteckt. Nun müssen dem Image nur noch die noch teilweise vorhandenen Elemente Unkollegialität und Illoyalität entfernt werden.

Fest steht allerdings auch, dass Lahm durch diesen Imagewandel, ob gewollt oder nicht, sich einer kritischeren Beurteilung seiner Leistungen auf dem Rasen gegenüber sieht. Lahm muss nun seinem Anspruch des Führungsspieler- und Kapitän-Statuses gerecht werden und mittels sportlicher Leistungen untermauern. Ansonsten wird es seinem Image an Authentizität mangeln.

Marco Mesirca, 2012

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2 Antworten zu “Image eines Führungsspielers? Lahms Image

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  2. dietmar fröhlich

    analyse zur person kann man nur zustimmen
    machtanspruch auf kapitäsbinde war respeklos ,unkollegial
    ziemlicher imageschaden
    fußba
    ll
    aer diegrößenmäßig unterlegen sind, neigen zur giftigkeit

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