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Real Madrids Geschäftsmodell – Risiken & Machtverhältnis

Das Geschäftsmodell von Real Madrid wurde bereits grob skizziert und auf Einzigartigkeit untersucht. Dabei wurde aufgezeigt, dass Real sich besonders durch seine Transferpolitik und die damit verfolgte Strategie des Markenwachstums von der Konkurrenz unterscheidet. Im nachfolgenden Beitrag möchte ich nun auf das Machtverhältnis innerhalb des Clubs eingehen und darstellen ob der Club oder der Spieler mehr Macht besitzt. Zum anderen möchte ich die Risiken aufzeigen, denen sich der Club gegenüber sieht.

Nachdem der Spieler bei Vertragsunterschrift 50% seiner Markenrechte abtreten muss, besitzt meiner Meinung nach der Club mehr Macht, wobei festzuhalten gilt, dass das Spieler-Club-Verhältnis durch gegenseitige Abhängigkeiten bestimmt wird.

Real Madrid verdient mit der sportlichen Leistung und an der Vermarktung des Spielers. Der Club kann und muss somit notwendige Strategien für wirtschaftlichen aber auch sportlichen Erfolg entwickeln und geeignete Maßnahmen einleiten. Dies umfasst bspw. die Planung und Qualitätssteigerung von Nachwuchszentren, die betriebswirtschaftliche Führung des Clubs, die Sponsorenakquise aber auch die Transferpolitik. Letztere ist für die Verpflichtung von Spielern und Trainern verantwortlich und beeinflusst somit die sportliche Leistung des Clubs und folgedessen auch des Spielers. Einem Spieler wird in diesen Bereichen kaum Einflussnahme gewährt. Stimmt besonders die sportliche Komponente, so profitiert davon der Club aber auch der Spieler. Dies führt wiederrum dazu, dass der Spieler ein höheres Leistungsniveau abrufen und seinen Markt- und Markenwert steigern kann. Da Real Madrid allerdings am Markenwert des Spielers beteiligt ist, wirkt sich dies wiederrum positiv auf den Club aus.

Das Club-Spieler-Verhältnis: gegenseitige Abhängigkeit

Da die Marke eines Klubs abhängig von dessen sportlicher Leistung ist und der Vorstand, auf legalem Wege, keinen direkten Einfluss auf den Ausgang eines Spiels hat, befindet sich dennoch der Klub in einer Art Abhängigkeit von Trainer und Spieler. Hier stehen die einzelnen Spieler in der Pflicht. Vor allem aber der Trainer. Sollten Spieler unter ihrem Leistungsniveau oder unmotiviert agieren, so ist es die Aufgabe des Trainers das Team erfolgversprechend auf- und einzustellen. Gelingt ihm das nicht, wird er nicht sehr lange geduldet. Der Trainer ist somit das schwächste Glied. Die Spieler allerdings haben damit einen indirekten oder eher direkten Einfluss auf das Handeln des Vorstandes und Präsidiums.

Dennoch genießt lediglich der gesetzliche Vertreter des Klubs Handlungsmacht. Dies bedeutet, dass der Club Real Madrid mächtiger als seine Spieler ist. Sollten Spieler oder Trainer wegen unangebrachten Verhaltens das Image Reals gefährden, könnte der Verein theoretisch ein inoffizielles Spielverbot für diesen Akteur aushängen. Sollte so etwas über längere Zeit erfolgen, schadet das der Karriere des Akteurs ungemein.

Es gilt festzuhalten, dass der Spieler sich an Richtlinien des Vereins zu halten hat und Anweisungen befolgen muss. Nicht umsonst wird von einem Arbeitnehmer-Arbeitgeber -Verhältnis gesprochen.

Welchen Risiken ist Real Madrid ausgesetzt

Es gibt einige Risiken, denen sich Real Madrid gegenüber sieht. Da wären bspw. die anderen und neueren von Fremdinvestoren gesteuerten Klubs wie Man City, Chelsea, etc., welche scheinbar beliebig viel Geld zur Verfügung haben um ihren Club erfolgreich werden zu lassen und somit wahre sportliche und wirtschaftliche Konkurrenten bilden, wobei auch Real Madrid aus einer privaten Schatulle unterstützt wird. Dennoch denke ich, dass diese Kraft zunehmend geringer wird, da in naher Zukunft das Financial Fair Play eingeführt wird und somit nur noch das ausgegeben werden darf, was auch eingenommen wird.

1. Financial Faiplay

Und hier liegt auch schon die Gefahr für den Club Real Madrid. Denn hält ein Club diese Richtlinien nicht ein, so kann es passieren, dass der Verein vom Spielbetrieb an den europäischen Wettbewerben ausgeschlossen wird. Daher muss Real Madrid schnellstens zusehen, dass vernünftig gewirtschaftet wird um dieser Bedrohung zu entgehen.

2. Legionäre

Zusätzlich stellt meiner Meinung nach der auf Kredit finanzierte Spielerkader voller Top Stars ein weiteres Problem dar. Das Problem dieses Geschäftsmodells liegt darin, dass es für Nachwuchsspieler beinahe unmöglich ist, ernsthaft in die Startelf zu rücken. Die Kader des Klubs sind seit jeher mit eingekauften Top Stars bespickt, sodass es Nachwuchskräften ungemein erschwert wurde und wird in die 1.Mannschaft zu rücken. Die fehlende Spielpraxis und das fehlende Vertrauen treibt talentierte Spieler zu anderen Klubs, bei denen sie vermisste Bedingungen bekommen. Dadurch wird Real Madrid nie einen gesunden und eingespielten Unterbau erreichen, der qualifizierten Nachwuchs garantiert. Folge dessen ist eine unzureichende Identifikation der Spieler mit ihrem Verein und ein fehlendes Club- bzw. Spielverständnis.  Doch heutige Teams zeichnet mehr denn je der Teamzusammenhalt und eine „Corporate Game Philosophie“ aus.

3. Fehlende Corporate-Game-Philosophie

Eine von klein auf erlernte Spielphilosophie ist mehr Wert als der teuer eingekaufte Star. Der beste Beleg dafür ist der 5:0 Sieg des FC Barcelona am 29.11.2010. Das Team war chancenlos. Stars wie Ronaldo, Di Maria, etc. hatten keine Chance gegen die perfekt organisierte Mannschaft des FC Barcelona, welche über Jahre hinweg gewachsen ist und nur punktuell durch einzelne Superstars verstärkt wurde.

Ein weiteres Argument gegen die Förderung von Söldnertum umfasst wieder die Clubidentifikation des Spielers. Ein Legionär wird nie über seine Grenzen hinaus gehen können, da ihm die Bindung zum Klub fehlt. So wird er bei drohenden Niederlagen eher darauf achten das eigene Image zu schützen als das Ansehen des Klubs. Er wird nicht aufopfernd kämpfen um seinen Klub zu ehren, sondern um Schadensbegrenzung für das persönliche Image zu leisten. Diese Problematik sollte schnellstens erkannt und behoben werden.

Allerdings findet diese Argumentation auf einem sehr hohen Niveau statt. Beachten muss man das Real in den letzten Jahren nur sehr wenige Spiele verloren hat und der Klub daher sehr gut besetzt und positioniert ist. Solange der Klub in der ersten Liga unter den besten zwei Top-Vereinen bleibt, droht wenig Gefahr. Allerdings würde eine Nicht-Quali für die Champions League fatale Folgen mit sich bringen. Denn die Champions League Einnahmen sind für die meisten Top-Klubs überlebenswichtig.

Ebenso würde dies einen Imageschaden mit sich bringen und somit das gesamte Geschäftsmodell mehr als zerbrechlich werden lassen. Das es sehr riskant ist Darlehen für Transfers aufzunehmen, mit dem Hintergedanken diese wieder durch Vermarktung zu refinanzieren, sollte kein Geheimnis sein. Kredite sollten nur aufgenommen werden, wenn es absolut sicher ist, wie und wann diese zurück gezahlt werden können. Ein Kredit sollte niemals zu stark von variablen Einnahmen abhängig sein. Da allerdings die Einnahmen aus Vermarktung direkt vom sportlichen Erfolg abhängen, ist dieses Vorgehen mehr als riskant. Wie heißt es so schön? Im Fußball ist alles möglich und wir werden sehen wie Real Madrid in Zukunft handeln wird.

4. SChuldenbelastung

Besonders interessant wird es sein, wie sie den scheinbar übermächtigen Rivalen FC Barcelona sportlich in Zukunft beikommen möchten. Wirtschaftlich agieren beide spanischen Top-Clubs ja mehr als unprofessinell. Der FC Barcelona und Real Madrid wiesen am Ende der Saison 2010 einen Schuldenstand von ca. 550 Mio EURO und 660 Mio EURO aus. Sportlich scheint Real beim letzten aufeinander treffen allerdings eine Strategie gefunden zu haben, den Katalanen beizukommen. Als die beiden Clubs in ihrem Aufeinadertreffen am 25.01.2012 im Copa del Ray 2:2 spielten legte Madrid eine fulminante Aufholjagd hin. Ich bin gespannt und wir werden sehen wie Real Madrid die bevorstehenden Herausforderungen  meistern bzw. überstehen wird.

Marco Mesirca

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Eine Antwort zu “Real Madrids Geschäftsmodell – Risiken & Machtverhältnis

  1. Hallo Realmadrid.de,

    vielen Dank für die Diskussion & Verlinkung
    http://www.realmadrid.de/pena/f7/gesamtsituation-bei-rmcf-246-68.html

    Ich werde die Punkte betrachten & prüfen.
    Beste Grüße

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