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Persönlichkeitstheorien – Überblick der verschiedenen Ansätze

Wir haben tagtäglich mit anderen Menschen zu tun und müssen mit deren Befindlichkeiten, Eigenschaften, Fähigkeiten und vielen weiteren Komponenten und Eigenarten umgehen. Um diese individuelle Behandlung und den ensprechenden Umgang mit unseren Mitmenschen zu gewährleisten, hilft es über die verschiedenen Persönlichkeitstheorien der Psychologie unterrichtet zu sein. Zumindest ist es hilfreich davon gehört zu haben und zu wissen, dass  jeder Mensch einen anderen Charakter hat und wir uns somit vielen verschiedenen Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Ansichten und Wertvorstellungen gegenüber sehen. Generell sollten alle Menschen sich mit der eigenen Persönlichkeit auseinandersetzen und die wesentlichen Züge des eigenen Selbst kennen. Doch insbesondere für Personen, die eine tägliche Verantwortung für andere Menschen übernehmen und als leitende Führungskräfte agieren, stellen die nachfolgend erläuterten Persönlichkeitstheorien einen interessanten Mehrwert dar und ermöglichen eine individuellere und bewusstere Menschen- und Mitarbeiterführung.

Der nachfolgende Beitrag soll eine Übersicht zu den verschiedenen Persönlichkeitstheorien aus der Psychologie geben und definiert schon zu Beginn den Begriff „Persönlichkeit“. Dieser Artikel wurde unter zuhilfenahme der Werke „Psychologie“ von  ZIMBARDO & GERRIG und dem Werk „Persönlichkeitspsychologie und differentielle Psychologie“ von FRIEDMAN & SCHUSTACK, jeweils aus dem Jahre 2004, erstellt.

Was ist Persönlichkeit?

Seit jeher sind Psychologen auf der Suche, Instrumente und/oder Möglichkeiten zu entwickeln, die es ihnen erlauben Menschen zu kategorisieren bzw. deren Persönlichkeiten zu beschreiben. Ziel dieser Suche ist es unteranderem Vorhersagen über das Handeln (Reaktionen und Verhalten) von Menschen in bestimmten Situationen zu treffen. Zudem sollen Aussagen darüber getroffen werden, wie das Leben einzelner Menschen verlaufen wird oder warum es so verlaufen ist. Dazu dienen sogenannte Persönlichkeitstheorien, welche „hypothetische Aussagen über die Struktur und die Funktionsweise individueller Persönlichkeiten“ (ZIMBARDO, GERRIG, 2004, S.601) darstellen.

Doch was ist unter einer Persönlichkeit zu verstehen? Wie lässt sich der Begriff Persönlichkeit definieren? Die Literatur definert Persönlichkeit als „einzigartiges Muster von Eigenschaften eines Menschen, die relativ überdauernd dessen Verhalten bestimmen“ (KRATZMEIER-Das große Weltlexikon, Band 14, 2008, S. 472) sowie „in vielen Situationen und über einen längeren Zeitraum hinweg beeinflussen“ (ZIMBARDO, GERRIG, 2004, S.601). Zum Verständnis der Persönlichkeit wurden im Laufe der Zeit verschiedene Ansätze entwickelt.

  1. Typen- & Traitansätze
  2. Psychodynamische Persönlichkeitstheorien
  3. Humanistische Theorien
  4. Soziale Lerntheorien & kognitive Ansätze
  5. Ansätze zur Analyse des Selbst
  6. Person und Situation

1) Typen- & Traitansätze

Typen- & Traitansätze unterteilen sich zum einen in die Kategorisierung anhand von Typen und zum anderen anhand von Traits (=Eigenschaften). Erstere stellen sogenannte Persönlichkeitstypen dar. Diese bilden klar „umgrenzte Muster von Persönlichkeitscharakteristika“ (ZIMBARDO, GERRIG, 2004, S. 602), die klar abgegrenzte, nichtüberlappende Kategorien darstellen. Dabei ist zu beachten, dass Menschen nur einem Typ angehören können. Überschneidungen sind laut diesem Ansatz nicht möglich (=entweder-oder). Hier sind besonders die Typologisierungen nach Hippokrates (vier Flüssigkeiten), Sheldon (Körperbau) und Sulloway (Geburtenreihenfolge) zu erwähnen.

Im Gegensatz zu den Typologietheorien, die von diskontinuierlichen Kategorien ausgehen, gehen Traittheorien von kontinuierlichen Dimensionen aus. Bei diesen Theorien werden Persönlichkeitsmerkmale anhand deren Ausprägung beschrieben. Traits stellen stabile persönliche Eigenschaften dar, die das Verhalten des Individuums in bestimmten Situationen und über diese hinaus beeinflussen. Es wird daher davon ausgegangen, dass sie die Grundlage der Persönlichkeit bilden.

Als Grundlage der Traittheorien gilt Allports trait-theoretischer Ansatz, nach dessen Auffassung Traits das Verhalten kohärent machen. Zudem bilden Traits intervenierende Variablen welche die unterschiedlichsten und scheinbar unabhängig von einander erfolgenden Reize und Reaktionen in Zusammenhang bringen. Allports Theorie beinhaltet drei Arten von Traits.

  • Kardinale Traits: Merkmale, die das Leben des Menschen in weitem Maße prägen. Diese sind nicht bei allen Menschen vorhanden.
  • Zentrale Traits: Stellen wesentliche Charakteristika von Menschen dar.
  • Sekundäre Traits: bilden spezifische, individuelle Merkmale, die nicht dem tieferen Verstehen der Per-sönlichkeit dienen. Vielmehr resultiert aus ihnen eine gewisse Verhaltensvorhersage.

Liegen keine Ergebnisse aus bestimmten Persönlichkeitstests vor, ist es möglich Traits mit Hilfe von Beobachtung des Verhaltens zu identifizieren. So könnte man bspw. Martin Luther Kings Jr.`s gewaltfreien Widerstand gegen Ungerechtigkeit kardinale Motivation unterstellen. Zudem könnte man Abraham Lincoln als zentralen Trait Ehrlichkeit zukommen lassen und Madonnas Vorliebe für wechselnde Stile den sekundären Traits zuordnen.

Nach dieser Theorie kann aus der Kombination von Reizsituation (eine Rede halten) und dem Trait (Schüchternheit) eine ganz bestimmte Reaktion (Gedächtnisdefizit) erfolgen. Es ist zu beachten, dass gleiche Reize bei verschiedener Personen unterschiedliche Auswirkungen haben, je nach Ausprägung des/der Traits.

Als weitere wichtige Theorien der Traitforschung können die von Cattell und Eysenck aufgeführt werden. Nach Eysenks Theorie ergeben die zwei Dimensionen „Extraversion“ und „Neurotizismus“ ein kreisförmiges Diagramm. Wobei jeder Quadrant des Kreises charakteristische Merkmale zu einem der vier Persönlichkeitstypen nach Hippokrates (melancholisch, plegmatisch, cholerisch, sanguinisch) aufweiste. Diese Theorie lässt allerdings, im Gegensatz zur reinen Persönlichkeitstypen-Theorie, individuelle Varianten innerhalb der Kategorien zu.

Diese 4-Quadranten-Theorie wurde im Laufe der Zeit zum Fünf-Faktoren-Modell (Big Five) weiterentwickelt. Dieses Modell bildet ein „umfassendes Persönlichkeits-System, das die Beziehungen zwischen allgemeinen Traits, theoretischen Konzepten und Persönlichkeitsskalen darstellt“ (ZIMBARDO, GERRIG, 2004, S. 607). Dieses Klassifikationssystem soll alle Menschen, in ihren wichtigsten individuellen Dimensionen unterscheiden.

Das 5-Faktoren-Modell / Quelle: ZIMBARDO, GERRIG, 2004, S. 608

Kritik an den Typen- & Traitansätze

Zwar ist es möglich mit Hilfe der Typologie- & Trait-Forschung Persönlichkeiten zu beschreiben, dennoch wurden diese kritisiert da sie nicht erklären wie Verhalten ensteht bzw. Persönlichkeiten sich entwickeln. Die Typologie- & Trait-Theorien erkennen und beschreiben lediglich Merkmale, die mit dem Verhalten zusammenhängen. Es ist somit möglich mit Hilfe dieser Methoden statische Persönlichkeitsbilder zum gegebenen Zeitpunkt zu zeichnen. Um die im Konflikt stehenden Kräfte innerhalb einer Person, welche zur Veränderung bzw- Entwicklung führen, aufzuzeigen bedarf es allerdings anderen Theorien, wie bspw. sog. psychodynamischen Theorien.

2) Psychodynamische Persönlichkeitstheorien

Den psychodynamischen Theorien ist gemein, dass „die Persönlichkeit von mächtigen inneren Kräften geformt wird, die auch das Verhalten motivieren“ (ZIMBARDO, GERRIG, 2004, S. 614). Urvater dieser Persönlichkeitstheorien ist Sigmund Freud. Laut Freud hat jede menschliche Handlung eine Ursache und einen Zweck. Demnach ist jedes menschliche Verhalten motiviert.

Mit Hilfe besonderer Analyseverfahren, von Gedanken, Träumen, Fehlern, Verhalten, etc. können diese inneren Beweggründe erkannt werden. Quelle der Motivation menschlichen Handelns bildet die psychische Energie, welche laut Freud in jedem Menschen enthalten ist. Zudem ging Freud davon aus, dass jeder Mensch Instinkte und Triebe hat, die von den Körperorganen hergestellte Spannungssysteme bilden. Der Ausdruck dieser Energiequellen erfolgt in verschiedenen Ausprägungen und Formen.

Des Weiteren hat laut Freud jeder Mensch zwei grundlegende Triebe. Das sind zum einen der sog. Eros und zum anderen der der Selbsterhaltung (Hunger, Durst, etc.) dienende. Ersterer bildet „die treibende Kraft, die in Verbindung zum sexuellen Verlangen und der Erhaltung der Art steht“ (ZIMBARDO, GERRIG, 2004, S. 615).

Aufgrund seiner verstärkten Konzentration auf den Sexualtrieb entwickelte Freud den Begriff der Libido. Damit bezeichnete er eine psychische Energie, „die ein Individuum zu sinnlichen Freuden aller Art treibt, insbesondere zu sexuellen Lüsten“ (ZIMBARDO, GERRIG, 2004, S. 615). Daraufhin entwickelte er die fünf Phasen der psychosexuellen Entwicklung, die in nachfolgender Grafik dargestellt sind.

5-Phasen der psychosexuellen Entwicklung / Quelle: ZIMBARDO, GERRIG, 2004, S. 616

Laut Freud verändert sich die sexuelle Lust des Menschen entsprechend dieser Reihenfolge. Jedoch kann der Durchlauf der einzelnen Phasen mit einigen Hindernissen verbunden sein. Hier ist besonders das Problem der Fixierung zu nennen, welche bei übermäßiger Befriedigung bzw. Frustration in den frühen Phasen der psychosexuellen Entwicklung auftreten kann. Diese Fixierung verhindere nach Freud die sexuelle Weiterentwicklung des Individuums in die nächsthöhere Stufe (siehe Abb.).

Des Weiteren entwickelte Freud den Begriff und die Theorie des psychologischen Determinus. Laut Freud ist demnach die Entwicklung bestimmter Persönlichkeitseigenschaften, und somit auch die Persönlich-keitsbildung sowie Verhaltensmuster im Erwachsenenalter abhängig von frühen Kindheitserfahrungen.

Kritik an Freuds Theorien

Kritik wird an Freuds umfassenden Theorien (nicht alle wurden im oberen Abschnitt angeführt) insofern geübt, dass diese psychoanalytischen Theorien lediglich retroperspektiv erfolgen. Es also nicht möglich ist Vorhersagen zum menschlichen Verhalten zu treffen. Sie stellt somit eine Entwicklungstheorie dar, die zudem keiner wissenschaftlichen Untersuchung folgte. Des Weiteren wird kritisiert, dass Freuds Theorien lediglich auf der Betrachtung des männlichen Wesens basieren. Hier ist jedoch ausdrücklich zu sagen, dass Freuds Theorien Meilensteine der wissenschaftlichen Psychologie bilden. Obwohl sie teilweise zu widerlegen sind, sind doch einige Ansätze sehr treffend und wurden im Laufe der Zeit unteranderem durch Alfred Adler (Minderwertigkeit), Karen Horney (Gebärmutterneid des Mannes, etc.) und Carl Jung (Archetyp) weiterentwickelt bzw. modifiziert.

3) Humanistische Theorien

Während die psychodynamischen Persönlichkeitstheorien überwiegend negative bzw. pessimistische Sichtweisen anbieten (Menschliche Natur entwickelt sich aus Konflikten, Traumata & Ängsten…), bevorzugen die humanistischen Theorien positive, lebensbejahende Ansichten.

Nach den humanistischen Persönlichkeitstheorien strebt die Persönlichkeit eines Menschen nach Glück und Selbstverwirklichung. Wesentlicher Schwerpunkt aller humanistischen Theorien bildet die Betonung des Strebens nach Letzterem (Selbstverwirklichung). Selbstverwirklichung wird in der Persönlichkeitspsychologie als „Konzept (…), das sich auf das konstante Streben einer Person nach der Realisierung ihres Potenzials und der Entwicklung vorhandener Talente und Möglichkeiten bezieht“ (ZIMBARDO, GERRIG, 2004, S. 622), beschrieben.

Neben Karen Horney, deren Arbeit die Grundlage des humanistischen Ansatzes darstellt, bildeten außerdem Abraham Maslow (Bedürfnispyramide) und Carl Rodgers (unbedingte positive Wertschätzung) wichtige Vertreter dieses Ansatzes.

Nach Horneys Überzeugung besitzen alle Individuen ein wahres Selbst, das günstige Umweltbedingungen für seine Verwirklichung benötigt. Diese postiven Umweltbedingungen setzen sich zusammen aus einer „Atmosphäre der Wärme, das Wohlwollen anderer und elterliche Liebe für ein Kind als besondere Person“ (ZIMBARDO, GERRIG, 2004, S. 623). Sind diese Bedingungen nicht vorhanden entwickeln sich grundlegende Ängste, die den spontanen Ausdruck echter Gefühle sowie die Bildung von Beziehungen verhindern. Des Weiteren werden humanistische Theorien als holistisch, dispositional, phänomenologisch und existenzialistisch beschrieben.

Kritik an humanistischen Theorien

Kritikpunkt der humanistischen Theorie bildet die Fokussierung auf die Rolle des Selbst als eine Quelle der Erfahrung und Handlung, welche wichtige weitere Umweltvariablen vernachlässige. Dennoch bildet dieser Ansatz in Kombination mit Freuds Analyse Leonardo da Vincis, heutzutage die Basis für die sogenannte Psychobiographie. Diese stellt den Einsatz persönlichkeitspsychologischer Theorien zur Beschreibung bzw. Erklärung von Lebensläufen einzelner Individuen dar. Mit Hilfe dieser Methode sollen Lebensgeschichten von Personen in zusammenhängender und aufschlussreicher Erzählung erfolgen. Hauptkritikpunkt bisher erwähnter Theorien liegt darin, dass sie zwar Aufschluss über den Aufbau und die Struktur einer Persönlichkeit liefern, jedoch können sie ebenfalls keine konkreten Handlungen der Person voraussagen.

4) Soziale Lerntheorien & kognitive Ansätze

Psychologen der „lerntheoretischen Orientierung interessieren sich für die Umstände in der Umwelt, die das Verhalten [einer Person] steuern“ (ZIMBARDO, GERRIG, 2004, S. 625). Demnach verstehen sie die Persönlichkeit als Summe der offenen und verdeckten Reaktionen, die regelmäßig aufgrund der Verstärkungsgeschichte einer Person ausgelöst werden.

Die Individualität der Persönlichkeiten ist, diesem Ansatz zu folge, darauf zurück zu führen, dass Personen unterschiedliche Verstärkungsgeschichten aufweisen. Des Weiteren wird das Handeln von Organismen verstanden als die Reduzierung der Spannungen, die aus unbefriedigten Trieben wächst. Weiter wurde festgestellt, dass Individuen mit Hilfe von Beobachtung des Verhaltens anderer lernen können (soziale Nachahmung). Wird die Spannung regelmäßig reduziert, entwickelt sich daraus eine Gewohnheit. Die Summe dieser Gewohnheiten bildet demnach die Persönlichkeit.

Die sozialen Theorien und kognitiven Ansätze brachten die Umwelt, als Einflussfaktor auf die Handlung von Menschen mit ein. Diese Ansätze wurden unteranderem von Mischels Personenvariablen, Banduras „reziproker Determinismus„- & „Selbstwirksamkeits“-Theorien sowie durch Cantors „sozialer Intelligenz“ geprägt.

Nach Mischels wird unsere Reaktion auf ein bestimmtes Ereignis von den Variablen Enkodierungen, Erwartungen & Überzeugungen, Affekte, Ziele & Werte sowie Kompetenzen und Pläne zur Selbstregulierung bestimmt. Banduras Reziproker Determinismus bezieht sich auf die Vorstellung, dass sich zwischen einer Person, deren Umwelt und deren Verhalten ein wechselseitiges Beziehunggeflecht unter gegenseitiger Beeinflussung besteht.

Des Weiteren entwickelte Bandura, u.a basierend auf seiner Theorie des Beobachtungslernens, die Selbstwirksamkeits-Theorie. Diese stellt die Überzeugung dar, in bestimmten Situationen angemessene Verhaltensmuster sowie gewünschte Leistungen zeigen bzw- vorweisen zu können. In Banduras Modell zur Selbstwirksamkeit beschreibt er, dass die sog. Selbstwirksamkeitserwartung zwischen der Person und deren Verhalten besteht und die Ergebniserwartung zwischen dem Verhalten und dem zu erwartenden Ergebnis. Dazu möchte ich den Artikel „Wie die Überzeugung Berge versetzt“ empfehlen, den ich auf DVDFussballtrainer.de veröffentlichen durfte.

Nach Cantors Theorie unterscheiden sich die Persönlichkeiten von Menschen „hinsichtlich der Wahl ihrer Lebensziele, (…) des Wissens, über das sie verfügen, und hinsichtlich der Strategie, die sie zur Erreichung ihrer Ziele, einsetzen“ (ZIMBARDO, GERRIG, 2004, S. 632).

5) Theorien des Selbst

Die Theorien des Selbst befassen sich damit wie jedes Individuum sein Selbstbild reguliert. Als starker Fürsprecher der Analyse des Selbst galt schon 1890 William James. Dieser erkannte drei Komponenten des Selbst:

  • das materielle Ich,
  • das soziale Ich und
  • das spirituelle Ich.

Er ging davon aus, dass alles was Idividuuen mit ihrer Identität verknüpfen Teil ihres Selbst ist/wird. Dieses Konzept des Selbst stellte schon einen zentralen Aspekt der psychodynamischen Theorien dar, da Selbst-Erkenntnis einen elementaren Teil der psychoanalytischen Heilung bildet. Im Zuge der Theorien des Selbst fallen bestimmte Schlagwörter wie Selbstkonzept, möglisches Selbst, Selbstwertgefühl und Selbst-Beeinträchtigung, die Folgenden genauer erläutert werden.

Das Selbstkonzept stellt ein mentales Konstrukt einer Person über deren verfügbare Fähigkeiten und Eigenschaften dar. Das Selbstkonzept umfasst die Komponenten

  • Erinnerungen an sich selbst,
  • Überzeugungen über Traits,
  • Motive,
  • Werte,
  • Fähigkeiten,
  • das ideale Selbst (das Personen am liebsten werden möchten),
  • die möglichen Selbst (deren Verwirklichung von Individuen angestrebt werden),
  • das Selbstwergefühl und
  • das Schemata des Selbst (ermöglicht auf Basis der Sicht des eigenen Selbst, die Bewertung anderer Menschen).

Das im Selbstkonzept enthaltene Selbstwertgefühl bildet einen zentralen Baustein dieser Theorien. Denn das Selbstwertgefühl bildet eine „generalisierte wertende Einstellung gegenüber dem Selbst, die sowohl Stimmung als auch Verhaltensweisen beeinflusst und starken Einfluss auf eine Reihe von persönlichen und sozialen Verhaltensweisen ausübt“ (ZIMBARDO, GERRIG, 2004, S. 634). Haben Menschen ein geringes Selbstwertgefühl ist davon auszugehen, dass diese ein weniger genaues Bewusstsein ihres Selbst haben. Somit entsteht für diese Menschen der Eindruck sie wissen nicht viel über sich selbst. Und dies erschwert die eigene Einschätzung bzw. Sicherheit, dass die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen ausreichen um erfolgreiche Handlungen bzw. Unternehmungen im Leben zu leisten.

In diesem Zusammenhang ist auch das Phänomen der Selbst-Beeinträchtigung zu beobachten das einen Vorgang darstellt, “in dem in Antizipation eines Misserfolgs Verhaltensreaktionen und Erklärungen entwickelt werden, um etwaige Fähigkeitsdefizite als mögliche Ursachen des Versagens zu minimieren“ (ZIMBARDO, GERRIG, 2004, S. 635). Der Mensch redet sich schon im vornherein ein, dass er das eh nicht schafft.

Kritik an der Theorie des Selbst

Kritiker dieser Theorien bemängeln die Tatsache, dass abermals keine genauen Angaben und/oder Vorhersagen zu möglichem Verhalten zu treffen sind und zudem genetische Aspekte der Persönlichkeit nicht ausreichend Beachtung finden.

6) Person und Situation

Die, 1927 durchgeführte, „Betrüger-Studie“ zeigte auf, dass Menschen nicht entweder ehrlich oder unehrlich sind. In bestimmten Situationen und unter bestimmten Umständen sind sie ehrlich und in anderen wiederrum nicht. Unteranderem wurde mit Hilfe dieser Studie festgestellt, dass Menschen von Situation zu Situation unterschiedliches Verhalten zeigen. D.h. nach dem Ansatz der „Interaktion von Person und Situation“ ist die Persönlichkeit eines Menschen abhängig von der jeweiligigen sozialen Situation in der er sich befindet. Nachfolgend werden wichtige Wegbereiter und deren Konzepte des interaktionistischen Ansatzes der Persönlichkeit beschrieben.

Elementare Beiträge zu diesem Ansatz lieferten unteranderem Sullivan (Kameradschaft + interpersonale Theorie der Psychatrie), Murray (personologisches System), McAdams (narrativer Ansatz) und Mischel (Belohnungsverzögerung + vier Persönlichkeitsvariablen). Aus ihren Beiträgen lässt sich grob ableiten, „dass die Persönlichkeit (…) die Interaktion bzw. den Schnittpunkt der kognitiven Eigenschaften der Person und der Umgebung bildet“ (FRIEDMAN, SCHUSTACK, 2004, S.457)

Da häufig die Macht der Situation größer als die Kraft eines Menschens Neigungen ist und diese somit außer Kraft setzt, eignet sich die Persönlichkeit nur schlecht zur Vorhersage des Verhaltens eines Menschen. „Häufig hängt die Macht der Situation über unsere Handlungen von der Quelle unserer Identität in dieser Sitatuation ab“ (FRIEDMAN, SCHUSTACK, 2004, S.459). Ein gutes Beispiel für dieses Argument stellen die 1960 in Amerika stattgefundenen Proteste gegen den Vitnamkrieg und die Hippie-Revolution gegen das Establishment dar, in denen ansonsten friedliche Studenten bzw. junge Menschen gegen Entwicklungen und Handlungen des eigenen Landes rebellierten.

Die Tatsache, dass die Macht der Situation überwältigend wirken kann bewiesen B.F Skinners und Kurt Lewin mit Hilfe ihrer behavioristischen bzw. phänomenologischen Ansätze. Nach Skinners Ansatz bestimmen Verstärkungen das Verhalten und nach Lewins Feldtheorie hat der in einem Moment wahrgenommene Druck den größten Einfluss auf das Verhalten eines Menschen.

Laut existenzialistischen und humanistischen Ansätzen der Persönlichkeit befindet dich der Mensch unentwegt in einem Prozess der ihn zu etwas Neuem entwickelt. Der Faktor Zeit spielt hierbei eine ganz entscheidende Rolle. Die Entwicklung der Persönlichkeit eines Individuums über eine längere Zeit hinweg wurde bisher von vielen Ansätzen außer Acht gelassen, da diese Form der Untersuchung sehr aufwendig ist. Im Grunde müssten Menschen während des Alterns beobachtet werden, um Erkenntnisse zur Persönlichkeitsentwicklung zu erhalten und folge dessen Aussagen treffen zu können. Hierbei muss auf das Instrument der Längsschnittstudie zurückgegriffen werden, um wissenschaftlich anerkannte Ergebnisse zu produzieren. Aufgrund des Aufwandes gab es bisher nur selten solche Versuche und Beobachtungen über einen langen Zeitraum. Hier ist allerdings besonders die noch immer andauernde Längsschnittstudie von Jack und Jeanne Block zu erwähnen. Die Studie aus Amerika begann 1968 und sammelt die Lebensdaten, Beobachtungsdaten, Testdaten und Selbstberichtsdaten der Teilnehmer. Die beiden Forscher fanden bisher heraus, dass …

  • „Mädchen, die im College-Alter depressiv wurden, tendenziell im Alter von sieben Jahren schüchtern, reserviert, übermäßig sozialisiert und übermäßig kontrolliert gewesen sind.
  • Jungen, die depressiv wurden, waren in ihren frühen Jahren aggresiv, unsozialisiert und selbstverherrlichend gewesen.
  • Darüber hinaus waren Jungen, die in einem frühen Alter Ich-stark[, d.h.] ruhig, sozial unbefangen, geistig beweglich, einsichtig, nicht ängstlich, waren, auch zwei Jahrzente später noch relativ Ich-stark.“ (FRIEDMAN, SCHUSTACK, 2004, S.466)

Die Ich-Entwicklung bildet ebenfalls einen wichtigen interpersonalen Ansatz der ebenfalls mit Hilfe einer Längsschnittstudie erforscht wurde. Diesem Ansatz zu folge ist ein unterentwickeltes Ich impulsiv, selbstschützend oder konformistisch und tendiert dazu sich auf sich Selbst zu konzentrieren. Zudem gilt es entweder als manipulatorisch oder blind loyal. Dem entgegen stellt sich ein hoch entwickletes Ich als tolerant und autonom dar. Es ist selbstverwirklicht und respektiert seine Mitmenschen. Janer Loevinger bestätigte damit die Vermutungen Murrays und Sulivans, dass der Mensch im Laufe seiner Entwicklung eine psychologische Reife in den Beziehungen mit seinen Mitmenschen entwickeln kann. Laut Loevinger ist es hierzu notwendig eine positive Führungspersönlichkeit für andere Menschen zu sein (fürsorglicher Elternteil, aktiver Bürger, politischer bzw. religiöser Anführer, etc.).

Abschließend ist zu sagen, dass die Ansätze des Interaktionismus zwischen Person und Situation versuchen, die unterschiedlichen Arten der Persönlichkeitsentwicklung im Kontext der jeweiligen Situation zu berücksichtigen und miteinzubeziehen.

Marco Mesirca

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Eine Antwort zu “Persönlichkeitstheorien – Überblick der verschiedenen Ansätze

  1. Ich beschäftige mich mit psychoanalytischen, humanistischen, eigenschaftstheoretischen (Trait Theory) oder sozial-kognitiven (lerntheoretischen) Forschungen. Ihr Überblick bringt es wirklich auf den Punkt. Etwas ausführlicher könnten vielleicht noch die Quellenangaben sein.

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